mini |Hannelore Zehendner und Joachim Fischer beim Ironman Hawaii, 1984 mini|Dirk Aschmoneit und Alexandra Kremer – Deutsche Meister auf der Mitteldistanz, 1986 in Roth

Die Geschichte des Triathlons in Deutschland beginnt mit dem Jahr 1982.

Die Anfänge 1982 bis 1989 Die ZDF-Sportreportage sendete im Herbst 1981 einen TV-Kurzbericht über den Ironman Hawaii, der aus Bildmaterial des US-Senders ABC vom Rennen des gleichen Jahres übernommen war. Im Jahre 1982 entstanden in Deutschland erste Veranstaltungen im Triathlon. Ernst Peter Berghaus und Wolfgang Kremer, mehrfacher Deutscher Meister im Schwimmen und zweimaliger Olympiateilnehmer 1964 und 1968 als Organisatoren, machten in Essen rund um den Baldeneysee am 25. April 1982 mit 1,5 Kilometer Schwimmen, 70 Kilometer Radfahren und 12 Kilometer Laufen den Anfang. Sie veranstalteten den ersten Triathlon auf deutschem Boden. 48 Teilnehmer, darunter sechs Frauen, nahmen an dieser Veranstaltung teil. Sieger wurden die Leistungsschwimmer und Geschwister Susanne und Michael Allwermann vom Schwimmverein Essen 06.https://tri-mag.de/szene/so-verrueckt-war-der-erste-triathlon-in-deutschland/ Manuel Debus und Detlef Kühnel, der spätere Initiator des Ironman Europe, starteten als erste Deutsche im Herbst 1982 beim Ironman Hawaii.

Die folgenden Wettkämpfe am Edersee in Hessen, Fischbach, Hückeswagen, Kassel, Kehl, Rostock und Gerolstein brachten noch im gleichen Jahr rund 300 Teilnehmer an die Startlinie. Hermann Aschwer, Hannelore Zehendner, Joachim Fischer, Klaus Klaeren, Klaus Barth, Hannes Blaschke, Manuel Debus, Detlef Kühnel und andere gelten als Pioniere des deutschen Triathlonsports. 1983 verdoppelte sich die Zahl der Veranstaltungen und die der Starter verzehnfachte sich.https://www.usinger-anzeiger.de/sport/lokalsport/ein-pionier-der-triathlon-szene-93816549.html

1983 schuf Debus erste organisatorische Strukturen und gründete den Deutschen Triathlon Verband (DTV), einen der beiden Vorläuferverbände der heutigen Deutschen Triathlon Union (DTU). 1984 wurden es 50 Veranstaltungen mit 10.000 Teilnehmern. 1985 wurden diese Zahlen nochmals verdoppelt. Heutige deutsche Klassiker, wie Immenstadt (1983) und Roth (1984), erblickten das Licht der kleinen Triathlonwelt. Günter Kissler aus Koblenz veranstaltete im September 1984 am Fühlinger See mit dem Köln-Triathlon eine Europameisterschaft über die Langstrecke. Später gründete er den DTrB. Klaus Klaeren wurde in Immenstadt beim Allgäu Triathlon 1984 erster Deutscher Triathlonmeister. Bei den Frauen bekam Hannelore Zehendner den Meisterpokal überreicht. Ihnen folgten 1985 im Schwarzwald beim legendären Schluchsee-Mitteltriathlon der Mathematiker Gerhard Wachter und bei den Frauen die Kölnerin Alexandra Kremer.

1984 wurde Klaeren in England Sieger bei den noch inoffiziellen Europameisterschaften, Hannes Blaschke aus dem Allgäu wurde im gleichen Jahr am gleichen Ort 14. und lief 1985 auf Platz vier beim Ironman Hawaii. Siehe auch:Ironman Hawaii Altersklassenrekorde. Klaus Barth konnte die gleiche Platzierung auf Hawaii ein Jahr später wiederholen. Er startete in den 80er Jahren drei Mal mit vorderen Platzierungen auf Hawaii. Am 23. Februar 1985 kam es zur Bildung der Deutschen Triathlon Union (DTU) durch Fusion der Triathlon-Dachverbände DTV (Deutscher Triathlon Verband, leistungssportorientiert) und DTrB (Deutscher Triathlonbund, breitensportorientiert) in Worms. Gründungspräsident ist Dr. Joachim Fischer aus Heigenbrücken im Spessart. Bei der Langdistanz EM in Almere konnte Gabriela Hirsemann Bronze in einer Zeit von 10:42:03 Stunden erzielen. Am 5. Dezember 1987 wurde die DTU in den Deutschen Sportbund (DSB) aufgenommen.

Die Jahre 1986 bis 1988 waren stark geprägt von der Dynamik, die sich von Roth aus entwickelte. Der US-Amerikaner Scott Tinley war 1986 zu Gast in Mittelfranken bei den Internationalen Deutschen Meisterschaften über 2,5 Kilometer Schwimmen, 100 Kilometer Radfahren und 25 Kilometer Laufen. Er lieferte sich bis zu seinem Radsturz mit anschließender Reifenpanne zunächst ein Duell mit Dirk Aschmoneit. Tinley, ganz Eisenmann, fuhr aber zu Ende und lief noch bis auf Platz zwei vor. Aschmoneit, der im gleichen Jahr mit 8:59:37 Stunden als erster Deutscher auf der Langstrecke im schwedischen Säter noch unter der magischen Neun-Stunden-Grenze blieb, gewann die Hitzeschlacht in 4:40:09 Stunden – zeitgemäß auf dem Rad und beim Laufen nur mit Badehose bekleidet.

mini|Rita Keitmann im Ironman Europe, 1988

Rita Keitmann aus Dortmund gewann 1987 als erste deutsche Frau überhaupt mit dem Embrunman in Frankreich eine Langdistanz. 1988 wiederholte sie dies mit dem Sieg beim Ironman Europe in Roth. 1987 ging Detlef Kühnel als Organisator noch einen Schritt weiter und richtete die Europameisterschaften über 2 Kilometer Schwimmen, 92 Kilometer Radfahren und 20 Kilometer Laufen aus. Die Stadt Roth erwachte jetzt endgültig. Weit über 50.000 Zuschauer standen entlang der Strecken. Der Brite Glenn Cook brachte erstmals den „Scott-Lenker“ mit auf den Kontinent. Er gewann in unter vier Stunden und Jürgen Zäck lief auf den dritten Platz.

Das Niveau bei den Startgeldern erhöhte sich deutlich. Nicht zuletzt auch wegen 105 DM Startgeld, das für die Teilnahme beim erstmals ausgetragenen Ironman Europe verlangt wurde. Der Holländer Axel Koenders gewann vor Aschmoneit. Damit hatte Roth schon bis 1988 Wettkämpfe über verschiedene Distanzen ausgetragen. Angefangen mit den Bayerischen Meisterschaften (1985), dann den Deutschen (1986) und Europameisterschaften (1987), setzte Roth mit der Austragung des Ironman Europe (1988) erneut Maßstäbe und war zunächst für sechs Jahre Qualifikationsrennen für Hawaii. Ab 2002 wird hier nun die Challenge Roth ausgetragen.

Joachim Fischer wurde 1987 nicht mehr als DTU-Präsident wiedergewählt. Stattdessen repräsentierte der noch unbekannte siebenundzwanzigjährige Martin Engelhardt, ein ehemaliger Bundesliga-Schwimmer und Assistenzarzt am Stadtkrankenhaus Hanau, fortan die Spitze der DTU. Die bunten Anfangsjahre neigten sich langsam dem Ende zu und wichen allmählich einem regulierten Wettkampfbetrieb mit hohem Organisationsgrad und einer Verwaltungsstruktur. Am 5. Dezember 1987 nahm der Deutsche Sportbund die DTU als neues Mitglied und damit exklusiv Triathlon und Duathlon vertretenden nationalen Dachverband auf. Damit endeten jahrelange Diskussionen, ob eher der BDR, der DSV oder der DLV für die Harmonisierung eines Regelwerks verantwortlich sei. Simone Mortier hatte Alexandra Kremer abgelöst und wurde 1988 gleich zweimal Deutsche Meisterin (Kurz- und Mittelstrecke). Bei den Deutschen Mittelstreckenmeisterschaften 1988 in Ettlingen waren lediglich elf weibliche Starterinnen in der Startliste eingetragen.

Der Zeitraum von 1990 bis 1999 Die Professionalisierung des Sports ging voran. Am 28. Oktober 1990 integrierte sich der erst im Mai gegründete Triathlon-Verband der DDR mit seinen fünf Landesverbänden in die DTU. Die DTU wurde mit 16 Landesverbänden und 17.445 Mitgliedern zur mitgliedsstärksten Nation innerhalb der European Triathlon Union (ETU).

Die deutsche Triathlonszene wurde von den, auch mittlerweile medial beachteten Athleten, Jürgen Zäck, Wolfgang Dittrich und Dirk Aschmoneit als dominierenden „Big Three“ in Deutschland Ende der 1980er, Anfang der 1990er Jahre beherrscht. Dittrich war 1993 als erster Deutscher auf dem Podium beim Ironman Hawaii – mit dem dritten Platz. Im gleichen Jahr gewinnt Hans-Jürgen Schley den Ultraman Hawaii (10 km Schwimmen, 421 km Radfahren und 84 km Laufen; in drei Tagesetappen). Beim Jümme-Triathlon wurden 1995 Matthias Klumpp und Ines Estedt Europameister auf der Langdistanz. Estedt unterbot hierbei als erste Deutsche die Neun-Stunden-Marke.

Insbesondere die zweite Hälfte der Neunzigerjahre war geprägt von Debatten über eine Drafting-Freigabe im Triathlon.

Innerhalb von nur wenigen Jahren war es gelungen zu erreichen, dass das IOC sich auf einem Kongress am 4. September 1994 in Paris entschied, Triathlon erstmals in das Wettkampfprogramm für die Olympischen Spiele 2000 in Sydney aufzunehmen – wenn auch zunächst ausdrücklich nur vorläufig. Dies war auch aus deutscher Sicht ein großer Erfolg, denn staatliche Sportförderung ist primär für olympische Sportarten verfügbar. Der jungen und finanziell klammen DTU ermöglichte dies einen Ausbau ihrer Kader- und Nachwuchsförderung – wenngleich der Förderbetrag sich am Erfolg der Athleten bemisst.

Um aus dem vorläufigen Status heraus frühzeitig zu einem regelmäßigen Bestandteil von Triathlon im olympischen Programm zu werden, wurde eine zuschauerfreundliche Präsentation der Wettkämpfe angestrebt. Auch wenn Ironman die größte Medienpräsenz genoss, erschien dessen Format bezüglich organisatorischen Aufwand wie auch Wettkampfdauer für Olympia ungeeignet. So wurde frühzeitig eine „olympische Distanz“ vereinbart: 1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und 10 Kilometer Laufen. Weiter sollte in dem Moment, in dem der erste Athlet die Ziellinie überquerte, auch der Sieger feststehen. Nachdem es in den Vorjahren bei Kurzdistanz-Weltmeisterschaften immer lange gedauert hatte, bis alle offiziellen Proteste gegen Kampfrichterentscheidungen behandelt waren, gab die ITU daher bei den Kurzdistanz-Weltmeisterschaften im November 1995 in Cancún, wo Lothar Leder, Roland Knoll und Stephan Vuckovic für Deutschland die Team-Wertung gewannen, erstmals Drafting frei.

Das Umdenken bei internationalen Rennen wirkte sich entsprechend auf den Triathlon in Deutschland aus. DTU-Präsident Engelhardt hatte schon 1992 in Roth für eine Abschaffung des Windschattenverbots bei diesem größten deutschen Triathlon plädiert. (Faksimile im Ergebnisheft des Ironman Europe 1992, S. 50) Während das Abschneiden deutscher Athleten beim Ironman in den Medien gefeiert wurde – Lothar Leder hatte in Roth 1996 als erster Athlet weltweit die magische Acht-Stunden-Marke unterboten, und Thomas Hellriegel war auf Hawaii zweimal in Folge erst kurz vor dem Ziel auf den zweiten Platz verdrängt worden – nutzte die Presse für das internationale Abschneiden deutscher Athleten auf der olympischen Distanz das Adjektiv „blamabel“. Die DTU schloss daraufhin alle Starter beim Ironman aus dem Kader und somit der Unterstützung durch die Sporthilfe aus. Die Deutsche Meisterschaft über die olympische Distanz am 10. August 1996 in Losheim wurde letztmals mit offiziellem Draftingverbot ausgetragen. Auch in der aus der nordrhein-westfälischen Kronenliga 1996 hervorgegangenen, bundesweit von der DTU organisierten Triathlon-Bundesliga wurde ab 1997 Drafting freigegeben. In den weiteren, von den Landesverbänden organisierten Ligen unterhalb der 1. Bundesliga war das Reglement zunächst noch uneinheitlich.

Erfolge blieben aber den Ironman-Athleten vorbehalten: 1997 unterboten hinter Luc Van Lierde gleich drei Deutsche in Roth die Acht-Stunden-Marke – und dasselbe Trio belegte drei Monate später durch Thomas Hellriegels ersten Hawaiisieg eines Deutschen sowie Jürgen Zäck und Lothar Leder auf Platz zwei und drei das Siegerpodest. Die Hälfte der Top Ten bei der Ironman World Championship kam 1997 aus Deutschland, insgesamt waren unter den ersten 22 Männern im Ziel neun Deutsche. Hellriegel und Zäck saßen am folgenden Samstag als erste Triathleten im Aktuellen Sportstudio.

mini|Normann Stadler im Ironman Germany in Frankfurt am Main, 2006 mini|Stephan Vuckovic in Kona, 2007

Nach dagegen erneut „katastrophalem Abschneiden“ deutscher Athleten bei den Kurzdistanz-Weltcups – nur ein einziges Mal kam ein Deutscher 1998 in die Top Ten – sowie der WM im August 1998 in Lausanne wurde Bundestrainer Steffen Grosse, dessen Trainingsmethoden bereits länger in der Kritik standen, von seiner Verantwortung entbunden. Im Juli 1999 sorgte dann Anja Dittmer mit ihrem Gewinn der Europameisterschaft auf Madeira für einen Hoffnungsschimmer auf der Kurzdistanz.