mini|hochkant| St.-Fidelis-Kirche von der Seidenstraße aus. Hinten: Hauptfassade, vorn: Außenmauer mit Türmchen und einer der beiden weinlaubumrankten Eingangspforten.

Die St.-Fidelis-Kirche ist eine katholische Kirche im Stuttgarter Westen.

Lage Die St.-Fidelis-Kirche liegt im Stadtteil Rosenberg im Stadtbezirk Stuttgart-West in unmittelbarer Nähe der Kreuzung Rosenbergstraße und Seidenstraße, an der das Diakonie-Klinikum Stuttgart, ein Universitätsgebäude und die Hoppenlau-Schule (Gewerbliche Schule Im Hoppenlau Stuttgart) liegen. An die Hoppenlau-Schule schließen in der Seidenstraße die Fideliskirche und das Pfarrhaus an (Seidenstraße 41 und 39).

In der Umgebung liegen die Rosenberghöfe mit dem Hauptsitz der AOK Baden-Württemberg Stuttgart und einem Mehrgenerationenhaus der Evangelischen Diakonissenanstalt Stuttgart, das Hotel Maritim, der Hoppenlaufriedhof, die Alte Reithalle, das Bosch-Areal, die Liederhalle und einige Schulen.

Die Kirche ist nicht geostet, das heißt, sie orientiert sich nicht von Westen nach Osten zum Chor mit dem Altar hin. Der Altar liegt vielmehr im Westen und das Hauptportal im Osten.

Geschichte mini|hochkant|Clemens Hummel, der Architekt der St.-Fidelis-Kirche, als Burschenschafter der Alemannia Stuttgart mini|St.-Fidelis-Kirche, 1926Durch den wirtschaftlichen Aufschwung kamen seit der Wende zum 20. Jahrhundert viele katholische Christen nach Stuttgart. Nach dem Ersten Weltkrieg bemühten sich Fidelis Erath, Kaplan an der Elisabeth-Kirche, und Fidelis Mahler, Mitglied des Stuttgarter Gemeinderats, um den Bau einer Kirche und Errichtung einer neuen Gemeinde im West-Nord-Bereich Stuttgarts. Am 22. März 1925 konnte der Grundstein zur Fidelis-Kirche gelegt werden.Benk 2000. (Baubeginn: 22. Oktober 1924).

Die Kirche wurde nach den Plänen des Architekten Clemens Hummel (1869–1938) errichtet.

Am 13. Dezember 1925 wurde die Kirche von Bischof Paul Wilhelm von Keppler geweiht.

Über die ursprüngliche Ausstattung des Kircheninneren berichtet Wolfgang Kress: „Das Kircheninnere war von Anfang an feierlich und ernst, mit herber Schlichtheit. Die Fenster aus unbemaltem Antikglas spiegelten die resedagrün gestrichenen Wände. Im Chor stand der Hochaltar mit Baldachin aus Travertin. Bildhauer Heinz Retzbach (1887–1974) hatte dazu eine Kreuzigungsgruppe und einen Engel geschaffen. Ein rundes Maßwerkfenster, das die Stuttgarter Glasmaler Gebrüder Saile gefertigt hatten, krönte den Chor. Die Kanzel ragte weit in das Mittelschiff herein. Zwei Seitenaltäre waren der Mutter Gottes und dem Namenspatron der Kirche gewidmet. Der Marienaltar zeigte eine Statue der Maria aus gelbem Marmor, ihr zur Seite die Heiligen Konstantia und Zita.„Gestalten der Schutzheiligen des Konstantia- und Zitavereins ..., gestiftet von den genannten Vereinen (Konstantia-Verein von Handelsgehilfinnen und Beamtinnen, Zitaverein = weibliche Dienstboten).“ (Rohr 1926, S. 27). Der Heilige Fidelis war aus Veroneser Marmor, ihm zur Seite standen die Heiligen Konrad und Petrus.“

Zweiter Weltkrieg In der Nacht des 12. September 1944 brannte die Kirche bei einem Bombenangriff bis auf die Außenmauern und die Dachbinder aus.Kotzurek 2014. „Wie das Gerippe eines Wals ragten die leeren Betoneisenträger des Dachgewölbes in die Luft.“Kress 2000, S. 2. Nach dem Krieg betrieben Pfarrer Fidelis Erath und Vikar Leopold Kurz den Wiederaufbau, der unter der Leitung des Architekten Hugo Schlösser erfolgte und bei dem viele Gemeindemitglieder selbst mithalfen, so dass die Kirche 1948 wieder geweiht werden konnte.Benk 2000, Kress 2000, S. 3.

1950 schuf Josef Zeitler für den Hochaltar, der „als zu schmal, zu schlank und hochgewachsen in dem weiten Chorraum“ empfunden wurde, eine Kreuzigungsgruppe, eine Umrahmung aus zwei Säulen mit einem Spitzbogen und zwei flankierenden Engelfiguren am Chorbogen.Kirchliche Mitteilungen 1950.

Modernisierung 1964 wurde der Innenraum der Kirche nach den Plänen des einflussreichen Kirchenarchitekten und Stadterneuerers Rudolf Schwarz neu gestaltet. Da Schwarz 1961 verstorben war, übernahm seine Frau, die Architektin Maria Schwarz, die Ausführung der Pläne.Benk 2000, Fidelis 2014. – In Fidelis 2014 wird der Vorname von Schwarz’ Frau fälschlich mit Edeltraut angegeben.

Der Entwurf für die Modernisierung des Kircheninneren orientierte sich an der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils, die die Stärkung des Gemeinschaftsgedankens in den Vordergrund rückte:Rudolph 2014.

Der von Martin Bruno Schmid entworfene, schlichte Altar wurde freistehend aufgestellt und näher an die Gemeinde gerückt, damit die Zelebration mit dem Gesicht zu den Gläubigen stattfinden konnte. Der Tabernakel wurde vom Altar getrennt und erhielt einen eigenen Standort. Die Kanzel wurde von ihrem hohen Platz über der Gemeinde an eine nur noch leicht erhöhte Stelle versetzt. Die Kommunionbank, die den Altarbereich von der Gemeinde trennte, wurde entfernt.

Georg Meistermann lieferte die Entwürfe für 22 Glasfenster und schuf 15 Kreuzwegtafeln für die Seitenschiffe.Fidelis 2014. – Die Angabe, dass Meistermann nur drei der Glasfenster entwarf, trifft nicht zu.

Kreuzigungsgruppe, Umrahmung und Engelfiguren von Zeitler wurden bei der Modernisierung 1964 entfernt.

1978 wurde die Fideliskirche in das Landesverzeichnis der Baudenkmale in Württemberg eingetragen und ist ein Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung (Denkmalschutzgesetz Baden-Württemberg §12). 1995 wurden Elektrik, Boden und Wände renoviert und der Altarraum neu gestaltet.Kirche Fidelis nach Renovierung geöffnet. In: Stuttgarter Zeitung vom 16. Dezember 1995.

Spirituelles Zentrum 2018/2019 wurde der Innenraum der Kirche durch die Stuttgarter Architekten Domenik Schleicher und Michael Ragaller neu gestaltet und beherbergt seitdem das Spirituelle Zentrum station s. Die Umgestaltung sollte die sakrale Ausstrahlung des Raums erhalten und durch mehr Helligkeit, Klarheit und bessere Lichtführung intensivieren und zugleich eine vielfältigere und zeitgemäße Nutzung der Kirche ermöglichen.

Die Umgestaltung wurde im Herbst 2020 mit der Architekturauszeichnung „Kleiner Hugo“ ausgezeichnet.

Architektur mini|Grundriss Das giebelständige Gebäude liegt leicht erhöht über dem Straßenniveau und tritt mit seiner Hauptfassade gegenüber der Straßenflucht zurück. Eine Außenmauer mit Türmchen und zwei Eingangspforten und ein Vorhof mit Bogenumgängen trennen die Kirche von der Straße. Die dreischiffige Hallenkirche ohne Turm und Querschiff wird durch Eisenbetonbinder überspannt und von einem Satteldach bekrönt. Im Innern präsentiert sich die Kirche als schlichte und schmucklose Halle mit einem hohen, kassettierten Holztonnengewölbe, niedrigen, fensterlosen Seitenschiffen und einem lichtdurchströmten Mittelschiff mit hohen Glasfenstern.

Die Charakterisierung des Baustils der St.-Fidelis-Kirche als „Übergangsstil zwischen Historismus und Neuer Sachlichkeit“Fidelis 2014. beschreibt die Bauweise von Clemens Hummel, dem Erbauer der Kirche, nur unzureichend. Der Begriff Historismus lässt an die Vermischung älterer Stilrichtungen denken, Hummel hingegen wollte eine moderne Kirche bauen, die sich an frühchristlichen und frühromanischen Vorbildern orientierte. Der Arkadenhof mit seinem mediterranen Flair und der als Halle angelegte Innenraum erinnern an frühchristliche Basiliken in Italien.

Nach Ansicht des zeitgenössischen Philosophen und Publizisten Heinrich Getzeny verbanden sich in der Fideliskirche „frühromanische Baumotive Oberitaliens mit modernen Baugedanken zu straffer Einheit“.Getzeny 1935, Seite 21. Der katholische Theologe und Kunsthistoriker Gottlieb Merkle beschrieb Hummels Baustil so:

„Die Erinnerung an Italien wird auch im Anbringen der Glocken am Giebelabschluß und in der vertikalen Gliederung der WestfrontMuss Ostfront heißen. sichtbar. Auch hier beeindruckt der Wille des Architekten zu klaren Formen, die im Inneren allerdings wieder mehr an die Gotik erinnern, insofern spitzbogige Gewölbe eine ‚gotische‘ Halle schaffen. Dieser Eindruck wird durch eine moderne Konstruktion – die spitzbogigen Gewölbebinder sind durch Stahlbetonstege versteift – und ein neues Formempfinden erreicht.“Merkle 1973, Seite 65.

Äußeres Die St.-Fidelis-Kirche liegt 1,2 Meter über dem Straßenniveau und tritt mit der Hauptfassade im Osten um elf Meter gegenüber der Straßenflucht zurück.Kress 2000, Seite 1. Eine Außenmauer mit einem Türmchen und zwei Eingangspforten trennt die Kirche von der Straße. Zwischen Außenmauer und Hauptfassade liegt ein Vorhof mit Bogenumgängen (Arkadenhof).

Die Fassade öffnet sich durch ein Hauptportal und zwei Nebenportale zum Innenraum der Kirche. Der hohe Giebel, der das Langhaus um zwei Meter überragt, wird durch Dienste (senkrechte Leisten) gegliedert und endet in einem Dreiecksgiebel unter dem Satteldach.

Außenmauer mini| Front zur Seidenstraße. Links: Pfarrhaus, Mitte: Außenmauer, dahinter die Hauptfassade, rechts: Hoppenlau-Schule.

Die erhöht liegende Kirche ist durch eine leicht abweisend wirkende hohe Außenmauer von der Straße getrennt, so dass man im Vorübergehen leicht übersieht, dass sich eine Kirche dahinter verbirgt. Die Sockelzone der Mauer ist aus gelbem Sandstein, während der übrige Teil der Mauer verputzt ist. Sie wirkt fast monoton, wird aber an den Enden durch zwei rundbogige Eingangspforten mit Sandsteinlaibung und eine kleine dreieckige, leere Nische in der Mitte der Mauer aufgelockert. Ein großes, an der Mauer befestigtes Farbfoto des Innenraums der Kirche ermöglicht es den Passanten, im Vorübergehen einen Eindruck vom Kircheninnern zu gewinnen.

Arkadenhof Durch die beiden Eingangspforten mit schmiedeeisernen Gittertüren gelangt man über einen Treppenaufgang in den Arkadenhof, das sogenannte Paradies, ein querrechteckiger Vorhof, der ähnlich wie Klosterkreuzgänge an den Seiten von Arkadengängen umgeben ist, jedoch nicht an der Hauptfassade. An der Seite zum Pfarrhaus wird der Arkadengang durch drei Blendarkaden angedeutet, die den echten Arkaden an der gegenüberliegenden Schmalseite des Hofs entsprechen. Die Langseite des Hofs wird durch sieben Arkaden gegliedert, von denen die beiden äußeren zu den Eingangspforten führen. Die Rückwand des Gangs wird durch die Außenmauer gebildet. Ein ziegelgedecktes Satteldach bekrönt die beiden echten Arkadengänge.

Die einzelnen Arkaden öffnen sich über Spitzbogen in den überwölbten Umgang. Arkaden und Blendarkaden stützen sich auf reich marmorierte Säulen aus Cannstatter Travertin, einem gelbbraunen bis ockerfarbenen, sehr witterungsbeständigen Stein.Travertinpark 2014, Seite 3. Die Säulen enden in Schmuckkapitellen mit zwei alternierenden Blattornamenten.

Fassade Die Hauptfassade ist ebenso wie die Nordseite des Pfarrhauses in glattem, gelbem Schilfsandstein ausgeführt, der aus dem Abbruchmaterial des ersten Stuttgarter Hauptbahnhofs in der Bolzstraße gewonnen wurde. Sie öffnet sich durch den Hauptportalvorbau und zwei Nebenportale zum Kircheninnern.

Die Fassade wird durch Dienste (senkrechte Leisten) gegliedert und endet in einem Dreiecksgiebel mit fünf Schallfenstern, hinter denen sich die Glockenstuben verbergen. Die sechs Dienste trennt ein durchlaufendes (verkröpftes) Gesimsband von den Schallfenstern. Zu beiden Seiten schließt ein kurzes Kranzgesims an, das in das Giebelgesims übergeht. Die Giebelspitze krönt ein schlichtes Kreuz auf einer Kugel.

Hauptportal mini|Mosaik im Bogenfeld des Hauptportals.

Der leicht vorspringende Hauptportalvorbau überspannt eine Spitzbogenlaibung und endet in einem Gesims mit einer dreiteiligen Figurengruppe. Der Vorbau ist wie die übrigen Kirchenmauern aus gelbem Sandsteinquadern mit glatter Stirnfläche gemauert. An den Seiten wird der Bogen von je zwei gekuppelten Säulen gestützt, die auf hohen Quadersockeln ruhen und in Kapitellen mit Blätter- und Sternornamenten endigen.