mini|Zinnen am Gebäude des Krankenblockes (Hauptgebäude) vom Marinelazarett (2014) Das Marinelazarett in Flensburg-Mürwik, im Stadtbezirk Stützpunkt, ist ein Gebäudekomplex, der als Marinelazarett und später unter dem Namen Klinik Ost als Städtisches Krankenhaus diente. Mit verschiedenen Gebäuden, unter anderem dem Marine-Wasserturm, bildet es den Vorburgbereich der Marineschule Mürwik.

Geschichte Von der Bauplanung bis zur Eröffnung 1910 mini|Das Gelände des Marinelazarettes mit dem Krankenblock (2014) mini|Das Hauptgebäude im Winter (2015) Im Jahr 1902 hatte die Admiralität erwogen, eine Marineanstalt an der Ostseeküste Schleswig-Holsteins zu errichten. Die Stadt Flensburg hatte darauf 15 Hektar Fläche am Ende der Osbek in Mürwik für dieses Projekt kostenlos zur Verfügung gestellt.Flensburg – Geschichte einer Grenzstadt. Hrsg. von der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte. Flensburg 1966, S. 383. Fünf Jahre später wurde mit dem Bau der Marineschule begonnen.Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Flensburg 1972, S. 195. 1907 sollten mit einem weiteren Bauabschnitt im Südwesten der Marineschule die Gebäude des Marinelazaretts entstehen.Beschlussvorlage SUPA-72-2013 vom Flensburger Rathaus, abgerufen am: 26. September 2014.

Die Entwürfe für die Gebäude des Marinelazaretts wurden im Dezember des Jahres 1907 von den beiden Architekten Heino Schmieden und Julius Boethke fertiggestellt. Im darauffolgenden Jahr wurden sie vom Reichsmarineamt geprüft und genehmigt.Lutz Wilde: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein. Band 2, Flensburg, S. 532.Stadtarchiv Flensburg, XIV K/P Marinelazarett 544 sowie fortfolgende Signaturen (Die eingereichten und geprüften Pläne des Marinelazarettes) Für die Baupläne des Marinelazarett, an denen auch Heinrich Schmieden mitarbeitete, wurde dieser 1909 mit dem Roter Adlerorden IV. Klasse ausgezeichnet. Julius Boethke erhielt die Königliche Krone für den Roter Adlerorden IV. Klasse.Oleg Peters: Heino Schmieden: Leben und Werk des Architekten und Baumeisters 1835–1913. Zwickau 2016, S. 117.

Im Jahr 1908 wurde mit dem Bau des Marinelazaretts begonnen.Vgl. Lutz Wilde: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein. Band 2, Flensburg, S. 532. Es wurde in einem an die Marineschule angeglichenen Baustil der Backsteingotik errichtet.Flensburger Tageblatt: 100 Jahre Marineschule: Geschichte der Schule, vom: 11. August 2010, abgerufen am: 11. September 2014. Das Marinelazarett bestand aus dem großen Krankenblock (beziehungsweise dem Hauptgebäude), dem Verwaltungsgebäude, dem Wirtschaftsgebäude, der Isolierstation und dem Leichenhaus. Außerdem war noch ein Schuppen errichtet worden. Erst etwas später, im Jahr 1912, entstand offenbar die Chefarztvilla, die abseits, am nordöstlichen Rand zu finden ist.Vgl. mit den Bauplänen von Adalbert Kelm von der Marineschule, auf der das Marinelazarett mit eingezeichnet wurde.

Im Mai 1910 war der Bau des Marinelazaretts abgeschlossen. Seitdem standen 100 Betten zur Versorgung der Marinesoldaten zur Verfügung.

Vermutlich 1911/1912 wurde zudem nahe dem Marinelazarett die Torwache der Marineschule Mürwik errichtet.Lutz Wilde: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein. Band 2, Flensburg, Seite 536 Im Bauplan der Marineschule von Adalbert Kelm, auf der das Marinelazarett mit eingezeichnet war, ist östlich vom Krankenblock außerdem noch der gestrichelte Umriss eines möglichen Erweiterungsbaus eingezeichnet, welcher kleiner, aber doch ähnlich dem Krankenblock gewesen wäre, aber nie realisiert wurde.

Mit dem 1. April 1910 wurden Fruerlund, Twedt, Twedter Holz und Engelsby von der Stadt Flensburg eingemeindet.Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Flensburg 1972, S. 406. Die Marineschule mit dem Marinelazarett kam mit Twedter Holz zur Stadt.Flensburger Tageblatt: 100 Jahre Marineschule: So kam die Marineschule in die Stadt, vom: 11. August 2010, abgerufen am: 12. September 2014.

Die Marineschule wurde am 21. November 1910 durch Kaiser Wilhelm II. eröffnet. Das Krankenhauswesen in Flensburg bestand damals aus der Diakonissenanstalt und dem Franziskus-Hospital. Zudem errichtete die Stadt kurz zuvor, um das Jahr 1907, das Cholerahaus in der Südstadt, aus welchem sich in Folge die Städtischen Krankenanstalten entwickelten.Lutz Wilde: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein. Band 2, Flensburg, S. 590Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Flensburg 1972, S. 127.

Zu dieser Zeit stand die Marineschule frei in der Landschaft. Die städtische Bebauung hatte sich noch nicht bis zu ihr ausgedehnt. Die Gesamtanlage zeigte so auch auf der zur Förde abgewandten Seite eine deutliche Burgoptik.Vgl. beispielsweise: Motivähnliche Ansichten aus Flensburg!, Marineschule Mürwik vom Land Mit dem Bau der Gebäude für die Marineschule wurde es notwendig, diese an die städtische Infrastruktur anzuschließen. Ein starker Impuls zum Wachstum der Stadt nach Osten entfaltete sich.Gerret Liebing Schlaber: Vom Land zum Stadtteil. Flensburgs Stadtfeld und die eingemeindeten Dörfer in Bild und Wort ca. 1860–1930. Flensburg 2009, S. 22.

In der Zeit der Weimarer Republik Mit der Reaktivierung des Standortes Flensburg-Mürwik durch die Reichsmarine war auch eine ärztliche Versorgung der Soldaten wieder vonnöten. Eine ärztliche Versorgung der Soldaten durch die städtischen Krankenhäuser war nicht möglich, da diese unter Platzmangel litten und Patienten daher häufig abgewiesen werden mussten. Die städtischen Krankenhäuser zeigten sich gegenüber der Marine dennoch bereit, chirurgische Krankenfälle in geringer Zahl zu übernehmen. Venerische Fälle wollte man jedoch grundsätzlich ablehnen. Daher reaktivierte die Marine das Lazarett am 10. September 1920.

Anfang 1921 wurde gemäß einem Erlass des Reichswehrministeriums durch die ärztliche Abteilung des Hauptversorgungsamtes Altona die Wiederverwendung des Lazarettes durch die Marine geprüft und bestätigt. Das Marinelazarett sollte sich insbesondere um die Verletzungen, die innerhalb der Ausbildung beim Segel- und Sportdienst geschahen, kümmern. Auch die Familienangehörigen der Soldaten konnten sich behandeln lassen, womit die Belastung der städtischen Krankenhäuser ein wenig zurückging. Dennoch hätten die städtischen Krankenhäuser schon damals gerne das Lazarett übernommen, doch die Marine ging vor. Darüber hinaus wurden auch die Angehörigen der Reichswehr und die Angehörigen der Ordnungspolizei im Marinelazarett behandelt. Als Genesungsheim, Kuranstalt oder Heim für Lungenkranke sollte es nicht dienen, da keine Waldnähe vorlag und die Westküste Schleswig-Holsteins geeigneter erschien.Vgl. Stadtarchiv Flensburg, VD 124 Marinelazarett Mürwik 1920–1921 darin: Verhandlung über die Weiterverwendung des Marinelazarettes Flensburg-Mürwik, vom 10. Februar

Zur Zeit des Zweiten Weltkrieges mini|Im Mai 1945 fanden die Verhaftungen im Sonderbereich Mürwik statt. Karl Dönitz, dessen Porträt man im Hintergrund erkennen kann, soll vom Hospital aus abtransportiert worden sein mini|Das Verwaltungsgebäude (2014)

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Stützpunkt Flensburg-Mürwik erheblich erweitert. So entstanden damals auch die zahlreichen Gebäude der benachbarten Mürwiker Nachrichtenschule. Im November 1939 entwarf der Landschaftsarchitekt Hermann Mattern einen Vorentwurf einer neu gestalteten Gartenanlage für einen offenbar neu geplanten militärischen Gebäudekomplex am Marinelazarett. Welche genaue Funktion der Gebäudekomplex haben sollte, ist unklar. Der Entwurf wurde nicht realisiert.Vgl. Hermann Mattern: Marinelazarett, Flensburg-Mürwik. Grünanlage, Inv. Nr. F 2659: Gartenplan 1:500, Vorentwurf, abgerufen am 11. September 2014.

Ungefähr zu dieser Zeit war wohl auch angedacht worden, das Marinelazarett zu einer Ingenieursschule umzubauen.Morbider Charme an der Flensburger Förde, vom: 24. November 2016; abgerufen am: 4. März 2017 1939/40 wurde offenbar stattdessen unweit an der Fördestraße der Stabszugsgebäudekomplex der Marineschule Mürwik errichtet, der zunächst als Ingenieur-Offiziersschule diente. Am 26. August 1939, während der Mobilmachung für den Überfall auf Polen, wurde das Marinelazarett, das als Standortlazarett Flensburg diente, zum Reservelazarett Flensburg umgegliedert. Es gehörte während des Zweiten Weltkrieges zu den Marinelazaretten der Kriegsmarine. Zum Schutz vor den Luftangriffen auf die Stadt, war ein Lazarettbunker geplant, der jedoch nie fertiggestellt wurde.Vgl. Broder Schwensen, Dieter Nickel: Flensburg im Luftkrieg 1939–1945. Flensburg 2009, S. 60 Bis zum Herbst 1944 wurde lediglich eine Baugrube östlich des Hauptgebäudes für den geplanten Bunker ausgehoben, die heute nicht mehr erhalten ist.Tabelle der Bunker in Flensburg, abgerufen am: 21. November 2018

Am Ende des Krieges gehörte das Marinelazarett zum Sonderbereich Mürwik. Große Teile des Hauptgebäudes der Marineschule gehörten in dieser Zeit ebenfalls zum Lazarett und wurden entsprechend genutzt.

Seit dem 2. Mai 1945 hielt sich der Reichsarzt der SS und der Polizei Karl Gebhardt im Raum von Flensburg auf.Landeszentrale für politische Bildung Schleswig-Holstein (Hrsg.): Der Untergang 1945 in Flensburg (Vortrag am 10. Januar 2012 von Gerhard Paul), S. 2.Gerhard Paul: Zeitläufte: Flensburger Kameraden in Die Zeit, vom: 1. Februar 2001, abgerufen am: 12. September 2014. Im Marinelazarett soll er sich als Rot-Kreuz-General getarnt haben. Am 11. Mai, also kurz nach der Bedingungslosen Kapitulation (am 7./8. Mai), verließ er Flensburg im Gefolge von Heinrich Himmler, mit dem er auch gekommen war, in Richtung Süden, um dort weiter unterzutauchen, was aber trotz ausstaffierter falscher Identitäten misslang.Landeszentrale für politische Bildung Schleswig-Holstein (Hrsg.): Der Untergang 1945 in Flensburg (Vortrag am 10. Januar 2012 von Gerhard Paul), S. 17. Am 10. Mai 1945 um 15 Uhr beging das führende Mitglied der Waffen-SS Richard Glücks, der Chef der Inspektion der Konzentrationslager, im Marinelazarett Mürwik II Selbstmord mittels Cyanid, um der drohenden Verhaftung zu entgehen.Stephen Tyas, Peter Witte: Himmler's Diary 1945: A Calendar of Events Leading to Suicide, Diary for May 1945.Landeszentrale für politische Bildung Schleswig-Holstein (Hrsg.): Der Untergang 1945 in Flensburg (Vortrag am 10. Januar 2012 von Gerhard Paul), S. 11 und 17 Am 18. Mai 1945 wurde der NS-Chefideologe Alfred Rosenberg im Lazarett verhaftet. Er hatte einen schweren Bluterguss im Knöchel seines linken Beines. Einen Tag später wurde er mit dem Auto nach Kiel und von dort mit dem Flugzeug weiter nach Luxemburg gebracht, wo er mit anderen Hauptkriegsverbrechern im Palace-Hotel untergebracht wurde und auf den Prozess in Nürnberg gegen ihn warten musste.Ernst Piper: Alfred Rosenberg Hitlers Chefideologe, 2005, S. 621.Landeszentrale für politische Bildung Schleswig-Holstein (Hrsg.): Der Untergang 1945 in Flensburg (Vortrag am 10. Januar 2012 von Gerhard Paul), S. 19. Am 27. Mai 1945 beging offenbar auch Enno Lolling im Marinelazarett Selbstmord. Lolling war 1917 und 1918 am Mürwiker Marinelazarett als Assistenzarzt tätig und beteiligte sich später als Mitglied der SS in leitender Funktion an den Verbrechen im KZ Dachau und im KZ Sachsenhausen.1933-1945 Täter und Mitläufer, Lolling Enno Dr. med., abgerufen am: 4. März 2017