Die Alteromonadaceae sind eine Familie von Bakterien innerhalb der Gammaproteobacteria. Einige Arten sind psychrophil, sie können auch unter niedrigen Temperaturen, wie 0 °C wachsen. Auch barophile Vertreter sind vorhanden, sie tolerieren hohen Druck.
Merkmale Erscheinungsbild Es handelt sich um gramnegative Bakterien. Die stäbchenförmigen Zellen können gekrümmt oder gerade sein. So handelt es sich bei der Art Alteromonas macleodii um gerade Stäbchen mit den Maßen von 1 × 2–3 µm. Endosporen oder Mikrocysten werden nicht gebildet. Die Zellen sind mit Hilfe einer polaren Geißel beweglich (motil).
Wachstum und Stoffwechsel Die Alteromonadaceae sind chemoorgano-heterotroph und aerob. Die meisten Arten reagieren Katalase- und Oxidase-positiv. Auch Fermentation kann unter Sauerstoffausschluss als Stoffwechselweg dienen. Zu den anaeroben Gattungen zählt z. B. Alishewanella (die aber inzwischen ausgegliedert wurde).
Die meisten Arten verfügen nicht über das Enzym Arginindihydrolase (ADH). Sie sind jedoch in der Lage, Gelatine und Stärke zu hydrolysieren. Sie benötigen Natrium-Ionen zum Wachstum und tolerieren einen Gehalt an Natriumchlorid von 6 bis 8 %. Daher wachsen sie optimal auf Marine-Agar oder in einem anderen, dem Meerwasser nachempfundenen Nährmedium.
Chemotaxonomie Der GC-Gehalt, also der Anteil der Nukleinbasen Guanin und Cytosin in der Bakterien-DNA, liegt im Bereich von 40–48 Molprozent. Das Haupt-Menachinon ist Q-8. Die in den Membranlipiden vorkommenden Fettsäuren sind hauptsächlich Moleküle mit einer geraden Zahl von Kohlenstoffatomen (C16 und C18) und keiner Doppelbindung (gesättigte Fettsäuren) bzw. einer Doppelbindung (ungesättigte Fettsäuren). Es handelt sich um die Fettsäuren mit den Abkürzungen C16:0 (Hexadecansäure, Palmitinsäure), C16:1ω7 (cis-9-Hexadecensäure, Palmitoleinsäure) und C18:1ω7 (cis-11-Octadecensäure, cis-Vaccensäure).
Systematik Die Alteromonadaceae wurden von Elena P. Ivanova und V. V. Mikhailov im Jahre 2001 eingeführt. Mehrere Gattungen, wie beispielsweise Colwellia (fakultativ anaerob) oder Shewanella (mit einigen pathogenen Arten) wurden 2004 anderen, neu eingeführten Familien zugeordnet, die alle der Ordnung der Alteromonadales angehören. Die Familie der Alteromonadaceae enthält geäß LPSN folgende Gattungen (Stand 21. August 2026):
Alteromonadaceae 2001 [Marinobacteraceae et al. 2021] Aestuariibacter et al. 2004 [Fluctibacter et al. 2024] Agaribacter 2014 Agarivorans 2004 Algibacillus et al. 2021 Alginatibacterium et al. 2019 Aliagarivorans et al. 2009 Aliiglaciecola et al. 2013 Alkalimarinus et al. 2015 Alteromonas et al. 1972 (Approved Lists 1980) (Typusgattung) Bowmanella et al. 2006 Brumicola et al. 2024 Catenovulum et al. 2011 „Gayadomonas“ et al. 2013 Glaciecola et al. 1998 Hydrocarboniclastica et al. 2019 Lacimicrobium et al. 2016 Mangrovitalea et al. 2017 Marinibium et al. 2026 Marinifaba et al. 2025 Marinobacter et al. 1992 Marinobacterium et al. 1997 Marisediminitalea et al. 2020 Neptunicella et al. 2018 Ningiella et al. 2020 Opacimonas et al. 2023 Paraglaciecola 2014 Paraneptunicella et al. 2021 Planctobacterium et al. 2017 Pseudobowmanella et al. 2017 Saccharobesus et al. 2021 Salinimonas et al. 2005 Saliniradius et al. 2020 Tamilnaduibacter et al. 2015
Verschiebungen: Alishewanella et al. 2000 → Chromatiaceae 1924 (Approved Lists 1980) (Chromatiales) Colwellia et al. 1988 → Colwelliaceae et al. 2004 (Alteromonadales) Haliea et al. 2008 → Halieaceae et al. 2015 (Cellvibrionales) Marinimicrobium et al. 2006 → Cellvibrionaceae et al. 2015 (Cellvibrionales) Shewanella 1986 → Shewanellaceae et al. 2004 (Alteromonadales)
Ökologie Einige Arten sind psychrophil, sie zeigen unter niedrigen Temperaturen Wachstum. Hierzu zählen z. B. Arten der Gattung Glaciecola. Auch die, nun zu einer eigenen Familie gestellte Gattung Colwellia ist psychrophil, so zeigt die Art C. psychrerythraea bei Temperaturen zwischen 0 und 19 °C Wachstum. Beide Vertreter sind auch barophil, sie zeigt Wachstum unter den extremen Druckverhältnissen von 400 bis 600 MPa.
Anwendungen mini|Chemische Struktur von Petrobactin Petrobactin ist ein metallbindendes Naturprodukt, das von einigen Bakterien wie Bacillus anthracis und Alteromonas macleodii zur Aufnahme von Eisen genutzt wird (Siderophore). Die Siderophoren-Produktion von A. macleodii gentechnisch so gesteigert werden, dass die Petrobactin-Synthese auch bei reichlich vorhandenem Eisen nicht mehr vermindert wird. Dadurch ist das modifizierte Bakterium in der Lage, Olivin unter Verbrauch von Kohlendioxid (CO₂) schnell verwittern zu lassen. Es könnte so dazu dienen, dieses Treibhausgas aus der Atmosphäre zu entziehen, wozu das Bakterium lediglich Acetat als Kohlenstoffquelle benötigt.
Einzelnachweise LPSN: Family Alteromonadaceae Ivanova and Mikhailov 2001.
Neil C. Dalvie, Amogh P. Jalihal, Abigail Fitzgibbon, Jan-Tobias Böhnke, Mohammed Hijaz, Quincey A. Justman, Steven J. Davis, Pamela A. Silver, Michael Springer: Engineered bacterial siderophore production accelerates rock weathering for carbon removal. In: Nature Biotechnology, 28. August 2026; (). Dazu: Benjamin Boettner: Pulling carbon into seawater using engineered bacteria. Pressemitteilung, Wyss Institute (wyss.harvard.edu), Boston. Meeresbakterium macht Olivin zum schnelleren CO₂-Speicher. Auf: scinexx.de vom 1. September 2026. Elena P. Ivanova, V. V. Mikhailov: A New Family, Alteromonadaceae fam. nov., Including Marine Proteobacteria of the Genera Alteromonas, Pseudoalteromonas, Idiomarina, and Colwellia. In: Mikrobiologiya, Band 70, 2001, S. 15–23; , PMID 11338830 (). Elena P. Ivanova, Sébastien Flavier, Richard Christen: Phylogenetic relationships among marine Alteromonas-like proteobacteria: emended description of the family Alteromonadaceae and proposal of Pseudoalteromonadaceae fam. nov., Colwelliaceae fam. nov., Shewanellaceae fam. nov., Moritellaceae fam. nov., Ferrimonadaceae fam. nov., Idiomarinaceae fam. nov. and Psychromonadaceae fam. nov. In: International Journal of Systematic and Evolutionary Microbiology. Band 54, Nr. 5, September 2004, S. 1773–1788, ; doi:10.1099/ijs.0.02997-0 ().
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