mini|Johann Max Böttcher (2009) Johann Max Böttcher (* 2. August 1920 in Husum; † 7. August 2014 in Hamburg) war ein deutscher Mäzen, Hotelier, Kaufmann und Oberst der Reserve der Bundeswehr., abgerufen am 4. Dezember 2014.
Leben Böttcher entstammte einer Berliner Beamtenfamilie; sein Vater Max war von 1907 bis 1946 Turn- und Zeichenlehrer an der Hermann-Tast-Schule (bis 1924 „Husumer Gelehrtenschule“) in Husum, die der Sohn selber besuchte, sowie freiberuflicher Grafiker und Maler. Max Böttcher entwarf u. a. das Husumer Notgeld.Thomas Friedrichsen: Husumer Geschichten (= Die Reihe Bildergeschichte). Sutton, Erfurt 2005, ISBN 3-89702-887-5, S. 77. Während der Novemberpogrome 1938 wurde der Vater aufgrund von jüdischen Vorfahren kurzzeitig durch die Nationalsozialisten verhaftet. In seiner Jugend war Johann Max Böttcher Mitglied in der Jugendorganisation Deutsches Jungvolk. Nach dem Abitur 1939 wurde er zum Reichsarbeitsdienst (RAD) eingezogen und diente dann fünfeinhalb Jahre als Soldat in der Wehrmacht, unterbrochen von einem zweisemestrigen Chemiestudium, für das ihm Sonderurlaub gewährt wurde.Ulrich Brömmling: Von Husum nach Hamburg und zurück. Hamburg 2023, ISBN 978-3-00-077021-0, S. 33. Die Beförderung vom Oberfähnrich zum Leutnant blieb ihm allerdings verwehrt.Billbroker Geschichten: Johann Max Böttcher. In: derbillbroker. 03/2010, S. 4 f.
Nach dem Zweiten Weltkrieg studierte Böttcher an der Bauschule der Hansestadt Hamburg mit dem Abschluss Diplom-Ingenieur. Danach jobbte er zunächst, betrieb eine Auto- und Kranvermietung und eröffnete schließlich einen Stahlhandel. Mit Gründung der Bundeswehr bewarb er sich in den 1950er Jahren für die reguläre truppendienstliche Offizierslaufbahn. Ungeachtet des bestandenen Vorkurses in Sonthofen zog er fortan die Laufbahn des Reserveoffiziers vor, weil er so weiterhin unternehmerisch tätig bleiben konnte. Er bekleidete zuletzt den Dienstgrad eines Obersts der Reserve (d. R.) des Heeres in der Bundeswehr. 1963 erhielt er den Auftrag, die deutsche Reservistenmannschaft für die CIOR-Wettkämpfe jenes Jahres zu trainieren. Nach dem Wettkampf beschloss die Gruppe unter Führung von Böttcher, das Training als Reservistenkameradschaft fortzusetzen.Ulrich Brömmling: Von Husum nach Hamburg und zurück. Hamburg 2023, ISBN 978-3-00-077021-0, S. 70. Er begründete eine Immobilienfirma in Hamburg-Billbrook, die ihn zum Multimillionär machte. Zu seinem Eigentum gehörten, neben diversen Grundstücken vornehmlich im Industriegebiet Billbrook, die Alte Oberpostdirektion am Stephansplatz in der Hamburger Innenstadt und das Schloss Wotersen in Schleswig-Holstein, die er in den 1990er Jahren erwarb.
Eine ursprünglich geplante Umgestaltung des Schlosses in ein Hotel konnte nicht verwirklicht werden. Nach anfänglichen Sanierungsarbeiten wurde es 1999 wieder verkauft.Georg Pakschies: Warum ich Wotersen an einen Architekten verkaufte. In: Hamburger Abendblatt, Jg. 51, 17. Dezember 1998, Nr. 99, S. 17. 1994 eröffnete Böttcher das „Hotel Böttcherhof“ in der Wöhlerstraße. Im selben Jahr erwarb er das alte Gebäude der Hermann-Tast-Schule in Husum und baute es in der Folge zu einem Luxushotel (5-Sterne-Hotel) um. 1996 wurde es unter dem Namen „Altes Gymnasium“ wiedereröffnet und avancierte zu einer der besten Adressen in Schleswig-Holstein.Das "Alte Gymnasium" in Husum. In: Neue Zürcher Zeitung. 20. November 1997, S. 67. 2002 löste sich Böttcher aus den operativen Geschäften seiner Firma und überführte sie in die Pegaso Deutschland GmbH. 2005 verkaufte er seine Gewerbeimmobilien an einen nicht näher genannten ausländischen Investor.Rainer Horn: Johann Max Böttcher verkauft Immobilien. In: Hamburger Abendblatt. 15. September 2005. Im Oktober 2006 trennte er sich aus Altersgründen auch vom Hotel. Dieses ging an die Gastronomin Lenka Hansen-Mörck, Eigentümerin des Historischen Krugs in Oeversee., Hotel „Altes Gymnasium“, abgerufen am 12. August 2014. 2007 veräußerte er die Alte Oberpostdirektion an die Hamburger DWI de Waal-Gruppe, zuvor kam eine Vereinbarung mit der Benetton Group nicht zustande.Gisela Schütte: Der alte Postpalast hat einen neuen Eigentümer. In: Die Welt. 10. Februar 2007, Nr. 35, S. 37.
Böttcher war verheiratet (Witwer ab 1998) und hatte aufgrund des Erbverzichts seines nichtehelichen Sohnes keine Erben.Ulrich Brömmling: Von Husum nach Hamburg und zurück. Hamburg 2023, ISBN 978-3-00-077021-0, S. 117ff. Nach seinem Tod 2014 in Hamburg wurde er auf dem Husumer Ostfriedhof beigesetzt.
Johann-Max-Böttcher-Stiftung
Aus Anlass der Vollendung seines 60. Lebensjahres gründete Böttcher 1980 zusammen mit seiner Frau Lisa die Johann-Max-Böttcher-Stiftung in Hamburg. Ihr Zweck ist die Förderung von Wissenschaft, Volksbildung und Erziehung mit regionalem Schwerpunkt in Schleswig-Holstein, Großraum Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern.
Seit ihrer Gründung unterstützt die Böttcher-Stiftung insbesondere Bildungseinrichtungen, die mit dem Lebensweg des Stifters verbunden sind. Einen Schwerpunkt der Stiftungstätigkeit bildet die Förderung von Schülerinnen und Schülern der Hermann-Tast-Schule in HusumEdler Flügel von einem edlen Spender. In: Husumer Nachrichten. 19. Mai 2012. sowie von Studierenden der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr mit Böttcher-Preisen. Die Stiftung verleiht seit 2025 jährlich alternierend in Husum und Hamburg den mit 10.000 Euro dotierten Johann-Max-Böttcher-Preis.Master-Stipendium der Böttcher-Stiftung, In: hsu-hh.de vom 2. Mai 2018. Neben diesen langfristigen Förderprogrammen engagiert sie sich für weitere schulische und wissenschaftliche Projekte.
Auszeichnungen 1981: Bundesverdienstkreuz am Bande 1996: Ehrenkreuz der Bundeswehr in Gold 2004: Ehrensenator der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr in Hamburg
Literatur
Thomas Steensen: Nordfriesland. Menschen von A–Z. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, Husum 2020, ISBN 978-3-96717-027-6, S. 50. Ulrich Brömmling: Von Husum nach Hamburg und zurück. Johann Max Böttcher. Hrsg. Wilhelm Hornbostel, Köln 2023, ISBN 978-3-00-077021-0.
Weblinks
Vorstellung von Johann Max Böttcher und der Böttcher‐Stiftung auf der Webseite der Helmut-Schmidt-Universität Johann Max Böttcher-Stipendium in der Stipendien-Datenbank des BMBF
Einzelnachweise
Kategorie:Unternehmer (Hamburg) Kategorie:Unternehmer (20. Jahrhundert) Kategorie:Hotelier Kategorie:Stifter Kategorie:Oberst (Heer der Bundeswehr) Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande Kategorie:Ehrensenator der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg Kategorie:Träger des Ehrenkreuzes der Bundeswehr in Gold Kategorie:Hamburg-Billbrook Kategorie:Person (Husum) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1920 Kategorie:Gestorben 2014 Kategorie:Mann