Omertà bezeichnet im engeren Sinne die Schweigepflicht der Mitglieder der Mafia und ähnlicher krimineller Organisationen gegenüber Außenstehenden und ist Teil des Ehrenkodex der Organisation. Eine Person, welche dagegen verstößt und insbesondere mit den Behörden zusammenarbeitet, wird Pentito (it.: „Reuiger“ und „Geständiger“) genannt.
Im erweiterten Maße erwartet die Mafia dieses ungeschriebene Gesetz des Schweigens auch von Nichtmitgliedern, betroffenen Opfern und potentiellen Zeugen. Insbesondere auf Sizilien ist es deshalb in der Bevölkerung verankert, sich nicht als Zeuge zur Verfügung zu stellen. Beschuldigte klären aus diesem Grund auch unberechtigte Verdächtigungen nicht auf, sondern nehmen stattdessen sogar eine fälschliche Verurteilung oder Bestrafung hin.
Etymologie Die Etymologie von Omertà ist unklar. Sowohl der Camorra-Begriff der Unterordnung und Demut (umiltà) werden als Ursprung genannt – omertà (oder omirtà) bedeutet in süditalienischen Dialekten umiltà – als auch die sizilianische Bezeichnung für den Mann: omu. (PDF; 104 kB) Das Wort ist in diesem Sinn seit etwa 1800 nachweisbar.
Ursprünglich bedeutet Omertà als Bestandteil eines archaischen, männlichen Ehrbegriffs, dass man „seine Dinge selbst regelt“: „Für Gerechtigkeit, Ehre und Rache muß ein Mann schon selber sorgen.“ (PDF; 104 kB)
Funktion Die Omertà verbietet es Mitgliedern der Vereinigung, mit Nicht-Angehörigen über interne Angelegenheiten zu sprechen. Der in der Öffentlichkeit wahrgenommene Teil dieser Regel bezieht sich auf die beobachtbare Aussageverweigerung gegenüber staatlichen Organen, insbesondere Polizei und Justiz, d. h., es werden nicht nur keine Aussagen über die Aktivitäten der Organisation gemacht, sondern die Existenz der Gruppe oder die Zugehörigkeit wird verschwiegen oder sogar aktiv verleugnet.
Das Schweigeprinzip der Omertà geht aber über diese Abschottung nach außen hinaus und ist auch eine Abschottung nach innen, d. h., auch innerhalb der Organisation verfügen rangniedrige Mitglieder nie über vollständige Informationen. Da die Kommunikationswege streng hierarchisch sind, d. h. die Befehlskette grundsätzlich nicht umgangen wird, unterstützt die Omertà diese Abschottung nach oben.
Durch die Verhinderung von Informationsweitergabe beschränkt die Omertà das Problem des Gefangenendilemmas. Um die Omertà durchzusetzen, wird ein Verstoß gegen diese Schweigepflicht in der Regel mit dem Tod geahndet; außerdem ist ein Inhaftierter sich der Tatsache, dass seine Angehörigen zwar (oft) während seiner Haft versorgt werden, aber auch als Geiseln zu betrachten sind, die in Form einer Kollektivhaftung bestraft werden können, bewusst.
Adaptionen in Film, Musik, Literatur und Spiel 1968: Der Tag der Eule: italienischer Film, in dem ein Polizist an der Omertà scheitert und resigniert 1990: GoodFellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia: Biografischer Film über den Pentito Henry Hill 1999: Jagged Alliance 2 (Computerspiel): Name des Heimatdorfes der Rebellen, in dem das Spiel beginnt 2000: Mario Puzo: Omertà. Random House. New York 2000. 2002: Mafia (Computerspiel): 10. Level 2003: Katatonia: Omerta auf dem Album Viva Emptiness 2004: Lamb of God: Omerta auf dem Album Ashes of the Wake 2004: Omerta ist ein textbasiertes Mehrspieler-RPG, basierend auf der Geschichte des legendären Don Barafranca. 2004: Diablo: Musikstück Omerta auf dem Album Eternium der finnischen Metallband 2007: Die Sopranos: Mafiaserie von HBO 2008: Omertà, ein Album des Rappers Fard 2010: Mafia II 2010: The Town – Stadt ohne Gnade 2010: Fallout: New Vegas: „Omerta“ ist in diesem Videospiel der Name einer kriminellen Familie, die einen Nachtclub betreibt. 2012: Adrenaline Mob: Omertà ist das Debütalbum. 2013: Omerta – City of Gangsters Videospiel (Wirtschaftssimulation) 2014: Castle: Krimiserie Folge Bluteid (Staffel 7, Folge 10) 2017: SpongeBozz: das Lied La Familia aus dem Album Started from the Bottom / KrabbenKoke Tape handelt davon, wie der Interpret aufgrund von Omérta für ein versehentliches Tötungsdelikt nicht angezeigt wird. 2019: Drake: Omerta ist eine Single aus dem Album Money in the Grave 2024: Finnische Thrillerserie Operation Omerta
Literatur Anton Blok: The Mafia of a Sicilian Village, 1860–1960. A study of violent peasant entrepreneurs. Reissued. Waveland Press, Prospect Heights IL 1988, ISBN 0-88133-325-5 (Original 1974). Humbert S. Nelli: The Business of Crime. Italians and Syndicate Crime in the United States. The University of Chicago Press, Chicago IL u. a. 1981, ISBN 0-226-57132-7 (Original 1976). Letizia Paoli: Mafia Brotherhoods. Organized Crime, Italian Style. Oxford University Press, Oxford u. a. 2003, ISBN 0-19-515724-9. Rick Porrello: The Rise and Fall of the Cleveland Mafia. Corn Sugar and Blood. Barricade books, New York NY 1995, ISBN 1-56980-058-8. Gaia Servadio: Mafioso. A history of the Mafia from its origins to the present day. Secker & Warburg, London 1976, ISBN 0-436-44700-2.
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