Die Meienreuss ist ein 14,3 Kilometer langer linker Nebenfluss der Reuss. Sie fliesst durch das Meiental auf dem Gemeindegebiet von Wassen im Südwesten des Kantons Uri und entwässert ein Gebiet von 71,5 km².
Geographie Verlauf mini|links|Meienreuss bei Fürlauwi (2018) Die Meienreuss entsprang bis vor etwa zweihundert Jahren am damals noch breiten Chalchtalfirn nordöstlich des Vorderen Sustenhorns. Seitdem sich dieser Firn weit zurückgezogen hat, weist die Meienreuss zwei Quellen auf: die westliche liegt weiterhin am viel kleiner gewordenen Chalchtalfirn und die östliche 1,5 Kilometer davon entfernt am Tschingelfirn. Zwischen diesen führt der Bergweg über das Sustenjoch auf die südliche Seite der Gebirgskette.
Die Meienreuss fliesst zuerst in nord- bis nordwestlicher Richtung durch das Chalchtal, ehe sie nach etwa 2,5 Kilometern, unterhalb des Sustenpasses, auf der Guferalp nach Osten in das Meiental abdreht. Bei der Guferplatten mündet von links der Sustlibach in den Talfluss. Dieser fliesst über den Hinterfeldboden, nimmt bei der Hundsalp den Gorezmettlenbach auf, der aus der Chlialp kommt, und fliesst dann in südöstlicher Richtung. Er passiert die Weiler Färnigen, Fürlauwi und Meien und nimmt noch mehrere Seitenbäche auf. Unterhalb des Weilers Husen und bei der Fedenbrücke des alten Sustenwegs wird ein Teil des Wassers bei einer Wasserfassung gestaut und gemäss einer Wasserrechtskonzession von 1907 zum Pfaffensprung-Kraftwerk, einem Wasserkraftwerk der Schweizerischen Bundesbahnen, geleitet.Wasserkraftwerk Wassen auf sbb.ch, abgerufen am 1. September 2023. Von Meien bis zur Wasserfassung ist das Befahren des Wildbachs mit Wildwasser-Kanus möglich.Meienreuss: Meien-kleines Rückstaubecken auf rivermap.org, abgerufen am 31. August 2023.
2023 befasste sich der Kanton Uri mit dem Konzessionsgesuch der Centralschweizerischen Kraftwerke zur zusätzlichen Nutzung der Meienreuss in einem neuen Kleinkraftwerk der KW Meiental AG.WWF Uri wehrt sich gegen KW Meienreuss. In: Luzerner Zeitung, 30. August 2023.Meinreuss-Konzession. Entwurf für einen Beschluss des Urner Landrats vom 6. September 2023. Am 5. Juli 2023 wies der Urner Regierungsrat Einsprachen gegen das Konzessionsprojekt ab.CKW-Kraftwerk im Meiental: Urner Regierungsrat weist Einsprachen ab In: Baublatt, 15. Juli 2023.
Nach der Fedenbrücke fliesst die Meienreuss auf dem letzten Abschnitt durch eine enge, steile Schlucht, die auf einer schwierigen Canyoning-Tour begangen werden kann.Meienreuss auf canyon.carto.net, abgerufen am 31. August 2023. Auf der rechten Seite liegt auf einem Hügel die Meienschanze, ein geschütztes Kulturgut der Gemeinde Wassen. Die tiefe Schlucht wird von zwei Brücken der Gotthardstrecke und einer Brücke der Sustenstrasse (Hauptstrasse 11) überspannt. Nordöstlich von Wassen mündet der Fluss, nach einer weiteren Eisenbahnbrücke und einer Brücke der Gotthardstrasse (Hauptstrasse 2), auf von links in die Reuss.
Einzugsgebiet Das 71,5 km² grosse Einzugsgebiet der Meienreuss liegt in den Urner Alpen und wird durch sie über die Reuss, die Aare und den Rhein zur Nordsee entwässert.
Es besteht zu 16,0 % aus bestockter Fläche, zu 14,1 % aus Landwirtschaftsfläche, zu 0,7 % aus Siedlungsfläche und zu 69,2 % aus unproduktiven Flächen.
Die Flächenverteilung
Die mittlere Höhe des Einzugsgebietes beträgt , die minimale Höhe liegt bei und die maximale Höhe bei Topographische Einzugsgebiete Schweizer Gewässer: Meienreuss
Zuflüsse
Chli Chelen (Bach) (links), 0,8 km Rässeggbach (links), 1,4 km, 1,52 km² Guferbach (links), 0,8 km Sustlibach (links), 2,4 km, 4,64 km², 0,28 m³/s Mälchtal(bach) (links), 0,3 km (mit Hinter Mälchtal(bach) 0,9 km), 0,99 km² Griessenbach (rechts), 1,5 km, 1,10 km² Gorezmettlenbach (links) 2,3 km (mit Rossbach 5,1 km), 12,46 km², 0,77 m³/s Gärtlibach (rechts), 0,9 km Schwarzbach (rechts), 1,8 km, 2,45 km² Firtigen (rechts), 2,0 km, 1,99 km² Obfluhbach (links), 0,4 km Seebach (links), 3,8 km, 3,73 km², 0,22 m³/s Vorderer Lehneggbach (links), 1,8 km, 1,56 km² Langtal(bach) (rechts), 1,2 km Feldbach (links), 1,2 km Egglital(bach) (links), 1,8 km, 0,95 km² Efelital(bach) (rechts), 0,6 km Bitzi (links), 0,3 km Schlierbach (links), 1,0 km Kartigelbach (rechts), 4,9 km, 9,00 km², 0,56 m³/s Meienbach (rechts), 1,5 km, 1,25 km² Arnibach (links), 2,0 km Lewerbach (links), 1,4 km Rohrtal(bach) (links), 1,1 km Lindental(bach) (links), 1,2 km Husertal(bach) (links), 1,5 km Wysslaui (rechts), 0,6 km Guggertal(bach) (links), 1,2 km Vorderst Laui (rechts), 0,7 km Gornerbächli (rechts), 0,5 km
Hydrologie Bei der Mündung der Meienreuss in die Reuss beträgt ihre modellierte mittlere Abflussmenge (MQ) 4,09 m³/s. Ihr Abflussregimetyp ist a-glacio-nival, Abrufbar unter und ihre AbflussvariabilitätDie Abflussvariabilität beschreibt das Ausmass der Schwankungen des mittleren Abflusses einzelner Jahre um den langjährigen mittleren Abflusswert. beträgt 13.
Natur Am Lauf der Meienreuss liegen zahlreiche wertvolle Naturlandschaften. Zwischen der Guferalp und Färnigen erstrecken sich über den Talboden neben dem Fluss grosse Flachmoore. Am Gorezmettlenbach ist auf der Talsohle der geschützte Bereich «Altboden» ein Auengebiet von nationaler Bedeutung.«Altboden», Objekt UR 353 des Bundesinventars der Auengebiete von nationaler Bedeutung. Die Meienreuss, der letzte grosse Wildbach des Kantons Uri, gilt mit ihrer natürlichen Flusslandschaft als eine «Gewässerperle».Meienreuss auf wwf.ch.Martin Arnold, Urs Fitze: Gewässerperlen – die schönsten Flusslandschaften der Schweiz. Mit Wanderungen für eindrückliche Naturerlebnisse am Wasser. AT Verlag. Aarau 2020, ISBN 978-3-03800-086-0.
mini|Vier Brücken über die Meienreuss (um 1890) Brücken
Neben den fünf Brücken der Hauptverkehrswege wird die Meienreuss noch von 17 kleineren Brücken und Stegen überquert. Die letzte Brücke am Flusslauf ist die in den 1820er-Jahren gebaute Bogenbrücke der Gotthardstrasse, die man auch «Mühlenbrücke» nannte; der Strassenverkehr benützt heute die in den 1990er-Jahren daneben gebaute moderne Meienreussbrücke. Denn am 25. August 1987 zerstörte ein extremes Hochwasser der Reuss, dem unter anderem auch die Häderlisbrücke bei Göschenen zum Opfer fiel und das zudem das Fundament eines Brückenpfeilers des Autobahnviadukts Wassen beschädigte,Heribert Huber: Die abgesenkte Reussbrücke Wassen. In: Schweizer Ingenieur und Architekt. 1989, S. 673–677. einen Teil der alten Brücke über die Meienreuss.Unwetterschäden in der Schweiz im Jahre 1987. In: Berichte der Eidgenössischen Anstalt für das forstliche Versuchswesen, 1988. Erst im Jahr 1988 war für die Gotthardstrasse eine provisorische Umfahrung der Mündung der Meienreuss gebaut, und 1992 entstand die neue Meienreussbrücke der Kantonsstrasse.Heinz Weber (u. a.): Hochwasser 1987. Schlussfolgerungen für den Hochwasserschutz im Kanton Uri. Bern 1992.
Während der historische Sustenweg den Fluss im Meiental dreimal überschreitet, liegt die moderne Sustenstrasse im Tal stets auf der nördlichen Seite der Meienreuss und überquert diese nur einmal bei Wassen auf der 1938 bis 1939 gebauten Meienreussbrücke, einem auf der Höhe von kühn zwischen hohen Felswänden eingespannten Bauwerk, das auf beiden Seiten direkt an Kurventunnel anschliesst.Vom Bau der Sustenstrasse Innertkirchen-Wassen. In: Schweizerische Bauzeitung. 115./116. Jg., 1940, S. 90–92.
Die Gotthardbahn führt bei Wassen wegen der Längenentwicklung durch Kehrtunnel dreimal über den Nebenfluss: Oberhalb der Mündung in die Reuss liegt auf die Untere Meienreussbrücke, nördlich der Ortschaft Wassen die Mittlere Meienreussbrücke () und im Gebiet Hirmi die Obere Meienreussbrücke ().
Siehe auch Liste der Nebenflüsse der Reuss
Weblinks
Verlauf der Meienreuss auf dem Geoportal des Kantons Uri
Einzelnachweise
Kategorie:Wassen