Verwaltungsamt Maliana300px|Reisfelder bei MalianaVerwaltungssitzMaliana (Holsa)Fläche237,04 km²Direcção-Geral de Estatística: Ergebnisse der Volkszählung von 2015, abgerufen am 23. November 2016.Einwohnerzahl32.689 (2022)Institutu Nasionál Estatístika Timor-Leste: Final Main Report Census 2022, abgerufen am 18. Mai 2022.SucosEinwohner (2022)Holsa5.755Lahomea5.098Odomau3.668Raifun3.099Ritabou7.627Saburai2.594Tapo/Memo4.848 Übersichtskarte300px|Verwaltungsgliederung von Maliana
Maliana ist ein osttimoresisches Verwaltungsamt () in der Gemeinde Bobonaro. Der Verwaltungssitz befindet sich im Suco Holsa in der Stadt Maliana.Jornal da República:
Geographie mini|links|Flüsse und Orte von Maliana (Grenzen bis 2015)
Bis 2014 wurden die Verwaltungsämter noch als Subdistrikte bezeichnet.
Maliana befindet sich im Zentrum der Gemeinde Bobonaro. Im Nordwesten bildet der Nunura die Grenze zu den Verwaltungsämtern Balibo und Atabae. Der Fluss Bulobo entspringt nahe der Stadt Maliana und bildet ein Stück der Grenze zum Verwaltungsamt Cailaco im Norden, bis er in den Nunura mündet. Südöstlich vom Verwaltungsamt Maliana liegt das Verwaltungsamt Bobonaro und an der Südspitze das Verwaltungsamt Lolotoe. Der Malibaka (im Oberlauf Malihaca), ein Nebenfluss des Nunura, markiert die Grenze zum indonesischen Westtimor im Südwesten.Direcção-Geral de Estatística: Atlas der Gemeinde Bobonaro, abgerufen am 25. September 2022. Die Zugehörigkeit eines Gebietes von 37 Hektar zwischen dem osttimoresischen Ort Memo (Suco Tapo/Memo) und dem indonesischen Dilumil (Regierungsbezirk Belu) war längere Zeit umstritten. Erst im März 2013 konnte eine Einigung über die Grenzziehung zwischen den beiden Ländern erzielt werden.Suara Timor Lorosae: Batugade and Suai borders have had agreement, 11. März 2013
mini|links|Blick auf den Leolaco von der Stadt Maliana aus
Ausläufer des Berges Leolacos reichen bis in den Nordosten von Maliana. Mit einer Höhe von und seiner fast sieben Kilometer Länge dominiert er die Landschaft der Region.Karte von 1989 An der Grenze im Südosten erheben sich weitere Berge mit über .
Maliana hat eine Fläche von 237,04 km² und teilt sich in sieben Sucos. Ritabou bildet einen schmalen Streifen im Norden. Odomau (Odamau, Oromau) teilt sich in zwei Gebiete im Nordwesten und Osten Malianas. Holsa besteht aus zwei Territorien im Westen und im Zentrum und Raifun (Rai Fun) in zwei Gebiete im Zentrum und im Osten, ebenso der Suco Lahomea. Tapo/Memo (Tapo Memo) bildet das Grenzgebiet zu Indonesien und Saburai (Sebura) die Südspitze Malianas.
Hauptstadt des Verwaltungsamtes Maliana und der Gemeinde Bobonaro ist die Stadt Maliana im Zentrum des Verwaltungsamtes. Sie ist Sitz des Bistums Maliana und Wirtschaftszentrum der Region. An der Straße von Maliana nach Tunu Bibi befindet sich einer der wenigen hinduistischen Tempel des Landes.Geologia e Petroleo 2019: Hindu temple in Bobonaro, 23. September 2022, abgerufen am 24. September 2022.
Einwohner mini|Marktfrauen in der Stadt Maliana
In Maliana leben 32.689 Menschen (2022), davon sind 16.392 Männer und 16.297 Frauen.13.078 von ihnen wohnen in einer urbanen Umgebung in der Stadt Maliana. Im Verwaltungsamt gibt es 6.076 Haushalte. Der Altersdurchschnitt beträgt 19,1 Jahre (2010, (PDF; 2,5 MB) 2004: 18,5 Jahre (PDF; 14 MB)). Die größte Sprachgruppe bilden die Sprecher der Nationalsprache Kemak. In Tapo/Memo, Saburai, Holsa und Odomau wird aber Bunak gesprochen.Friends of Balibo Als Zweitsprache ist die Amtssprache Tetum weit verbreitet. Bahasa Indonesia wurde während der Besatzungszeit verwendet, die Älteren sprechen noch Portugiesisch. Dieses wird auch in den Schulen unterrichtet. (PDF-Datei; 566 kB)
Geschichte mini|links|Holzschnitzereien aus Oe-Cusse Ambeno und Maliana (rechts), um 1900 mini|Fest in Maliana (1969)
Der heutige Verwaltungsamt Maliana gehörte früher zum Bunak-Reich von Lamaquitos (Lamakitu), dass ein Gebiet zwischen Cailaco im Norden und Maucatar im Süden beherrschte.Timorlorosae2000Hague Justice Portal: Island of Timor: Award, 25. Juni 1914 (englisch)
1719 vereinbarten mehrere timoresische Herrscher (Liurai) ein Bündnis gegen die Portugiesen; der Beginn der Cailaco-Rebellion. Das Lamaquitos benachbarte Cailaco wurde zum Hauptquartier der Rebellen. Im Marobotal mit den Flüssen Marobo und Lóis lebten damals relativ isoliert 40.000 Menschen. 1726 entsandte der portugiesische Gouverneur António Moniz de Macedo Truppen aus Dili und Batugade gegen die Pedras de Cailaco (Felsen von Cailaco). Die Steilwände des Leolaco boten dem Reich von Cailaco eine natürliche Festung und galten als uneinnehmbar. Am 23. Oktober versammelten die Portugiesen am Fuße des Berges insgesamt 4.000 Mann, zu denen auch Topasse und verbündete Timoresen gehörten. Nach 40 Tagen mussten sie aber im Dezember die Belagerung aufgeben, auch wegen schwerer Regenfälle. (PDF; 824 kB)
Im Vertrag von Lissabon (1859) legten die Kolonialmächte die Grenze zwischen ihren Herrschaftsgebieten auf Timor fest. Lamaquitos bildete die Grenze des portugiesischen Territoriums. 1897 kam es zum Krieg zwischen Lamaquitos und dem südlich gelegenen Bunak-Reich Lakmaras um Gebiete im dazwischen liegenden Lamaknen.Antoinette Schapper: , S. 163–186, in: Andrew McWilliam, Elizabeth G. Traube: Land and Life in Timor-Leste: Ethnographic Essays, 2011, S. 171 Da Lamaquitos zum portugiesischen Herrschaftsbereich gehörte, Lakmaras und Lamaknen aber zum niederländischen, kam es in Lakmaras auch zu Scharmützeln mit Toten zwischen den beiden Kolonialtruppen. Zudem stellte Lakmaras die einzige Verbindung zur niederländischen Region Maucatar dar, das nun als Enklave in portugiesischen Gebiet lag.Antoinette Schapper: Crossing the border: Historical and linguistic divides among the Bunaq in central Timor, S. 7–8.Schapper: Finding Bunaq, S. 174. 1902 versuchten sich die beiden Kolonialmächte durch Verhandlungen zu einigen. Mit der Den Haag-Konvention vom 1. Oktober 1904 wurde ein Kompromiss geschlossen. Portugal sollte Maucatar erhalten und verzichtete dafür auf Lamaknen. Doch erst 1916 wurde die Grenze endgültig festgelegt. Lakmaras blieb dadurch auf der niederländischen Seite.Geoffrey C. Gunn: , S. 77, Technische Universität Lissabon (PDF-Datei; 805 kB).
Erst vor wenigen Generationen wurden von Bunak aus dem Osten Dörfer im Flachland um Maliana gegründet, so zum Beispiel Tapo/Memo. Noch heute haben diese Dörfer rituelle Beziehungen zu ihren Stammdörfern im Hochland.Schapper: Finding Bunaq, S. 173.
Während der Entkolonisierung Portugiesisch-Timors kam es 1975 zum Bürgerkrieg zwischen UDT und FRETILIN. Ehemalige Soldaten des 5. portugiesischen Kavallerieschwadrons in Bobonaro, die die FRETILIN unterstützten, kamen nach Maliana und zwangen Anhänger von UDT und APODETI, unter anderem auch den Liurai von Memo und Einwohner aus Odomau, Holsa und Raifun, zur Flucht nach Westtimor. Einige Einwohner wurden auch vom Liurai und der UDT gezwungen nach Westtimor mitzugehen, um dort von den indonesischen Streitkräften rekrutiert zu werden. Am Ende floh die gesamte Bevölkerung aus Memo, Odomau und 500 Menschen aus Raifun nach Westtimor. (PDF; 1,3 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch) Ab Mitte 1975 begann Indonesien mit der Besetzung der Grenzregionen Portugiesisch-Timors. Am 16. Oktober drangen indonesischen Truppen in Maliana ein. Erst ab dem 7. Dezember führte Indonesien mit der Invasion von Dili die militärische Besetzung Osttimors offen durch.
1995 kam es in Osttimor zu gewaltsamen Ausschreitungen, nachdem sich ein indonesischer Beamter abfällig über den katholischen Glauben geäußert hatte. In Maliana wurde der Marktplatz fast völlig niedergebrannt.
mini|Ruinen in Maliana (2002)
Vor und nach dem Unabhängigkeitsreferendum von Osttimor am 30. August 1999 kam es in Maliana zu Gewalttaten durch indonesische Soldaten und pro-indonesische Milizen. Mehrere Menschen wurden bereits im März durch Soldaten ermordet. Unabhängigkeitsaktivisten, wie der lokale CNRT-Führer José Andrade da Cruz wurden bedroht, verhaftet und geschlagen.Refugee Transitions Issue 5: Escaping East Timor, Februar 2000, abgerufen am 24. Juli 2020. Am Tag vor der Abstimmung stürmten pro-indonesische Milizen die Stadt, so dass 54 UN-Helfer nach Dili evakuiert werden mussten.„Chapter 7.2 Unlawful Killings and Enforced Disappearances“ (PDF; 2,3 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)
Am 8. September 1999 kesselten Milizionäre der Dadarus Merah Putih und der Halilintar zusammen mit indonesischen Sicherheitskräften die etwa 1000 Flüchtlinge, die in der Polizeistation von Maliana Schutz gesucht hatten ein und begannen gezielt Unabhängigkeitsbefürworter mit Todeslisten zu suchen und zu ermorden. Mindestens 13 Menschen kamen ums Leben, Zeugen sprechen sogar von 47 Opfern. Menschen, denen die Flucht aus der Polizeistationen gelungen waren, wurden in den folgenden Tagen von den Milizen verfolgt und ermordet. Insgesamt wurden zwischen dem 2. und dem 29. September 71 Menschen im Subdistrikt Maliana ermordet.
2001 kämpften Martial-Arts-Gruppen auf dem Markt von Maliana gegeneinander. Dabei gab es Tote.Fundasaun Mahein: Victims of Independence, abgerufen am 26. Mai 2012
Bei einem Schusswechsel am 21. April 2005 bei Maliana, zwischen indonesischen Soldaten und osttimoresischen Polizisten der Unidade de Patrulhamento de Fronteira (UPF) wurde ein indonesischer Soldat verletzt.Sukehiro Hasegawa: Routledge Revivals: Peacebuilding and National Ownership in Timor-Leste (2013). , 21. April 2005
Am 30. Januar 2010 wurde die Stadt Maliana zum Sitz der dritten Diözese Osttimors erklärt, dem Bistum Maliana.30. Januar 2010, Catholic News Agency, Benedict XVI erects new diocese in East Timor
Politik Der Administrator des Verwaltungsamts wird von der Zentralregierung in Dili ernannt. 2014 war dies Adelino Goveia BritoMinisterium für Staatsadministration: Maliana, abgerufen am 19. Juni 2020. und 2015/2016 Alípio Moniz.Ministério da Administração Estatal: Jornal da República: RESOLUÇÃO DO GOVERNO N.º 34/2016 de 12 de Outubro, abgerufen am 12. Januar 2024. 2021 wurde Tomas Lacu Loi zum Administrator ernannt.Jornal da República: DESPACHO Nº 49 / M - MAE / IX / 2021, 1. September 2021, abgerufen am 22. Dezember 2023. Am 29. Januar 2024 wurde Augusto Caetano zum Administrator ernannt.Jornal da República: DESPACHO N.º 12 / M-MAE / I / 2024 – Nomeação dos Secretários Municipais, dos Diretores dos Serviços Municipais e dos Administradores dos Postos Administrativos da Autoridade Municipal de Bobonaro, 29. Januar 2024, abgerufen am 23. Juli 2024.
Der ehemalige Administrator (Camat) Malianas Julio Barros wurde zusammen mit anderen am 8. September 1999 beim Sturm auf die Polizeistation durch pro-indonesische Milizen ermordet.Chega! – Abschlussbericht der Empfangs-, Wahrheits- und Versöhnungskommission von Osttimor (CAVR) (vollständiger Bericht, englisch), S. 1090–1091.
Wirtschaft mini|Die 2019 eingeweihte 17 Kilometer lange Straße von Maliana nach Atos (Suco Gildapil) in Saburai
39 % der Haushalte in Maliana bauen Kokosnüsse an, 48 % in der fruchtbaren Ebene des Nunura Reis, 40 % Maniok, 49 % Mais, 31 % Gemüse und 10 % Kaffee. (PDF; 9,8 MB)
Am 4. Juli 2012 wurde die Maliana power substation eröffnet, die das Verwaltungsamt nun 24 Stunden am Tag mit Strom versorgt.Government of Timor-Leste: Government Opening of the Maliana Power Substation, 16. Juli 2012, abgerufen am 29. Juli 2012
Persönlichkeiten Luís Maria Lobato (1962–2023), Gesundheitspolitiker Maria Gorumali Barreto (* 1973), Politikerin Fidelis Leite Magalhães (* 1980), Politiker Mouzinho Barreto de Lima (* 2002), Fußballspieler
Weblinks
The Widows of Maliana
Einzelnachweise
Kategorie:Verwaltungsamt in Bobonaro (Gemeinde)