Die elektrische Speicherheizung, auch Nachtspeicherheizung, Nachtstromspeicherheizung, Nachtspeicherofen oder Niedertarif-Speicherheizung genannt, ist eine elektrisch betriebene Heizung, bei der ein Wärmespeicher in Schwachlastzeiten durch im Vergleich zum Normaltarif günstiger angebotene elektrische Energie aufgeheizt wird. Dieser von vielen Stromversorgern angebotene Niedertarifstrom wird meist – nicht ganz zutreffend – als Nachtstrom bezeichnet.

mini|hochkant|Zweitarif-Dreh­strom­zähler mit Zählwerken für Nieder­tarif (oben) und Hoch­tarif (unten) sowie integriertem Rund­steuer­empfänger In den Schwachlastphasen nachts, vereinzelt auch am Nachmittag, wird der elektrische Strom genutzt, die Speicheröfen aufzuheizen. Die Wärme wird dort über einige Stunden gehalten. Um Niedertarifstrom zu nutzen, bedarf es spezieller Stromzähler mit zwei Zählwerken für Hochtarif (HT, Tagstrom oder Normaltarif) und Niedertarif (NT oder Nachtstrom) sowie einer Einrichtung zur Tarifumschaltung. Die Umschaltung wird von den Energieversorgungsunternehmen (EVU) meist mit Tonfrequenz-Rundsteuertechnik oder über Langwellenfunk (Funkrundsteuertechnik) ferngesteuert durchgeführt, vereinzelt auch über Zeitschaltuhren in der Hauptverteilung des Kunden.

Geschichte Speicherheizungen wurden in den 1950er und 1960er Jahren als Alternative zu Öfen für Kohle oder Heizöl propagiert, besonders für ländliche Gebiete, in denen keine Gasversorgung vorhanden war. Zentrale Argumente waren eine reduzierte Staub- und Geruchsbelästigung am Nutzungsort, ein eingesparter Lagerraum für Brennstoff und eine einfachere Haustechnik. So wurden im Gegensatz zu Warmwasserheizungen statt Rohrleitungen nur einfacher nachrüstbare Stromleitungen benötigt. Auch für hochwassergefährdete Gebiete wurden sie empfohlen, da sie keine im überschwemmungsgefährdeten Keller unterzubringenden Anlagenteile (Heizkessel, Öltank etc.) erfordern.

Hauptmotiv für die Energieversorger war die stetigere Auslastung ihrer Grundlastkraftwerke, zunächst Kohlekraftwerke, später ebenso Kernkraftwerke. Deshalb wurde versucht, nachts mehr Nachfrage zu schaffen. Speicherheizungen ermöglichten den Stromversorgern, weitgehend selbst zu bestimmen, wann Lieferungen erfolgen. Förderprogramme und Strom zu niedrigeren Tarifen förderten den Einsatz der Speicherheizungen in Wohnungen und Wohnhäusern.

Nach der ersten Ölkrise 1973 stiegen die Energiekosten und Subventionen des Niedertarifs relativierten sich; Speicherheizungen verloren gegenüber konventionellen Zentralheizungen an Wirtschaftlichkeit. Zusätzlich wirkte sich der verglichen mit konventionellen Heizungen niedrige Gesamtwirkungsgrad negativ aus, und damit ebenso die in Summe deutlich höhere Umweltbelastung durch die (immer noch überwiegend konventionelle) Stromerzeugung. Aus Umwelt- und Gesundheitssicht ebenso negativ ist der Umstand, dass viele Jahre lang Asbest in Nachtspeicherheizungen verbaut wurde, dessen Fasern in die Atemluft gelangen können und erhebliche Gesundheitsgefahren bergen.

Mittlerweile stehen Nachtstromtarife in Deutschland nicht mehr flächendeckend zur Verfügung. In anderen Ländern wie beispielsweise Österreich gibt es sie weiterhin; Neuanmeldungen bei einem Landesenergieversorger oder bei privaten Energieversorgern sind möglich.

Deutschland Bis Ende der 1980er Jahre wurden in Deutschland Nachtspeicherheizungen mit einer elektrischen Anschlussleistung von ca. 40.000 MW installiert.Thomas Herzig: Wirtschaftsgeschichtliche Aspekte der deutschen Elektrizitätsversorgung 1880 bis 1990. In: Wolfram Fischer (Hrsg.), Die Geschichte der Stromversorgung. Frankfurt am Main 1992, 123-166 S. 153.

Die Einführung der Stromsteuer am 1. April 1999 erhöhte die Kosten dieser Heizmethode. Bis Ende 2006 war der Steuersatz für Strom im Niedertarif, mit dem die Speicherheizungen im Allgemeinen betrieben werden, gegenüber dem Regelsteuersatz reduziert – bei 2,2 Mio. Haushalten in Betrieb; seit 2007 ist der Stromsteuersatz für Hoch- und Niedertarif (Tag- bzw. Nachtstrom) gleich. In der Folge reduzierte sich die Anzahl der Haushalte auf nur noch 1,6 Mio. im Jahr 2009.Sektoruntersuchung Heizstrom Marktüberblick und Verfahren Abschlussbericht gemäß § 32e GWB – September 2010. Bundeskartellamt, S. 4. Auch die Liberalisierung des Strommarktes mit der Aufteilung der vormals integrierten Unternehmen entzieht der Nachtspeicherheizung ihre Existenzgrundlage. Die nachts Auslastung suchenden Kraftwerksbetreiber sind nicht mehr unbedingt die Netzbetreiber, über deren Leitungen die Sondernutzung der Steuerung erfolgen muss, und beide sind nicht mehr unbedingt die Vermarkter für Endkunden, die den zusätzlichen Aufwand doppelter Verbrauchserfassung und -abrechnung einzukalkulieren haben.

Im Hinblick auf Primärenergieverbrauch und CO2-Belastung beschloss die Bundesregierung mit der Energieeinsparverordnung (EnEV) in der Fassung vom 29. April 2009, dass nach einer Übergangsfrist alle Nachtspeicherheizungen nicht mehr betrieben werden dürfen. Diese Regelung wurde 2013 wieder aufgehoben (siehe vorletzten Absatz in diesem Artikelabschnitt).

Die KfW-Bank zahlte bis zum 31. August 2010 bis zu 200 Euro Zuschuss pro Nachtspeicherofen für dessen Entsorgung; vorher ausgestellte Rechnungen wurden noch bis zum 30. November 2010 berücksichtigt.Energieeffizient Sanieren – Sonderförderung. kfw-foerderbank.de

2012 brachten die Energieversorger RWE und EnBW ins Gespräch, das Verbot für Nachtspeicherheizungen aufzuheben, um sie für die gezielte Speicherung von Energie aus regenerativen Quellen zu nutzen. Während Sturmphasen steht Windstrom gelegentlich in großen Mengen zur Verfügung, wodurch konventionelle Kraftwerke gerade nachts aufgrund des Vorrangs erneuerbarer Energien stark gedrosselt oder heruntergefahren werden müssen. In: Financial Times Deutschland, 4. Dezember 2012.Stromkonzerne planen Comeback der Nachtspeicher. Spiegel Online, 3. Dezember 2012.Regierung streicht Verbot von Nachtspeicheröfen. In: WirtschaftsWoche. 15. September 2012, abgerufen am 5. November 2012. Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung dementierte diesen Bericht zunächst.Nachtspeicheröfen müssen doch ausgemustert werden. haufe.de, 17. September 2012. Mit Stand 2018 zeigte sich jedoch, dass Nachtspeicherheizungen in der Praxis in aller Regel deutlich zu unflexibel für eine etwaige Integration erneuerbarer Energien sind.Die teuerste Art zu heizen. In: Süddeutsche Zeitung, 15. März 2018. Abgerufen am 17. März 2018. Im Rahmen eines europäischen Forschungsprojekts wurde gezeigt, dass eine Flexibilisierung der deutschen Nachtspeicherheizungen nicht zwingend zu einer besseren Integration fluktuierender erneuerbarer Energien führen würde und vermutlich auch nicht kosteneffizient wäre.

Am 17. Mai 2013 beschloss der Bundestag, das vom Kabinett Merkel I (2005–2009) stammende Verbot des Betriebes von Nachtspeicherheizungen nach dem Jahr 2019 außer Kraft zu setzen. Diese dürfen nun auch nach dem 31. Dezember 2019 weiter betrieben werden. Während Vertreter der Koalitionsregierung, der Energiekonzerne sowie des Wohnungs- und Grundeigentümer-Verbandes Haus und Grund den Beschluss lobten, äußerten Umweltverbände scharfe Kritik daran und bezeichneten ihn als Klientelpolitik für Energiekonzerne. Nachtspeicherheizungen verursachten aufgrund ihres hohen Stromverbrauchs dreimal so hohe Emissionen wie Gasbrennwertkessel, zudem sei die Rechtfertigung, dass Nachtspeicherheizungen eine notwendige Speichertechnologie für die Energiewende seien, eine Farce. Nachtspeicher verbrauchten jährlich 10–15 TWh elektrischer Energie, es würden jedoch pro Jahr nur ca. 0,42 TWh Windstrom abgeregelt werden. Auch führe der Einsatz von Nachtspeicherheizungen in verbrauchsintensiven windarmen Stunden zu einer Zusatzbelastung des Stromsystems.Energiewende: Bundestag kippt Verbot von Nachtspeicheröfen. Spiegel Online, 17. Mai 2013. In: Thüringer Allgemeine, 17. Mai 2013; abgerufen am 18. Mai 2013.Laufzeitverlängerung für Stromfresser: Der Nachtspeicher-Irrsinn. Spiegel Online,17. Mai 2013; abgerufen am 18. Mai 2013.CDU/CSU und FDP lobbyieren mit RWE für Comeback vorsintflutlicher Nachtspeicherheizungen in Wohn- und Schlafzimmern. Deutsche Umwelthilfe; abgerufen am 18. Mai 2013.

Durch die vergleichsweise hohen Kosten sind Nachtspeicherheizungen allerdings nach wie vor unattraktiv. Da zudem viele in den 1960er und 1970er Jahren eingebauten Geräte mittlerweile das Ende ihrer Lebensdauer erreicht haben, werden sie oftmals, insbesondere bei einer generellen Sanierung der zugehörigen Immobilie, nicht mehr erneuert, sondern durch andere Heizungssysteme ersetzt. Da der Neueinbau von Nachtspeicherheizungen praktisch nicht mehr stattfindet, nimmt die Zahl der Nachtspeicherheizungen in Deutschland kontinuierlich ab. 2023 waren 1,8 % der 41,9 Mio. Wohnungen immer noch mit ihnen beheizt (≈750.000).Wie heizt Deutschland 2023? BDEW-Studie zum Heizungsmarkt, S. 11.

Speicherarten

Zimmerofen (Einzelspeichergerät) mini|Typischer Nachtspeicher-Zimmerofen mini|Heizelement eines Speicherofens mini|Einzelspeichergerät in teilzerlegtem Zustand: rostbraun die Speichermasse, beige die keramischen Halter der Heizdrähte, ganz rechts Steuerelemente mini|Heizdrähte und keramischer Halter des oben abgebildeten Einzelspeichergeräts Ein Nachtspeicherofen ist ein weitgehend wärmeisoliertes, elektrisch betriebenes Heizgerät, in dem Formsteine mit hohem Magnesitgehalt als Wärmespeicher dienen. Der Speicherkern kann Temperaturen von bis zu 650 °C erreichen. Er wird zu Niedrigtarif-Zeiten mit elektrischen Heizelementen aufgeheizt, die sich mit einem Thermostat im Kern abschalten, wenn die Maximaltemperatur der Speichermasse erreicht ist. Eine von der Außentemperatur abhängige Ladesteuerung kann für eine an die Außentemperatur angepasste Aufladung des Speicherofens sorgen – die Heizelemente werden dann gegebenenfalls bereits früher abgeschaltet.

Die Wärme wird zwar teilweise trotz Isolation durch Wärmestrahlung und Konvektion in den Raum abgegeben, die wesentliche Wärmeabgabe wird jedoch durch ein Gebläse erreicht. Das Gebläse fördert die Raumluft durch das erhitzte Steinpaket und ist von einem Thermostat gesteuert.

Feststoff-Zentralspeicher für Warmwasserzentralheizung Das Funktionsprinzip ist das Gleiche wie beim Zimmerofen, jedoch befindet sich im Unterbau des Zentralspeichers ein Luft-Wasser-Wärmeübertrager. Über diesen Wärmeübertrager wird in einem geschlossenen Luftkreislauf die in den Luftkanälen erwärmte Luft geführt. Die Luft wird von einem Ventilator durch Luftkanäle in den Speichersteinaufbau geblasen, entzieht dabei den Speichersteinen Wärme und erwärmt beim Durchgang durch den Wärmeübertrager das Wasser der Zentralheizung. Das erwärmte Heizungswasser wird von einer Umwälzpumpe durch die Heizkörper innerhalb des Gebäudes geführt und dann zum Wärmeübertrager zurückgeführt.

Fußboden-Nachtspeicherheizung (elektrisch) Neben der Warmwasserfußbodenheizung mit Wasservorratsspeicher gibt es die elektrische Variante:

Mit mäanderartig verlegten Widerstandsdrähten, die in verschweißten Kunststofffolien zu Matten fixiert sind, wird der Estrich aufgeheizt. Der Aufbau ist wie folgt: Auf dem Untergrund (z. B. einer Betondecke) liegt eine etwa 2 bis 4 cm dicke Polystyrolschicht, darauf folgt wegen der abgegebenen Wärme der Heizdrähte eine 2 cm dicke trittfeste Mineralfaserplatte. Auf die Mineralfaserplatten werden die Heizmatten nebeneinander und kreuzungsfrei verlegt. Auf die Heizmatten folgt eine Lage Kunststofffolie, dann wird der Speicherestrich aufgebracht, in dem sich der Wärmefühler befindet. Je dicker der Estrich, desto größer ist die Speicherwirkung. Der Wärmefühler sollte sich im Schwenkbereich von Türen befinden, da er dort nicht von Möbeln verdeckt wird. Anderenfalls würde ständig eine höhere Temperatur angezeigt werden, als im Rest des Estrichs herrscht, und der Raum würde ungenügend geheizt. Auf den Estrich können Fliesen, geeignete Teppichböden usw. verlegt werden.