Die StadtNeue Osnabrücker Zeitung vom 14. Januar 2017: Minister überreicht Urkunde. Werlte darf sich ab 22. März Stadt nennen. Abgerufen am 8. Februar 2017. Werlte ist der Verwaltungssitz der Samtgemeinde Werlte im Nordosten des Landkreises Emsland in Niedersachsen (Deutschland).
Geografie Lage Werlte liegt ein paar Kilometer östlich des Hümmlings, eines Geestrückens im Emsland.
Stadtgliederung Neben dem Hauptort Werlte gehören noch folgende Ortschaften zur heutigen Stadt: Bockholte (mit Gut Einhaus) Ostenwalde Wehm (mit dem Menschenberg) Wiestelinks|110px|Stadt Werlte im Landkreis Emsland
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind im Norden die Gemeinden Lorup (nicht direkt angrenzend) und Rastdorf, im Osten die Gemeinden Vrees und Lindern (Landkreis Cloppenburg), im Südosten die Stadt Löningen (Landkreis Cloppenburg), im Süden die Gemeinden Lahn und Lähden (Samtgemeinde Herzlake), im Westen die Gemeinden Sögel und Spahnharrenstätte in der Samtgemeinde Sögel.
Oberflächengewässer, Moore und andere Feuchtgebiete Das Gemeindegebiet von Werlte liegt hydrologisch im Flusssystem der Ems.
Unweit der Stadt befinden sich die Quellgebiete von Nordradde und Loruper Beeke im Westen sowie Mittelradde und Marka im Osten. Diese Fließgewässer gehören zum Einzugsgebiet der Ems, die 25 km westlich von Werlte bzw. 10 km westlich des Hümmlings fließt. Die Hase, ein weiterer Nebenfluss der Ems, verläuft 16 km weiter südlich.
Neben Fließgewässern gibt es auch typische norddeutsche Moor- und Stillgewässer. Das Theikenmeer ist ein bedeutendes Moor- und Schutzgebiet (NSW WE 010) mit offenen Wasserflächen sowie kleinere Moorgewässer und „Dosen“ (vermoorte Senken). Das Theikenmeer umfasst ein Hochmoor, die Wehmer Dose, mit einem darin liegenden See. Beide sind wichtiger Rastplatz für ziehende Wasservögel. Das Hochmoor hat nach erfolgreichen Vernässungsmaßnahmen wieder Bedeutung für hochmoortypische Tier- und Pflanzenarten.
Am Rand des Hochmoores befinden sich Feuchtwiesen und Niedermoorflächen, die als Übergangsbereiche zwischen Moor und mineralischen Böden fungieren. Diese Flächen sind durch hohe Bodenfeuchte geprägt und dienen unter anderem Wiesenvögeln als Lebensraum.
Bevölkerung Werlte hat wegen seiner jahrhundertelangen Zugehörigkeit zum Hochstift Münster eine ursprünglich stark römisch-katholisch geprägte Einwohnerschaft. Diese Homogenität wurde erst Mitte des 20. Jahrhunderts aufgebrochen. Im Zweiten Weltkrieg wurden auf den Bauernhöfen als Ersatz für die zum Kriegsdienst eingezogenen Männer zeitweise zwangsrekrutierte Arbeitskräfte aus dem besetzten Polen und Russland eingesetzt. Von den Vertriebenen, die nach dem Krieg gekommen waren, blieb nur ein Teil; viele wanderten bald in dichter industrialisierte Gebiete wie das Ruhrgebiet weiter. Aus dieser Zeit stammt die kleine evangelische Kirche. Ein Gastarbeiterzuzug in den 1960er und 1970er Jahren fand überhaupt nicht statt. Entscheidend mitgeprägt wurde Werlte durch die in den 1990er Jahren eingewanderten Russlanddeutschen überwiegend aus Südsibirien und Kasachstan. Daneben sind in den letzten 20 Jahren auch Rentner aus Ballungsräumen zugezogen, die die Natur und die Ruhe der Umgebung schätzen.
Geschichte mini|Steingrab von Werlte Vorgeschichte Das Ganggrab „De hoogen Steener“ (Sprockhoff Nr. 830), 3 km nördlich des Ortes, stammt aus der Jungsteinzeit (3500–2800 v. Chr.) und ist der früheste Beleg einer Besiedlung des Raumes. Mit einer Kammerlänge von 27,5 m ist es das größte Ganggrab überhaupt. Während die Steine der vermutlich ovalen Einfassung fast völlig fehlen, sind die einst 39 Trag- und 15 Decksteine weitgehend vorhanden.
Im Ortsteil Ostenwalde wurde ein Hünengrab (Ganggrab von Ostenwalde) versetzt und liegt jetzt im Ort, jedoch am Straßenrand. Die Anlage liegt an der Straße der Megalithkultur.
11. Jahrhundert Die Ortschaft Werlte wurde im 11. Jahrhundert erstmals urkundlich als werlidde bzw. werelithe als Besitzung des Klosters Corvey erwähnt. Die Ortschaften des Hümmling waren diesem Kloster im hohen Mittelalter zehntpflichtig.Gerd Steinwascher: Klöster im Emsland vom Mittelalter bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. In: Annuntiata Bays, M. Gerharda Rekers, Franz Solan Nüßlein, Karl Schulte-Wess, Gerd Steinwascher: Von Klöstern und Klosterleuten. Orden wirken im Emsland. Emsländischer Heimatbund, Sögel 1999, ISBN 3-88077-082-4, S. 4–39, hier S. 6.
19. Jahrhundert Werlte war wie der gesamte Hümmling bis 1803 Teil des Amtes Meppen im Niederstift Münster. Erst wurde es an das Herzogtum Arenberg-Meppen angegliedert, dann war es ab 1810 Teil des Kaiserreichs Frankreich und kam 1815 an das Königreich Hannover und mit diesem 1866 an Preußen. Der Hümmling wurde im Heiligen Römischen Reich als „freier Hümmling“ bezeichnet, da die Bauern in ihm, wahrscheinlich aufgrund seiner geringen Erschließung und kargen Lebensbedingungen, nicht persönlich abhängig waren.
Ein bekannter Einwohner Werltes war Albert Trautmann (1867–1920), dem an der Ecke Kellerstraße/Hauptstraße ein Denkmal gesetzt wurde. Er ist u. a. der Verfasser der „Hümmlinger Skizzen“. Viele Einrichtungen tragen heute seinen Namen, so auch die von ihm geleitete Apotheke an der Hauptstraße und die Albert-Trautmann-Schule. Er wurde auf dem Alten Friedhof in Werlte begraben.
21. Jahrhundert Seit dem 22. März 2017 hat Werlte den Status einer Stadt.
Eingemeindungen Mit dem Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden in den Räumen Leer und Aschendorf-Hümmling wurden am 1. Januar 1973 die Gemeinden Bockholte, Ostenwalde, Wehm und Wieste in die Gemeinde Werlte eingegliedert.
Die Struktur der umliegenden Gemeinden ist mehr landwirtschaftlicher Art, während sich der zentrale Ort Werlte nicht zuletzt durch den Emslandplan in den vergangenen Jahrzehnten zu einem beachtlichen Industriestandort und regionalen Einkaufszentrum entwickelt hat.
Einwohnerentwicklung (einschließlich eingemeindeter Ortsteile) mini|500px|Einwohnerentwicklung von Werlte zwischen 1821 und 2013 Jahr Einwohner 1821 2.074 1848 2.202 1871 2.085 1885 2.179 1905 2.255 1925 3.119 1933 3.406 1939 3.832 1946 4.588 1950 4.676 1956 4.316 1961 4.441 1971 5.445 1977 5.536 1979 5.723 1980 5.775 1981 5.790 1982 5.748 Jahr Einwohner 1983 5.774 1984 5.803 1985 5.800 1986 5.835 1987 5.834 1988 5.871 1989 5.979 1990 6.164 1991 6.481 1992 6.965 1993 7.359 1994 7.737 1995 8.290 1996 8.444 1997 8.740 1998 8.637 1999 8.704 2000 8.749 Jahr Einwohner 1999 8.704 2000 8.749 2001 8.849 2002 8.919 2003 9.059 2004 9.097 2005 9.165 2006 9.308 2007 9.388 2008 9.358 2009 9.338 2010 9.389 2011 9.482 2012 9.545 2013 9.742 2014 9.988 2015 10.077 2016 10.168
Politik
Gemeinderat Der Rat der Stadt Werlte besteht aus 25 Ratsfrauen und Ratsherren. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Mitgliedsgemeinde einer Samtgemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 9.001 und 10.000 Einwohnern.Niedersächsisches Kommunalverfassungsgesetz (NKomVG) in der Fassung vom 17. Dezember 2010; § 46 – Zahl der Abgeordneten, abgerufen am 12. November 2014 Die Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die allgemeine Wahlperiode beginnt am 1. November nach der letzten Wahl und endet nach fünf Jahren zum 31. Oktober. §47 NKomVG-Wahlperiode +SitzverteilungPartei2026202120162011 CDU17151819 SPD5576 FDP33 – – Grüne –2 – –
Wappen links|100px|Wappen Werlte
Von Rot und Gold geteilt, darin in verwechselten Farben oben ein Hünengrab, unten ein fünfspeichiges Zahnrad. Werlte, im Jahre 854 als Werelithe bezeichnet, war von jeher im Besitz des Klosters Corvey. Das Wappen dieses Klosters, der von Rot und Gold geteilte Schild, liegt dem Wappen von Werlte zu Grunde. Im Bereich der Stadt gibt es zahlreiche Großsteingräber, darunter die Hoogen Stainer mit der längsten Steinkammer Deutschlands. Als Zeichen für die Haupterwerbszweige der Einwohner (Handel, Gewerbe, eisenverarbeitende Industrie und Textilindustrie) wurde ein Zahnrad gewählt, das mit seinen fünf Speichen die Zusammengehörigkeit der Orte Bockholte, Ostenwalde, Wehm, Werlte und Wieste symbolisiert.
Städtepartnerschaft Seit dem 8. September 2005 besteht eine Partnerschaft zwischen Werlte und der Stadt Lidzbark Warmiński (deutsch: Heilsberg) in Polen. In Werlte wurde die Heimatstube der Kreisgemeinschaft Heilsberg eingerichtet.Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa: Heimatstube der Kreisgemeinschaft Heilsberg, abgerufen am 22. Februar 2014.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
mini|hochkant|Bibelgarten der Gemeinde St. Sixtus Außerhalb des Ortes befindet sich das Großsteingrab De hoogen Steener. Bei Ausgrabungen von 1864 und 1906 wurden Scherben und Feuersteingeräte aus der Zeit von 3500 bis 2800 v. Chr. gefunden, die der Trichterbecherkultur zugerechnet werden. Die katholische Kirche St. Sixtus Werlte findet eine erste urkundliche Erwähnung im Jahr 1100 in den Urkunden des Klosters Corvey. Eine erste Kirche aus Findlingssteinen ist für das Jahr 1344 belegt. Ein Neubau wurde 1832 eingeweiht. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche bei einem Luftangriff zerstört und nach dem Krieg wieder aufgebaut. Die katholische Kirchengemeinde St. Sixtus unterhält im Ortszentrum einen Bibelgarten. In dem Garten sind über 80 verschiedene Pflanzen zu sehen, die einen Bezug zur Bibel haben. Die evangelische Lukaskirche Werlte befindet sich in einer erweiterten und ausgebauten Bartning-Notkirche. Die Notkirche wurde nach Plänen des Architekten Otto Bartning (1883–1959) im Auftrag des Lutherischen Weltbundes (Lutheran World Federation) als „Fertighaus“ erbaut und 1951 eingeweiht. Innerhalb der Stadt liegen die Naturschutzgebiete Theikenmeer und Bockholter Dose. Am Schutzgebiet Theikenmeer wurde 2023 die Naturparkstation Theikenmeer mit Aussichtsturm und Rundwanderweg eröffnet.
Gemeinnützige Einrichtungen Sportverein SV Sparta Werlte Schützenbrüderschaft St. Sebastianus St. Sebastianus Orchester Kreutzmanns Mühle Heimatverein Werlte Haus der Begegnung Hermann-Droste-Park Kolpingsfamilie Werlte evangelische Kirchengemeinde Werlte Katholische Jugend Werlte Motorsportclub „Hümmling“ Werlte Freiwillige Feuerwehr Werlte Deutsches Rotes Kreuz, Ortsverein Werlte Reitverein RUF Werlte Nikolausverein Werlte Förderverein der Grundschule Werlte e. V. Bogensportclub (BSC) Werlte e. V. Western und Rodeo-Club Hümmling e. V.
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Straßenverkehr Von Lathen und der B 70 aus ist Werlte über die Landesstraße 53 zu erreichen. Über die Landesstraße 837 erreicht man Lastrup und die B 213.
Schienenverkehr Werlte liegt an der Bahnstrecke Lathen–Werlte. Die Strecke wird nur im Güterverkehr bedient.
Busverkehr Vom Busbahnhof Werlte verkehren Buslinien verschiedener Anbieter in die Nachbarstädte. Diese sind dabei nicht in einen Verkehrsverbund integriert. Die meisten Fahrten verkehren nur werktags und sind auf den Schülerverkehr abgestimmt. Eine Buslinie verkehrt im Sommerhalbjahr im Zuge der Emsland-Route an Wochenenden als „Hümmling-Linie“ des „Emsland RADexpress“ durchgehend zwischen Lathen, Sögel, Werlte und Vrees.
Wirtschaft Werlte ist von Handwerksbetrieben und mittelständischen Unternehmen geprägt. Es dominieren der Maschinenbau und die Zuliefererindustrie für die Fahrzeugfabrik Krone. Weiterhin ist der Handel recht stark, da die nächstgelegenen Mittelzentren alle mindestens etwa 30 km entfernt liegen und dadurch ein großer Teil der Kaufkraft im Ort bleibt. Dennoch musste 2001 – nach einer überdimensionierten Erweiterung – ein großes Möbelhaus aufgeben, das erst kürzlich im neuen Gewand wieder öffnen konnte.
Stark negativ hat sich der Abzug des Bundeswehr-Transportbataillons 120 in der örtlichen Hümmling-Kaserne (1968 bis 2003) ausgewirkt, in die zuletzt im Jahr 2000 noch 4 Mio. Euro für die Einrichtung einer Ausbildungskompanie investiert worden waren.