mini|hochkant|Die japanische denden daiko ist die typische Form einer Klappertrommel mit zwei an Schnüren herabhängenden Schlagkügelchen. Rasseltrommeln sind indirekt angeschlagene Trommeln, die geschüttelt oder schnell um die eigene Achse gedreht werden, damit im Innern eingeschlossene oder außen an Schnüren befestigte Kügelchen gegen zwei Trommelfelle stoßen und so eine Schlagfolge oder ein prasselndes Geräusch hervorrufen. Gemäß der Hornbostel-Sachs-Systematik erfolgt die Unterteilung in einzelne Rasseltrommeltypen nach der Form des Korpus wie bei den unmittelbar, also mit Stöcken oder mit den Händen geschlagenen Trommeln.

Rasseltrommeln sind als Kinderspielzeuge verbreitet; sie werden ferner bei religiösen Ritualen, von Straßenmusikern und von Gauklern zur geräuschhaften Untermalung ihrer Vorführungen eingesetzt. Ihr historisches Verbreitungsgebiet ist Mesopotamien, der antike östliche Mittelmeerraum, Indien und Ostasien.

Bauform Es werden nach der Anordnung der Schlagkügelchen zwei Typen unterschieden: Von außen mit Kugeln an Schnüren angeregte Rasseltrommeln, die auch Klappertrommeln genannt werden, haben üblicherweise die Form beidseitig bespannter Rahmentrommeln mit Stiel (Stieltrommeln) oder Sanduhrtrommeln. Ihr Korpus ist häufig mit einem Stiel versehen, an dem sie durch die Bewegung des Handgelenks nach beiden Seiten gedreht werden. Alternativ kann der Stiel zwischen beiden aneinander reibenden Handflächen zum Rotieren gebracht oder das Trommelfell mit einer Hand geschlagen werden. Ein Stiel an Rahmentrommeln ist ansonsten typisch für die bei Kulthandlungen in Nordasien verwendeten einfelligen Schamanentrommeln sowie den zweifelligen tibetischen Ritualtrommeln (rnga), zu denen auch die von Schamanen in Ostnepal verwendete, mit Rasselkörpern gefüllte dhyangro gehört, und kommt noch bei der seltenen, nur im Jemen gespielten einfelligen sahfa vor. Im Innern eingeschlossene Kügelchen sollten beim Schütteln ungehindert eine gewisse Wegstrecke zurücklegen, damit sie mit dem nötigen Impuls auf die Membran treffen, weshalb diese Gruppe von Rasseltrommeln meist die Form einer zylindrischen Röhrentrommel besitzen. Der perkussive Effekt entsteht hierbei wie bei den zu den Idiophonen zählenden Gefäßrasseln; die gängige Instrumentenklassifizierung unterscheidet weder nach Einsatzgebiet, Spielweise oder Korpusform, sondern einzig ob die Schwingungen von einer Membran oder direkt von der Gefäßwand ausgehen. Die eine Position zwischen Idiophonen und Membranophonen einnehmenden Rasseltrommeln stehen mit ihrem geräuschhaften Klangergebnis den Rasseln näher als den Trommeln, die hörbare Einzelschläge hervorbringen.

Herkunft und Verbreitung Mesopotamien, Orient Klappern erscheinen auf Rollsiegeln zusammen mit den ältesten, aus Mesopotamien bekannten Fragmenten einer Leier in der ersten Hälfte des 3. Jahrtausends v. Chr. in den Königsgräbern von Ur. Vereinzelt finden sich in der Zeit der 1. Dynastie in Ur und später in der Stadt Akkad (Mitte und Ende 3. Jahrtausend v. Chr.) Abbildungen von Sistren (Handgriffrasseln), die auch als Handgriffklappern interpretiert werden können. Während der Neusumerischen Zeit (um 2000 v. Chr.) verwendeten die Tänzerinnen bei kultischen Tänzen anstelle der bisherigen Klappern nun kleine runde Rahmentrommeln. Die frontal im Stehen dargestellten Frauen halten das Instrument mit beiden Händen vor der Brust. Bei dieser Spielhaltung könnte es sich auch um Rasseltrommeln handeln, die mit Körnern gefüllt sind. Die Körner würden symbolisch eine Beziehung zum Charakter der Figuren als Muttergottheit darstellen, die einen Fruchtbarkeitskult verkörpern.Wilhelm Stauder: Sumerisch-babylonische Musik. In: Friedrich Blume (Hrsg.): Die Musik in Geschichte und Gegenwart. 1. Auflage, Bärenreiter, Kassel 1965, Sp. 1739f Solche Rasseltrommeln gingen in Mesopotamien nach Ansicht von Wilhelm Stauder wahrscheinlich der Entwicklung der Rahmentrommel voraus. Bis zur ersten Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr. war anstelle der früheren Rasseltrommel eine einfellige kleine Rahmentrommel zum wichtigsten Rhythmusinstrument geworden. Die Tänzerinnen hielten nun die Rahmentrommel an die linke Schulter gepresst und spielten sie vermutlich, der steifen Körperhaltung nach zu urteilen, in einem festgelegten Ritual und mit den Fingern beider Hände, wie es bis heute bei arabischen Rahmentrommeln (arabisch tabl für Trommel allgemein) üblich ist.Wilhelm Stauder: Die Musik der Sumerer, Babylonier und Assyrer. In: Bertold Spuler (Hrsg.): Handbuch der Orientalistik. 1. Abt. Der Nahe und der Mittlere Osten. Ergänzungsband IV. Orientalische Musik. E.J. Brill, Leiden/Köln 1970, S. 185, 198 In der assyrischen Zeit wurden bei Kulttänzen anstelle von Klappern und Händeklatschen Rahmen- oder Rasseltrommeln verwendet. Eine Tanzdarstellung unter Assurbanipal (Mitte 7. Jahrhundert v. Chr.) zeigt die Akteure, wie sie musizieren, singen und sich in einem Schreittanz bewegen.

Die schriftlich fixierten Namen der mesopotamischen Musikinstrumente sind bis auf eine Ausnahme – den der großen Kesseltrommel lilissu – nicht Abbildungen zugeordnet und ihre Form wird nicht beschrieben, weshalb sie sich nur schwer klassifizieren lassen. Die sumerische Bezeichnung für Musikinstrumente allgemein war offensichtlich balag (balaggu). Im engeren Sinn bezog sich der Ausdruck auf die Leier, damals das wichtigste im Kult verwendete Instrument. Spätestens seit altbabylonischer Zeit bezeichnete balag auch oder im Besonderen eine Trommel, weil Trommeln nun gegenüber den Saiteninstrumenten in den Vordergrund traten. Zur Unterscheidung zwischen Trommel und Saiteninstrument ergänzten die Babylonier das Wort für Saiteninstrument zu giš.balag (giš bedeutet „Holz“) und die Trommel zu mašak balaggu, entsprechend der früheren Bezeichnung kuš.balag. Eine Wortergänzung zu kuš.balag.di bezog sich vermutlich auf die kleine runde Rasseltrommel. Synonyme hierzu waren möglicherweise mašak timbutu und mašak telitu. Hierzu würde passen, dass „Grille“ timbut eqli, wörtlich „Trommel des Feldes“ genannt wurde. Aus den Wortbildungen für die Rahmen- und Rasseltrommel geht möglicherweise hervor, dass die runde Trommel nicht nur kleiner war als die Leier, sondern auch als Tanzinstrument gegenüber der als göttlich aufgefassten Leier eine geringere Bedeutung besaß. Leiern und Harfen wurden in der frühen sumerischen Zeit nicht zur Begleitung von Tänzen verwendet. Solche Überlegungen dienen zur Klärung, ob bei den Ausdrücken Saiteninstrumente oder Trommeln gemeint waren. Das lautmalerische sumerische Wort ḫar.ḫar könnte ebenfalls Rasseltrommel bedeutet haben. Wilhelm Stauder: Die Musik der Sumerer, Babylonier und Assyrer. In: Bertold Spuler (Hrsg.): Handbuch der Orientalistik. 1. Abt. Der Nahe und der Mittlere Osten. Ergänzungsband IV. Orientalische Musik. E.J. Brill, Leiden/Köln 1970, S. 216f

Im Alten Ägypten wurde eine große Zahl unterschiedlicher Idiophone in der Kultmusik verwendet: Metallrasseln, Gefäßrasseln aus Ton, Zimbeln und Glöckchen. Hinzu kamen mit Händen geschlagene Kesseltrommeln und im hellenistischen Ägypten Rasseltrommeln.Hans Hickmann: Altägyptische Musik: In: Bertold Spuler (Hrsg.): Handbuch der Orientalistik. 1. Abt. Der Nahe und der Mittlere Osten. Ergänzungsband IV. Orientalische Musik. E.J. Brill, Leiden/Köln 1970, S. 156 Diese waren im Alten Ägypten noch unbekannt, wurden aber allgemein in der Antike im östlichen Mittelmeerraum und in Kleinasien bei Kulten verwendet. Sie waren mit Körnern gefüllt, manchmal auch mit kleinen Schneckengehäusen oder Sand.

In der frühislamischen Zeit entwickelte sich das Fußstampfen und Händeklatschen im Orient zu einer differenzierten musikalischen Form. Bereits Ṭuwais (632–710), der erste berühmte Sänger der arabischen Musik, trat in Medina ohne Melodieinstrumente allein von der Gefäßklapper qaḍīb begleitet auf, die als qarqaba bis heute im Maghreb vorkommt. Die Gefäßklappern hatten die Araber von der liturgischen Musik der Koptischen Kirche in Ägypten übernommen, in der bis heute zudem verschiedene Stielglocken geschüttelt werden. Zur orientalischen Kultmusik gehören besonders Handgriffrasseln, im Koran genannte Gefäßrasseln oder Schellen, Sistren und ferner die Rasseltrommeln mit eingeschlossenen Anschlagkügelchen und in Ägypten die Klappertrommeln.Hans Hickmann: Die Musik des Arabisch-Islamischen Bereichs. In: Bertold Spuler (Hrsg.): Handbuch der Orientalistik. 1. Abt. Der Nahe und der Mittlere Osten. Ergänzungsband IV. Orientalische Musik. E.J. Brill, Leiden/Köln 1970, S. 60f

Heute wird die Rasseltrommel in Ägypten bei religiösen Jahresfeiern, etwa am Geburtstag des Propheten (Maulid an-Nabī) gespielt. Ihr aus einem Holzstreifen oder aus Blech gefertigter Rahmen hat einen Durchmesser von 14 bis 15 Zentimetern bei etwa vier Zentimetern Höhe. Ein 40 Zentimeter langer Stab führt durch zwei gegenüber liegende Löcher mitten im Rahmen und ragt an der Oberseite etwas heraus. An beiden Seiten des Rahmens ist je eine Schnur mit einem durchbohrten Maiskorn am Ende befestigt. Die Membran aus Tierhaut oder starkem Papier produziert dumpfe Schläge.

Ein Perkussionsinstrument typologisch zwischen dieser Rasseltrommel und einem Sistrum verwenden die orientalischen Christen von den Maroniten im Libanon bis zu den griechisch-orthodoxen Christen in Ägypten unter dem Namen marāwe, auch al-mirwaḥa (arabisch „der Fächer“) oder al-mirāh („der Spiegel“). Bei bedeutenden Festgottesdiensten schreitet der Priester durch die Kirche, begleitet von zwei Assistenten mit je zwei marāwe. Instrumentenkundlich handelt es sich um ein Schüttelidiophon (genauer eine Rahmenrassel), das aus einer runden Metallscheibe an einem langen Stiel besteht, an deren Rand umlaufend kleine Rasselkörper befestigt sind. Scheibe und Stiel bestehen aus Silber oder versilberter Bronze. Die metallenen Rasselkörper aus zwei Halbschalen beinhalten jeweils ein Steinchen, sodass beim Schütteln zweifach Schläge erklingen: Die Rasselkörper schlagen gegen die Scheibe und die Steinchen gegen das Innere der Rasselkörper. Klappertrommeln in Afrika sind nicht bekannt, dafür diente das marāwe als Vorbild für afrikanische Sistren, die aus einem Kalebassenring bestehen.Hans Hickmann: The Rattle-Drum and Marawe-Sistrum. In: Journal of the Royal Asiatic Society of Great Britain and Ireland, No.1/2, Apr., 1950, S. 2–6

Indien, Tibet mini|links|In der tibetischen Kultmusik gespielte hölzerne Klappertrommel tibetisch gcod-dar, in Indien damaru mini|Die Ritualtrommel dtâ-bbêr-lèr (gesprochen „damberlör“, lautliche Übernahme von damaru) der Naxi im Süden Chinas ähnelt der von den Qiang gespielten ji wu. Die in der tibetischen und indischen Musik gespielte Sanduhrtrommel damaru gehört zu dieser kultischen Tradition. In der indischen Mythologie ist die damaru ein Attribut mehrerer Götter und besonders bekannt in der Hand Shivas, der in seiner Erscheinungsform als Nataraja den kosmischen Tanz Tandava aufführt. Die rasselnde damaru symbolisiert den Klang des von Shiva neu erschaffenen Universums. Bei hinduistischen Anrufungen wird die damaru wie Zimbeln oder die Stielglocke (gante, ghanta) verwendet. In der heutigen indischen Straßenmusik ist die damaru das Instrument von Gauklern, die Affen herzeigen („Affentrommel“), Bettlern und religiösen Balladensängern.