mini|Protestversammlung am 14. August 2014 in Ferguson mini|Protestversammlung am 25. November in Washington Der Todesfall Michael Brown ereignete sich am Mittag des 9. August 2014 um 12:02 Uhr Ortszeit in der Stadt Ferguson im US-amerikanischen Bundesstaat Missouri. Dabei wurde der 18-jährige afroamerikanische Schüler Michael Brown nach einem mutmaßlichen Ladendiebstahl und Tätlichkeiten gegenüber einem Supermarktangestellten sowie dem Polizisten Darren WilsonFerguson Chief Names Darren Wilson as Cop Who Shot Michael Brown. nbcnews.com, abgerufen am 19. August 2014 (englisch). von letzterem erschossen. In der Folge kam es zu andauernden Unruhen und Demonstrationen gegen als rassistisch wahrgenommene Polizeigewalt, zur Entsendung der Nationalgarde und zur Verhängung nächtlicher Ausgangssperren. Nachdem eine Grand Jury am 24. November entschieden hatte, kein Verfahren gegen Darren Wilson zu eröffnen, kam es am folgenden Tag zum Teil zu gewaltsamen Protesten in mehr als 170 Städten der USA. Der Stern, 26. November 2014.

Tod von Michael Brown Brown lebte während des Sommers 2014 zusammen mit seiner Großmutter in einer Wohnung in Ferguson.A Youth, an Officer and 2 Paths to a Fatal Encounter. New York Times, 15. August 2014 (englisch).In Ferguson, three minutes — and two lives forever changed. The Washington Post, 16. August 2014 (englisch). Er hatte am 1. August 2014 seinen Abschluss an der Normandy High School in St. Louis gemacht und sollte am 11. August eine Ausbildung zum Heizungs- und Klimatechniker am Vatterott College in Saint Joseph in Missouri beginnen.Mike Brown notched a hard-fought victory just days before he was shot: A diploma. The Washington Post, 12. August 2014 (englisch).Who Was Mike Brown: 5 Facts To Know About The Teen Fatally Shot By A Missouri Officer. International Business Times, 13. August 2014 (englisch).Key figures in the Ferguson, Missouri, shooting. yahoo.com (englisch).

Hergang Michael Brown wollte nach ersten Berichten am Samstagnachmittag, den 9. August 2014 seine Großmutter besuchen. Später wurde bekannt, dass er dort den Sommer verbrachte. Zusammen mit seinem Freund Dorian Johnson war er in einem Wohnviertel in Ferguson unterwegs. Browns Großmutter hörte am Nachmittag Tumulte und ging vor die Tür, um nachzuschauen, was los sei. Weniger als zwei Blocks von ihrem Haus entfernt fand sie ihren Enkel regungslos am Boden liegend.Proteste nach Polizeischüssen: Der rätselhafte Tod des Michael Brown. In: Spiegel Online, 11. August 2014, abgerufen am 12. August 2014. Michael Brown verstarb noch vor Ort, er war nicht bewaffnet.

Die genauen Umstände der Schüsse auf Michael Brown sind umstritten, Aussagen des Polizisten Wilson und des Michael Brown begleitenden Dorian Johnson sowie von unbeteiligten Zeugen differieren. Lediglich in einigen Punkten stimmen die Aussagen von Zeugen miteinander überein: Der Polizist Darren Wilson war, wie es in den USA üblich ist, allein in seinem Streifenwagen unterwegs, als er auf Brown und Johnson traf, die zu Fuß in der Straßenmitte gingen.

Nach Aussagen des Beamten Wilson sprach er die beiden vom geöffneten Autofenster aus an, Michael Brown habe ihn dann durch das Fenster hindurch angegriffen, ins Gesicht geschlagen und nach seiner Dienstwaffe gegriffen, worauf er selbst mit dieser zweimal geschossen habe. Browns Begleiter Johnson hingegen sagte aus, der Polizist Wilson habe Brown durch das Fenster hindurch am Nacken gegriffen und gedroht auf ihn zu schießen, was er dann auch getan habe. Brown lief nach den Schüssen davon, der Polizist stieg aus dem Auto aus und folgte ihm.

Die Aussagen des Begleiters Johnson und von anwesenden Zeugen über das dann Geschehene weichen voneinander ab, insbesondere im Hinblick auf Browns Handgesten. Johnson gab an, Brown habe sich mit erhobenen Händen ergeben, der Polizist Wilson habe ihn dennoch erschossen. Laut dem offiziellen Abschlussbericht des US-Justizministeriums hat jedoch kein einziger vernommener Zeuge behauptet, Brown habe seine Hände gehoben, um sich ergeben zu wollen. Dies haben die polizeilichen Ermittlungen als auch die Ermittlungen des FBI bestätigt.DOJ Report Regarding the Criminal Investigation into the Shooting Death of Michael Brown by Fergusob, Missouri Police Officer Darren Wilson. Justizministerium der Vereinigten Staaten, 2015. S. 8, 82–83 (PDF-Datei, 881 kB, englisch). Ein Teil der Zeugen gab an, Brown habe sich in bedrohlicher Haltung auf den Polizisten zubewegt, der seine Waffe mehrfach auf den anstürmenden Brown abfeuerte und ihn tötete.Frances Robles, Michael S. Schmidt: Shooting Accounts Differ as Holder Schedules Visit to Ferguson. The New York Times vom 19. August 2014, abgerufen am 19. August 2014 (englisch). Wilson feuerte während der insgesamt etwa 90 Sekunden andauernden Auseinandersetzung zwischen seinem Stopp mit dem Fahrzeug und dem letzten tödlichen Schuss zwölf Schüsse auf Brown ab, von denen mindestens sechs trafen.Gouverneur ordert Nationalgarde nach Ferguson. Focus online vom 18. August 2014.

Vorhergegangene Straftat Die Polizei veröffentlichte sechs Tage nach dem Todesfall am 15. August 2014 Aufnahmen einer Überwachungskamera, die zeigen, wie Brown, grob fünf Minuten vor dem für ihn tödlich endenden Zusammenstoß mit Wilson, einen Raub in einem Laden, dem Ferguson Market and Liquor, beging:

Dort hatte Brown, in Begleitung seines Freunds Dorian Johnson, um Cigarillos gebeten; als der Verkäufer die Packung dann auf den Verkaufstresen gelegt hatte, schnappte Brown sie sich und gab sie Johnson. Brown griff dann über den Tresen und nahm mehrere Packungen Cigarillos an sich. Es kam zu einer Konfrontation zwischen Verkäufer und Brown, in der letzterer sich weigerte zu zahlen. Johnson legte dabei die ihm von Brown gegebenen Cigarillos wieder zurück. Brown und Johnson wollten darauf das Geschäft verlassen, der 1,93 Meter großeFerguson police: Michael Brown was robbery suspect. bbc.com, 15. August 2014 (englisch). Brown dabei mit unbezahlten Cigarillos im Gesamtwert von rund 50 US-Dollar.Ferguson police say teen shot by cop was suspect in robbery; officer’s identity revealed. cbsnews.com, 15. August 2014 (englisch). Der Verkäufer, der Brown am Verlassen durch Zuhalten der Tür hindern wollte, wurde von diesem weggestoßen.

Für Aufmerksamkeit sorgte, dass das Justizministerium der Vereinigten Staaten die lokalen Polizeibehörden dazu drängte, das Überwachungsvideo zurückzuhalten, weil es die Ausschreitungen weiter anheizen könne. Fergusons Polizeichef Tom Jackson veröffentlichte es trotzdem, da er sich nach eigenen Angaben durch Anfragen auf Basis des Freedom of Information Acts dazu verpflichtet gesehen habe. Das Bundesministerium, selbst im Besitz einer Kopie, zog zu keinem Zeitpunkt eine Veröffentlichung in Betracht.Feds Urged Police Not to Release Michael Brown 'Robbery' Video. NBC News, 16. August 2014 (englisch).

Reaktionen Browns Familie engagierte den Anwalt Benjamin Crump, der 2012 Angehörige des 17-jährigen Trayvon Martin, der im Februar 2012 in der Stadt Sanford in Florida von einem Mitglied einer Nachbarschaftswache erschossen worden war, anwaltlich vertrat.

Als die Polizei in Ferguson Standbilder der Überwachungskamera veröffentlichte, die den von Brown zuvor begangenen Raubüberfall zeigen, reagierte Michael Browns Familie empört.Manuel Roig-Franzia, DeNeen L. Brown, Wesley Lowery: In Ferguson, three minutes – and two lives forever changed. In: The Washington Post vom 16. August 2014, abgerufen am 16. August 2014 (englisch).Police: Michael Brown stopped because he blocked traffic. msnbc.com (englisch). Die Familie sagte, die Veröffentlichung rücke ihren Sohn, der bisher keine kriminelle Vergangenheit habe, in ein schlechtes Licht. Die Anwälte der Familie erklärten, keine der vorgelegten Fakten könne „die hinrichtungsartige Tötung ihres Kindes durch einen Polizisten rechtfertigen, während er die Hände hoch hielt, was weltweit das Zeichen des Sich-Ergebens ist“.Fergusons Polizei macht erneut keine gute Figur. Deutsche Welle, 16. August 2014.

Zentrale Gedenkfeier Am 25. August 2014 fand die zentrale Gedenkfeier in der Friendly Temple Missionary Church in St. Louis mit über 4500 Teilnehmern statt. ksdk.com (englisch).White House officials to attend Michael Brown’s funeral. The Washington Post (englisch). Bei der Trauerfeier nahmen mehrere US-Politiker und andere Prominente teil, darunter Al Sharpton, Spike Lee, Martin Luther King III, der Moderator Tom Joyner, Sean Combs und Snoop Dogg.Mourners lining up for Michael Brown’s funeral. cnn.com (englisch). US-Präsident Barack Obama sandte drei offizielle Repräsentanten des Weißen Hauses.Obama sent three representatives to Michael Brown funeral; none to James Foley Mass. The Washington Post (englisch).

Ermittlungen Für die Entscheidung darüber, ob gegen Darren Wilson ein Strafverfahren nach den Gesetzen des Staates Missouri eröffnet wird, wurde am 20. August eine Grand Jury einberufen. Diese entschied nach Anhörung von Zeugen und Ermittlungsbeamten am 24. November, kein derartiges Verfahren einzuleiten.Johannes Kuhn: Grand Jury entscheidet – Ferguson antwortet mit Gewalt. sueddeutsche.de vom 25. November 2014, abgerufen am 2. Dezember 2014. Wilson habe – so der Bezirksstaatsanwalt Bob McCulloch – in „berechtigter Notwehr gehandelt“.

Die Ermittlungen wegen einer möglichen Verletzung der Bürgerrechte des Getöteten hatte die Bundespolizei FBI übernommen, sie empfahl im Januar 2015, keine Bundesanklage zu erheben.Todesschütze von Ferguson: Vermutlich keine Bundesanklage gegen Darren Wilson. Der Spiegel, 22. Januar 2015, abgerufen am 22. Januar 2015. Forensische Ermittlungsergebnisse seien mit den Angaben des Beamten Wilson vereinbar, dieser habe Gesichtsverletzungen gehabt wie sie nach Schlägen ins Gesicht erwartbar seien, in der Autotür habe sich eine Kugel gefunden, was vereinbar mit Wilsons Aussage sei, Brown habe nach seiner Dienstwaffe gegriffen und diese zeitweilig auch insofern kontrolliert, als er die in der Hand Wilsons befindliche Waffe blockiert habe und Richtung der Hüfte Wilsons drücken konnte, so dass der erste gefeuerte oder gelöste Schuss in Hüfthöhe in Richtung Autotür ging. Zeugen hätten ferner ausgesagt, sie hätten Brown mit Händen und Oberkörper in den Polizeiwagen reichen gesehen, andere Zeugen hätten zwar ausgesagt, der verfolgende Polizeibeamte hätte den fliehenden Brown in den Rücken geschossen, die Autopsien wiesen aber lediglich frontale Schüsse und keine in den Rücken nach.

Eine von der Familie beauftragte Obduktion ergab, dass Brown von mindestens sechs Schüssen getroffen wurde: Vier Schusswunden lagen demnach im Bereich des rechten Arms, zwei weitere Kugeln trafen den Kopf. Mit Ausnahme eines Kopfschusses trafen Brown alle Kugeln von vorn. Der zweite Kopfschuss traf den Schädel von oben. Der von der Familie Brown für ein Gegengutachten beauftragte Gerichtsmediziner Michael M. Baden gab an, den Hergang anhand der Beweislage nicht genau rekonstruieren zu können, machte jedoch einige allgemeine Angaben. So sei der zweite Kopfschuss erfolgt, als Brown den Kopf gesenkt hielt. Schüsse aus kurzer Distanz seien wegen fehlender Pulverrückstände auszuschließen.Justin Moyer: Autopsy: Michael Brown shot six times, twice in the head. The Washington Post, 18. August 2014, abgerufen am 18. August 2014 (englisch).Weitere Nacht der Gewalt in Ferguson: Sechs Kugeln trafen Michael Brown. Spiegel Online, 18. August 2014.

Teile der Aussage des Zeugen Dorian Johnson, wonach Brown vom Polizeibeamten mit einer Hand festgehalten und mit der Waffe in der anderen erschossen worden sei, wurden nach den neuen Obduktionsergebnissen in Zweifel gezogen.

Der Washington Post sagte eine mit dem Fall betraute Person, dass Michael Brown Marihuana in seinem Körper gehabt habe, als er starb.Krawalle nach Tod von Michael Brown: Obama schickt US-Justizminister nach Ferguson. Der Spiegel, 19. August 2014.