Als Groupie (von engl. group, ‚Gruppe‘) wird ein meistens weiblicher Fan bezeichnet, der seine Aufmerksamkeit einem Idol oder Star, meist aus dem Bereich der Kunst, Kultur, Sport oder Politik, widmet, oft auch in sexueller Hinsicht. Groupies gehen über das weitgehend als normal zu bezeichnende Verhalten eines Fans hinaus, ohne jedoch als Stalker zu gelten.
Geschichte Die ersten Groupies gab es Mitte der 1940er Jahre, als Frank Sinatra bei öffentlichen Auftritten von tausenden kreischenden weiblichen „Bobby-Soxern“ im Teenageralter umschwärmt wurde. Zu einem kulturellen Phänomen wurden sie in den 1960er Jahren mit dem Aufkommen der Popkultur und der sexuellen Revolution. Das Wort ‚groupie‘ ist im Englischen seit den 1960er-Jahren in Gebrauch. Eine bekannte Groupiegruppe waren die GTO’s aus den späten 1960er Jahren im Umfeld von Frank Zappa. Pamela Des Barres, die zu ihnen gehörte, dokumentierte diese Zeit später in ihrem Buch. Es kam ihr zufolge vor, dass sich Groupies durch die Roadcrew eines Stars bis zu diesem ,hochschliefen‘. Frank Zappa prägte dafür in seinem gleichnamigen Stück des Albums Joe’s Garage 1979 den abfälligen Ausdruck crew slut (etwa: „Mannschaftsschlampe“). Wenn sich Groupies in Kriminelle verlieben, ist von Hybristophilie die Rede, Groupies von Serienmördern werden murder groupies genannt.
Kritik Der Umgang mit Groupies von Seiten der Rockbands und ihrer Crews war und ist wiederkehrend von Abwertung, Verachtung und teilweise körperlicher Gewalt bestimmt (häufig unter Einwirkung von Drogen), es gab jedoch Ausnahmen, bei denen die von einem Machtgefälle bestimmten Begegnungen zu echten Liebesbeziehungen führten. Im Zuge der MeToo-Bewegung wurde das Groupie-Phänomen kritisiert, insbesondere nach den 2023 bekannt gewordenen Vorwürfen gegen den Rammstein-Sänger Till Lindemann.
Die Zuordnung als Groupie in der öffentlichen Wahrnehmung setzt die Betroffenen einem erhöhten Missbrauchsrisiko und Schmälerung ihrer Glaubwürdigkeit aus, weshalb die Aufdeckung bisheriger Vergehen selten zu sozialen, finanziellen oder strafrechtlichen Konsequenzen für die Täter führte. In einer Studie über Groupies in der Heavy-Metal-Szene der 1980er-Jahre gaben 25 Prozent der Befragten an, sexuell missbraucht oder vergewaltigt worden zu sein.
Groupies im Film 1970 erschien der deutsche Sexploitationfilm Ich – ein Groupie. Der Film This Is Spinal Tap nahm 1984 auf satirische Art unter anderem auch das „Groupieleben“ aufs Korn. Auch der 1999 gedrehte Film Almost Famous – Fast berühmt mit Kate Hudson spielt im selben Milieu. Der 1998 gedrehte Film De Fögi isch en Souhund handelt von einem schwulen Groupie. In der 2002 gedrehten Komödie Groupies Forever (Originaltitel: The Banger Sisters) spielen Goldie Hawn und Susan Sarandon zwei in die Jahre gekommene ehemalige Groupies. Die mögliche Abwertung und körperliche Gewalt an einem Groupie visualisiert Alan Parkers Film The Wall. In Deutschland erschienen die Filme Groupies bleiben nicht zum Frühstück (2010) und Das wilde Leben (2007), ein Film über Uschi Obermaier.
Bekannte Groupies Bebe Buell Cynthia Plaster Caster (Cynthia Albritton) Monika Dannemann Monica Lewinsky Uschi Obermaier Anita Pallenberg Nancy Spungen Sable Starr „Pleather“www.bedtimez.com: These Are The Most Notorious Groupies In Rock ‘n’ Roll History.
Lieder über Groupies Ruby Tuesday von Rolling Stones, 1967 She Came In Through the Bathroom Window von The Beatles, 1969 Summer ’68 von Pink Floyd, 1970 Groupy Girl von Tony Joe White, 1970 Apple Scruffs von George Harrison, 1970 Black Dog von Led Zeppelin, 1971 Groupie Girl von John Mayall, 1971 Ladies of the Road von King Crimson, 1971 Superstar von den Carpenters, 1971 Tiny Dancer von Elton John, 1972 Rip This Joint von The Rolling Stones, 1972 Roland the Roadie and Gertrude the Groupie von Dr. Hook, 1972 Star Star (Star Fucker) The Rolling Stones, 1973 Love Is the Drug von Roxy Music, 1975 No Head No Backstage Pass von Funkadelic, 1975 Queen of 1964 von Neil Sedaka, 1975 Fox on the Run von Sweet, 1975 Lovely Lubina von Lone Star, 1977 Plaster Caster von Kiss, 1977 Angelika von Udo Lindenberg, 1978 Famous Groupies von Wings, 1978 Young Lust von Pink Floyd, 1979 Crew Slut von Frank Zappa, 1979 La groupie du pianiste von Michel Berger, 1980 Dirty Diana von Michael Jackson, 1987 Elke von Die Ärzte, 1988 Standing by Your Hero von The Perc Meets the Hidden Gentleman, 1990 Telefonterror von Freundeskreis, 1996 Groupie von Snoop Dogg, 1996 Starf*ckers Inc. von Nine Inch Nails, 1999 Groupie Love von G Unit, 2003 Groupie Luv von 213, 2004 Superhuman von Velvet Revolver, 2004 Was hat er von Sido, 2004 Loretta von Will Smith, 2005 Head to Toe von Kings of Leon, 2005 Ab 18 von Bushido und Baba Saad, 2005 One Night Stand von Motörhead, 2006 So viele Nummern von Bushido und Eko Fresh, 2006 Backstage Pass von Fler, B-Tight und Alpa Gun, 2006 Groupie von Tech N9ne, 2006 Industry Groupie von Chamillionaire, 2007 Reden von Tokio Hotel, 2007 Charmer von Kings of Leon, 2008 Rap ist mein Fetisch von F.R., 2008 Mansion Song von Kate Nash, 2010 Solange du gut aussiehst von RAF Camora, 2010 The Adventures of Raindance Maggie von Red Hot Chili Peppers, 2011 Groupie von Bob Sinclar, 2012 Groupie Handy von RAF Camora, 2012 Groupiesong von Der Asiate, 2013 Nur für eine Nacht von Betontod, 2015 Dörte Müller von Sudden, 2015 Homies und Groupies von Mike Singer, 2017 Groupie Love von Lana Del Rey, 2017 Space Invader von Lance Butters, 2018
Literatur Memoiren und Romane Pamela Des Barres: I'm with the Band: Confessions of a Groupie. New English Library, 1989, ISBN 0-450-50637-1. Pamela Des Barres: Take Another Little Piece of My Heart: A Groupie Grows Up. William Morrow & Co, 1992, ISBN 0-688-09149-0. Connie Hamzy: Rock Groupie: The Intimate Adventures of „Sweet Connie“ from Little Rock. Spi Books, 1995, ISBN 1-56171-361-9. Bebe Buell: Rebel Heart: An American Rock 'n' Roll Journey. St. Martin's Press, 2001, ISBN 0-312-26694-4. Jenny Fabian: Groupie. Roman. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1972, ISBN 3-499-11477-1.
Forschung Bettina Fritzsche: Pop-Fans: Studie einer Mädchenkultur. Leske + Budrich, Opladen 2003, ISBN 3-8100-3770-2; 2. Auflage, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-531-16572-1 (= Geschlecht & Gesellschaft, Band 31, Dissertation Freie Universität Berlin 2003). Almut Sülzle: Fußball, Frauen, Männlichkeiten: eine ethnographische Studie im Fanblock. Campus, Frankfurt am Main / New York, NY 2011, ISBN 978-3-593-39508-1 (Dissertation Philipps-Universität Marburg 2010).
Weblinks
Kristina Kretschmer: Das obskure Subjekt der Begierde taz.de, 8. Mai 2005. Christoph Leim: Zeitsprung: Am 15.2.1969 titelt der Rolling Stone: „Groupies & other girls“. Rolling-Stone-Artikel von 1969 über Pamela Des Barres und die GTO’s (englisch).
Einzelnachweise
Kategorie:Englische Phrase Kategorie:Personenbezeichnung (Gesellschaft)