mini|hochkant|Logo Digital Audio Broadcasting mini|hochkant|Logo Digital Radio für Radioübertragung nach DAB-Standard mini|hochkant|Logo Digitalradio für DAB+ mit dem Schriftzug „Radio der Zukunft“ mini|hochkant|Logo von DAB+ Dieser Artikel beschreibt das Digital Audio Broadcasting (DAB) speziell in Deutschland, für allgemeingültige Informationen siehe: Digitalradio.

Das erste DAB-System wurde in den Jahren 1987 bis 2000 in der EU mit dem verlustbehafteten Datenkompressionsverfahren MUSICAM entwickelt. In Deutschland nahmen die Sender ab 1999 den Regelbetrieb auf. Ab 2001 wurde der Begriff Digital Radio eingeführt und ein orangefarbenes Logo kreiert. Zusammen mit dem Neustart DAB+ im August 2011 wurde die getrennte Schreibweise ersetzt durch die neue Schreibung in einem Wort; auch das Logo wurde abgelöst. Dieser Schritt ist insofern etwas problematisch, als Digitalradio gleichzeitig ein Oberbegriff für unterschiedliche digitale Übertragungswege von Hörfunk ist, der beispielsweise auch Internetradio, Radio über Digital Video Broadcasting (DVB) und Digital Radio Mondiale (DRM) umfasst.

Aufgrund fehlender Marktdurchdringung in Deutschland wurden ab August 2011 die ersten DAB-Sender sukzessive abgeschaltet und auf das dazu inkompatible DAB+ umgerüstet, das zwar mehr Hörfunkprogramme („DAB-Ensemble“) auf einer T-DAB-Frequenz erlaubt, wegen des anderen Audio-Codecs MPEG-4 High Efficiency Advanced Audio Coding (HE-AAC v2) aber auch neue Geräte nötig machte. Bisher konnte sich bei den Empfangswegen DAB+ mit 16 % technischer Reichweite (inklusive Mehrfachempfang) gegenüber dem herkömmlichen UKW-Rundfunk mit 93 % nicht durchsetzen (Stand Juli 2018).Digitalradios im Test / UKW bleibt erhalten, test.de (Stiftung Warentest), 11. Juli 2018, Abruf 9. September 2018 Der niedersächsische Landtag hat daher auf einstimmigen Beschluss im Juni 2019 die finanzielle Förderung von DAB+ eingestellt und die Landesregierung aufgefordert, auf die Beendigung der Ausstrahlung hinzuwirken.

Im Oktober 2019 hat der Bundestag beschlossen, dass alle ab dem 21. Dezember 2020 in den Handel gelangenden Autoradios sowie alle anderen Radios, welche über Radio Data System verfügen, mit DAB+ ausgestattet sein müssen. Einfache Radios ohne RDS dürfen weiter auch nur mit analogem Radioempfang verkauft werden. Geräte, in denen das Radio eine reine Nebenfunktion hat, z. B. Smartphones, sind von der Neuregelung nicht betroffen. Auch der Handel mit gebrauchten Geräten ohne DAB+ bleibt erlaubt.

Einführung von DAB in Deutschland Um die unterschiedlichen Interessen der einzelnen an DAB beteiligten und interessierten Partner zu koordinieren und um eine Einführungsstrategie für DAB zu entwickeln, mit allen Beteiligten abzustimmen und umzusetzen, wurde Ende 1990 vom damaligen Bundesministerium für Forschung und Technologie (BMFT) eine „Nationale Plattform DAB“ ins Leben gerufen, die Ende 1991 in die DAB-Plattform überführt wurde und deren Leitung der damalige Technische Direktor des Bayerischen Rundfunks, Frank Müller-Römer, übernahm.Siehe Literatur, Müller-Römer, S. 42 ff. Im März 1993 legten die für den Rundfunk zuständigen Bundesländer fest, dass über das künftige digitale Radiosystem DAB als Nachfolgesystem für UKW die Verbreitung aller dort ausgestrahlten Programme möglich sein müsse und darüber hinaus noch Freiräume für neue Hörfunkprogramme und solche des Deutschlandradios bestehen müssten.Ergebnisprotokoll der Ministerpräsidentenkonferenz vom 25. März 1993, Bonn, TOP 9 Im Juni 1995 verabschiedeten die 26 Mitglieder der DAB-Plattform e. V. eine Absichtserklärung zur Einführung von DAB, welches auch mit den Bundesländern abgestimmt wurde. Nachdem sich die ARD nicht dazu entschließen konnte, DAB – wie im MoU vorgeschlagen – Ende 1995 einzuführen, entschlossen sich verschiedene Landesrundfunkanstalten und die Deutsche Telekom in Zusammenarbeit mit der DAB-Plattform e. V., DAB-Pilotprojekte durchzuführen. Über viele Jahre hinweg und immer wieder mit unterschiedlichen Einführungsszenarien zögert sich die bundesweite Einführung von DAB als Nachfolgesystem von UKW in einzelnen Bundesländern weiter hinaus. Vorreiter bei der Einführung und Umstellung sind weiterhin der Bayerische Rundfunk und die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (für die privaten Hörfunkanbieter in Bayern).

Entwicklung DAB DAB war seit 1995 in Deutschland verfügbar. Die Abdeckung und die Versorgung in den einzelnen Gebieten war unterschiedlich. Das Bundesland Bayern nahm am 17. Oktober 1995 im Rahmen eines Pilotprojekts ein Netz von sieben landesweiten und jeweils sieben lokalen Hörfunkprogrammen in München, Nürnberg und Ingolstadt in Betrieb zusammen mit neuen Datendiensten. Im April 1999 nahmen dort die ersten Sender den Regelbetrieb auf und seit 2010 wurde ein zweites landesweites Netz aufgebaut. In anderen Teilen Deutschlands wurde und wird Digitalradio nur zögerlich eingeführt.

DAB hatte besonders in seiner ersten Phase mit großen Widerständen und mangelndem Erfolg zu kämpfen. Der Mitteldeutsche Rundfunk stieg nach Ende des Testbetriebs 1998 wegen „schlechter Erfahrungen“ zunächst komplett aus dem System aus und schaltete erst im Jahr 2002 wieder als einziger Sender ein großteils unmoderiertes Klassikprogramm auf (MDR Klassik). Die Medienanstalt Berlin-Brandenburg sah im Jahr 2004 den DAB-Standard im damaligen Format als gescheitert an. Pressemitteilung vom November 2004. Nach dem Start von DVB-T in Berlin mit seinerzeit 14 DVB-T-Radiosendern war dort zeitweise nur ein DAB-Ensemble mit den Programmen von Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur übrig geblieben.Übersicht Region Berlin-Brandenburg

In einigen Fällen beendeten private Programmanbieter die DAB-Ausstrahlung nach dem Wegfall entsprechender staatlicher Subventionen. Seite der Thüringer Landesmedienanstalt, abgerufen am 28. September 2015.Ausschreibung von DAB-Frequenzen für ein privates Hörfunkprogramm in Niedersachsen Pressemitteilung der NLM: „Bisher wurden diese DAB-Übertragungskapazitäten von den privaten Veranstaltern des Gemeinschaftsprogramms 'Klassik digital Nord' genutzt, die nach Einstellung der Förderung durch die NLM mit Ablauf des Jahres 2004 auf Ihre Zulassung verzichten.“ In Hamburg stellte der Veranstalter des landesweiten UKW-Programms Alsterradio die DAB-Verbreitung des Zusatzprogramms AllRock im Jahr 2005 aus wirtschaftlichen Erwägungen ersatzlos ein.allrock.de Website des Senders Auch in anderen Bundesländern zogen sich zahlreiche Anbieter in der ersten Hälfte des neuen Jahrzehnts aus der DAB-Technik zurück. Privatsender zeigten eher Interesse an weiteren UKW-Frequenzen.Ausschreibungen oder direkte Zuweisungen neuer UKW-Frequenzen in: Institut für Rundfunktechnik: Terrestrischer Hörfunk: Zukünftige Entwicklung im Hinblick konkurrierender Übertragungswege, , , , Leistungsbeschränkungen zur Vermeidung von Störungen des militärisch genutzten Frequenzbereichs oberhalb 230 MHz verhinderten vielerorts einen problemlosen Indoor-Empfang. Erst 2007 konnte die Leistung einiger DAB-Sender auf bis zu 10 kW effektive Strahlungsleistung erhöht werden, nachdem die Bundeswehr den Verzicht auf die Benutzung der benachbarten Kanäle erklärt hatte.Noch ein Bewerber für den digitalen Hörfunk Meldung vom 23. November 2007 auf heise online Pressemitteilung der Bundesnetzagentur vom 23. November 2007.

Über einen langen Zeitraum sind von Politik und Wirtschaft keine nennenswerten Entscheidungen getroffen worden, die dem Digitalradio zum Durchbruch verhelfen konnten.Helmut Merschmann: UKW-Radio in der Krise – Erlösung durch Massenverschrottung. In: Spiegel Online, abgerufen am 14. November 2009. Am 15. Juli 2009 sperrte die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) die beantragten Mittel für die DAB-Programme der ARD und des Deutschlandradios, da die vorliegenden Projektanträge der ARD und des Deutschlandradios zum Digitalen Hörfunk wesentliche Teile der von ihr mit den Rundfunkanstalten abgestimmten Kriterien nicht erfüllten und damit die Wirtschaftlichkeit der Projekte nicht nachgewiesen werden konnte. Die vorgesehenen Projektmittel für die digitale Zukunft des Hörfunks wurden nicht gestrichen, sondern für neue Initiativen eingefroren. (MS Word; 118 kB) Die KEF empfahl in diesem Zusammenhang die Prüfung von DVB-T als Alternative zu DAB, was ihr heftige Kritik eintrug, denn Ulrich Reimers, der einzige Techniker im Gremium, galt als befangen. Sein Name taucht auf DVB-T-Patentschriften auf.prodigitalradio.de

Seit Ende 2009 ist bei privaten Veranstaltern wieder mehr Interesse an digitalen Verbreitungswegen erkennbar. So haben sich neue Anbieter auf DAB-Senderplätze beworben, wie Oldiestar in Berlin und neue Anbieter für lokale Senderbouquets in Bayern.Digitalradio.de: vom 14. Januar 2010. In Bayern wurden im Oktober 2011 vier neue landesweite Privatprogramme genehmigt: Antenne Bayern digital, Antenne Bayern Info digital, MEGA RADIO, RT1 in the mix.Bayerndigitalradio

DAB+ DAB+ ist mit bisherigen DAB-Geräten nur zu empfangen, sofern sie mit neuer Firmware aktualisiert werden können. Neue DAB-Plus-fähige Geräte sind abwärtskompatibel. Praktisch alle Geräte, die seit Ende 2010 neu in den Handel kamen, unterstützen den neuen Standard. Nicht alle DAB+ Geräte können alle Frequenzen des VHF-Bandes III und das L-Band empfangen.

Neustart 2011 Nachdem der DAB-Rundfunk während seiner ersten Phase in Deutschland (mit Ausnahme von Bayern) nur mangelhafte Verbreitung und Akzeptanz erreicht hatte, wurde für das Jahr 2011 ein Neustart geplant.

1. Bundesmux Den Erfolg sollte das weiterentwickelte DAB+ garantieren; es verwendet effizientere Kanalcodierungs- und Kompressionsverfahren und hat bei vergleichbarer Sendeleistung eine höhere Reichweite und Empfangssicherheit als DAB. Nach den Planungen sollten ab dem 1. August 2011 neben öffentlich-rechtlichen Programmen auch private Anbieter auf einem erstmals bundesweit ausgerichteten Multiplex, dem sogenannten „Bundesmux“, verbreitet werden. Die Vereinbarung dazu traf der Netzbetreiber Media Broadcast mit dem öffentlich-rechtlichen Deutschlandradio und sechs privaten Veranstaltern im Dezember 2010, nachdem der Chiphersteller Frontier Silicon einen vierjährigen Werbevertrag mit den privaten Programmanbietern abgeschlossen hatte und sich damit zu finanzieller Unterstützung verpflichtete.Frontier Silicon Moves to Ensure DAB+ Success in Germany, 8. Dezember 2010, Business Wire, Abruf 9. September 2018 (englisch) Neben Deutschlandfunk, Deutschlandradio Kultur und DRadio Wissen stand mit LoungeFM, 90elf, Absolut Radio, Energy, ERF Radio, Klassik Radio, Radio Bob und Radio Horeb ein erweitertes Programmangebot bereit.Alexander Zollondz: Einigung zwischen Privatsendern und Netzbetreiber – Digitalradio-Standard DAB+: Deutschland erhält eine zweite Chance. netzwelt.de, eingesehen am 2. Februar 2012. Damit war der bundesweite DAB-Plus-Multiplex zu mehr als 85 % ausgelastet und somit die Bedingung der KEF für die Freigabe der eingefrorenen Projektmittel in zweistelliger Millionenhöhe erfüllt. Die verbleibenden Kapazitäten wurden von der Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK) der Landesmedienanstalten erneut ausgeschrieben, woraufhin die Hamburger Frank Otto Medienbeteiligungsgesellschaft mbH mit dem Programm Kiss FM das Angebot erweitern konnte.Tom Sprenger: vom 8. Juli 2011. Im November 2011 folgte Regiocast mit sunshine live.DAB+: sunshine live bereichert bundesweiten Digitalradio-Multiplex vom 24. Oktober 2011.

Die ursprünglich 14 Programme starteten auf DAB+ pünktlich zum 1. August 2011 und wurden zu Beginn über 27 Sender mit bis zu 10 kW Leistung ausgestrahlt. Zusammen mit dem neuen Komprimierungsverfahren im AAC-Format konnte so im Vergleich zu DAB ein wesentlich störungsresistenteres Signal und eine erhöhte Reichweite realisiert werden. Angestrebt war zunächst die Versorgung der großen Ballungsräume und einiger Autobahnachsen.