Der Artikel beinhaltet eine ausführliche Darstellung der chilenischen Fußballnationalmannschaft bei Fußball-Weltmeisterschaften. Die Chilenen nahmen bisher neunmal an Weltmeisterschaften teil. Die beste Platzierung war der dritte Platz bei der Heim-WM 1962. Danach wurde noch maximal das Achtelfinale erreicht, wobei sie zuletzt dreimal in Folge (1998, 2010 und 2014) gegen Brasilien ausschieden und sich danach dreimal nicht qualifizieren konnten.
Übersicht
Jahr Gastgeberland Teilnahme bis … Letzte(r) Gegner ErgebnisDie Platzierungen ab Platz 5 wurden von der FIFA festgelegt, ohne dass es dafür Platzierungsspiele gab. Siehe: (PDF; 200 kB) Trainer Bemerkungen und Besonderheiten 1930 Uruguay Vorrunde Mexiko, Frankreich, Argentinien 5. György Orth 1934 Italien zurückgezogen 1938 Frankreich nicht teilgenommen 1950 Brasilien Vorrunde England, Spanien, USA 9. Alberto Buccicardi 1954 Schweiz nicht qualifiziert In der Qualifikation an Brasilien und Paraguay gescheitert 1958 Schweden nicht qualifiziert In der Qualifikation an Argentinien und Bolivien gescheitert 1962 Chile Spiel um Platz 3 Jugoslawien 3. Platz Fernando Riera Im Halbfinale an Titelverteidiger Brasilien gescheitert, Schlacht von Santiago 1966 England Vorrunde Italien, Nordkorea, Sowjetunion 13. Luis Álamos 1970 Mexiko nicht qualifiziert In der Qualifikation an Uruguay gescheitert 1974 BR Deutschland Vorrunde Deutschland, Australien, DDR 11. Luis Álamos 1. Rote Karte der WM-Geschichte 1978 Argentinien nicht qualifiziert In der Qualifikation an Peru gescheitert 1982 Spanien Vorrunde Österreich, Deutschland, Algerien 22. Luis Santibáñez 1986 Mexiko nicht qualifiziert In der Qualifikation an Paraguay gescheitert 1990 Italien nicht qualifiziert In der Qualifikation an Brasilien gescheitert 1994 USA nicht zugelassen 1998 Frankreich Achtelfinale Brasilien 16. Nelson Acosta 2002 Südkorea/Japan nicht qualifiziert In der Qualifikation als Gruppenletzter gescheitert 2006 Deutschland nicht qualifiziert In der Qualifikation als Gruppensiebter gescheitert 2010 Südafrika Achtelfinale Brasilien 10. Marcelo Bielsa 2014 Brasilien Achtelfinale Brasilien 9. Jorge Sampaoli Im Achtelfinale durch Elfmeterschießen ausgeschieden 2018 Russland nicht qualifiziert In der Qualifikation als Gruppensechster gescheitert 2022 Katar nicht qualifiziert In der Qualifikation als Gruppensechster gescheitert 2026 Kanada, Mexiko und USA nicht qualifiziert In der im September 2023 begonnenen Qualifikation traten wieder alle zehn CONMEBOL-Mitglieder in Hin- und Rückspielen gegeneinander an. Die sechs bestplatzierten Mannschaften qualifizieren sich direkt für die WM-Endrunde 2026. Der Siebtplatzierte nahm als südamerikanischer Teilnehmer am WM-Play-off-Turnier im März 2026 teil und scheiterte dort. Als Tabellenletzter wurde die Qualifikation verpasst.
Statistik (Angaben inkl. 2026: 23 Weltmeisterschaften; Prozentangaben sind gerundet) mini|Platzierung der chilenischen Mannschaft in der ewigen WM-Tabelle Teilnahmeverzicht: 2× (8,7 %; 1934, 1938) Nicht qualifiziert: 11× (47,8 %; 1954, 1958, 1970, 1978, 1986, 1990, 2002, 2006, 2018, 2022 und 2026) Nicht zugelassen: 1× (4,3 %; 1994) Sportliche Qualifikation: 6× (26,1 % bzw. bei 31,6 % der Versuche) Teilnahme ohne Qualifikation (inkl. als Gastgeber und weil Mannschaften zurückzogen): 3× (13,0 %; 1930, 1950 und 1962) Vorrunde: 5× (21,7 %; 1930, 1950, 1966, 1974 und 1982) Achtelfinale: 3× (13,0 %; 1998, 2010 und 2014) Spiel um Platz drei: 1× (4,3 %; 1962) Dritter: 1× (4,3 %; 1962)
Häufigster letzter Gegner: Brasilien (3×), zudem häufigster Gegner insgesamt (4×), vor Deutschland, Italien und Spanien (je 3×)
Turniere mit maximal 16 Teilnehmern 1930 in Uruguay mini|Die chilenische Mannschaft bei der 1. WM
Chile nahm bereits an der ersten Fußball-WM in Uruguay teil und verpflichtete den 29-jährigen Ungarn György Orth als Trainer für die WM-Spiele. In Uruguay besiegte Chile in der einzigen Vierer-Gruppe des Turniers zunächst Mexiko mit 3:0 und Frankreich mit 1:0, verlor dann aber im „Gruppenendspiel“ gegen den Nachbarn Argentinien mit 1:3. Da nur die Gruppensieger das anschließende Halbfinale erreichten, war Chile damit ausgeschieden. Zu weiteren Einsätzen als Nationaltrainer kam es für Orth zunächst nicht mehr. In der Abschlusstabelle belegten die Chilenen als beste nicht für das Halbfinale qualifizierte Mannschaft den fünften Platz, ihre bis dato beste Platzierung.
1934 in Italien Für die erste WM in Europa hatten die Chilenen zunächst gemeldet und hätten in der Qualifikation gegen Argentinien antreten müssen, verzichteten dann aber aus verbandsinternen Gründen, so dass Argentinien ohne Qualifikationsspiel qualifiziert war.
1938 in Frankreich
Für die erste WM in Frankreich hatte sich Chile nicht angemeldet.
1950 in Brasilien Für die Weltmeisterschaft 1950 in Brasilien musste Chile in der Qualifikation gegen Bolivien antreten und verlor mit 0:2 in La Paz. Da Argentinien nicht antrat, qualifizierten sich Bolivien und Chile ohne weitere Spiele für die WM.
Der WM-Kader Chiles bestand hauptsächlich aus Spielern von Universidad Católica, die unter Nationaltrainer Alberto Buccicardi ein Jahr zuvor erstmals den Meistertitel gewonnen hatten. Der erste WM-Gegner des Teams um Sergio Livingstone war England, das zum ersten Mal an einer WM teilnahm. La Roja verlor die Partie mit 0:2. Auch gegen Spanien wurde mit 0:2 verloren, womit das Ausscheiden in der Vorrunde bereits feststand. Gegen die USA gelang dann zum Abschluss ein 5:2 und die Mannschaft verabschiedete sich für 12 Jahre von der WM-Bühne und fiel in der ewigen Rangliste erstmals aus den Top-10.
1954 in der Schweiz In der Qualifikation für die WM in der Schweiz verlor Chile alle vier Spiele gegen Brasilien und Paraguay und erzielte dabei nur ein Tor.
1958 in Schweden Für die Fußball-Weltmeisterschaft 1958 konnte sich die chilenische Mannschaft wieder nicht qualifizieren und musste Argentinien den Vortritt lassen. Lediglich ein Spiel gegen Bolivien wurde gewonnen, das aber noch vor Chile landete.
1962 in Chile mini|Vorzeitliche Rudelbildung im Spiel gegen Italien
Für die Heim-WM musste sich Chile nicht qualifizieren, nachdem bei der Abstimmung über die Vergabe der Nachbar Argentinien mit 32:11 Stimmen ausgestochen wurde.
Chile gewann im Eröffnungsspiel mit 3:1 gegen die Schweiz. Zwar gingen die Schweizer nach sieben Minuten in Führung, jedoch konnte Leonel Sánchez kurz vor der Pause ausgleichen; in der zweiten Halbzeit gewannen die Gastgeber die Oberhand und siegten durch die Tore von Ramírez und Sánchez. Damit war Chile die erste und bis 2014 einzige Mannschaft, die einen Rückstand im Eröffnungsspiel noch drehen konnte. Im zweiten Spiel gegen Italien, das mehr durch seine Brutalität als durch seinen spielerischen Verlauf Schlagzeilen machte, gewannen die Gastgeber durch zwei späte Treffer mit 2:0 und waren damit vorzeitig für das Viertelfinale qualifiziert. Durch die abschließende 0:2-Niederlage gegen die BR Deutschland verloren die Chilenen allerdings den ersten Tabellenplatz und mussten ihr Viertelfinalspiel in Arica bestreiten. Im Viertelfinale traf der Gastgeber auf die Sowjetunion und gewann mit 2:1. Das Halbfinale gegen den Titelverteidiger aus Brasilien, das von den meisten Zuschauern dieser WM besucht wurde, verlor Chile mit 2:4. Im kleinen Finale wurde Jugoslawien mit 1:0 besiegt und mit dem dritten Platz die bis heute beste Platzierung erreicht. Nationaltrainer Fernando Riera wurde anschließend vom Europapokalsieger Benfica Lissabon als Trainer verpflichtet und führte die Mannschaft erneut ins Europapokalendspiel, das aber verloren wurde. In der ewigen Rangliste konnten die Chilenen den größten Sprung machen und in die Top-10 zurückkehren.
1966 in England Für die WM in England musste sich Chile in einer Gruppe mit Ecuador und Kolumbien qualifizieren. Nach je vier Spielen hatten Chile und Ecuador 5:3 Punkte und da die bessere Tordifferenz der Chilenen nicht zählte, gab es ein Entscheidungsspiel in Lima. Dies gewann Chile und war damit zum ersten Mal sportlich qualifiziert. Zur WM wurde Luis Álamos, der Universidad de Chile in den Jahren 1959, 1962, 1964 und 1965 zur chilenischen Meisterschaft geführt hatte, als Nationaltrainer verpflichtet. In England schieden die Chilenen um ihren neuen Spielmacher Elías Figueroa bereits in der Vorrunde mit nur einem Punkt aus drei Spielen aus. Gegen Italien und die Sowjetunion gab es Niederlagen (0:2 und 1:2) und gegen WM-Neuling Nordkorea nur ein 1:1. Für Álamos endete damit seine Tätigkeit als Nationaltrainer vorerst. In der ewigen Rangliste fielen die Chilenen zum zweiten Mal aus den Top-10, in die sie bis dato nicht wieder zurückkehren konnten.
1970 in Mexiko Erneut konnten sich die Chilenen nicht qualifizieren. In einer Gruppe mit Uruguay und Ecuador war Uruguay stärker.
1974 in der Bundesrepublik Deutschland mini|Szene aus dem Spiel gegen die DDR In der Qualifikation zur WM 1974 in der BRD sollte Chile gegen Peru und Venezuela antreten, das aber zurückzog. So gab es zunächst nur die beiden Spiele gegen Peru, die aber beide jeweils daheim mit 2:0 gewannen. Im somit fälligen Entscheidungsspiel in Montevideo gewann Chile dann mit 2:1 und musste nun noch in Play-off-Spielen gegen eine europäische Mannschaft um den letzten zu vergebenden Endrundenplatz spielen – Gegner war die Sowjetunion. Das Hinspiel in Moskau endete mit einem torlosen Unentschieden, das Rückspiel in Santiago de Chile sollte im Estadio Nacional ausgetragen werden. Die Sowjets weigerten sich allerdings in diesem Stadion, in dem in den ersten Tagen des Pinochet-Putsches mehrere Tausend Oppositionelle festgehalten, gefoltert und ermordet wurden, anzutreten und baten die FIFA um eine Verlegung des Spiels. Da diese ablehnte, trat die Mannschaft der UdSSR nicht an. Die Chilenen traten zum Spiel an, Mannschaftskapitän Francisco Valdés schoss den Ball ins leere Tor und da der daraufhin folgende Anstoß nicht ausgeführt werden konnte, brach der Schiedsrichter das Spiel ab.youtube.com: Chile-USSR Das Spiel wurde mit 2:0 für Chile gewertet, das sich damit qualifizierte. Zur Endrunde wurde Luis Álamos erneut als Nationaltrainer verpflichtet, da Rudi Gutendorf nach dem Militärputsch zurückgetreten war. Bei der Endrunde verloren die Chilenen das Auftaktspiel mit 0:1 gegen den Gastgeber BR Deutschland. In den anderen Gruppenspielen gab es zwei Unentschieden gegen die DDR (1:1) und Australien (0:0). Während des ersten Spiels gegen die BR Deutschland war Carlos Caszely der erste Spieler, der bei einer WM-Endrunde eine Rote Karte erhielt. Für Álamos endete dann die zweite Amtszeit als Nationaltrainer wie die erste.
1978 in Argentinien
Die Qualifikation zur WM im Nachbarland wurde in zwei Runden gespielt, aber Chile schied bereits in der ersten Runde gegen Peru aus und konnte lediglich Ecuador auf den dritten Gruppenplatz verweisen.
Turniere mit 24 Teilnehmern 1982 in Spanien
In der Qualifikation für die WM in Spanien konnte sich Chile dann gegen Ecuador und Paraguay durchsetzen. In Spanien schied die chilenische Mannschaft – die von dem inzwischen 35-jährigen Figueroa angeführt wurde – nach drei Niederlagen gegen Österreich (0:1), Deutschland (1:4, wobei insbesondere Torhüter Mario Osbén schlecht aussahdfb.de: „WM 1982: "Rummenigge und zehn Roboter"“) und Algerien (2:3) punktlos in der Vorrunde aus. Auch Luis Santibáñez wurde nach dem Vorrundenaus als Nationaltrainer entlassen. Die folgenden drei Turniere fanden dann ohne Chile statt.
1986 in Mexiko