Katerina Poladjan (* 18. April 1971 in Moskau) ist eine deutsche Schriftstellerin. Sie erhielt 2025 den Großen Preis des Deutschen Literaturfonds und ist Trägerin des Rompreises Villa Massimo. Für ihren Roman Goldstrand erhielt sie 2026 den Preis der Leipziger Buchmesse.

Leben Katerina Poladjan wurde in der Sowjetunion geboren. Ihr Großvater war ein Überlebender des Völkermords an den Armeniern.Armenien: Das Grauen wiederholt sich jeden Tag. Die Zeit. 23. April 2015, abgerufen am 13. April 2019. Ihr Vater Michael Poladjan ist ein international anerkannter Künstler, und ihre Mutter Irina Olegowna Vinizki, geborene Cheglowa, ist Kunsthistorikerin und Journalistin. Ende der 1970er Jahre kam Katerina Poladjan mit ihren Eltern in die Bundesrepublik. Ihr Abitur legte sie am Edith-Stein-Gymnasium in München-Haidhausen ab; anschließend absolvierte sie an der Leuphana Universität Lüneburg ein Studium der Angewandten Kulturwissenschaften mit den Schwerpunkten Philosophie und Kunst. In München studierte sie Darstellende Kunst.Katerina Poladjan, Kulturaustausch, abgerufen am 23. November 2025.

Katerina Poladjan erhielt 2003 ihr erstes Stipendium im Bereich der Literatur. Sie arbeitete aber zunächst als Schauspielerin, unter anderem am Schauspielhaus Hamburg sowie an der Schaubühne Berlin.Katerina Poladjan. texttage.nuernberg.de, abgerufen am 23. Juli 2025. In dieser Zeit nahm sie bis 2016 auch Nebenrollen in Film- und Fernsehproduktionen an. Zu ihren ersten Arbeiten zählte eine kleinere Rolle in Oliver Hirschbiegels Kinospielfilm Der Untergang (2004). Im Film Tschick (2016) von Fatih Akin spielte sie eine Mathematiklehrerin.Katerina Poladjan, Crew United, abgerufen am 23. November 2025.

Katerina Poladjan lebt und arbeitet in Berlin. Sie ist Mitglied der Schriftstellervereinigung PEN Berlin.

Werk Im Jahr 2011 erschien Katerina Poladjans erster Roman In einer Nacht, woanders im Rowohlt Verlag Berlin. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schrieb: „In atemlosem Stakkato, im suggestiven Präsens erzählt die Protagonistin ihre geisterhafte, bedrückende Reise in die russische Nacht und die eigene Herkunft“. Drei Jahre später erhielt sie das Alfred-Döblin-Stipendium der Berliner Akademie der Künste. Der Roman Vielleicht Marseille folgte 2015. „Ein in den Details hyperrealistisches Traumspiel, das subkutan wirkt“, schrieb die Süddeutsche Zeitung sowie Die Welt: „Das Kunststück, in aller stilistischer Gelassenheit von auseinanderkrachenden Existenzen zu erzählen, ist Poladjan gelungen … Katerina Poladjan kann sehr viel, sie kann in wenigen Sätzen Geschichten erzählen, für die manche andere viele Seiten brauchen“. Auf Einladung von Meike Feßmann nahm Poladjan an den Tagen der deutschsprachigen Literatur 2015 teil. Der literarische Reisebericht Hinter Sibirien. Eine Reise nach Russisch-Fernost, den sie gemeinsam mit dem Autor und Regisseur Henning Fritsch schrieb, erschien 2016. Ihr Roman Hier sind Löwen folgte 2019. Er wurde mit dem Nelly-Sachs-Preis ausgezeichnet und für den Deutschen Buchpreis nominiert. „Katerina Poladjan reflektiert die Ungeheuerlichkeit des Völkermords und die Gegenwart eines Landes im Abseits klug und dezent, in einer poetisch-kantigen Sprache“, schrieb die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) und Die Welt urteilte: „Am Ende dieses sehr klugen und bewegenden Romans gibt es beides: ein tragisches und ein glückliches Ende, gerecht verteilt auf die Realität und auf die Fiktion“.

Mit ihrem Roman Zukunftsmusik war Poladjan 2022 für den Preis der Leipziger Buchmesse (Shortlist) nominiert. Er wurde mit dem Rheingau Literatur Preis und dem Chamisso-Preis/Hellerau ausgezeichnet. „Katerina Poladjan hat mit Zukunftsmusik einen der ganz großen deutschen Gegenwartsromane geschrieben, den man jetzt in Zeiten des Krieges anders liest als noch in der Zeit des Friedens“, so der Literaturkritiker Denis Scheck (WDR 2). „Der Roman ›Zukunftsmusik‹ ist ein Hoffnungs- und ein Trostbuch. Eine literarische Verteidigung der Menschlichkeit unter den besonderen Bedingungen der Macht“ schrieb Paul Jandl in der NZZ. „Katerina Poladjan gelingt ein kleines, schimmerndes Alphabet der Gefühle in der späten Sowjetunion“, schrieb die Süddeutsche Zeitung. Übersetzungen erschienen in dänischer, französischer, italienischer, niederländischer und türkischer Sprache; Hier sind Löwen wurde unter anderem ins Bulgarische, Französische, Italienische, Türkische, Armenische, Albanische, Spanische, Dänische und Niederländische übersetzt.Siehe Katalog der Deutschen Nationalbibliothek.

Der Roman Goldstrand (2025) entfaltet in Form wöchentlicher Therapiesitzungen in Rom die Familiengeschichte des Filmregisseurs Elia Fontana, der seiner Analytikerin Episoden aus einem Jahrhundert erzählt; zentrale Schauplätze sind Rom und der bulgarische Badeort Goldstrand am Schwarzen Meer.Carsten Otte: Roman von Katerina Poladjan – Ein Jahrhundert auf der Couch, Rezension zu: Katerina Poladjan: Goldstrand, S. Fischer, Frankfurt a. M. 2025, 4. September 2025. Die Erzählung verknüpft die Trauerarbeit des Vaters Lew, der seit dem Verschwinden seiner Tochter 1922 zwischen Odessa und Konstantinopel nach Spuren sucht, mit der Nachkriegsgeneration um den jungen Architekten Felix, der beim staatlichen Planungsinstitut „Glavprojekt“ an einer modernen Ferienarchitektur für die Arbeiterklasse mitarbeitet; 1958 endet die Lebensgeschichte des Vaters am Strand von Goldstrand. Stilistisch kombiniert Poladjan dialogische Passagen, essayistische Reflexionen und cineastische Szenen mit mythischen Anspielungen. Der Kritiker Carsten Otte hob hervor, Poladjan „schick[e] … ein ganzes Jahrhundert auf die Couch“ und lege „wie eine Therapeutin die Risse und Brüche der europäischen Geschichte offen“; der Roman biete „Erkenntnis durch ästhetische Erfahrung“.

Der Neue Berliner Kunstverein (n.b.k.) zeigte 2025 den ersten Essayfilm von Katerina Poladjan und Henning Fritsch, eine Überschreibung von Marguerite Duras’ Il dialogo di Roma (1982).übertragen, Journalistensprache: Neuinterpretation besonders eines Theaterstücks, dwds.de, abgerufen am 13. Juli 2025. Das Maxim Gorki Theater in Berlin kündigte für Januar 2026 eine Adaption des Romans Zukunftsmusik unter der Regie von Nurkan Erpulat an.Zukunftsmusik. Uraufführung 24. Januar 2026. www.gorki.de, abgerufen am 23. Juli 2025.

Einzeltitel In einer Nacht, woanders. Rowohlt Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-87134-717-7. In einer Nacht, woanders. S. Fischer Verlag, Frankfurt a. M. 2024, ISBN 978-3-596-70905-2. Vielleicht Marseille. Rowohlt Verlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-87134-810-5. Hinter Sibirien. Eine Reise nach Russisch-Fernost. Rowohlt Verlag, Berlin 2016, ISBN 978-3-87134-841-9. Hier sind Löwen. S. Fischer Verlag, Frankfurt a. M. 2019, ISBN 978-3-10-397381-5. Zukunftsmusik. S. Fischer Verlag, Frankfurt a. M. 2022, ISBN 978-3-10-397102-6. Goldstrand. S. Fischer Verlag, Frankfurt a. M. 2025, ISBN 978-3-10-397176-7.

Beiträge zu Anthologien Die Bergsteigerin, in: Ziegel 10 – Hamburger Jahrbuch für Literatur 2006/2007. Verlag Dölling und Galitz, Hamburg 2006/2007, ISBN 978-3-937904-32-0. Wir. Gestern. Heute. Hier. Texte zum Wandel unserer politischen Werte. Hrsg. Matthias Jügler, Verlag Piper, 2020, ISBN 978-3-492-07034-8. Kafka gelesen. Eine Anthologie. Hrsg.: Sebastian Guggolz, S. Fischer Verlag, 2024, ISBN 978-3-10-397579-6.

Auszeichnungen 2003: Stipendium der Neuen Gesellschaft für Literatur 2014: Grenzgänger Stipendium der Robert Bosch Stiftung 2014: Alfred-Döblin-Stipendium 2015: Senatsstipendium der Stadt Berlin 2015: Teilnahme am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2015: Literaturpreis „Der kleine Hai“ der Buchhandlung Wist, Potsdam 2015: Nominierung für den Alfred-Döblin-Preis 2016: Shortlist Literaturpreis der Europäischen Union 2016: Stipendium der Stiftung Preussische Seehandlung 2016: Residenzstipendium der Kulturakademie Tarabya Istanbul 2016/2017: Stipendium des Deutschen Literaturfonds 2019: Alfred-Döblin-Stipendium 2019: Longlist Deutscher Buchpreis mit Hier sind Löwen 2019: Einjähriges Stipendium der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und EuropaArbeits- und Recherchestipendien für 29 Berliner Autorinnen und Autoren vergeben, Meldung auf Buchmarkt.de vom 26. November 2019, abgerufen am 30. November 2019. 2021: Nelly-Sachs-Preis 2022: Shortlist Preis der Leipziger Buchmesse 2022: Chamisso-Preis/Hellerau 2022: Rheingau Literatur Preis für den Roman ZukunftsmusikKaterina Poladjan doppelt ausgezeichnet, Börsenblatt vom 25. Mai 2022, abgerufen am 26. Mai 2022. 2022: Platz 1 auf der SWR-Bestenliste im April für den Roman Zukunftsmusik 2022: Shortlist Wilhelm Raabe-Literaturpreis 2022: Shortlist Prix Grand Continent 2023/24: Stipendium der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo 2023: Trophées littéraires des Nouvelles d’Árménie (für Hier sind Löwen, französischsprachige Ausgabe) 2025: Großer Preis des Deutschen LiteraturfondsAuszeichnungen: Katerina Poladjan erhält den „Großen Preis des Deutschen Literaturfonds“, buchmarkt.de vom 10. Juli 2025, abgerufen am 13. Juli 2025. 2025: Platz 1 auf der SWR Bestenliste für den Roman Goldstrand 2025: Shortlist Prix Grand Continent 2026: Marie Luise Kaschnitz-Preis 2026: Preis der Leipziger Buchmesse für den Roman Goldstrand 2026: Nicolas-Born-Preis für den Roman Goldstrand

Literatur Theo Breuer: Zwanzig Tage – Zwanzig Romane: Ein Buchspiel. In: Matrix. Zeitschrift für Literatur und Kunst, 58. Ausgabe, Pop Verlag, Ludwigsburg 2019, S. 7–167.

Weblinks

Webpräsenz von Katerina Poladjan WDR 3 (Westdeutscher Rundfunk) Mosaik Samstagsgespräch vom 16. April 2022: Schriftstellerin Katerina Poladjan über Zeitenwenden

Einzelnachweise

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