Der Landkreis Rastatt ist ein Landkreis in Baden-Württemberg. Er gehört zum Verband Region Karlsruhe im Regierungsbezirk Karlsruhe. Verwaltungssitz ist Rastatt.

Geografie Lage mini|links|Blick vom Hohloh über das Murgtal zur Oberrheinischen Tiefebene Der Landkreis Rastatt hat Anteil an der Oberrheinischen Tiefebene im Westen, am Nordschwarzwald im Osten sowie an der Vorbergzone an deren Übergang. Die stark bewaldete Mittelgebirgslandschaft des mittleren und unteren Murgtals bildet den östlichen Teil des Kreises. Die höchste Erhebung des Landkreises Rastatt ist der Hohe Ochsenkopf, dessen Gipfel 1054 m über dem Meer aufragt. Die höchste Erhebung des Nordschwarzwalds, die Hornisgrinde, liegt nur wenige Kilometer südlich der Kreisgrenze. Bei Au am Rhein verlässt der Rhein das Kreisgebiet auf einer Höhe von etwa 105 m über dem Meer.

Nachbarkreise Der Landkreis Rastatt grenzt, im Uhrzeigersinn im Norden beginnend, an die Landkreise Germersheim (in Rheinland-Pfalz), Karlsruhe, Calw, Freudenstadt und den Ortenaukreis sowie an Frankreich mit den dortigen Arrondissements Haguenau und Wissembourg innerhalb des Départements Bas-Rhin, wobei der Rhein im Westen die natürliche Grenze zu Frankreich und zu Rheinland-Pfalz bildet. Der Stadtkreis Baden-Baden bildet mit einer Fläche von 140,2 km² eine große und drei kleine Enklaven, die vollständig innerhalb des Kreisgebiets liegen. Andererseits hat der Landkreis drei kleine Exklaven im Stadtkreis Baden-Baden. Die größte von diesen beherbergt den Waldenecksee, die kleinste das ehemalige Kloster Fremersberg.

Flächenaufteilung

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2015.Flächenerhebung nach Art der tatsächlichen Nutzung 2015

Schutzgebiete

Der 2014 eingerichtete Nationalpark Schwarzwald liegt mit einem Fünftel seiner Fläche im Höhengebiet der Kreisgemeinden Forbach (Baden) und Bühl. Der Landkreis Rastatt besitzt 29 Naturschutzgebiete. Nach der Schutzgebietsstatistik der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) stehen 4026,61 Hektar der Kreisfläche unter Naturschutz, das sind 5,45 Prozent. Die 26 Landschaftsschutzgebiete im Landkreis sind zusammen 22.600 Hektar groß und nehmen damit über 30 Prozent des Kreisgebiets ein. Stand: 29. Oktober 2015

Geschichte Bezirksamt Rastatt In der Markgrafschaft Baden im 19. Jahrhundert sowie im von 1803 bis 1806 bestehenden Kurfürstentum Baden bestand das Oberamt Rastatt.Kurfürstlich-Badische Landesorganisation 1803 Nachdem aus dem Kurfürstentum Baden 1806 das Großherzogtum Baden geworden war, gehörte das Oberamt Rastatt zur Provinz des Mittelrheins.Regierungsblatt des Großherzogtums Baden 1807, S. 98 Durch das Organisationsrescript vom 26. November 1809 wurde das Oberamt Rastatt im zwei Ämter aufgespalten. Zum Stadt- und ersten Landamt Rastatt kamen die Stadt Rastatt sowie unter anderem die Orte Haueneberstein, Hügelsheim, Iffezheim, Kuppenheim und Oos. Zum Zweiten Landamt Rastatt kam im Wesentlichen das Gebiet der heutigen Gemeinden Au am Rhein, Bietigheim, Bischweier, Durmersheim, Elchesheim-Illingen, Gaggenau, Muggensturm, Ötigheim und Steinmauern. Beide Ämter wurden dem neuen Murgkreis zugeordnet.Großherzoglich Badisches Regierungsblatt 1809, S. 410 1819 wurden beide Ämter wieder zu einem Oberamt Rastatt vereinigt.Grossherzoglich-Badisches Regierungs-Blatt 1819, S. 19 Nach der Aufhebung des Murgkreises im gleichen Jahr gehörte das Oberamt Rastatt nun zum Murg- und Pfinzkreis.Grossherzoglich-Badisches Regierungs-Blatt 1819, S. 33 Ab 1832 gehörte das Amt zum Mittelrheinkreis und seit 1864 zum Kreis Baden im Landeskommissärbezirk Karlsruhe.Großherzoglich Badisches Staats- und Regierungs-Blatt 1832, S. 134Grossherzoglich-Badisches Regierungs-Blatt 1864, S. 313

Am 1. Mai 1872 wurden die Gemeinden des aufgelösten Bezirksamts Gernsbach in das Bezirksamt Rastatt eingegliedert und am 1. Januar 1891 wechselte die Gemeinde Stollhofen aus dem Bezirksamt Rastatt zum Bezirksamt Bühl.Gesetzes- und Verordnungs-Blatt für das Großherzogthum Baden 1872, S. 7Gesetz- und Verordnungsblatt für das Großherzogthum Baden 1890, S. 628

Im Rahmen der Auflösung des Bezirksamts Baden am 1. April 1924 wurden die Stadt Baden sowie die Gemeinden Balg, Ebersteinburg, Haueneberstein, Oos und Sandweier in das Bezirksamt Rastatt eingegliedert.Badisches Gesetz- und Verordnungs-Blatt 1924, S. 9 Seit dem 1. September 1931 lautete der amtliche Name der Stadt Baden Baden-Baden. Am 1. Oktober 1936 kam auch die Gemeinde Malsch des aufgelösten Bezirksamts Ettlingen zum Bezirksamt Rastatt.Badisches Gesetz- und Verordnungs-Blatt 1936, S. 80

Landkreis Rastatt

Seit dem 1. Januar 1939 hieß das Bezirksamt Rastatt Landkreis Rastatt. Am 1. April 1939 wechselte die Gemeinde Malsch aus dem Landkreis Rastatt in den Landkreis Karlsruhe.territorial.de: Landkreis Rastatt Am 29. Juni 1939 schied die Stadt Baden-Baden aus dem Landkreis Rastatt aus und bildete einen eigenen Stadtkreis.

Der Landkreis Rastatt fiel 1945 als nördlichster badischer Landkreis der Französischen Besatzungszone zu und gehörte somit bis 1952 zum neu umgrenzten südlichen Land Baden. Von 1952 bis 1972 befand sich der Landkreis beim Regierungsbezirk Südbaden, seit 1973 beim Regierungsbezirk Karlsruhe.

Am 1. Januar 1972 wurde Ebersteinburg dem Stadtkreis Baden-Baden angegliedert. Am 1. April 1972 wurde Waldprechtsweier in den Landkreis Karlsruhe und der bis dahin zur Gemeinde Bernbach im Landkreis Calw gehörende Anteil des Ortes Moosbronn in die Stadt Gaggenau und damit in den Landkreis Rastatt umgegliedert.

Bei der Kreisreform wurde der (alte) Landkreis Rastatt am 1. Januar 1973 mit den meisten Gemeinden des Landkreises Bühl, drei Gemeinden des Landkreises Kehl und der ehemals württembergischen Gemeinde Loffenau des Landkreises Calw zum neuen Landkreis Rastatt vereinigt. Der Stadtkreis Baden-Baden blieb weiterhin erhalten, nachdem zuvor bereits in den 1950er Jahren erfolglos versucht worden war, ihn in den Landkreis zu integrieren. Baden-Baden ist somit heute der kleinste Stadtkreis in Baden-Württemberg.

Einwohnerstatistik mini|400x400px|Bevölkerungspyramide für den Kreis Rastatt (Datenquelle: Zensus 2011)

Die Einwohnerzahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg (nur Hauptwohnsitze). Datum Einwohner 31. Dezember 1973 189.637 31. Dezember 1975 188.535 31. Dezember 1980 189.114 31. Dezember 1985 190.062 25. Mai 1987 ¹ 194.603 31. Dezember 1990 204.571 Datum Einwohner 31. Dezember 1995 218.982 31. Dezember 2000 223.328 31. Dezember 2005 228.408 31. Dezember 2010 226.789 31. Dezember 2015 227.474 31. Dezember 2020 232.091

Konfessionsstatistik Gemäß dem Zensus 2022 waren am 25. Mai 2022 44,1 % der Einwohner katholisch, 15,0 % evangelisch, und 40,9 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022, Religion), abgerufen am 15. August 2024

Politik

Der Landkreis wird vom Kreistag und vom Landrat verwaltet.

Kreistag Der Kreistag wird von den Wahlberechtigten im Landkreis auf fünf Jahre gewählt. Die Kommunalwahl am 26. Mai 2019 führte zum Ergebnis im rechts dargestellten Diagramm.

Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgender Sitzverteilung im Kreistag:

Wahlergebnisse vergangener Kreistags-Wahlen seit 1989 Parteien und Wählergemeinschaften %2019Ergebnis der Kreistagswahl 2019 Sitze2019 %2014Ergebnis der Kreistagswahl 2014 Sitze2014 %2009Ergebnis der Kreistagswahl 2009 Sitze2009 %2004 Sitze2004 %1999 Sitze1999 %1994 Sitze1994 %1989 Sitze1989 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 29,8 18 37,8 24 40,1 28 46,6 32 48,0 32 41,5 29 41,6 29 GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 16,4 10 10,5 7 9,8 6 7,8 5 4,7 3 7,9 5 7,8 5 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 16,1 10 18,9 12 19,8 14 20,9 14 26,3 16 27,5 18 25,9 16 AfD Alternative für Deutschland 8,3 5 4,3 3 – – – – – – – – – – FDP Freie Demokratische Partei 4,6 3 3,6 2 7,2 4 4,9 3 4,1 2 4,6 2 4,2 2 LINKE Die Linke 1,0 1 – – – – – – – – – – – – PIRATEN Piratenpartei Deutschland – – 0,4 0 – – – – – – – – – – REP Die Republikaner – – – – – – – – 1,3 0 2,5 1 3,9 2 FWG Freie Wählergemeinschaft 22,0 13 22,5 15 19,8 14 – – – – – – – – WG Wählervereinigungen – – – – – – 19,3 13 15,6 10 16,0 11 16,6 10 FuR Für unser Rastatt 1,9 1 2,0 1 1,9 1 – – – – – – – – Sonst. Sonstige – – – – – – 0,6 0 – – – – – – Gesamt 100 61 100 64 100 67 100 67 100 63 100 66 100 64 Wahlbeteiligung 56,4 % 47,1 % 48,7 % 49,4 % 53,1 % 66,6 % 63,9 % mini|Das Landratsamt in Rastatt

WG: Wählervereinigungen, da sich die Ergebnisse von 1989 bis 2004 nicht auf einzelne Wählergruppen aufschlüsseln lassen.

Landrat Der Kreistag wählt den Landrat für eine Amtszeit von acht Jahren. Dieser ist gesetzlicher Vertreter und Repräsentant des Landkreises sowie Vorsitzender des Kreistags und seiner Ausschüsse. Er leitet das Landratsamt und ist Beamter des Kreises. Zu seinem Aufgabengebiet zählen die Vorbereitung der Kreistagessitzungen sowie seiner Ausschüsse. Er beruft Sitzungen ein, leitet diese und vollzieht die dort gefassten Beschlüsse. In den Gremien hat er kein Stimmrecht. Sein Stellvertreter ist der Erste Landesbeamte.

Die Landräte des Landkreises Bühl seit 1945:

1945–1946: Jakob Hatz 1946–1951: Edwin Grüninger 1951–1971: Erwin Trippel 1971–1972: Josef Großmann

Die Oberamtmänner bzw. Landräte des Oberamts bzw. Bezirksamts bzw. Landkreises Rastatt seit 1803:

Wappen und Flagge mini|152x152px|Früheres Wappen des Landkreises Rastatt Das Wappen des Landkreises Rastatt zeigt in geviertem Schild: 1 in Gold eine rote Weinleiter, 2 in Blau eine goldene Traube, 3 in Blau eine blau besamte, gefüllte goldene Rose mit grünen Kelchblättern, 4 in Gold ein roter Schrägbalken. Das Wappen wurde am 24. Mai 1974 vom Innenministerium Baden-Württemberg verliehen.

Die Wappenbilder symbolisieren zum einen die ehemaligen Herrschaften im Kreisgebiet, die Grafen von Eberstein („Ebersteinische Rose“) und die Markgrafen von Baden (roter Schrägbalken), zum anderen handelt es sich um wirtschaftliche Symbole (Traube und Weinleiter), die für den Obst- und Weinbau im Landkreis stehen. Die Weinleiter ist auch im Wappen der Kreisstadt Rastatt enthalten.

Der alte Landkreis Rastatt hatte vor 1973 ein anderes Wappen. Dieses zeigte in Gold einen roten Schrägbalken, begleitet oben von einer roten Weinleiter und unten von einer roten heraldischen Rose mit blauem Butzen und grünen Kelchblättern. Dieses Wappen, das vom Innenministerium Baden-Württemberg am 23. März 1964 verliehen worden war, führte somit zum Großteil bereits die Symbole des heutigen Wappens, lediglich die Weintraube wurde im neuen Wappen beigefügt.

Die Flaggenfarben des Landkreises Rastatt sind Rot-Gelb, es werden aber auch Flaggen mit der Farbfolge Gelb-Rot genutzt.

Kreispartnerschaften Der Landkreis Rastatt unterhält seit 1968 eine Partnerschaft mit der Stadt Vantaa in Finnland und seit 1996 mit der Provinz Pesaro und Urbino in Italien.

Wirtschaft und Infrastruktur mini|Mercedes-Benz-Werk Gaggenau mini|Anflug auf den Baden Airpark im September 2009, rechts im Hintergrund das Werk Rastatt der Daimler AG Von den 79.653 sozialversicherungspflichtig beschäftigten Arbeitnehmern im Landkreis waren im Jahr 2007 40.754 im verarbeitenden Gewerbe tätig. Größter Arbeitgeber ist die Daimler AG mit großen Werken in Rastatt und Gaggenau, die zusammen etwa 13.000 Beschäftigte haben. Der Landkreis Rastatt ist Mitglied im Verband Technologieregion Karlsruhe.

Im Zukunftsatlas 2019 belegt der Landkreis Rastatt Platz 134 von 401 Landkreisen, Kommunalverbänden und kreisfreien Städten in Deutschland (nach Platz 106 im Jahr 2016) und zählt damit zu den Regionen mit „leichten Chancen“.

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