mini|hochkant=1.3|Bankhaus Caspar in der Prinzenstraße 23 (Juli 2014)
Das Bankhaus Caspar in Hannover war eines der wenigen historischen Gebäude Hannovers, die die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges überstanden hatten. Das Anfang des 20. Jahrhunderts für den jüdischen Bankier Bernhard Caspar von dem Architekten Emil Lorenz erbaute Bankhaus wurde im September 2014 vollständig abgerissen. Das Gebäude, das zuletzt (Stand: August 2014) Eigentum der VGH Versicherungen (VGH) war, befand sich in der Prinzenstraße 23 in Hannover-Mitte.Conrad von Meding: Bagger am Schiffgraben ... (siehe unter dem Abschnitt Medienecho)
Geschichte und Beschreibung mini|links|Initialen BC auf Muschelkalk-Relief mit zwei Putti
mini|hochkant|Eines der Portale
mini|Erweiterung von 1950
Den Auftrag zum Bau des Bankhauses Caspar hatte der Architekt Emil Lorenz Anfang des 20. Jahrhunderts von dem Privatbankier Bernhard Caspar erhalten,Helmut Knocke, Hugo Thielen: Prinzenstraße. In: Hannover Kunst- und Kultur-Lexikon, S. 182f. nachdem dieser zuvor 1890 seine Bankgeschäfte in der damaligen Packhofstraße 26, später laut dem Adressbuch der Stadt Hannover von 1899 dann in der Bahnhofstraße 11 betrieben hatte.Vergleiche Alla sökträffar för Bernd Klaus Caspar auf der schwedischsprachigen Seite ancestry.se, zuletzt abgerufen am 15. August 2014
Nachdem die Hannoversche Bank ihr altes Gebäude an der Georgstraße Ecke Schillerstraße um 1900 aufgegeben hatte und mit ihrem Umzug an den GeorgsplatzLudwig Hoerner: Das Gebäude der Hannoverschen Bank, Georgstraße, Ecke Schillerstraße, 1859. In: Ludwig Hoerner: Hannover in frühen Photographien. 1848–1910. Schirmer-Mosel, München 1979, ISBN 3-921375-44-4 (Mit einem Beitrag von Franz Rudolf Zankl), S. 160f. und in der Folge nahezu das gesamte „Bankenviertel“ von der SchillerstraßeHeinz Heineberg (Hrsg.): Innerstädtische Differenzierung und Prozesse im 19. und 20. Jahrhundert. Geographische und historische Aspekte ( = Städteforschung. Veröffentlichungen des Instituts für Vergleichende Städtegeschichte in Münster, Reihe A: Darstellungen, Bd. 25), Köln; Wien: Böhlau, 1987, ISBN 3-412-07786-0, S. 318; Vorschau über Google-Bücher zum Teil in Erstbebauung in Richtung Georgsplatz verzogGerd Weiß, Marianne Zehnpfennig: Georgsplatz, sowie „Bankenviertel“ (Rathenaustraße/Sophienstraße/Landschaftstraße/Prinzenstraße). In: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Baudenkmale in Niedersachsen, Stadt Hannover, Teil 1, Bd. 10.1, hrsg. von Hans-Herbert Möller, Niedersächsisches Landesverwaltungsamt – Veröffentlichungen des Instituts für Denkmalpflege, Friedr. Vieweg & Sohn, Braunschweig/Wiesbaden 1983, ISBN 3-528-06203-7, S. 69–73 ließ sich auch Bernhard Caspar auf einem Grundstück an der Prinzenstraße nahe dem Georgsplatz sein Bankhaus Caspar errichten.
Lorenz errichtete das 14-achsige Bankgebäude mit hochrechteckigen Fenstern und einer achsensymmetrischen Fassade, die am Hochparterre mit Muschelkalk verkleidet und sparsam dekoriert wurde. An den äußeren Seiten der Hauptfassade wurden zwei identische Portale geschaffen, die zwischen Dreiviertelsäulen mittels zurückhaltend verzierter, Bronze-verschalter Eingangstür den Zugang zu den seitlichen Treppenhäusern gestattete. Über den Portalen ließen bronzevergitterte Fenster zusätzliches Licht herein. Bekrönt wurden die Eingänge mit halbplastischen nackten Knaben in Gestalt von Putten mit Früchten, dazwischen wurden die verschränkten Initialen BC aufgebracht.Vergleiche die Dokumentation bei Commons (siehe unter dem Abschnitt Weblinks)
Nach dem Tod Bernhard Caspars 1918Peter Schulze: Caspar, Bernhard. In: Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.) u. a.: Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2009, ISBN 978-3-89993-662-9, S. 83 f.; online über Google-Bücher wurde das Gebäude 1922 und nochmals um 1950 erweitert. 1927 beherbergte das Gebäude die Niederlassung der Darmstädter und Nationalbank KGaA (DaNat-Bank),Friedrich Stadelmann (Bearb.): Hannover. Die Großstadt im Grünen. Hannover 1927, S. 341. nach 1945 die Verwaltung des Sparkassen-Giroverbands.Friedrich Lindau: Hannover. Wiederaufbau und Zerstörung. Die Stadt im Umgang mit ihrer bauhistorischen Identität. Hannover 2000, ISBN 3-87706-607-0, S. 326. Bis 1995 wurde es vom Vorstand der Eigentümerin VGH Versicherungen genutzt, bis zuletzt auch vom Niedersächsischen Städtetag.
Zum geplanten Abriss des mehr als 100 Jahre alten Bankgebäudes für einen neu zu vermietenden Büroneubau bemerkte der Bauhistoriker und Vorsitzende der Baudenkmal-Stiftung Raum Hannover, Sid Auffarth:
Angesprochen auf eine durch den hannoverschen Baudezernenten Uwe Bodemann zu gestaltende Erhaltungs- oder Gestaltungssatzung für historische Gebäudesubstanz in der Innenstadt bemerkte Uwe Zittlau vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege, es müsse aber auch
Das Haus wurde schließlich im September 2014 abgerissen. Der Fassadenschmuck, darunter die Muschelkalk-Reliefs, wurde dabei offensichtlich nicht konserviert.
Medienecho (Auswahl) Conrad von Meding: Bagger am Schiffgraben / VGH startet Abriss / Noch im Mai sollen die Bagger an der Ecke Schiffgraben/Prinzenstraße anrollen. Sie reißen das ehrwürdige Bankhaus Caspar sowie zwei Nachkriegshäuser ab. Die Versicherungsgruppe Hannover (VGH) plant dort großzügige Neubauten unnd hat nach eigenen Angaben auch schon Mietinteressenten für den Großteil der Flächen, In: Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ) vom 9. April 2014, online zuletzt abgerufen am 15. August 2014 Christian Bohnenkamp: City-Baustelle / Millionen-Projekt der VGH / Jahrelang hatte die Versicherung VGH erfolglos versucht, das Gebäude Prinzenstraße 23 zu vermieten. Jetzt wird der Bau von 1910 abgerissen, um Platz für einen modernen Neubau mit sechs Geschossen zu machen, in den eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft einziehen soll. In: Neue Presse vom 10. April 2014; online zuletzt abgerufen am 15. August 2014 Conrad von Meding: Alte Häuser in der City „Es muss Schluss sein mit Abrissen“ / Erneut werden in Hannovers City zwei historische Gebäude abgerissen. Hannovers Baudenkmalstiftung fordert angesichts der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und des Verschwindens vieler weiterer alter Häuser bis heute, dass in der Innenstadt damit endlich Schluss sein müsse. In: HAZ vom 16. September 2013, online zuletzt abgerufen am 15. August 2014
Weblinks
Barbara Neubacher (inhaltlich Verantwortliche gemäß § 6 MDStV): VGH Versicherungen stellen geplante Neubauten in Hannover vor, Presseinformation vom 9. April 2014 auf der Seite vgh.de online zuletzt abgerufen am 15. August 2014
Einzelnachweise und Anmerkungen
Kategorie:Bürogebäude in Hannover Kategorie:Geschäftshaus in Niedersachsen Kategorie:Erbaut in den 1910er Jahren Kategorie:Mitte (Hannover) Kategorie:Ehemaliges Kreditinstitut (Hannover) Kategorie:Gegründet im 19. Jahrhundert Kategorie:Provinz Hannover