Gisela Schmalz (* 1970) ist eine deutsche Philosophin, Volkswirtin und Publizistin.
Biographie Schmalz studierte an der WHU Vallendar und an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn Wirtschaftswissenschaften und Philosophie. Außerdem studierte sie an der Columbia University in New York und erhielt ein Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Mit einer Arbeit zur Entstehung der US-amerikanischen Wirtschaftswissenschaften wurde sie an der Freien Universität Berlin zum Dr. rer. pol. promoviert.
Schmalz arbeitete als Schauspielerin, Moderatorin, Filmkritikerin, Filmvermarkterin, Produzentin von Dokumentarfilmen und wissenschaftlichen Fernsehbeiträgen. Am Institut für Medien- und Kommunikationspolitik (IfM) in Berlin und im Rahmen des Google Collaboratory in Berlin forschte sie zu den Auswirkungen des Internets und neuer Technologien auf die Gesellschaft. Schwerpunkte ihrer Forschung sind Managementstrategien, Technologiekonzernentwicklung, Trend- und Zukunftsforschung sowie Wirtschaftsethik.
Als Autorin veröffentlichte Schmalz im Print-, Online- und TV-Bereich. 2006 übernahm Schmalz eine Professur für Strategisches Management und Wirtschaftsethik an der Rheinischen Fachhochschule in Köln. 2026 lehrte sie Digital Business und Management an der privaten Gisma University in Berlin, Potsdam und London. Zudem leitet sie die „Fokusgruppe Künstliche Intelligenz“ der Deutschen Gesellschaft für Philosophie. Neben ihrer Lehrtätigkeit beteiligt sie sich an der Konzeption und am Aufbau der Datenbank zu internationalen Medienkonzernen im Rahmen des Instituts für Medien- und Kommunikationspolitik, Berlin, dem sie als Fellow angehört. Darüber hinaus verantwortet sie den wissenschaftlichen Arbeitskreis des Forschungsprojekts Ethisch-Ökologisches Rating in Frankfurt am Main.
Schmalz ist mütterlicherseits verwandt mit Ernst von Salomon, dem Verfasser von „Der Fragebogen“ (1951).
Positionen In ihrem Buch No Economy kritisiert Schmalz die Gratiskultur im Internet.Gisela Schmalz: No Economy – Warum der Gratiswahn das Internet zerstört. Frankfurt am Main, Eichborn Verlag 2009 Nach ihrer Ansicht führen die Gepflogenheiten der Gratisangebote und -nachfrage auf lange Sicht zu Qualitätsverlusten. Der Handel zum „Nulltarif“ habe eine unfaire ökonomische Verteilung zur Folge. Es würden Daten von Onlineunternehmen gespeichert, verarbeitet und verkauft, diese also nur von einigen Unternehmen monetarisiert.
In ihrem 2026 erschienenen Buch Fetisch Intelligenz beschäftigt sich Schmalz mit der gesellschaftlichen Bedeutung und dem politischen Gebrauch des Intelligenzbegriffs. Sie kritisiert insbesondere eine Verengung von Intelligenz auf den in klassischen Intelligenztests ermittelten Intelligenzquotienten und die dabei gemessenen Fähigkeiten wie sprachliches und mathematisch-logisches Vermögen, räumliches Denken, Arbeitsgedächtnis und Denkgeschwindigkeit. Dem stellt sie ein breiteres Verständnis gegenüber, das unter anderem kreative, soziale, emotionale, kritische und körperliche Intelligenz sowie unkonventionelles Denken berücksichtigt.
Problematisch sieht Schmalz den Einsatz von IQ-Werten zur Einteilung von Kindern im Bildungswesen, da eine frühe Zuordnung zu unterschiedlichen Förderangeboten zur Selbststigmatisierung beitragen könne. Darüber hinaus kritisiert sie die Verwendung vermeintlicher Intelligenzunterschiede zur Abwertung von Bevölkerungsgruppen und insbesondere Versuche, gesellschaftliche Hierarchien mit angeblich genetisch bedingten IQ-Unterschieden zwischen Bevölkerungsgruppen zu begründen.
Im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz beschreibt Schmalz KI-Systeme als Systeme, die aus Daten der Vergangenheit mittels statistischer Wahrscheinlichkeiten Vorhersagen ableiten, und wendet sich gegen ihre Gleichsetzung mit menschlicher Intelligenz. Sie plädiert für eine kritische Distanz gegenüber KI und für eine stärkere Auseinandersetzung mit den hinter den Technologien stehenden Machtstrukturen; die Vermenschlichung solcher Systeme sieht sie zugleich als wirtschaftlich vorteilhaft für deren Anbieter an.
Publikationen 1998: Der Richtungsstreit in der frühen amerikanischen Wirtschaftslehre und der Einfluss der Deutschen Historischen Schule. 2002: Narziss – Idol oder Patient. In: Ruhrgas AG (Hg.), Kontext Scripten 6. Essen. 2006: Bewegtes bewegt – Laufbilder und Emotionen. In: Gertler, Martin (Hg.). Kölner Jahrbuch zum Medien-Design. Köln. 2008: Internet. In: Hachmeister, Lutz: Grundlagen der Medienpolitik. Ein Handbuch. München. Deutsche Verlagsanstalt. 2009: No Economy – Warum der Gratiswahn das Internet zerstört. Frankfurt am Main. Eichborn Verlag. 2009: Spielplatz oder Marktplatz: Gratisweb. 2009: Schwimmübungen – Ohne Strategie gibt es kein Zurück zu Bezahlinhalten im Netz. In: epd medien, Nr. 74. 2010: Wie nachhaltiges Digitales Wirtschaften gelingt. In: WAZ-Gruppe (Hg.): 2020 – Gedanken zur Zukunft des Internets. Essen. 2014: Cliquenwirtschaft. Die Macht der Netzwerke: Goldman Sachs, Kirche, Google, Mafia & Co. München. Kösel-Verlag. 2018: Nothing as Seductive. London. Picpus Press. 2018: Das kleine Buch der großen Fragen. München. Goldmann Verlag. 2020: Mein fremder Wille. Wie wir uns freiwillig unterwerfen und die Tech-Elite kassiert. Campus-Verlag, Frankfurt am Main/New York. 2026: Fetisch Intelligenz. Berlin Verlag, Berlin.
Weblinks Literatur von Gisela Schmalz im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek Werke von Gisela Schmalz in der Deutschen Digitalen Bibliothek Homepage von Gisela Schmalz Forschung am IfM Interview mit W&V – Werben und Verkaufen Autorenseite von Gisela Schmalz bei Random House (Verlag)
Einzelnachweise
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