mini|hochkant=1.4|Goseriede-Platz
Die Goseriede (auch: Goseriede-Platz;Dirk Sarnes (Verantw.): Goseriede-Platz auf der Seite hannover.de, „Offizielles Portal der Landeshauptstadt und der Region Hannover in Zusammenarbeit mit der Mediengruppe Madsack“, zuletzt abgerufen am 14. August 2014 seit 2020 auch Ni una menos Platz) in Hannover ist sowohl ein öffentlicher Platz als auch eine Innerortsstraße im Stadtteil Mitte, die von der Straße Lange Laube bis zur Straße Am Klagesmarkt führt.Helmut Zimmermann: Goseriede, in: Die Strassennamen der Landeshauptstadt Hannover, Verlag Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1992, ISBN 3-7752-6120-6, S. 95
Geschichte
mini|links|Straßenschild mit Legendentafel zur Goseriede, die „1498 als “Gänseanger” erstmals genannt“ wurde
mini|Die Hut von Hausgänsen durch das Mädchen Gänseliesel in feuchter Umgebung, 1898 durch Carl Dopmeyer als Brunnenfigur am Gänselieselbrunnen verdeutlicht
Grabungen des Forschers Helmut Plath an der Nikolaikapelle, dem ältesten erhaltenen Gebäude der alten Stadt Hannover, hatten ergeben, dass die Grundmauern der Kapelle noch aus der Zeit zwischen 1250 und 1284 stammen.Helmut Plath: Zur Baugeschichte der Nikolaikapelle. Ein Grabungsbericht. In: Hannoversche Geschichtsblätter. Neue Folge 11 (1958), S. 381–394 Ebenfalls „vor dem Steintor“, außerhalb der mittelalterlichen Stadtbefestigung Hannovers, wurde „mutmaßlich [schon] vor 1256“ das damals vom Stadtrat Hannovers gestiftete Leprosen-Hospital Nikolai-Stift errichtet, wenngleich das Stift bisher erst später urkundlich nachgewiesen werden konnte.Rainer Kasties M.A.: Nikolai-Stift, in: Stadtlexikon Hannover, S. 477f. „Wahrscheinlich im Zusammenhang“ mit dem Bau dieser beiden Einrichtungen war seinerzeit auch der Alte St.-Nikolai-Friedhof angelegt worden.Waldemar R. Röhrbein: Nikolaifriedhof (I) Alter St. Nikolai Friedhof, in: Stadtlexikon Hannover, S. 476 Die Umgebung vor dem Stift wurde allerdings erstmals im Jahr 1498 urkundlich erwähnt als „Gänseanger“, als Anger zur Hut von Hausgänsen.Vergleiche die Dokumentation bei Commons (siehe unter dem Abschnitt Weblinks) Ab dem Jahr 1563 war dann der Name „Goseride“ bekannt.
Noch zur Zeit des Kurfürstentums Hannover führte der Hofbuchdrucker Johann Thomas Lamminger im ersten Adressbuch der Stadt Hannover das östlich des Nikolaifriedhofes etablierte Gartenlokal Wegeners Garten auf, das später als Konzertgarten Odeon zum Treffpunkt welfentreuer Hannoveraner wurde.Ludwig Hoerner, Waldemar R. Röhrbein: Odeon, in: Stadtlexikon Hannover, S. 484f.
Zur Zeit des Königreichs Hannover, das seinerzeit noch in der Personalunion zwischen Großbritannien und Hannover regiert wurde,Klaus Mlynek: Personalunion, in: Stadtlexikon Hannover, S. 498 wurde am Ort des „Gänsegrabens“, der ebenso wie die nahegelegene, später angelegte Kanalstraße vor den Festungungs-Wälle der alten Stadtbefestigung Hannovers lag,Helmut Zimmermann: Kanalstraße, in: Die Straßennamen ..., S. 136 1830 die Straße Goseriede angelegt.Anmerkung Helmut Zimmermann gab als Quelle für die Angabe „Gänsegraben“ die Hannoverschen Geschichtsblätter von 1914 an. Wenige Jahre später wurde die Artilleriekaserne am Steintor gebaut, deren Gelände von der Goseriede bis zur Kanalstraße verlief.Vergleiche diese Vogelperspektive von 1872 und diesen Stadtplan Hannover von 1873, Ziffer 6 Nach der Ausrufung des Deutschen Kaiserreichs und den dann folgenden Gründerjahren wurde der gesamte Militärkomplex von dem Bauunternehmer Ferdinand Wallbrecht übernommen und durch die Anlage der diagonal auf die Goseriede zulaufende Nordmannstraße ersetzt.Helmut Zimmermann: Nordmannpassage, in: Die Straßennamen ..., S. 183
mini|links|Das neu erbaute Goseriedebad und der Gänseliesel-Brunnen; Ansichtskarte um 1905
mini|Goseriede und Nicolaistraße, links der Bauplatz für das Anzeiger-Hochhaus und das Goseriedebad, in der Bildmitte der von der hannoverschen Straßenbahn umrundete begrünte Platz mit dem Gänseliesel-Brunnen und der Nikolaikapelle, rechts die Gebäude der „Nicolaistraße“
1898 war an der Goseriede der Gänseliesel-BrunnenRainer Ertel, Ernst-Friedrich Roesener: Hannoversches Brunnenbuch. Wasserspiele und Brunnen in Hannover. Fackelträger, Hannover 1988, ISBN 3-7716-1497-X, S. 34f. auf einer Grünfläche fertiggestellt worden, im selben Jahr wurde sowohl das alte Nikolai-Stift als auch die bis dahin dort befindliche Georgstädter Bürgerschule abgerissen, auf deren Grundstücken an der Goseriede bis 1905 das erste städtische Hallenbad errichtet wurde, das mit seinem Namen Goseriedebad ebenfalls Bezug auf die Geschichte des Ortes nahm.Peter Rutenberger: Badeanstalt im Bild, in: Peter Rutenberger (Hrsg.), Wolfgang Wagner (Red).: Anzeiger ... (siehe Literatur), S. 148–167
miniatur|1906 als „Englische Kapelle“ Ansichtskarte Nr. 28 von Ludwig Hemmer
Zur selben Zeit fuhr entlang der Goseriede als auch im ehemaligen Verlauf der Nicolaistraße die bereits elektrifizierte hannoverschen Straßenbahn, für die an der zur Stadtmitte weisenden Spitze der Grünfläche des Alten St.-Nikolai-Friedhofs ein Wendegleis angelegt worden war. War das Straßenbild zu der Zeit ansonsten noch vor allem von Pferdefuhrwerken beherrscht, dokumentierte der Verleger Ludwig Hemmer mit seiner Ansichtskarte Nummer 28 vor der seinerzeit durch die Englische Gemeinde genutztenWaldemar R. Röhrbein: Nikolai-Kapelle, in: Stadtlexikon Hannover, S. 477 Nikolaikapelle eines der ersten Automobile in der Geschichte der Stadt Hannover.
1909 bis 1910 ließ der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund (ADGB) zwischen der Odeonstraße und der Nikolaistraße nach Plänen des Architekten Rudolf Schröder sein Gewerkschaftshaus errichten, das bald auch Sitz der hannoverschen SPD wurde und Pressehaus der sozialdemokratischen Tageszeitung Volkswille war. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde hier während der Novemberrevolution der hannoversche Arbeiter- und Soldatenrat gegründet.Helmut Knocke: Gewerkschaftshaus des ADGB, in: Stadtlexikon Hannover, S. 221 Der benachbarte frühere Konzertgarten Odeon hatte sich längst als „Kriegerheim“ ruiniert und wurde ab 1919 dann vom ADGB übernommen, der ihn dann als „Volkheim“ weiterführte.
Nach der durch den Ersten Weltkrieg ausgelösten deutschen Hyperinflation in der Weimarer Republik ließ der Verleger August Madsack nach Vorentwürfen von Emil Lorenz das von dem Architekten Fritz Höger 1928 fertiggestellte Anzeiger-Hochhaus errichten, das als Hauptwerk des norddeutschen Klinkerexpressionismus mit Anklängen des Art-déco-Stils ein Wahrzeichen der Stadt wurde.Helmut Knocke: Anzeiger-Hochhaus, in: Stadtlexikon Hannover, S. 30
Die Zeit des Nationalsozialismus schlug an der Goseriede besonders früh zu: Schon am 1. April 1933 besetzten die Nazis das Gewerkschaftshaus des ADGB, „die Gewerkschaften wurden zerschlagen, Gewerkschafter verfolgt, verhaftet und ermordet“. Das Gebäude wurde nun der Sitz der Deutschen Arbeitsfront (DAF) und anderer NS-Organisationen.
Während des Zweiten Weltkrieges wurden bei den Luftangriffen auf Hannover rund 85 Prozent der Innenstadt zerstört,Conrad von Meding: Alte Häuser in der City „Es muss Schluss sein mit Abrissen“ / Erneut werden in Hannovers City zwei historische Gebäude abgerissen. Hannovers Baudenkmalstiftung fordert angesichts der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und des Verschwindens vieler weiterer alter Häuser bis heute, dass in der Innenstadt damit endlich Schluss sein müsse. In: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 16. September 2013, zuletzt abgerufen am 14. August 2014 erstaunlicherweise blieb an der Goseriede das Anzeiger-Hochhaus relativ wenig beschädigt. So konnte der Verleger Rudolf Augstein mit seinem Freund Leo Brawand und mit Genehmigung der Britischen Militärregierung schon 1946 hier das Nachrichtenmagazin Der Spiegel gründen.Simon Benne: Krebsleiden / „Spiegel“-Mitbegründer Leo Brawand ist tot / Der „Spiegel“-Mitbegründer und langjährige Chefredakteur des „Manager Magazins“, Leo Brawand, ist im Alter von 84 Jahren gestorben, in: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 9. Juni 2009; Archivlink abgerufen am 13. Dezember 2025
In der Nachkriegszeit wurde anstelle des zerstörten ehemaligen Konzertgartens Odeon 1957 an der Goseriede ein Neubau für die Neue Presse (NP) errichtet. Nach dem Umzug der NP dienen die Gebäude seitdem unter dem Namen „ver.di-Höfe“ als Büro- und Veranstaltungszentrum der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di.
mini|Bei der Einweihung des neu gestalteten Goseriedeplatzes am 23. Mai 2014 war Oberbürgermeister Stefan Schostok für das Stadtradeln und die Velo City Night
Medienecho (Auswahl) Denis Lochte: Nach Umbau an der Goseriede / Bürgersteig breiter als Straße, in: Bild vom 15. Oktober 2012; online zuletzt abgerufen am 14. August 2014 Carsten Richter: Hannover / Goseriede: Wer braucht so viel Platz? / Die neue Goseriede im Herzen Hannovers nimmt Form an, macht aber auch ein bisschen ratlos: Wer braucht eigentlich so einen großen Platz?, in: Neue Presse vom 18. Juli 2013; online zuletzt abgerufen am 14. August 2014
Literatur Gerd Weiß, Marianne Zehnpfennig: Die nördliche Vorstadt-Bebauung, in: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Baudenkmale in Niedersachsen, Stadt Hannover, Teil 1, Bd. 10.1, hrsg. von Hans-Herbert Möller, Niedersächsisches Landesverwaltungsamt – Veröffentlichungen des Instituts für Denkmalpflege, Friedr. Vieweg & Sohn, Braunschweig/Wiesbaden 1983, ISBN 3-528-06203-7, S. 80ff.; sowie: Mitte im Addendum zu Band 10.2, Verzeichnis der Baudenkmale gem. § 4 (NDSchG) (ausgenommen Baudenkmale der archäologischen Denkmalpflege) / Stand: 1. Juli 1985 / Stadt Hannover, S. 3ff. Peter Rutenberger (Hrsg.), Wolfgang Wagner (Red).: Anzeiger. Wie Fritz Högers Anzeiger-Hochhaus zum Mittelpunkt des neuen Kunst- und Medienzentrums an Hannovers Goseriede wurde, in Zusammenarbeit mit Peter Struck hrsg. im Auftrag der Verlagsgesellschaft Madsack, Hannover: Madsack, 1997, ISBN 3-7860-0520-6
Weblinks
Goseriede im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek Michael Thomas (Fotograf): Umbau am Klagesmarkt und der Goseriede, Fotostrecke in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung [Datum: 10. Mai 2013]
Einzelnachweise und Anmerkungen
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