Marika Geldmacher-von Mallinckrodt, geborene von Mallinckrodt-Haupt (* 28. April 1923 in Potsdam; † 23. Dezember 2016 in Erlangen) war eine deutsche Chemikerin, Medizinerin und Professorin für Gerichtsmedizin und Toxikologie an der Universität Erlangen.
Leben Kindheit, Schulzeit und Studium Marika (eigentlich: Maria Katharina Stephanie Auguste Theodora Meinolfa) war die Tochter von Dietrich von Mallinckrodt (1895–1982) und dessen erster Ehefrau, der Dermatologin Asta von Haupt (1896–1960).Genealogisches Handbuch des Adels. Adelige Häuser. Reihe A, Band XXIV, Band 111 der Gesamtreihe, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1996, S. 220, . Sie ging zunächst in Köln zur Schule, blieb nach Kriegsbeginn 1939 jedoch mit einem Bruder bei ihrer Großmutter in Bamberg und machte 1940 am Neuen Gymnasium Bamberg ihr Abitur. Anschließend musste sie ein halbes Jahr lang Reichsarbeitsdienst leisten. Von 1940 bis 1948 studierte sie Chemie an den Universitäten Köln, München – wo sie 1944 ihr Diplom ablegte und eine Promotion bei Heinrich Wieland begann, nach der Zerstörung des chemischen Instituts und ihrer Wohnung jedoch nach Bamberg floh – und schließlich in Erlangen. Am 1. Juli 1948 wurde sie in Erlangen bei Alwin Meuwsen zum Doktor der Naturwissenschaften promoviert. Von 1949 bis 1954 studierte sie an der Universität Erlangen Medizin, wobei sie sich besonders für Biochemie interessierte, und erlangte im Juli 1954 ihre Promotion zum Doktor der Medizin.
Berufsweg Von 1954 bis 1963 war sie Wissenschaftliche Assistentin an der Universität Erlangen-Nürnberg, zum Schluss arbeitete sie dort am Institut für Gerichtliche Medizin und Kriminalistik. 1960 wurde sie von der Gesellschaft für Klinische Chemie als „Klinischer Chemiker“ anerkannt, 1963 wurde sie am Institut für Gerichtliche Medizin habilitiert und begann ihre Mitgliedschaft in der Gesellschaft Deutscher Chemiker; 1964 wurde ihr die venia legendi für das Fach Gerichtsmedizinische Chemie erteilt. Damit war sie nach Elisabeth Nau und Elisabeth Trube-Becker die dritte Frau im deutschsprachigen Raum, die eine Habilitation im Fach Gerichtliche Medizin oder Rechtsmedizin vorweisen konnte. 1966 wurde sie Wissenschaftliche Rätin. 1970 wurde ihr eine außerplanmäßige Professur verliehen und 1978 erhielt sie eine außerordentliche C3-Professur. Von 1978 bis 1990 war sie Vorsitzende der Senatskommission für klinisch-toxikologische Analytik der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Am 1. Oktober 1985 trat Geldmacher-von Mallinckrodt in den Ruhestand. Von 1988 bis 1995 leitete sie die Arbeitsgruppe Analytik für das INTOX-Projekt des International Programme on Chemical Safety (IPCS).Franz-Ludwig-Gymnasium Bamberg: Prof. Dr. Dr. Geldmacher-von Mallinckrodt Marika
Privatleben Am 6. Dezember 1943 heiratete sie den Regierungsbaumeister Dr. Ing. Herbert Geldmacher (* 15. Oktober 1916 in Langenfeld bei Schwelm). Aus dieser Ehe gingen fünf Kinder hervor, die in den Jahren 1944, 1945, 1954, 1957 und 1966 geboren wurden. Marika Geldmacher-von Mallinckrodt hatte neun Enkel. Sie starb am 23. Dezember 2016 im Alter von 93 Jahren in Erlangen,Traueranzeige der Mediengruppe Oberfranken vom 31. Dezember 2016 etwa zwei Wochen nach ihrer langjährigen Freundin Hildegard Hamm-Brücher.
Forschung Schwerpunkte ihrer Forschung waren forensische Toxikologie, forensische und klinisch-toxikologische Analytik und Ökogenetik. Unter anderem gelang ihr der Nachweis von Parathion-Spuren in Form von Paraoxon im Blut, wobei sie entdeckte, dass Unterschiede im Paraoxon-Abbau genetischen Einflüssen unterliegen.GDCh – Arbeitskreis Chancengleichheit in der Chemie (2003): Chemikerinnen – es gab und es gibt sie (Interview, S. 34)
Ehrungen 1980 verlieh die Stadt Erlangen Geldmacher-von Mallinckrodt den Ehrenbrief. 1986 erhielt sie die Jean-Servais-Stas-Medaille der Gesellschaft für Toxikologische und Forensische Chemie, deren Ehrenmitglied sie war. 1987 wurde ihr für ihre Forschungen in der Analytik und Toxikologie das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.
Veröffentlichungen (Auswahl) Marika Geldmacher-von Mallinckrodt verfasste mehr als 130 wissenschaftliche Beiträge in Büchern und Zeitschriften und arbeitete an sechs Lehrbüchern mit, darunter das Lehrbuch der Klinischen Chemie und Pathobiochemie (1987, 1989, 1995). Außerdem war sie von 1982 bis 1995 Herausgeberin der Mitteilungen der Kommission für klinisch-toxikologische Analytik der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Zu ihren Veröffentlichungen gehören:
Literatur
Genealogisches Handbuch des Adels. Adelige Häuser. Reihe A, Band XXIV, Band 111 der Gesamtreihe, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1996, S. 220, .
Weblinks Eberhard Ehlers und Heribert Offermanns: Marika Geldmacher-von Mallinckrodt (1923-2016): Ein Gespür für Gifte Gesellschaft Deutscher Chemiker – Arbeitskreis Chancengleichheit in der Chemie (2003): Chemikerinnen – es gab und es gibt sie (Interview, S. 32–34) Hans-Bernhard Wuermeling: Nachruf auf Frau Prof. Geldmacher von Mallinckrodt
Einzelnachweise
Kategorie:Chemiker (20. Jahrhundert) Kategorie:Chemiker (21. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg) Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande Marika Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1923 Kategorie:Gestorben 2016 Kategorie:Frau