Bertrand Eugen Sänger (* 14. April 1861 in MainzStandesamt Mainz: Geburtsregister. Nr. 445/1861.; † 20. Mai 1938 in BerlinLandesarchiv Berlin, Sterberegister Standesamt Wilmersdorf, Nr. 848/1938 (online auf Ancestry.com, kostenpflichtig)) war ein deutscher Komponist und Kapellmeister.
Leben Bertrand Sänger komponierte Musik für Bühne und Film und begann seine Karriere als Kapellmeister. Sein Wirkungszeitraum liegt zwischen 1887 und 1925. Zunächst wirkte er am Residenz-Theater in Dresden, wo er mit dem Schreiben seiner Operette Das Singspiel der Zarin begann.In: Signale für die musikalische Welt, Band 46, Verlag von Bartholf Senff, 1888, S. 678. Ab 1890Saenger, Bertrand. In: Katalog der Portrait-Sammlung der k.u.k. General-Intendanz der k.k. Hoftheater. Zugleich ein biographisches Hilfsbuch auf dem Gebiet von Theater und Musik. Commissions-Verlag Adolph W. Künast, Wien 1894, S. 660. war er am Deutschen Landestheater in Prag engagiert, wo 1891 Das Singspiel der Zarin uraufgeführt wurde. 1899 wechselte er an das Theater des Westens in Berlin.Personal-Nachrichten. In: Neue musikalische Presse. Zeitschrift für Musik, Theater, Kunst, Sänger- und Vereinswesen. Verlag Hans Schneider, 1899, S. 8. Zusammen mit Julius Einödshofer komponierte er 1898 in Berlin die Musik zu Das Paradies der Frauen, einer großen Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz, die Julius Freund nach Le Royaume des femmes von Gaston Serpette geschrieben hatte.Julius Einödshofer auf Operone, abgerufen am 30. August 2024. Das Stück wurde im September 1898 anlässlich der Eröffnung des Berliner Metropol-Theaters aufgeführt.Komische Oper Berlin; in: Gerhard Michael Dienes: Fellner & Helmer. Die Architekten der Illusion. Theaterbau und Bühnenbild in Europa. Anläßlich des Jubiläums „100 Jahre Grazer Oper“. Stadtmuseum Graz, 1999, S. 133.
1905, zu dieser Zeit am Berliner Nationaltheater tätig, wurde er für das Sommertheater Venedig in Wien als erster Kapellmeister verpflichtet.In: Neue Zeitschrift für Musik, Band 101, 1905, S. 301. Am 7. Juli 1905 dirigierte er in Wien die Erstaufführung von Carl Michael Ziehrers phantastisch-komischer Operette Fesche Geister im Sommertheater Etablissement Venedig, die dank des Auftretens der Soubrette Mizzi Zwerenz ein durchschlagender Erfolg wurde. „Kapellmeister Bertrand Sänger führte den orchestralen Teil sehr sicher durch alle Hindernisse zum Siege“, schrieb „f.“ in der Wiener Zeitung vom 8. Juli 1905. vgl. anno.onb.ac.at
Zurück in Berlin, folgte er Hans Pfitzner als erster Kapellmeister am Theater des Westens.In: Neue Zeitschrift für Musik, Band 101, 1905, S. 716. Im Herbst 1907 dirigierte der junge Wilhelm Furtwängler als Kapellmeister-Eleve in Zürich zehn Aufführungen von Bertrand Sängers Märchenspiel „Rübezahl“.
Am 15. Dezember 1908 dirigierte Sänger in Berlin die 200. Aufführung von Leo Falls Operette „Die Dollarprinzessin“, bei welcher u. a. Julius Sachs, Albert Paulig, Mizzi Wirth und Maria Forescu sangen. vgl. Programmheft Neues Operetten-Theater Berlin 15. Dezember 1908. Zur 200. Aufführung von DIE DOLLARPRINZESSIN von Willner / Grünbaum, Leo Fall (Musik). Insz.: Otto Lang, Dirigent: Bertrand Saenger. Mit Julius Sachs, Mizzi Wirth, Albert Paulig, Alfred Walters, Mia Weber, Oskar Braun, Carl Bachmann, Maria Forescu, Poldi Augustin, August Tost, Julius Reichwald. Berlin, Selbstverlag / Druck: Imberg & Lefson 1908 ; eine Photopostkarte (Elite Berlin Nr. 3166/4), die Oscar Braun und Poldi Augustin in "Die Dollarprinzessin" zeigt, bei , eine weitere aus demselben Verlag (Nr. 3166/5) mit Poldi Augustin und Mia Werber bei (aufgerufen am 23. August 2014)
Nach dem Ende des Weltkriegs wohnte Sänger nachweislich in Berlin;Das Deutsche Bühnen-Jahrbuch, Theatergeschichtliches Jahr- und Adressenbuch, verzeichnet Sänger für die Jahre 1918–1920 als „Kapellmeister, wohnhaft Charlottenburg, Roscherstr. 1“ ab 1918 begann er für das neue Medium Film zu arbeiten. Es lassen sich Musikbeiträge zu fünf Stummfilmen nachweisen.
Werke Operetten Das Mädel mit Geld : Original-Posse mit Gesang von Engelbert Karl. Berlin: Bloch 1887 vgl. worldcat.org Das Singspiel der Zarin: Operette in drei Aufzügen von Max Trausil und Ed. Jacobson. Leipzig : C.A. Koch's Verlag 1888 als Bertrand Eugen Sänger, vgl. worldcat.org , on line unter BSB digitale-sammlungen.de ; uraufgeführt am 25. Februar 1891 im Prager LandestheaterÜbersicht über die Leistungen der Deutschen Böhmens. Gesellschaft zur Förderung deutscher Wissenschaft, Kunst Und Literatur in Böhmen, Haase, 1891, S. 139. Die Bonbonnière : Operette in 1 Akt von Josef Siegmund u. Louis Taufstein. Wien : Bárd & Bruder, 1905vgl. worldcat.org Der Wandervogel : Komödie mit Gesang und Tanz in drei Akten von Alexander Siegmund Pordes. Berlin: Bermühler [ca. 1907]vgl. worldcat.org Der Pfiffikus : Operette in 3 Akten von Josef Siegmund u. Fritz Blank. Budapest ; Leipzig [u. a.] : Bard, 1908 vgl. worldcat.org ; uraufgeführt am 3. Februar 1906 im Gärtnerplatztheater, MünchenThomas Siedhoff (Red.); Elke Schöninger (Mitarb.): Actien-Volkstheater – Repertoire der Spielzeiten 1865–1872/73. Königliches Theater am Gärtnerplatz – Repertoire der Spielzeiten 1873/74–1917/18. Gärtnerplatztheater – Repertoire der Spielzeiten 1918/19–1930/31. Staatstheater am Gärtnerplatz, S. 183; abgerufen am 26. Februar 2017.Sänger, Bertrand Eugen. In: Hugo Riemann: Musik-Lexikon, Max Hesses Verlag, Berlin 1916 [8., vollst. überarb. Aufl.], S. 970.
Filmmusik Bertrand Sänger schrieb zum Vortrag im Kinozum Phänomen des Gesangs im Stummfilmkino vgl. Wedel S. 69 f. und Tieber 2012 Film-Gesänge, die im Berliner Verlag von Curt Max Roehr erschienen. vgl. Birett Stummfilmmusik S. 70 Auch stellte er Musikstücke zur Begleitung von stummen Filmen zusammen.Filmbegleitmusiken wurden, wo eine Originalkomposition zu teuer gewesen wäre, gerne aus Teilen von Werken verschiedener Komponisten 'kompiliert'; ein Beispiel ist bei Prox, Perspektiven S. 18–19 abgedruckt: die Musikaufstellung zu Titanic von Hansheinrich Dransmann, Berlin. In mehreren davon spielte Hans Albers eine Hauptrolle. Ihr Produzent war Max Nivelli.geboren als Menachem-Mendel Lewin, s. a. Max Nivelli und Bekannt wurde seine Produktion Der Ritualmord, oder: Die Geächteten von 1919, bei der Joseph Delmont Regie führte, vgl. Stratenwerth-Simon S. 134, 234 f.; sie muß leider als verschollen gelten.
Glück, weshalb entfliehst du mir!: „Oed und einsam flieh'n die Tage“ aus „Die Tochter des Bajazzo“ Das Lied des Nisames: „Die Nacht ist voller Rosenhauch“ aus „Der Fluch des Nuri“ Das Lied vom Glück: „Oft meinte ich“ aus „Lebensbahnen“ Wanderlied: „Will nun wandern in die Welt“ aus „Der Glücksucher“
Weiteres Ein Abenteurer: „Herein! Willkommen, Freund“. Komisches Duett f. T. u. Bar. m. Pfte. Sänger, Bertrand Eugen, Op. 7. Köln, P.J. Tonger; Mk 3.- (1881)vgl. hofmeister Kußlied aus: Cousin Bobby. Operette in 3 Akten von Benno Jacobson und Franz Wagner ; Musik von Carl Millöcker. Bearb. von Bertrand Sänger. Leipzig [u. a.] : Cranz, [ca. 1890]vgl. worldcat.org Rübezahl: ein Märchenspiel in 5 Bildern mit Musik und Tanz. Musik v. B. Sänger. Text von Karl Skraup. Berlin: Entsch, 1893 - 51 pagesvgl. worldcat.org Herkules. Marsch für piano von Bertrand Eugen Sänger. Verlag: Prag: S. Neustadtl's John, vgl. worldcat.org König Zipapek, der edle Zwerg. Moderne Märchen-Operette in drei Akten von A. Bernstein-SawerskiAlbert Bernstein-Sawerski, * 3. April 1870 Walldorf b. Meiningen; Bühnenautor in Berlin; nach 1938 in Paris. Vgl. literaturrat.de und A.S. Pordes-Milo. Musik von B. Sänger. Leipzig, G. Richter [©1909]vgl. worldcat.org , enthält die Lieder : Ich bin der Koenig Zipapek , Sie zieh’n dir aus die Jacken! und Zipapek und Belladine
Filmografie 1918: Das alte Bild 1918: Der Fluch des Nuri 1918: Der Glücksucher 1918: Lebensbahnen 1919: Die Tochter des Bajazzo (auch: Das alte Lied)
Literatur Herbert Birett: Stummfilmmusik. Materialsammlung. Deutsche Kinemathek Berlin 1970 Herbert Birett: Verzeichnis in Deutschland gelaufener Filme. Entscheidungen d. Filmzensur Berlin, Hamburg, München, Stuttgart 1911–1920. München: Saur 1980 Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (Hrsg.): Deutsches Bühnen-Jahrbuch. Theatergeschichtliches Jahr- und Adressenbuch, Berlin: F.A. Günther & Sohn, 1918, 1920, 1934 Lothar Prox: Perspektiven einer Wiederaufbereitung von Stummfilmmusik, in: Stummfilmmusik gestern und heute. Hrsg. v. der Stiftung Deutsche Kinemathek. Verlag Volker Spiess, Berlin 1979, S. 9–26 Irene Stratenwert mit Hermann Simon (Hrsg.): Pioniere in Celluloid. Juden in der frühen Filmwelt. Henschel, Berlin 2004, ISBN 3-89487-471-6 Claus Tieber: Gesang in Wiener Kinos der Stummfilmzeit. Vortrag, gehalten beim Symposium zur Filmmusikforschung 14. – 16. Juni 2012, Universität Salzburg. Vgl. wordpress.com Michael Wedel: Schizophrene Technik, sinnliches Glück. Filmoper, Filmoperette, Filmsingspiel. In: Der deutsche Musikfilm. Archäologie eines Genres. München, Edition Text + Kritik 2007. ISBN 978-3883778358, S. 69–191 Friedrich von Zglinicki: Der Weg des Films. Geschichte der Kinematographie und ihrer Vorläufer. Berlin: Rembrandt Verlag, 1956
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Kategorie:Dirigent Kategorie:Komponist (Deutschland) Kategorie:Filmkomponist Kategorie:Person (Stummfilm) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1861 Kategorie:Gestorben 1938 Kategorie:Mann