mini|hochkant=1.5|Das Haus Lindener Marktplatz 2 als hell verputztes Eckgebäude am Lindener Marktplatz

Das Haus Lindener Marktplatz 2 in Hannover ist ein denkmalgeschütztes Mehrfamilien-Mietshaus mit Ladengeschäft im Erdgeschoss aus der Zeit des Deutschen Kaiserreichs.Ilse Rüttgerodt-Riechmann: Lindener Marktplatz ... (siehe Literatur) 1906 wurde hier die deutsch-jüdische Historikerin und politische Philosophin Hannah Arendt geboren.Vergleiche die Dokumentation bei Commons (siehe unter dem Abschnitt Weblinks) Standort des Eckgebäudes ist der Lindener Marktplatz Ecke Falkenstraße im heutigen Stadtteil Linden-Mitte.

Geschichte und Beschreibung Das Gebäude entstand im Zuge der Anlage des Lindener Marktplatzes.Helmut Knocke, Hugo Thielen: Lindener Marktplatz. In: Hannover Kunst- und Kultur-Lexikon, S. 167 In dieser Zeit nach der Industrialisierung und der Gründerzeit war die 1885 selbständig gewordene Industriestadt LindenKlaus Mlynek: Linden. In: Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.) u. a.: Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2009, ISBN 978-3-89993-662-9, S. 406ff. bestrebt, zwischen der Ihmebrücke am Schwarzen Bären und der Kirche St. Martin am Lindener Berg ein neues Stadtzentrum zu bauen. „In einem städtebaulichen Kraftakt“ und nach zum Teil langwierigen Enteignungen entstand so zwischen der Villa Stephanus und der Falkenstraße in Höhe der alten Posthornstraße schließlich der gewünschte, neu angelegte rechteckige Marktplatz. Die junge Stadt setzte damit „wie mit keiner anderen Planung [... einen] deutlichen Schlussstrich unter die dörfliche Vergangenheit“. Gegenüber dem Neuen Lindener Rathaus und dem ehemaligen Kaiserlichen Postamt am Knick der ehemaligen Dorfstraße entstanden in den Jahren zwischen 1892 und 1902 großstädtische Mietshäuser, sämtlich mit Läden oder Gaststätten in den Erdgeschossen.

mini|hochkant|Stadttafel Nummer 129, darunter Naturstein mit Fossilien mini|Das 2014 in der Hofeinfahrt aufgebrachte Graffito des Künstlers Patrik Wolters alias BeneR1

Während sich die verschiedenen Architekten von den geraden Hausnummern 4 bis 12 bei den Verblend-Ziegelbauten mit neugotischen oder, wie bei Nummer 7, mit Stilelementen der Hannoverschen Architekturschule bedienten, entwickelten sie die Formensprache an den Hausnummern 6 und 8 stilistisch weiter. Andere Architekten eiferten der traditionellen Repräsentations-Architektur des späten 19. Jahrhunderts nach mit ihrer reichen Putz-Gliederung im Stil der Neorenaissance, etwa die Häuser mit den ungeraden Nummern 3, 5 und 9 oder das Eckgebäude Stephanusstraße 1.

Von dieser Häusergruppe hob sich das stilistisch jüngste Wohngebäude am Lindener Marktplatz 2 Ecke Falkenstraße nicht nur durch das an seiner Fassade verwendete Material ab: Das symmetrische errichtete Haus wurde an der Ladenzone mit Naturstein-Vorlagen versehen, die vereinzelt Fossilien aufweisen. In den Flächen war der reich mit Erkern, Loggien und Balkonen ausgestattete Eckbau ansonsten mit weiteren dekorativen Elementen verputzt, von denen jedoch nicht alle erhalten blieben.

Nach der Zeit des Nationalsozialismus erinnerte die niedersächsische Landeshauptstadt mit der hannoverschen Stadttafel Nummer 129 unter dem Wappen der Stadt an Hannah Arendt.

Der Künstler Patrik Wolters alias BeneR1Vergleiche das Impressum auf der Seite bener1.de, zuletzt abgerufen am 26. August 2014 fertigte 2014 im Seiteneingang von der Falkenstraße aus eine Graffiti-Serie mit Motiven aus Linden, dazwischen jedoch auch ein Brustbild von Hannah Arendt, das nach einer Fotografie aus der Provenienz von Käthe Fürst (Ramat Ha Sharon, Israel) gefertigt wurde.Vergleiche die Angaben bei Edgar Ojemann, Dietmar Geyer, R. Töneböhn, Dirk Ihle (Red.): Stadttafel am Geburtshaus ... (siehe unter dem Abschnitt Weblinks) Neben dem Bildnis brachte Wolters eines der bekanntesten Hannah Arendt zugeschriebenen Zitate auf.Es handelt sich dabei um einen modifizierten und verkürzt zitierten Satz, den Arendt in einem Hörfunkgespräch mit Joachim Fest äußerte (in der Sendereihe „Das Thema“ des Südwestfunks am 9. November 1964 ausgestrahlt) und der im Original Kein Mensch hat das Recht zu gehorchen bei Kant lautete. Tondokument hörbar auf der CD Hannah Arendt, Karl Jaspers: Eichmann – Von der Banalität des Bösen. Quartino, München 2010, ISBN 978-3-86750-072-2; online: ; in der Umstellung Kein Mensch hat bei Kant das Recht zu gehorchen im Gesprächstranskript auf hannaharendt.net; abgedruckt in Hannah Arendt, Joachim Fest: Eichmann war von empörender Dummheit. Gespräche und Briefe. Hrsg. Ursula Ludz & Thomas Wild. Piper, München 2011, ISBN 3-492-05442-0.

Siehe auch Geschichte der Juden in Hannover Liste von Geburtshäusern berühmter Personen

Literatur Ilse Rüttgerodt-Riechmann: Lindener Marktplatz und Nachbarstraßen. In: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Baudenkmale in Niedersachsen, Stadt Hannover, Teil 2, Bd. 10.2, hrsg. von Hans-Herbert Möller, Niedersächsisches Landesverwaltungsamt – Institut für Denkmalpflege, Friedr. Vieweg & Sohn Verlagsgesellschaft mbH, Braunschweig 1985, ISBN 3-528-06208-8, hier: S. 122f. sowie Linden-Mitte im Addendum: Verzeichnis der Baudenkmale gem. § 4 (NDSchG) (ausgenommen Baudenkmale der archäologischen Denkmalpflege), Stand: 1. Juli 1985, Stadt Hannover, Niedersächsisches Landesverwaltungsamt – Veröffentlichungen des Instituts für Denkmalpflege, S. 22f.

Weblinks

Edgar Ojemann, Dietmar Geyer, R. Töneböhn, Dirk Ihle (Red.): Stadttafel am Geburtshaus von Hannah Arendt / Lindener Markt/Falkenstraße beim Netzwerk Erinnerung und Zukunft

Einzelnachweise

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