Der Artikel beinhaltet eine ausführliche Darstellung der polnischen Fußballnationalmannschaft bei Fußball-Weltmeisterschaften. Die Polen konnten sich bisher neunmal für Weltmeisterschaften qualifizieren und liegen als zweitbeste Mannschaft mit maximal neun Teilnahmen auf dem 17. Platz der ewigen Rangliste. Die besten Platzierungen waren die jeweils dritten Plätze in den Jahren 1974 und 1982. Bei den letzten vier Teilnahmen wurde die Gruppenphase aber dreimal nicht überstanden.

Übersicht

Jahr Gastgeberland Teilnahme bis … letzte(r) Gegner ErgebnisDie Platzierungen ab Platz 5 wurden von der FIFA festgelegt, ohne dass es dafür Platzierungsspiele gab. Siehe: (PDF; 200 kB) Trainer Bemerkungen und Besonderheiten 1930 nicht teilgenommen – – 1934 zurückgezogen – – 1938 Achtelfinale Brasilien 11. Ernst Willimowski erzielt als erster Spieler vier Tore in einem WM-Spiel. 1950 nicht teilgenommen – – - 1954 zurückgezogen – – Polen wollte in der Qualifikation die Spiele gegen Ungarn vermeiden 1958 nicht qualifiziert – – in der Qualifikation im Entscheidungsspiel an der UdSSR gescheitert 1962 nicht qualifiziert – – in der Qualifikation an Jugoslawien gescheitert 1966 nicht qualifiziert – – in der Qualifikation an Italien gescheitert 1970 nicht qualifiziert – – in der Qualifikation an Bulgarien gescheitert 1974 Spiel um Platz 3 Brasilien 3. Platz Wasserschlacht von Frankfurt, Grzegorz Lato Torschützenkönig 1978 Zwischenrunde Argentinien, Peru, Brasilien 5. Eröffnungsspiel gegen Deutschland 1982 Spiel um Platz 3 Frankreich 3. Platz 1986 Achtelfinale Brasilien 14. 1990 nicht qualifiziert – – in der Qualifikation an Schweden und England gescheitert 1994 nicht qualifiziert – – in der Qualifikation an Norwegen und der Niederlande gescheitert 1998 nicht qualifiziert – – in der Qualifikation an England und Italien gescheitert 2002 Vorrunde Südkorea,Portugal, USA 25. 2006 Vorrunde Ecuador, Deutschland, Costa Rica 21. 2010 nicht qualifiziert – – in der Qualifikation an der Slowakei und Slowenien gescheitert 2014 nicht qualifiziert – – in der Qualifikation an England gescheitert 2018 Vorrunde Senegal, Kolumbien, Japan 25. Adam Nawałka Nach zwei Niederlagen in den ersten beiden Gruppenspielen hatte Polen schon vor dem letzten Gruppenspiel keine Chance mehr das Achtelfinale zu erreichen.2022 Achtelfinale Frankreich 15. Czesław Michniewicz In der Qualifikation wurde Polen hinter England Gruppenzweiter, konnte sich aber in den Playoffs gegen Schweden für die WM-Endrunde qualifizieren. Gegner in der Vorrunde in Katar waren Argentinien, Saudi-Arabien und Mexiko. Im Achtelfinale verlor Polen 1:3 gegen Frankreich.2026 // nicht qualifiziert In der Qualifikation scheiterten sie im Play-off-Finale an Schweden. Statistik (Angaben inkl. 2026: 23 Weltmeisterschaften; Prozentangaben sind gerundet) mini|Platzierung der polnischen Mannschaft in der ewigen WM-Tabelle Teilnahmeverzicht: 2 × (8,7 %; 1930, 1950) Zurückgezogen: 2 × (8,7 %; 1934, 1954) Nicht qualifiziert: 10 × (43,5 %; 1958, 1962, 1966, 1970, 1990, 1994, 1998, 2010, 2014 und 2026) Sportliche Qualifikation: 9 × (39,1 % bzw. bei 47,4 % der Versuche) Vorrunde: 3 × (14 %; 2002, 2006 und 2018) Achtelfinale: 3 × (13,0 %; 1938, 1986 und 2022) Zwischenrunde der besten 8 Mannschaften: 1 × (4,3 %; 1978) Dritter: 2 × (8,7 %; 1974, 1982)

Häufigster letzter Gegner: Brasilien 4 × (1938, 1974, 1978, 1986)

WM-Turniere Turniere mit maximal 16 Teilnehmern 1930 in Uruguay Wie die meisten europäischen Mannschaften nahm auch die polnische nicht an der ersten WM teil.

1934 in Italien Für die erste WM in Europa musste sich Polen gegen die Tschechoslowakei qualifizieren. Nachdem die polnische Mannschaft zuhause mit 1:2 verloren hatte, trat sie zum Rückspiel nicht an, weil die polnische Regierung auf Grund von Grenzstreitigkeiten zwischen beiden Staaten keine Reisegenehmigung erteilte. Die Tschechoslowakei war damit für die WM qualifiziert.

1938 in Frankreich links|mini|Szene aus dem Spiel gegen Brasilien mini|Die polnische und brasilianische Mannschaft vor dem 1. WM-Spiel der Polen Für die erste WM in Frankreich musste Polen sich gegen Jugoslawien qualifizieren. Das Hinspiel in Warschau wurde mit 4:0 gewonnen, das Rückspiel mit 0:1 in Belgrad verloren, womit Polen erstmals qualifiziert war. In Frankreich scheiterte die polnische Mannschaft in der ersten Runde mit 5:6 nach Verlängerung an Brasilien. Das Spiel gilt als eines der besten und dramatischsten in der WM-Historie. Ernst Willimowski erzielte als erster Spieler in der Geschichte der WM-Endrunde in diesem Spiel vier Tore. In die ewige Rangliste stiegen damit auf Platz 19 ein, verabschiedeten sich aber für 36 Jahre von der WM-Bühne auf die sie dann spektakulär zurückkehren sollten.

1950 in Brasilien Zwar bestritt Polen bereits seit 1947 wieder zahlreiche Länderspiele, an der zweiten WM in Südamerika nahm man aber nicht teil.

1954 in der Schweiz Für die Fußball-Weltmeisterschaft 1954 sollte Polen in der Qualifikation gegen Ungarn antreten. Aufgrund der Dominanz der Ungarn in dieser Zeit, die 1952 Olympiasieger geworden waren und als erste kontinentaleuropäische Mannschaft in England gewonnen hatten, rechneten sich die Polen keine Chance aus und verzichteten auf die Qualifikation.

1958 in Schweden Für die Fußball-Weltmeisterschaft 1958 konnte sich Polen nicht qualifizieren. In einer Gruppe mit der UdSSR und Finnland, gewannen Polen und die UdSSR ihre Heimspiele gegeneinander sowie jeweils beide Spiele gegen die Finnen. So hatten beide am Ende 6:2 Punkte und da die Tordifferenz oder das Torverhältnis nicht zählte, gab es ein Entscheidungsspiel in Leipzig. Dieses verlor Polen mit 0:2 und die UdSSR mit Torhüter Lew Jaschin war erstmals für die WM qualifiziert.

1962 in Chile Für die dritte WM in Südamerika musste Polen sich gegen Jugoslawien qualifizieren. Das Hinspiel in Belgrad wurde mit 1:2 verloren, das Rückspiel in Warschau endete 1:1, womit Polen ausgeschieden war. Jugoslawien musste dann noch gegen den Sieger der Asien-Qualifikation antreten und gewann in beiden Spielen gegen Südkorea. Jugoslawien erreichte bei der WM in Chile den vierten Platz.

1966 in England Für die WM im „Mutterland des Fußballs“ musste Polen in Gruppe mit Italien, Schottland und Finnland antreten, belegte aber am Ende nur Platz 3. Italien qualifizierte sich für die WM in England, schied aber dort überraschenderweise in der Vorrunde aus.

1970 in Mexiko Wieder konnte sich Polen nicht für die WM qualifizieren. In einer Gruppe mit Bulgarien, der Niederlande und Luxemburg fehlte am Ende ein Punkt, nachdem beide Auswärtsspiele in Bulgarien und den Niederlanden verloren wurden, die Bulgaren aber in den Niederlanden einen Punkt holten. Bulgarien qualifizierte sich für die WM in Mexiko und schied dort in der Vorrunde aus.

1974 in Deutschland mini|Polen feiert den Sieg gegen Brasilien Erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg konnte sich Polen, das 1972 unter Kazimierz Górski Olympiasieger geworden war, für die WM qualifizieren. Dabei konnten Ex-Weltmeister England und Wales in der Qualifikation ausgeschaltet werden. Zwar begann die Qualifikation für die Polen schlecht mit einem 0:2 in Wales, aber dann wurden England und Wales in Chorzów mit 2:0 bzw. 3:0 besiegt. Allerdings erlitt Rekordtorschütze Włodzimierz Lubański, einer der Torschützen im Spiel gegen England durch ein Foul einen Kreuzbandriss und fiel mehrere Monate aus. Da England im Heimspiel gegen Wales nur ein 1:1 erreicht hatte, war ein Remis im letzten Spiel in London ausreichend für die Qualifikation. Im ausverkauften Wembley-Stadion wurde Torhüter Jan Tomaszewski gegen die Engländer, bei denen mit Martin Peters noch ein 66er-Weltmeister mitspielte, zum Matchwinner für Polen. Jan Domarski hatte nach einem Konter die Polen in der 57. Minute in Führung gebracht und wurde damit zum gefeierten Nationalheld. Zwar konnte Allan Clarke sechs Minuten später per Elfmeter ausgleichen, vorher und danach konnte Tomaszewski aber nicht überwunden werden.eu-football.info: „Football MATCH: 17. Oktober 1973 England v Poland“England 1-1 Poland (1973) WCQ

Die WM-Auslosung brachte allerdings nicht minder hochkarätige Gegner: Den Vizeweltmeister von 1970 Italien, den Geheimfavoriten Argentinien und den Außenseiter und WM-Neuling Haiti, aber Polen sollte zur Überraschungsmannschaft des Turniers werden. Durch zwei Spiele im April kurz vor der WM in Haiti, von denen sogar eins verloren wurde, hatte die Mannschaft die karibische Spielweise kennengelernt, Italien ließ sich dagegen im ersten Auftaktspiel von Haiti überraschen und hatte übersehen, dass die Polen mit neun Olympiasiegern angetreten waren und die Mannschaft mit jungen Spielern noch verstärkt hatte. Das erste WM-Spiel der Polen nach 36 Jahren sorgte gleich dafür, dass die polnische Mannschaft mit kraftvollem Offensivfußball zu einer der beliebtesten Mannschaften des Turniers wurde. Argentinien wurde mit 3:2 besiegt. Nach einem ungefährdeten 7:0-Erfolg über Haiti warfen sie mit 2:1 den großen Favoriten Italien aus dem Turnier. In der Zweiten Finalrunde, die erstmals in Gruppen ausgetragen wurde, trafen die Polen auf den Gastgeber und Europameister Deutschland, auf Schweden und Jugoslawien. Nach zwei knappen Siegen mit 1:0 über Schweden und 2:1 über Jugoslawien kam es zu einem quasi Halbfinalspiel gegen die ebenfalls mit zwei Siegen in der zweiten Finalrunde gestartete deutsche Mannschaft, der allerdings ein Remis für den Finaleinzug reichte. In der legendären Wasserschlacht von Frankfurt verlor die technisch bessere Mannschaft gegen Deutschland mit 0:1. Sie scheiterte nach 90-minütigen Anrennen auf das deutsche Tor vor allem an einem Weltklasse-Torhüter namens Sepp Maier. Es half auch nichts, dass Polen einen ebenbürtigen Torhüter aufweisen konnte. Jan Tomaszewski hielt in der 53. Spielminute sogar einen Foulelfmeter von Uli Hoeneß.

Im Spiel um den dritten Platz gegen den Titelverteidiger und Rekordweltmeister Brasilien gewann Polen mit 1:0 durch ein Tor von Grzegorz Lato, der mit sieben Treffern auch Torschützenkönig des Turniers wurde. Es ist bis heute der einzige polnische Sieg gegen die brasilianische A-Nationalmannschaft. In der ewigen Rangliste verbesserten sich die Polen, die durch die verpassten WM-Turniere zuvor auf den 34. Platz gefallen waren auf Platz 16. Górski führte die Mannschaft anschließend noch zur Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal. Da dies in Polen aber als Misserfolg angesehen wurde, trat er anschließend von seinem Amt zurück.

1978 in Argentinien Für die vierte WM in Südamerika qualifizierte sich Polen unter dem neuen Nationaltrainer Jacek Gmoch souverän mit 11:1 Punkten gegen Portugal, Dänemark und Zypern, wobei nur im letzten Spiel gegen Portugal ein Punkt abgegeben wurde.

Nach den Erfolgen der letzten Weltmeisterschaft und den letzten beiden Olympischen Spielen war der Erfolgsdruck aus der Heimat für die polnische Mannschaft enorm. Man erwartete eine Steigerung des dritten Platzes von 1974. Dies war in Argentinien jedoch wesentlich schwieriger. Außerdem war die goldene Mannschaft auch einige Jahre älter geworden. Im Eröffnungsspiel gegen Weltmeister Deutschland war man zwar die bessere Mannschaft, kam aber über ein 0:0 nicht hinaus und setzte damit die Tradition der torlosen Eröffnungsspiele fort.dfb.de: „WM 1978: Maier hält die Null zum Auftakt“ Mit Siegen über Tunesien und Mexiko erreichte man aber dennoch als Gruppenerster die zweite Runde. Hier trafen die Polen auf drei südamerikanische Mannschaften und verloren gegen Brasilien und Argentinien mit sehr viel Pech. Lediglich Peru konnte mit 1:0 besiegt werden. Dennoch kletterten die Polen in der ewigen Rangliste auf Platz 11. Gmoch stellte nach der WM sein Amt zur Verfügung.

Turniere mit 24 Teilnehmern 1982 in Spanien Für die Qualifikation zur WM auf der iberischen Halbinsel wurde Polen in die einzige europäische Dreiergruppe gelost und gewann unter Antoni Piechniczek alle vier Spiele gegen die DDR und Malta.