mini|Blick auf das nach 1900 erbaute Mehrfamilien-Mietshaus in der Jacobsstraße 10 im heutigen hannoverschen Stadtteil Linden-Mitte

Das Büro Dr. SchumacherVergleiche die Dokumentation bei Commons (siehe unter dem Abschnitt Weblinks) (auch: Büro Schumacher; später: Büro der Westzonen) ist der Name für das unter Kurt Schumacher noch vor dem Ende des Nationalsozialismus und dem Ende des Zweiten Weltkrieges begründete Büro zum Wiederaufbau der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD).Klaus Mlynek: Büro Schumacher (siehe Literatur) Standort der Büroräumlichkeiten war ein nach der Wende zum 20. Jahrhundert errichtetes, heute denkmalgeschütztes Mehrfamilien-Mietshaus in der Jacobsstraße 10 im heutigen hannoverschen Stadtteil Linden-Mitte.Ilse Rüttgerodt-Riechmann: Gartenallee ... (siehe Literatur)

Geschichte Das Gebäude selbst wurde noch zur Zeit des Deutschen Kaiserreiches errichtet, als die noch heute erhaltenen, zwischen den Jahren 1903 und 1907 (auf der östlichen Straßenseite) in anspruchsvoller Bauweise errichteten Mietshäuser in „spekulativem Interesse“ entstanden für die seinerzeit lediglich dem Bürgertum möglichen Wohnverhältnisse. Dabei wurden sämtliche Gebäude der Straße mit Vorbauten und Balkonen sowie teilweise rückseitigen Flügeln ausgestattet, bei denen auch die Zweispänner relativ große und komfortable Wohnungen boten. Für die Häusergruppe Jacobsstraße 10, 12, 14 und 16 wurde eine einheitliche Planung durch einen Architekten namens „H. Schmidt“ vermutet, der in den Fassaden dem „geometrischen Jugendstil“ zuneigte.

Das Haus Jacobsstraße 10 wurde als Einspänner mit einem vorspringenden Gebäudeflügel geplant, der den Vorgartenbereich begrenzte und der Straße mit seinen durchgängigen Gärten und teilweise noch heute erhaltenen historischen Einfriedungen den Charakter einer reinen Wohnstraße verlieh.

mini|Stadttafel Nummer 120 mit Kurz-Erläuterungen zum „Büro Dr. Schumacher 1945/1946“

Für die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, die Weimarer Republik und die Zeit des Nationalsozialismus gibt eine später neben dem Hauseingang angebrachte Stadttafel mit der Nummer 120 stellvertretend Auskunft: Unter dem Wappen der Stadt Hannover ist eine Kurz-Vita Schumachers folgenden Inhaltes wiedergegeben:

Kurt Schumacher war am 20. September 1944 aus dem Konzentrationslager Neuengamme entlassen worden. In der Jacobsstraße hatten bis Anfang 1945 beinahe sämtliche Gebäude die Luftangriffe auf Hannover schadlos überstanden, zumal noch vor dem eigentlichen Ende des Zweiten Weltkrieges der NSDAP-Stadtkommissar Egon BönnerDieter Tasch: Hannover zwischen Null und Neubeginn. Madsack-Verlag, 1985, ISBN 3-923976-05-4, S. 24 ff. gemeinsam mit dem Stadtkommandanten Paul Wilhelm Loehning am 10. April 1945 eine kampflose Übergabe Hannovers an die anrückenden US-Amerikaner durchsetzte.Klaus Mlynek: Zweiter Weltkrieg. In: Stadtlexikon Hannover, S. 694f. Die US-Truppen rückten schließlich über Harenberg und Limmer nach Hannover ein.Rüdiger Meise: Limmer / Als sich der Himmel verdunkelte / Neue Ausstellungen des Stadtteilhistorikers Rudolf Lotze: Bombenkrieg und Schützen in Limmer sind Themen in der St.-Nikolai-Kirche.. In: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 8. Januar 2014; zuletzt abgerufen am 23. August 2014

Am 19. April 1945 gründete sich in der Jacobsstraße 10, anfangs noch illegal,N.N.: Neugründung von politischen Parteien in den Westzonen, Beispielseite 18 einer Buchvorstellung des Schulbuch-Verlages C. C. Buchner; als PDF-Dokument unter Kurt Schumacher das „Büro Dr. Schumacher“ als „organisatorischer Ansatzpunkt“ für den Wiederaufbau der SPD. Erst nach dem Potsdamer Abkommen lizenzierten die Vereinigten Staaten und die Britischen Besatzer in den Monaten August und September 1945 die verschiedenen demokratischen Parteien, neben der SPD auch andere Parteien wie die anfangs noch ausgesprochen antikapitalistische CDU.

Am 6. Oktober 1945, Jahre vor der Gründung der Bundesrepublik Deutschland und derjenigen der Deutschen Demokratischen Republik, wurde das Büro des späteren SPD-Vorsitzenden Kurt Schumacher in der Jacobsstraße 10 in „Büro der Westzonen“ umbenannt.

In jüngerer Zeit wurde neben dem Hauseingang der Jacobsstraße 10 zusätzlich zu der hannoverschen Stadttafel auch das Schild Nummer 9 der „Butjer Route“ vom Verein Lebendiges Linden angebracht.

Literatur Ilse Rüttgerodt-Riechmann: Gartenallee, Minister-Stüve-Straße und Querstraßen. In: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Baudenkmale in Niedersachsen, Stadt Hannover, Teil 2, Bd. 10.2, hrsg. von Hans-Herbert Möller, Niedersächsisches Landesverwaltungsamt – Institut für Denkmalpflege, Friedr. Vieweg & Sohn Verlagsgesellschaft mbH, Braunschweig 1985, ISBN 3-528-06208-8, hier: S. 132ff. sowie Linden-Mitte im Addendum: Verzeichnis der Baudenkmale gem. § 4 (NDSchG) (ausgenommen Baudenkmale der archäologischen Denkmalpflege), Stand 1. Juli 1985, Stadt Hannover, Niedersächsisches Landesverwaltungsamt – Veröffentlichungen des Instituts für Denkmalpflege, S. 22f. Albrecht Kaden: Einheit oder Freiheit. Die Wiedergründung der SPD 1945/46 (= Internationale Bibliothek, Bd. 121), Nachdruck der 1964 erschienenen 1. Auflage, mit einem Vorwort von Fritz Sänger, Berlin, Bonn: Dietz, 1980, ISBN 3-8012-1121-5 Willy Albrecht (Hrsg.): Kurt Schumacher. Reden – Schriften – Korrespondenzen 1945 – 1952 (= Internationale Bibliothek, Bd. 121), Berlin, Bonn: Dietz, 1985, ISBN 3-8012-1107-X Matthias Loeding: Zwischen Führungsrolle, Konfrontation und Kooperationswillen. Der Zentralausschuss der SPD und das Büro Schumacher in Hannover im Vorfeld der Wennigsener Konferenz. In: Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung, 48, 2006 (2008), H. 1, S. 113–140. Klaus Mlynek: Büro Schumacher. In: Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.) u. a.: Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2009, ISBN 978-3-89993-662-9, S. 95f.

Weblinks

Hans-Jörg Hennecke (Text): Jacobsstraße, hrsg. vom Verein Lebendiges Linden auf der Seite linden-entdecken.de, zuletzt abgerufen am 23. August 2014 Edgar Ojemann, Dietmar Geyer, R. Töneböhn, Dirk Ihle (Red.): Stadttafel am früheren Wohnhaus von Kurt Schumacher / Jacobstraße 10 beim Netzwerk Erinnerung und Zukunft

Einzelnachweise

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