miniatur|Blick von der Weifaer Höhe zum Valtenberg, dem höchsten Berg im Hohwald miniatur|Karte des Hohwaldes und seiner Umgebung Der Hohwald ist ein ca. 30 km² großes zusammenhängendes Waldgebiet an der Grenze zwischen der Sächsischen Schweiz und der Oberlausitz. Naturräumlich wird das Gebiet dem Oberlausitzer Bergland zugeordnet. Der Hohwald ist das größte zusammenhängende Waldgebiet der montanen Stufe in Ostsachsen. Der Name geht auf die Höhenlage des Gebietes zurück und hat nichts mit der gleichnamigen Bewirtschaftungsform zu tun.
Lage und Abgrenzung Das Waldgebiet liegt zwischen Putzkau und Neukirch im Norden, Steinigtwolmsdorf und der tschechischen Grenze im Osten, Neustadt und den Dörfern, die bis 31. Juli 2007 in der Gemeinde Hohwald zusammengeschlossen waren und seitdem zu Neustadt gehören, im Westen sowie der tschechischen Dörfer Severní (Hilgersdorf) und Lobendava (Lobendau) im Süden.
Naturraum Geologie Der Hohwald ist als westlicher Teil des Lausitzer Berglandes Teil eines sehr großen Intrusivkomplexes in Mitteleuropa, der im Neoproterozoikum während der Cadomischen Orogenese gebildet wurde. Dieser ist mit den kristallinen Massiven des benachbarten Iser- und Riesengebirges verbunden.
Vorherrschend ist ein Biotit-Granodiorit, der hauptsächlich aus Feldspat, Quarz und Biotit besteht. Umgangssprachlich wird dieses Gestein als Lausitzer Granit bezeichnet. Er ist im Hohwaldgebiet etwa 540 Millionen Jahre alt.
Im gesamten Hohwaldgebiet wird der Lausitzer Granit von verschiedenen Basitgängen (Diabase, Basalte) sowie von Andesitgängen durchzogen. Diese Gesteine waren und sind aufgrund ihrer Eigenschaften als Werksteine und Straßenbaumaterial begehrt und werden in mehreren Steinbrüchen gewonnen.
Geomorphologie Der Hohwald bildet einen Teil der Bergketten des Lausitzer Berglandes. Er erreicht am Valtenberg, der zugleich der höchste Berg des Lausitzer Berglandes ist, eine Höhe von 587 Meter. Der zweithöchste Berg ist der Hohe Hahn mit 528 Metern. Das übrige Gebiet weist Höhenlagen zwischen 400 und 500 Metern auf.
Der Hohwald ist durch eine ausgesprochene Blockbedeckung geprägt. Nur südöstlich des Valtenberges existiert eine von der Wesenitz durchflossene breitwannige Talaue, die aufgrund des feuchten Klimas jedoch anmoorig ist.
Klima Der Hohwald bildet die Westflanke des Lausitzer Berglandes. Aufgrund der vorherrschenden Westströmungen weist das Gebiet trotz der vergleichsweise geringen Höhenlage von etwa 400 bis knapp 600 Metern ein montan geprägtes Klima auf.
Die Jahresniederschläge erreichen durch Luftmassenstau bei Westwindlage etwa 950 mm/a. Charakteristisch ist eine hohe Wolkenhäufigkeit, ein hoher Anteil an Winterniederschlägen sowie Stark- und Dauerregen. Die Jahresdurchschnittstemperaturen erreichen Werte zwischen 6 und 7 °C.Karl Mannsfeld, Olaf Bastian: Sächsische Landschaften. Zwischen Dübener Heide und Zittauer Gebirge. Edition Leipzig, Leipzig 2012, S. 262
Flora und Fauna Die Potenzielle natürliche Vegetation des Hohwaldes entspricht der Vegetation der Bergmischwälder des Lausitzer Berglandes. Ohne den menschlichen Einfluss wären mit Ahornen, Eschen und Linden durchsetzte Buchenmischwälder prägend. Aus dem Jahr 1591 wird berichtet: „Der Hoewaldt hat Buchen, Tannen und Lindenholz (…).“Alfred Meiche: Historisch-Topographische Beschreibung der Amtshauptmannschaft Pirna. Dresden 1927, S. 123 Die Zusammensetzung änderte sich ab dem 18. Jahrhundert mit der zunehmenden Holzentnahme und der darauf folgenden Aufforstung. Ab 1712 wurden durch den Putzkauer Rittergutsbesitzer Georg Ludwig von Haxthausen 11.400 Schragen Holz (etwa 90.000 m³) im Hohwald geschlagen und in den folgenden Jahren über Polenz und Elbe nach Dresden geflöst. Zur damaligen Zeit benötigte Kurfürst August der Starke große Mengen Holz zum Ausbau der Residenzstadt Dresden.Das ehemalige Forsthaus Klunker im Hohwald Neben dem gewerblichen Holzeinschlag begünstigten Waldschäden durch Sturm, Schneebruch und Eis sowie der Schädlingsbefall (z. B. Nonnenfraß) die Aufforstung mit schnell wachsenden Arten, insbesondere mit Fichten. In den 1950er Jahren waren 78 % der Bäume im Hohwald Fichten, 12 % waren Kiefern und nur noch 10 % entsprachen den potenziell natürlichen Laubhölzern., S. 127 Das 513 Hektar große und fast vollständig bewaldete FFH-Gebiet „Hohwald und Valtenberg“ verfügt über 332 Hektar Fichtenrein- und -mischbestände (65 %) und 174 Hektar naturnahe Rein- und Mischbestände (34 %). (ZIP; 23,2 MB) Die Verfichtung führte auch zu einer Verarmung der Bodenflora.
Die anmoorige Talwanne südöstlich des Valtenberges umfasste ein ehemals knapp 9 Hektar großes flachgründiges Torflager, dass jedoch zwischen 1842 und 1888 zur Brennstoffgewinnung fast vollständig abgebaut wurde. Auch hier erfolgte nach dem Abbau die Aufforstung mit Fichtenbeständen.Dietrich Graf: Der Hohwald. in: Kalender Sächsische Gebirgsheimat 1983
Faunistisch ist der Hohwald als Lebensraum für die Bechsteinfledermaus, das Große Mausohr und die Mopsfledermaus bedeutsam. (PDF; 6,8 MB) 2012 wurde zudem der Nachweis erbracht, dass sich im Hohwald auch eine Wolfsfamilie gegründet hat. (Stand: 27. November 2012)
Naturschutz Teile des Hohwaldgebietes wurden 1961 als Naturschutzgebiet (NSG) „Im Hohwald“ unter Schutz gestellt. Allerdings führte der fortschreitende Steinbruchbetrieb bereits 1966 wieder zur Löschung dieses Schutzgebietes. Als Ersatzmaßnahme wurden ab 1979 mehrere Flächennaturdenkmale (FND) ausgewiesen: FND „Eschen-Ahorn-Wald“ (1979) am Valtenberg mit einem naturnahen Waldbestand (2,5 Hektar) FND „Erlenbruch am Nordfuß des Valtenberges“ (1986) (2,6 Hektar) FND „Torfhütte“ (1989) im Bereich der Torfwiesen südöstlich des Valtenberges (8,9 Hektar) FND „Moosborn“ (1989) am Westhang des Angstberges mit einem blockbedeckten Buchenbestand (0,2 Hektar) FND „Angstberg“ (1989) im Bereich eines Granodiorit-Blockschuttmeeres mit Rotbuchen und Fichten (7 Hektar) FND „Nestelberg“ (1989) mit einem montanen Hainsimsen-Buchenwald (1,4 Hektar) FND „Altbuchen am Kleinen und Großen H-Weg“ (1989) mit Altbeständen von Rotbuchen (2,4 Hektar) FND „Bei der Lohe“ (1989) mit einer naturnahen Waldbestockung um einen Quellbereich (3,6 Hektar) FDN „Quarkquetsche“ (1989) mit 2 übereinander getürmten Felsblöcken (0,4 Hektar) FND „Quellgebiet Schwarzes Floß“ (1990) mit alter Fichtenbestockung (4,5 Hektar) FND „Granitaufschluß im Lohetalbruch bei Berthelsdorf“ (1990) mit aufgeschlossenen Gesteinen des Granodiorits (1,4 Hektar) FND „Plenterwald am Heimichbach“ (2017) mit einem naturnahen Kiefern-Fichten-Bestand auf Granit-Braunerden (2,1 Hektar)
Das gesamte Hohwaldgebiet war zudem Bestandteil des 1963 festgesetzten Landschaftsschutzgebietes „Lausitzer Bergland“. Das Waldgebiet gehört heute zum 1999 festgesetzten Landschaftsschutzgebietes d13 „Oberlausitzer Bergland“.
Seit 2007 ist der Kernbereich des Hohwalds mit einer Fläche von 513 Hektar als FFH-Gebiet „Hohwald und Valtenberg“ geschützt.
Geschichte Erste Erwähnungen und Namensformen Die Landmarke des Valtenberges (Isenberch) wurde bereits in die 1241 unterzeichnete Oberlausitzer Grenzurkunde aufgenommen, welche die Grenzen zwischen der zum Königreich Böhmen gehörenden Oberlausitz und den Besitzungen des Bischofs von Meißen definierte.
Die ersten urkundlichen Erwähnungen des Hohwaldes selbst stammen aus dem 15. Jahrhundert. 1445 bezieht das Amt Hohnstein Zinsen (darunter 4 Eichhörnchen) von dem „Hoenwalde“. 1451 wird das Gebiet als „Hoenwalt ober der Nauestat“ (gemeint ist hier Neustadt) bezeichnet. Anfang des 18. Jahrhunderts (1729) wurde das Gebiet wie folgt beschrieben: „Der Hochwald, der über Neustadt gegen Morgen und Mitternacht lieget. Er ist ziemlich groß (…) beynahe eine starcke Meil wegs, und so groß ist auch die Breite.“ Weitere überlieferte Namensformen sind „Hoewalt“ (1446), „hohen walde“ (1543), „Hohenwaldt“ (1547) und „Hoewaldt“ (1591). Seit Anfang des 19. Jahrhunderts ist die heutige Bezeichnung „Hohwald“ (1817) geläufig.Alfred Meiche: Historisch-Topographische Beschreibung der Amtshauptmannschaft Pirna. Dresden 1927, S. 123
Besiedlung und verkehrliche Erschließung Die naturräumlichen Gegebenheiten, insbesondere das vergleichsweise raue Klima mit hohen Niederschlägen und die ausgedehnte Blockbedeckung, verhinderten bis zur heutigen Zeit die großräumige Nutzbarmachung des Hohwaldgebietes für Ansiedlungen und landwirtschaftliche Nutzungen. Auch der mindestens seit dem 15. Jahrhundert im Hohwald umgehende Bergbau erwies sich als so unergiebig, dass er nicht siedlungsbildend wirkte. So entstanden nur an einzelnen randlichen Stellen des Waldgebietes kleine Räumichte (d. h. gerodete Flächen) zur Grünlandnutzung.Alfred Meiche: Historisch-Topographische Beschreibung der Amtshauptmannschaft Pirna. Dresden 1927, S. 123
Erst ab dem 18. Jahrhundert entstanden im Zusammenhang mit der aufkommenden Forstwirtschaft, der Steinbrecherei, dem Torfabbau, dem Tourismus und dem Kurwesen einzelne Gebäude weit abseits der umliegenden Siedlungen. Am Westrand des Hohwaldes wurde 1712 vom Putzkauer Rittergutsbesitzer Georg Ludwig von Haxthausen das Forsthaus Klunker als Unterkunftshaus für Holzfäller, Fuhrleute und Flößer erbaut. Das später als Gasthaus und Ferienlager genutzte Haus steht mittlerweile leer.Das ehemalige Forsthaus Klunker im Hohwald Im Zuge des Ausbaus der Hohwaldstraße entstand um 1830 die in knapp 500 Meter Höhe gelegene Hohwaldschänke., S. 137 Ab 1857 bestand auf dem Gipfel des Valtenberges ein Aussichtsturm samt Gastwirtschaft. Zwischen 1902 und 1905 entstand dann die Hohwaldklinik unmittelbar an der tschechischen Grenze.
Als Grenzgebiet zwischen den Sorbengauen Milsca und Nisan bzw. später zwischen Kursachsen und Böhmen war der Hohwald schon frühzeitig von verschiedenen Wegen durchzogen, S. 124ff.: Südlich des Hohwaldes verlief von Neustadt nach Lobendava ein Weg, der Teil einer Salzstraße war, die Mitteldeutschland mit Böhmen verband. Der Flügel F und der Gießhübelweg markieren eine alte von Neustadt über Neukirch und weiter nach Bautzen führende Wegeführung, die bereits auf den Karten von Matthias Oeder vermerkt sind. In Nord-Süd-Richtung führte der Naßweg von Bischofswerda ins böhmische Hainspach (Lipová u Šluknova). Wichtigste Straße ist heute die Hohwaldstraße, die das Waldgebiet südlich des Valtenberges auf einer Länge von knapp 8 Kilometern durchzieht. Bereits auf den Oederschen Karten des frühen 17. Jahrhunderts ist ein „steinichtwolmsdorfer Weg“ als Verbindung von Neustadt ins böhmische Schluckenau (Šluknov) verzeichnet. Allerdings hatte dieser Weg einen anderen Verlauf, als die Anfang des 19. Jahrhunderts ausgebaute Straße. Die Hohwaldstraße verbindet heute als Staatsstraße 154 Neustadt mit Steinigtwolmsdorf und stellt eine wichtige regionale Verbindung zwischen der rechtselbischen Sächsischen Schweiz und der südlichen Oberlausitz dar.
Der nördliche Teil des Hohwaldes wird von der Bahnstrecke Bautzen–Bad Schandau tangiert bzw. durchschnitten. Die Strecke wurde im Abschnitt von Bautzen nach Neustadt 1877 eröffnet. Seit dem 12. Dezember 2004 ist der durchgehende Reisezugverkehr zwischen Bautzen und Neustadt eingestellt. Jedoch bedienen Güterzüge der ITL bedarfsweise den Gleisanschluss am Steinbruch Oberottendorf.
Hohwaldklinik