mini|Smart und sanfte Mobilität – mögliches Szenario Smart City ist ein Sammelbegriff für eine Reihe verschiedener, sich teilweise widersprechender Konzepte, die digitale Telematik-Methoden anwenden und dabei das Ziel angeben, Städte dadurch lebenswerter, effizienter, technologisch fortschrittlicher sowie ökologischer und sozial inklusiver zu gestalten. Die Konzepte umfassen soziale, technische, wirtschaftliche und organisatorische Innovationen und werden sowohl in der wissenschaftlichen Forschung als auch in der Standardisierung behandelt. Der Begriff findet zudem Verwendung im Stadtmarketing sowie in der strategischen Kommunikation von Technologieunternehmen. Als Smart Region wird ein ländlich geprägter Raum bezeichnet, der vergleichbare Entwicklungsziele verfolgt. Laut dem Smart-City-Index 2024 des Digitalverbands Bitkom verfolgen mittlerweile über 70 % der deutschen Großstädte eine eigene Smart-City-Strategie. Im Mittelpunkt stehen dabei insbesondere digitale Verwaltungsangebote, intelligente Verkehrssteuerungssysteme sowie Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz. Smart Citys gelten zunehmen als zentraler Bestandteil kommunaler Digitalisierungsstrategie.Arbeitskreis Smart City / Smart Region. In: Bitkom.Smart City. In: fraunhofer.de.
Definition Der Begriff der „Smart City“ wurde erstmals in den 1990er-Jahren nachgewiesen. Seit den 2000er-Jahren wird er von unterschiedlichen Akteuren in Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Stadtplanung und Wissenschaft verwendet wird, um technologiebasierte Veränderungen und Innovationen in urbanen Räumen zusammenzufassen. Die Idee der Smart City geht mit der Nutzbarmachung digitaler Technologien einher und stellt zugleich eine Reaktion auf die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Herausforderungen dar, mit denen postindustrielle Gesellschaften um die Jahrtausendwende konfrontiert sind. Im Fokus stehen hierbei der Umgang mit Umweltverschmutzung, dem demographischen Wandel, Bevölkerungswachstum, Finanzkrise oder Ressourcenknappheit. Breiter gefasst, schließt der Begriff auch nicht-technische Innovationen mit ein, die zu besserem und nachhaltigerem Leben in der Stadt beitragen. Dazu gehören beispielsweise Konzepte des Teilens (Share Economy) oder zur Bürgerbeteiligung bei Großbauprojekten. Von IT-Unternehmen wird das Konzept gleichzeitig als neuer Markt für ihre Produkte und Dienstleistungen betrachtet.
Verschiedene Charakteristika wurden zum Zweck des Vergleichs von Städten im Bereich „Smartness“ definiert: Smart Economy (Wirtschaft), Smart People (Bevölkerung), Smart Governance (Verwaltung), Smart Mobility (Mobilität), Smart Environment (Umwelt) und Smart Living (Leben).Giffinger et al., 2007. Die Potentiale der Smart City entfalten sich erst im Rahmen eines „kooperativen Beziehungsgeflechts zwischen Bürger, Stadtverwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik.“Jäkel/Bronnert 2013: 16.
Laut manchen Akteuren sei die hochentwickelte Smart City ein Internet of Things and Services: Solche Ansätze sind typischerweise mit zentralen Datenplattformen verbunden, die Informationen aus Verwaltung, Infrastruktur und weiteren Bereichen zusammenführen und als Grundlage für Analyse- und Entscheidungsprozesse dienen. Die gesamte städtische Umgebung ist dabei mit Sensoren versehen, die sämtliche erfassten Daten in der Cloud verfügbar machen. So entsteht eine permanente Interaktion zwischen Stadtbewohnern und der sie umgebenden Technologie. Die Stadtbewohner werden so Teil der technischen Infrastruktur einer Stadt. Über die Bewertung solcher Szenarien herrscht Uneinigkeit.
Zudem wird diskutiert, inwiefern die Entwicklung von Smart Citys durch den verstärkten Einsatz künstlicher Intelligenz weitergeführt werden kann. Dabei wird KI vor allem als Instrument verstanden, das Entscheidungsprozesse unterstützen und die Bearbeitung konkreter Problemstellungen erleichtern soll, ohne die politischen und organisatorischen Aushandlungsprozesse zu ersetzen.
Leistungsdimensionen von Smart City Zur Analyse von Smart Citys nutzt Giffinger et al. ein Modell mit sechs Bereichen, die unterschiedliche Aspekte städtischer Leistungsfähigkeit abbilden:
Wirtschaft Smart Economy bezeichnet die Steigerung der wirtschaftlichen Produktivität durch Vernetzung verschiedener Akteure auf lokaler, regionaler und globaler Ebene. Sie ist gekennzeichnet durch einen besonderen Unternehmergeist, aus dem innovative und zukunftsträchtige Ideen hervorgehen. Fundament der Smart Economy ist das Humankapital, also das individuelle Wissen eines jeden Akteurs. Dieses Wissen wird durch formellen und informellen Wissenstransfer der Arbeitskräfte untereinander kontinuierlich erworben, entwickelt und weitergegeben, was wiederum die Produktivität der Arbeiter steigert. Die Smart Economy steht oft in Verbindung mit Konzepten und Begriffen wie der Creative Class und der Wissensgesellschaft.
Verschiedene private Akteure haben sich unter dem Titel Smart-City-Projekte gebündelt, um Synergien in der Vermarktung der eigenen Produkte und Dienstleistungen herzustellen. Die Städte binden sich über einen Zeitraum von mehreren Jahren an einen Anbieter auf diesem Gebiet. Unter anderem ist IBM Vorreiter auf dem Gebiet und berät kommunale Akteure wie zum Beispiel die Stadt Rio de Janeiro.Vgl. In: smartercitieschallenge.org (englisch). Weiterhin präsentiert der Energiekonzern Vattenfall unter dem Titel „Smart Home“ verschiedene Angebote für die Regelung des Energieverbrauchs privater Haushalte und zum Aufbau intelligenter Netze und auch Cisco Systems präsentiert unter dem Titel „Internet of Everything“ eine Reihe von durch Kommunikationsnetzwerke steuerbaren Lebensbereichen: Von Energienetzwerken über Verkehr bis zum Einkauf im Supermarkt. Auch der global agierende Konzern Siemens bündelt Beratungsangebote an Städte mit dem Verkauf diverser konzerneigener Produkte sowie Dienstleistungen.Hartmann 2012. Wirtschaftliche Unterstützungen für Bürger-Projekte können durch ein Bürgerbudget geschaffen werden.
In Smart-City-Ansätzen werden zunehmend auch Gebäude- und Quartiersebenen als operative Einheiten betrachtet, etwa im Zusammenhang mit dem Betrieb von Wohn- und Büroimmobilien. Beschrieben werden dabei integrierte Plattformen, über die Meldungen, Betriebsdaten und Verwaltungsprozesse zusammengeführt werden, um Abläufe zu koordinieren und Probleme schneller zu bearbeiten.
Smart City und Immobilienwirtschaft Smart Citys haben direkte Auswirkung auf die Immobilienwirtschaft. Durch die zunehmende Vernetzung urbaner Infrastrukturen werden Gebäude Bestandteil digitaler Gesamtsysteme. Intelligente Stromnetze (Smart Grids), digitale Gebäudesteuerungen sowie IoT-Basierte Sensorik ermöglichen eine effizientere Bewirtschaftung von Immobilien. Außerdem eröffnen städtische Datenplattformen neue Möglichkeiten für Standortanalysen, Quartiersentwicklungen und nachhaltige Stadtplanung. Die Integration digitaler Technologien in Gebäude trägt somit zur Optimierung von Betriebskosten, Energieverbrauch und Flächennutzung bei.
Governance, Politik und Verwaltung Die 2007 beschlossene Leipzig Charta leitete einen Paradigmenwechsel in der Stadtentwicklung ein, der die Grundlage für eine integrierte und nachhaltige europäische Stadtpolitik schuf. Aufbauend auf der Leipzig Charta erarbeitete in Deutschland die „Dialogplattform Smart Citys“, bestehend aus Vertretern des Bundes, der Länder, der Kommunen, der kommunalen Spitzenverbände, verschiedener Wissenschaftsorganisationen, Wirtschafts-, Sozial- und Fachverbänden, von 2016 bis 2017 die „Smart City Charta“.Smart City Charta des BMI, Stand Mai 2017, aufgerufen am 27. Oktober 2020. Im Rahmen dieses Dialogprozesses wurden auf Initiative des Bundes Leitlinien und Handlungsempfehlungen für die deutschen Kommunen auf dem Weg zu Smart Citys entwickelt.
Gegenwärtig soll durch das EU-Programm Horizont 2020 die Entwicklung europäischer Städte zu „Smart Citys“ vorangetrieben werden. Mit dem Ziel, die EU auf globaler Ebene wettbewerbsfähiger zu machen, werden einige „smarte“ Vorzeigeprojekte gefördert. Ein Beispiel für ein von der EU gefördertes Pilotprojekt ist Open Cities.Nachweis Open Cities 2014b: Vor diesem Hintergrund fördern unterschiedliche EU-Programme Städte, die sich selbst als Smart Citys begreifen, in ihrer Bestrebung einer smarten Stadtentwicklung. Die von den Programmen geförderten Städte sind unter anderem: Kopenhagen, Wien, Amsterdam und Berlin.
Bei der Entwicklung smarter Technologien arbeiten kommunale Akteure häufig mit Universitäten (z. B. Berlin, Barcelona, Wien) und privaten Forschungseinrichtungen zusammen. Hier sollen Probleme der Nachhaltigkeit und der technischen Umsetzbarkeit smarter Technologien, Partizipationsformen und Datenmengen gelöst werden.
Jedoch ist gerade auf politischer Ebene umstritten, was eine smarte Stadtpolitik auszeichnet. Ein in dem Diskurs um die Smart City häufig aufgeführtes Merkmal smarter Stadtpolitik ist die „Smart Governance“. Diese soll eine bürgernahe politische Entscheidungsfindung durch starke Einbindung der Zivilbevölkerung in städtische Entwicklungsprozesse sicherstellen. Ziel der Smart Governance ist es, Maßnahmen, Planungs- und Entscheidungsprozesse transparenter (Open Data) und partizipativer zu gestalten (Bürgerbeteiligung). Hierbei spielen Technologien wie das Open-Data-Prinzip und Formen des Open Government sowie der E-Partizipation eine große Rolle. Die digitale Umsetzung und Erweiterung von Demokratie wird auch als E-Democracy bezeichnet. Ziel dieser neuen Partizipationsformen ist es, mit den Stadtbewohner in Dialog zu treten und alle Bewohner am Prozess des Policy Makings teilhaben zu lassen.
In neueren Konzepten wird betont, dass digitale Instrumente vor allem dann wirksam sind, wenn sie an konkrete Bedarfe und Probleme der Stadt anknüpfen und Rückkopplung aus dem laufenden Betrieb ermöglichen. Kritisch diskutiert wird zudem, dass datengetriebene Steuerung politische Abwägungen und gesellschaftliche Zielkonflikte nicht ersetzen kann.
Zivilgesellschaft Fundamentaler Bestandteil der Smart City ist eine besondere Form der Zivilgesellschaft. Die Bürger, die „Smart People“, werden als besonders kreativ, flexibel, sozial heterogen und vernetzt charakterisiert. Die Smart City und ihre Bevölkerung sind interdependent, das heißt, dass das Leben der Bewohner durch technische Innovationen einfacher und besser gestaltet wird, während die Bewohner die Stadt ihrerseits durch Eigeninitiative prägen. Hierzu gehören zivilgesellschaftliche Initiativen, die sich sozial oder kreativ mit städtischem Raum auseinandersetzen, und politische Entscheidungsprozesse, an denen alle gesellschaftlichen Gruppen teilhaben und so Einfluss auf die Entwicklung ihrer Stadt nehmen können. Seinen Ursprung findet diese Form des politischen Denkens in den städteplanerischen Bewegungen des New Urbanism und Smart Growth. Eine breite Koalitionsbereitschaft sowie das Einbinden von vielen verschiedenen Akteuren sollen zu einer breit gestreuten Vielfalt von Themen führen. Grundsätzlich soll eine Entwicklung „von unten“ stattfinden. Obwohl die Öffentlichkeit in die informelle netzwerkartige Organisation vieler Steuerungsprozesse eingebunden wird, ist sie dennoch kein Entscheidungsträger.
mini|Smarter Together München-Neuaubing: Eröffnung einer Quartiersbox für Bringdienste und zum Austausch von Gerätschaften zwischen Bürgern