Die Dorfkirche in Kussen () ist ein massives Bauwerk aus Feldsteinen und stammt aus dem Jahre 1743. Bis 1945 war sie evangelisches Gotteshaus für die Einwohner im Kirchspiel des damals ostpreußischen und heute Wesnowo genannten Ortes in der russischen Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen)).
Geographische Lage Das heutige Wesnowo liegt im Osten der Oblast Kaliningrad an der Regionalstraße R 508 (27A-027) zwischen Dobrowolsk (Pillkallen, 1938 bis 1946 Schloßberg) und Gussew (Gumbinnen) an der Einmündung einer von Lunino (Lengwethen, 1938 bis 1946 Hohensalzburg) kommenden Nebenstraße. Eine Bahnanbindung besteht nicht. Die Restmauern der Kirche befinden sich innerorts an der rechten Seite der Straße nach Lunino.
Kirchengebäude Eine erste Kirche stand in Kussen bereits 1586, doch ihr Baujahr wird noch vor der Mitte des 16. Jahrhunderts anzusetzen seinWesnowo - Kussen. Im Jahre 1531 nämlich erhob Herzog Albrecht von Preußen den Ort zu einem Kirchdorf, und Bischof Georg von Polenz legte 1538 den Standort für ein Gotteshaus fest. Auf Weisung des preußischen Königs Friedrich der Große wurde die alte Kirche 1742/1743 durch einen Neubau ersetzt, der am 23. Juni 1743 eingeweiht wurde.
Bei der Kussener DorfkircheWalther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2: Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen, 1968, S. 109, Abb. 480 und 481 handelt es sich um einen massiven aus Feldsteinen errichteten Bau mit einem hölzernen Dachturm. Im Jahre 1790 wurden Erweiterungsbauten vorgenommen. mini|links|Die Kussener Dorfkirche im Jahre 1900 (Zeichnung von Jost Schaper) Der Kircheninnenraum war flach gedeckt, und die umlaufenden Emporen wurden von je sieben Pfeilern getragen. Der Kanzelaltar war ohne jegliche Verzierungen. Der Taufstein sowie die Altargeräte wurden erst nach 1900 in die Ausstattung aufgenommen.
Die Kirche hatte eine Orgel, die 1700 von Johann Josua Mosengel erbaut wurdeWerner Renkewitz, Jan Janca, Hermann Fischer: Geschichte der Orgelbaukunst in Ost- und Westpreußen. Band II, 1: Mosengel, Caspari, Casparini. Pape Verlag, Berlin 2008, S. 239. Offensichtlich wurde die Orgel beim Neubau der Kirche 1743 in die neue Kirche übernommen, da sie im Kircheninventar des Jahres 1785 erwähnt wirdWerner Renkewitz, Jan Janca, Hermann Fischer: Geschichte der Orgelbaukunst in Ost- und Westpreußen. Band II, 1: Mosengel, Caspari, Casparini. Pape Verlag, Berlin 2008, S. 106. Wann sie verloren ging, ist nicht zu ermitteln.
Das Geläut bestand aus zwei Glocken aus dem Gussjahr 1922.
Den Zweiten Weltkrieg überstand die Kirche ohne Schaden. Nach 1945 wurde das Gotteshaus allerdings als Lagerhalle für landwirtschaftliche Geräte zweckentfremdet. In dieser Zeit ging der Turm verloren. Die Anbauten im Osten und Westen gab es nicht mehr, das Dach fiel ein. In den 1990er Jahren wurde das Gebäude nicht mehr benutzt und verfällt seither.Erwin Spehr, Die Kirche von Kussen und ihr Verfall Im Jahre 2008 stand nur noch ein Teil der Kirchenmauern, bis 2016 stürzte auch die verbliebene Giebelwand ein. mini|Die Kirchenruine Kussen im Jahre 1992
Kirchengemeinde Die evangelische KirchengemeindeWalther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3: Dokumente, Göttingen, 1968, S. 485 in Kussen wurde 1586 gegründet, nachdem die Bevölkerung dort zunächst von dem Pfarrer aus Kattenau (heute russisch: Sawety) betreut wurdeFriedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, S. 79. Gehörte sie anfangs zur Inspektion Insterburg (Tschernjachowsk), so war sie dann bis 1945 in den Kirchenkreis Pillkallen (Schloßberg) innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union eingegliedert.
Das Kirchspiel Kussen bestand aus 34 Orten, Ortschaften und Wohnplätzen und zählte 1925 5.500 Gemeindeglieder. Die Pfarrstelle war von 1585 bis 1945 ununterbrochen besetzt.
Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung ab Januar 1945 sowie die nachfolgende restriktive Religionspolitik der Sowjetunion brachten das kirchliche Leben in Wesnowo zum Erliegen. Heute hier lebende evangelische Kirchenglieder wohnen im Einzugsbereich der neu entstandenen evangelisch-lutherischen Gemeinde der Salzburger Kirche in Gussew (Gumbinnen), die zur Propstei Kaliningrad (Königsberg) der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland gehört.
Kirchspielorte Zum weitflächigen Kirchspiel der Kussener Dorfkirche gehörten:Anmerkung: Ein * kennzeichnet einen Schulort.
Name Änderungsname1938 bis 1946 Russischer Name Name Änderungsname1938 bis 1946 Russischer Name Antmirehlen1935–1946: Werben Saltykowka Kalbassen Schwaighöfen Orlowskoje Bednohren Stahnsdorf (Ostpr.) Kiggen Steinershöfen Murawjowo Belsen Kischenbannies Bühlerhof Stalingradskoje,dann: Dalneje Bludszen1936–1938 Bludschen Vierhöfen (Ostpr.) Fewralskoje Klein Henskischken Kleinhensken *Bruszen1936–1938 Bruschen Kiesfelde Wesnowo Kögsten Michelfelde Nowinki Budszuhnen1936–1938 Budschuhnen Eschenhöhe *Kussen Wesnowo Budupönen Buden Petrowskoje *Laugallen Lorenzen Petrowskoje Dauden Podlesnoje Meschkuppen Bärenhöfen Kuprino *Draugupönen1938–1939 Deihornswalde ab 1939:Dreihornswalde *Mingstimmehlen Mingen Kuprino *Duden Dudenwalde Denissowo Mingstimmen Wiesenbrück Medwedkino Eggleningken Kiefernberg Murawjowo *Radszen1936–1938 Radßen Radenau *Eymenischken-Baltadonen Weizenfelde Schwarballen Grundweiler Drosdowo Eymenischken-Wassaken Stutbruch Dimitrowo Septinlöpen1928–1946 Siebenlinden Petrowskoje *Henskischken Hensken Schelannoje *Spullen Fewralskoje Heinrichsfelde Urblaugken Urlau Wesnowo *Jänischken Hansruh Saosjornoje Wallindszen1936–1938 Wallindschen Wallinden Romaschkino Jodszen1936–1938 Jodschen Ackermühle Nagornoje Wassantkehmen Wildnisrode Wesnowo
Pfarrer Zwischen 1585 und 1945 amtierten an der Kussener Dorfkirche 20 evangelische Geistliche: Michael Sappuhn, 1585–1595 Laurentius Pusch, 1595–1620 Zacharias Surkau, 1620–1642 Zacharias Hesse, 1642–1669 Theophilus Fuchs, 1660–1676 Albert Rauschning, 1677–1709 Heinrich Behrendt, 1695–1705 Johann Sebastian Sperber, 1705–1716 Georg Friedrich Pusch, 1716–1751 Gerhard Ludwig Mühlenkampf, 1751–1759 Georg Wilhelm Gazali, 1759–1777 Johann Jacob Küssner, 1778–1814 Johann Gottfried Zippel 1811–1818 Friedrich Constantin Marcus, 1818–1848 Reinhold Eduard Otto Fiedler, 1848–1870 Otto Reichel, 1870–1890 August Jussas, 1890–1892 Johann Wilhelm Georg Schulz, 1892–1893 August Wilhelm Eugen Paul Vangehr, 1893–1929 Erich Hein, 1930–1945
Literatur Daniel Heinrich Arnoldt: Kurzgefaßte Nachrichten von allen seit der Reformation an den lutherischen Kirchen in Ostpreußen gestandnen Predigern. Königsberg 1777, S. 98–99. Kühnast: Nachrichten über Grundbesitz, Viehstand, Bevölkerung und öffentliche Abgaben der Ortschaften in Littauen nach amtlichen Quellen. Band 2, Gumbinnen 1863, S. 469–481.
Weblinks
Kussen. Kirchdorf an der Gumbinner Chaussee Кирха Куссена - Die Kirche Kussen bei prussia39.ru
Einzelnachweise
Kategorie:Erbaut in den 1740er Jahren Kategorie:Feldsteinkirche Kategorie:Kirchengebäude (lutherisch) Kategorie:Kirchengebäude der Kirchenprovinz Ostpreußen Kategorie:Kirchengebäude in der Oblast Kaliningrad Kategorie:Kirchenruine in Russland Kategorie:Rajon Krasnosnamensk Kussen