Der Grasblättrige Froschlöffel (Alisma gramineum) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Froschlöffel (Alisma) innerhalb der Familie der Froschlöffelgewächse (Alismataceae). Er ist in gemäßigten Gebieten auf der Nordhalbkugel (Holarktis) weitverbreitet.
Beschreibung mini|Illustration mini|Grasblättriger Froschlöffel am Standort Erscheinungsbild und Blatt Der Grasblättrige Froschlöffel wächst als sommergrüne, ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 6 bis, meist 10 bis 30, selten bis zu 80 Zentimetern. Es handelt sich um eine submers und emers wachsende Wasser- und Sumpfpflanze. Die Pflanzenteile sind kahl.
Es liegt Heterophyllie vor; die submersen und emersen Laubblätter sind unterschiedlich geformt. Die Laubblätter sind höchstens kurz gestielt. Die Laubblätter sind bei einer Länge von 3 bis 7 Zentimetern sowie einer Breite von 0,8 bis 2 Zentimetern linealisch bis schmal-lanzettlich mit sich verjüngender Basis und stumpfer Spreitenspitze. Die mittelgroßen Grundblätter sind lanzettlich-elliptisch und die untergetauchten Laubblätter sind linealisch-bandförmig.
Blütenstand, Blüte und Frucht Die Blütezeit liegt im Hochsommer und reicht in Mitteleuropa von Juni bis September. Der aufsteigende bis niederliegende Blütenstandsschaft ist meist unbeblättert. In einem zusammengesetzten, rispigen Blütenstand stehen viele Blüten zusammen. Die Tragblätter sind lanzettlich-eiförmig. Die ausgebreiteten bis zurückgekrümmten Blütenstiele sind verdickt und bis zu 5 Zentimeter lang.
Die zwittrigen Blüten sind bei einem Durchmesser von etwa 8 Millimetern radiärsymmetrisch und dreizählig. Die drei grünen, haltbaren Kelchblätter sind bei einer Länge von 1,5 bis 2,5 Millimetern eiförmig mit spitzem oberen Ende. Die drei weißen, weißlichen bis purpurfarben-weißen Kronblätter sind bei einer Länge von 2,5 bis 3,5 Millimetern sowie einer Breite von 2 bis 3,5 Millimetern verkehrt-eiförmig mit stumpfem oberen Ende. Die sechs Staubblätter sind kürzer als die Fruchtblätter. Die Staubbeutel sind etwas kreisförmig oder isodiametrisch. Die zahlreichen freien, bei einem Durchmesser von etwa 1 Millimeter fast eiförmigen Fruchtblätter stehen in einem Kreis. Die Griffel sind kürzer als das Fruchtblatt und mehr oder weniger hakig zurück gebogen; sie sind im oberen Viertel bis Hälfte papillös.
Die seitlich abgeflachte Achäne ist bei einer Länge von 2,5 Millimetern verkehrt-eiförmig sowie auf der Rückenseite geschnäbelt und besitzt dicke, lichtundurchlässig Fruchtwände sowie auf der Rückenseite ein bis drei Furchen.
Chromosomensatz Chromosomengrundzahl beträgt x = 7; es liegt Diploidie vor, also 2n = 14.
Ökologie Beim Grasblättrigen Froschlöffel handelt es sich um einen helomorphen Hydrophyten. Der Grasblättrige Froschlöffel ist sehr gut an seine untergetauchte Lebensweise angepasst. Es werden Wassertiefen bis maximal 5 Meter besiedelt.
Unter Wasser kann es zu einer normalen Blüten- und Fruchtbildung kommen. Die Blüten sind von einer Luftblase umgeben und autogam; es kann Insektenbestäubung erfolgen. Die Ausbreitung der Diasporen erfolgt durch Wasserausbreitung oder Klettausbreitung.
Vorkommen und Gefährdung Der Grasblättrige Froschlöffel kommt auf der Nordhalbkugel in Eurasien und in Nordamerika vor. Einzelne Vorkommen gibt es auch in Nordafrika (Ägypten, Marokko). Das weltweite Verbreitungsgebiet liegt zwischen dem 40. und dem 60. nördlichen Breitengrad. Innerhalb Westeuropas fehlt der Grasblättrige Froschlöffel auf der Iberischen Halbinsel; in Großbritannien ist er eventuell nur eingeschleppt. Im Jahr 2013 gibt es Fundorte in Deutschland, Österreich, Schweiz, Frankreich, Italien (ohne die Inseln), Niederlande, Belgien, Vereinigtes Königreich, Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Estland, Lettland, Litauen, Belarus, Bulgarien, Moldawien, Griechenlands Festland, Ukraine und auf der Krim. Die Vorkommen in Dänemark sowie Schweden waren 2013 als erloschen gemeldet. In Deutschland ist die Art sehr selten; sie kommt hauptsächlich entlang von Donau, Rhein, Elbe oder Oder vor.
Der Grasblättrige Froschlöffel kommt vor allem in der Assoziation des Potamogetonetum panormitani-graminei, aber auch in Gesellschaften der Ordnung Littorelletalia oder der Verbände Nanocyperion oder Phragmition vor. Die Varietät Alisma gramineum var. angustissimum gedeiht vorzugsweise in Gesellschaften der Ordnung Potamogetonetalia. Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 5w+ (überschwemmt aber stark wechselnd), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T =4+ (warm-kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental). Die Art gilt in der Schweiz als stark gefährdet.
Taxonomie Die Erstveröffentlichung von Alisma gramineum erfolgte 1811 durch den belgischen Botaniker Alexandre Louis Simon Lejeune in Flore des Environs de Spa, Band 1, Seite 175. Das Artepitheton gramineum bedeutet grasartig. Ein Homonym ist Alisma gramineum in Carl Christian Gmelin: Flora Badensis Alsatica et confinium regionum Cis et Transrhenana, Band 4, 1826, Seite 256. Es wurden viele Subtaxa beschrieben, die heute alle Synonyme sind. Synonyme für Alisma gramineum sind: Alisma plantago-aquatica var. angustissimum , Alisma plantago-aquatica var. micropetalum, Alisma plantago-aquatica var. pumilum , Alisma plantago-aquatica var. terrestre nom. illeg., Alisma plantago-aquatica var. graminifolium , Alisma plantago-aquatica subsp. graminifolium , Alisma graminifolium , Alisma loeselii , Alisma loeselii , Alisma validum , Alisma geyeri , Alisma arcuatum , Alisma plantago-aquatica var. arcuatum , Alisma plantago-aquatica subsp. arcuatum , Alisma plantago-aquatica var. decumbens , Alisma gramineum var. geyeri , Alisma gramineum var. angustissimum , Alisma gramineum var. graminifolium .
Inhaltsstoffe Die Art ist schwach giftig.
Quellen Charles E. Turner: Jepson Manual Treatment. (Abschnitte Beschreibung und Verbreitung) Qingfeng Wang, Robert R. Haynes, C. Barre Hellquist: Alismataceae.: Alisma gramineum, S. 88, In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Volume 23: Acoraceae through Cyperaceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis 2010, ISBN 978-1-930723-99-3 (Abschnitte Beschreibung, Taxonomie und Verbreitung) (Abschnitte Beschreibung und Ökologie)
Einzelnachweise
Datenblatt mit Fotos von Günther Blaich.
Rafaël Govaerts (Hrsg.): Kew World Checklist of Selected Plant Families des Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew.letzter Zugriff am 27. August 2014. Biota of North America Program = BONAP. Altervista – Flora Italiana Charles E. Turner: Jepson Manual Treatment. Qingfeng Wang, Robert R. Haynes, C. Barre Hellquist: Alismataceae.: Alisma gramineum, S. 88, In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Volume 23: Acoraceae through Cyperaceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis 2010, ISBN 978-1-930723-99-3
USDA-Datenblatt.
Gerald Parolly: Alismataceae. In: Schmeil-Fitschen: Die Flora Deutschlands und angrenzender Länder. 98. Auflage. Verlag Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2024. ISBN 978-3-494-01943-7. S. 158.
Literatur Henning Haeupler, Thomas Muer: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands (= Die Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Band 2). 2., korrigierte und erweiterte Auflage. Herausgegeben vom Bundesamt für Naturschutz. Ulmer, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-8001-4990-2. Oskar Sebald, Siegmund Seybold, Georg Philippi, Arno Wörz (Hrsg.): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Band 7: Spezieller Teil (Spermatophyta, Unterklassen Alismatidae, Liliidae Teil 1, Commelinidae Teil 1): Butomaceae bis Poaceae. Eugen Ulmer, Stuttgart 1998, ISBN 3-8001-3316-4.
Weblinks
Verbreitung in den Niederlanden (niederl.) Verbreitung auf der Nordhalbkugel nach Eric Hultén Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben)
Grasblattriger Froschloffel