mini|Emmanuel Macron (2025) rahmenlos|hochkant=0.6|klasse=notpageimage skin-invert-image|zentriert
Emmanuel Jean-Michel Frédéric Macron (; * 21. Dezember 1977 in Amiens, Département Somme) ist seit Mai 2017 Staatspräsident der Französischen Republik und Kofürst des Fürstentums Andorra. Er war von 2006 bis 2009 Mitglied der Sozialistischen Partei (Parti Socialiste, PS) und von August 2014 bis August 2016 Wirtschaftsminister im Kabinett Valls II unter Staatspräsident François Hollande (PS). Macron trat mit liberalen Positionen als Kandidat zur französischen Präsidentschaftswahl 2017 mit der von ihm gegründeten Partei En Marche (EM), später La République en Marche (LREM) und seit 2022 Renaissance (RE), an. Bei den Präsidentschaftswahlen im April 2022 wurde er für eine zweite Amtszeit gewählt.
Werdegang Herkunft und Ausbildung Macron wurde in der Stadt Amiens im nordfranzösischen Département Somme geboren. Sein Vater, Jean-Michel Macron, ist Professor für Neurologie; seine Mutter, Françoise Macron-Noguès, ist Kinderärztin und arbeitet beratend bei der gesetzlichen Sozialversicherung. Macron hat einen jüngeren Bruder, Laurent (* 1979), und eine jüngere Schwester, Estelle (* 1982), die wie die Eltern Ärzte sind, sowie einen Halbbruder, Gabriel, aus der zweiten Ehe seines Vaters mit der Psychiaterin Hélène Joly. Macrons Eltern ließen sich im Jahr 2010 scheiden.Gilles Martin-Chauffier: Un jeune homme pressé. In: Paris Match. 10. Mai 2017, S. 88–93.Cathy Lafon: Brigitte Macron: 7 choses à savoir sur la Première dame de France. In: Sud-Ouest. 7. Mai 2017. Aus einer nichtreligiösen Familie stammend, ließ sich Macron als Zwölfjähriger bei Eintritt in die Jesuitenschule La Providence auf eigenen Wunsch römisch-katholisch taufen. Mit 16 Jahren belegte Macron beim Schülerwettbewerb Concours général in Französisch den ersten Platz in seiner Region. Zehn Jahre lang erhielt er Klavierunterricht am Konservatorium von Amiens und gewann dort einen dritten Preis. Sein Baccalauréat (Abitur) erhielt er am renommierten Lycée Henri IV in Paris.Die Eliten-Maschine. Zeit Online, 2. Mai 2017. Emmanuel Macron erklärt seine Leidenschaft für Literatur durch den Einfluss seiner Großmutter mütterlicherseits Germaine Noguès, einer Geografielehrerin und späteren Schulleiterin, die er liebevoll „Manette“ nennt.
Macron besuchte während zwei Jahren die geisteswissenschaftlichen Vorbereitungsklassen (hypokhâgne und khâgne) für die Zulassungsprüfung zur École normale supérieure (ENS) in Paris, die von jährlich rund 6000 Bewerbern nach einem strengen Wettbewerb 200 zulässt; Macron wurde nicht angenommen. Daraufhin studierte er Philosophie an der Universität Paris-Nanterre mit den Abschlüssen Maîtrise und Diplôme d’études approfondies (DEA). Abschlussarbeiten schrieb er über Machiavelli und Hegel. Während dieser Zeit arbeitete er von 1999 bis 2001 als Assistent des in Nanterre lehrenden Philosophen Paul Ricœur.Emmanuel Macron, un banquier d’affaires nommé secrétaire général adjoint de l’Elysée. lemonde.fr, 16. Mai 2012 (französisch).Junger Wirtschaftsminister darf Frankreich verführen. Die Welt online, 27. August 2014. Zusätzlich erwarb er 2001 das Diplom des Institut d’études politiques de Paris (Sciences Po).Les études d’Emmanuel Macron et de Marine Le Pen. In: Figaro Étudiant, 24. April 2017.
Die Aufnahmeprüfung zur Verwaltungshochschule École nationale d’administration (ENA) in Straßburg bestand Macron im zweiten Versuch, gehörte dann aber zu den Besten seines Jahrgangs, der Abschlussklasse „Léopold Senghor“ (2002–2004).Anmerkung: An der ENA wählt jeder Jahrgang den Namen eines Prominenten; z. B. hieß der Jahrgang von François Hollande, Ségolène Royal, Michel Sapin und Dominique de Villepin „Voltaire“; siehe z. B. . (Le Monde). Aus seinem Jahrgang rekrutierte er später zahlreiche Freunde zur Unterstützung seiner Präsidentschaftskampagne. Während seiner Zeit an der ENA spielte er, wie schon in seiner Jugend in Amiens, Theater und schrieb sich zusätzlich an der Schauspielschule Cours Florent ein. Praktika führten ihn in die Präfektur des Départements Oise sowie ein halbes Jahr an die französische Botschaft in Abuja, Nigeria.
Berufstätigkeit vor der Annahme politischer Ämter In der staatlichen Finanzinspektion Nach seinem ENA-Abschluss wurde Macron eine Stellung in einer der drei höchsten Institutionen der Staatsverwaltung angeboten, und so arbeitete er ab 2005 als Finanzdirektor im öffentlichen Dienst bei der Inspection des Finances im Finanzministerium, die als finanzpolitische Leitzentrale des französischen Staates gilt.Auch Valéry Giscard d’Estaing war Absolvent der Eliteschule ENA und Finanzinspektor, ehe er in die Politik ging, bemerkte Karin Finkenzeller im Dezember 2020: Zahlreiche Beobachter sehen Macron als politischen Erben von VGE. Hier lernte Macron Jacques Attali kennen, einen Wirtschaftsprofessor, Publizisten und langjährigen Berater von Staatspräsident François Mitterrand, der ihn dem neuen Präsidenten, François Hollande, als Berater empfahl.Inspection générale des finances: M. Macron (Emmanuel). In: legifrance.fr. 9. April 2004 (französisch).Emmanuel Macron, un banquier d’affaires nommé secrétaire général adjoint de l’Elysée. In: Le Monde. 16. Mai 2012 (französisch).
Als Investmentbanker Nach seiner Tätigkeit im Finanzministerium arbeitete Macron im Institut Montaigne, einer wirtschaftsliberalen Denkfabrik in Paris. Eingeführt von seinem Förderer, Jacques Attali, und Serge Weinberg, dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden von La Redoute und Verwaltungsratspräsidenten von Sanofi, erhielt er 2008 im Alter von 31 Jahren eine Stellung im Investmentbanking bei Rothschild & Cie in Paris.Vgl.: Martine Orange (2012): Rothschild, une banque au pouvoir. S. 181 (Google Books).Emmanuel Macron, monsieur superlatif. In: Le Monde. 27. August 2014 (französisch).Emmanuel Macron — Le cerveau droit de François Hollande. In: Le Figaro, 13. Dezember 2012. Zwei Jahre später wurde er Partner (associé-gérant) bei Rothschild. Im Jahr 2012 begleitete Macron eine der größten Übernahmen des Jahres, den Kauf der Babynahrungssparte des US-amerikanischen Konzerns Pfizer durch Nestlé für 11,9 Milliarden US-Dollar. Das linke Wochenmagazin L’Obs bezeichnete Macron in der Rückschau auf das Jahr als „l’enfant prodige de l’Elysée“ („Wunderknabe aus dem Élysée-Palast“).2-Milliarden Übernahme: Nestle kauft Babynahrungssparte von Pfizer. In: handelsblatt.com. 23. April 2012, abgerufen am 4. Juli 2017.Ils ont marqué 2012: Emmanuel Macron, l’enfant prodige de l’Elysée. In: L’Obs. 28. Dezember 2012 (französisch).
Politische Laufbahn bis 2017 Tätigkeit im Präsidialamt und Ernennung zum Wirtschaftsminister Als François Hollande im Mai 2012 die Präsidentschaftswahl gewann, gab Macron seine Stellung bei der Investmentbank Rothschild & Cie auf, wechselte in den Präsidialstab und wurde Hollandes Berater für Wirtschafts- und Finanzpolitik. Zudem war er von Mai 2012 bis Juni 2014 als stellvertretender Generalsekretär des Präsidialamtes im Élysée-Palast tätig.Hollande macht Vertrauten zum Wirtschaftsminister. In: FAZ Online. 26. August 2014. mini|Das Gebäude des Ministère de l’Economie et des Finances, zu Deutsch Ministerium für Wirtschaft und Finanzen, wird auch nach dem Pariser Stadtteil Bercy genannt
Im Wahlkampf hatte Hollande Frankreich als erbitterten „Gegner der Finanzmärkte“ bezeichnet und Arnaud Montebourg, einen Globalisierungskritiker, zum Wirtschaftsminister ernannt. Macron hatte als Berater des Präsidialstabs die Funktion, als wirtschaftsfreundliches Gegengewicht zu Montebourg zu agieren. Macron galt als Mann ohne eigene Hausmacht in der Partei, der keinem Flügel zugerechnet werden konnte.Macron, ce chouchou des patrons qui succède à Montebourg in: Challenges. 4. September 2012. Montebourg verspottete Macron öffentlich als „Schoßhund des Präsidenten“, der den ganzen Tag hinter den Gardinen des Élysée sitze (wörtlich: ). in: LeLab politique 1, vom 16. Dezember 2015. Als sich der US-amerikanische Konzern General Electric 2014 anschickte, das französische Unternehmen Alstom zu übernehmen, wollte Montebourg es vorbeugend verstaatlichen. Macron gelang es, sowohl Hollande als auch Valls zu überzeugen, diesen Schritt nicht zu unterstützen. Im Vorfeld hatte er ohne Wissen Montebourgs eine Beratungsfirma beauftragt, verschiedene Übernahmeszenarien zu prüfen.Alstom: l’Etat doit mettre General Electric à l’amende. In: Liberation, 14. Juni 2018. In diesem Zusammenhang verkündete er: „Wir sind nicht berechtigt, uns einzumischen. Wir haben keine dirigistische Wirtschaft, schließlich sind wir nicht in Venezuela.“
Mitte 2014 erwog Macron, von seiner Beratertätigkeit im Élysée-Palast zurückzutreten, da er keine Möglichkeit sah, ohne Unterstützung eines Parteiflügels Minister zu werden. Nach dem schlechten Abschneiden des linken Regierungsbündnisses bei den Kommunalwahlen im März 2014 war es Montebourg gelungen, Finanzminister Pierre Moscovici aus dem Amt zu drängen und wichtige Teile des Finanzministeriums in sein Ressort einzugliedern. Dies galt als Sieg des linken Flügels in der Regierung Hollandes. Die Situation änderte sich, als sich im Sommer 2014 der Konflikt zwischen linkem und rechtem Flügel verstärkte. Vertreter der Linken forderten die Aufgabe des Sparkurses der Regierung und eine veränderte Währungspolitik. Dies führte zur Auflösung des Kabinetts Valls I. Die linken Minister, Arnaud Montebourg, Benoît Hamon und Aurélie Filippetti, schieden aus, und das Kabinett Valls II wurde gebildet. Am 26. August 2014 ernannte Präsident Hollande Macron zum Minister für Wirtschaft, Industrie und Digitales.Das Kabinett des Präsidenten, Website des Élysée-Palastes, 26. August 2014 (französisch). Dies wurde als Signal gedeutet, Hollande strebe einen unternehmerfreundlicheren Kurs an und wolle eine Konfrontation mit Deutschland über die Euro-Währungspolitik vermeiden. In der Presse wurde Macron mehrfach als „Anti-Montebourg“ bezeichnet.Emmanuel Macron, l’anti-Montebourg. In: Le Figaro, 6. Oktober 2014. 2014 nahm Macron an der Bilderberg-Konferenz teil und hielt dort einen Vortrag über den Zustand der französischen Wirtschaft.Ce que Macron a dit au groupe Bilderberg en 2014. In: Europe 1, le JDD, 2. Dezember 2017
mini|Emmanuel Macron (2014)
Macron stand für einen Reformkurs, der mit der sozialdemokratischen Linie brach:Viele Bekannte und ein frisches Etikett. In: sueddeutsche.de. 26. August 2014Stefan Simons: Hollandes Tabubrecher. In: Spiegel Online. 28. August 2014, abgerufen am 5. Juli 2017. Er war es, der als wichtigster Wirtschaftsberater Hollandes federführend ein Reformpaket (Pacte de Responsabilité et Solidarité)etwa: „Pakt der Verantwortung und Solidarität“ Portail du Gouvernement: Pacte de Responsabilité et Solidarité, franz. Regierungsseite, aufgerufen am 27. August 2014. entwarf, das unter anderem mit Steuererleichterungen für Unternehmen die französische Wirtschaft ankurbeln sollte.Macron neuer Wirtschaftsminister. In: Die Zeit online. 26. August 2014. schrieb, der Pakt solle „Frankreichs Unternehmen inklusive CICE binnen drei Jahren Abgabenentlastungen in Höhe von 41 Milliarden Euro bringen.“ sueddeutsche.de nannte 30 Milliarden Euro (vermutlich ohne CICE). CICE = fr:Crédit d’impôt pour la compétitivité et l’emploi Macron ermöglichte dabei den Verkauf des Telekommunikationsanbieters SFR an Patrick Drahi, den sein Vorgänger, Montebourg, hatte verhindern wollen.