Das L1CAM-Syndrom oder L1-Syndrom ist eine sehr seltene x-chromosomal vererbliche Erkrankung mit einer Kombination von adduziertem Daumen, Spastik und unterschiedlichen Hirnveränderungen.

Synonyme sind: CRASH-Syndrom (Akronym für Corpus-Callosum-Hypoplasie, (geistige) Retardierung, Adduzierte Daumen, Spastische Paraplegie und Hydrozephalus)E. Fransen, V. Lemmon, G. Van Camp, L. Vits, P. Coucke, P. J. Willems: CRASH syndrome: clinical spectrum of corpus callosum hypoplasia, retardation, adducted thumbs, spastic paraparesis and hydrocephalus due to mutations in one single gene, L1. In: European journal of human genetics : EJHG. Band 3, Nummer 5, 1995, S. 273–284, . PMID 8556302. (Review).; Gareis-Mason-SyndromF. J. Gareis, J. D. Mason: X-linked mental retardation associated with bilateral clasp thumb anomaly. In: American journal of medical genetics. Band 17, Nummer 1, Januar 1984, S. 333–338, . doi:10.1002/ajmg.1320170126. PMID 6538753.

Verbreitung Die Häufigkeit ist nicht bekannt, wird mit unter 1 zu 1.000.000 angegeben, die Vererbung erfolgt x-chromosomal-rezessiv.

Ursache Der Erkrankung liegen Mutationen im L1CAM-Gen an Genlocus Xq28 zugrunde, welches das neurale Zelladhäsionsmolekül kodiert.

Klinische Erscheinungen Der Gendefekt kann sich klinisch sehr unterschiedlich manifestieren mit geringen bis schweren Beeinträchtigungen. Daher existieren aufgrund klinischer Beschreibung verschiedene scheinbar selbständige Erkrankungen mit entsprechenden Bezeichnungen.GeneReviewsRoger N. Rosenberg, Juan M. Pascual: Rosenberg's Molecular and Genetic Basis of Neurological and Psychiatric Disease. 5. Auflage. 2015, ISBN 978-0-12-410529-4, S. 1391.

Erste Symptome zeigen sich häufig vor oder kurz nach der Geburt, können aber auch erst später zutage treten.

Vereinzelt kommt auch eine Kombination mit dem Morbus Hirschsprung vor. Bei weiblichen Überträgerinnen kommen allenfalls geringere Veränderungen wie adduzierte Daumen vor.

X-chromosomaler Hydrozephalus mit Aquäduktstenose (HSAS) Ausgeprägter, bereits oft vorgeburtlich erkennbarer Hydrozephalus Adduzierter Daumen aufgrund eines Muskeldefektes der Daumen-Extensoren (Musculus extensor pollicis brevis oder Musculus extensor pollicis longus) bei etwa der Hälfte der Betroffenen Spastik mit Hyperreflexie Schwere geistige BehinderungC. Schrander-Stumpel, J. P. Fryns: Congenital hydrocephalus: nosology and guidelines for clinical approach and genetic counselling. In: European Journal of Pediatrics. Band 157, Nummer 5, Mai 1998, S. 355–362, . PMID 9625330. (Review).

MASA-Syndrom Akronym für Mentale Retardierung, Aphasie, Schlurfendes Gangbild und Adduzierte Daumen.J. W. Bianchine, R. C. Lewis: The MASA syndrome: a new heritable mental retardation syndrome. In: Clinical genetics. Band 5, Nummer 4, 1974, S. 298–306, . PMID 4855169. Leichte bis mäßige geistige Behinderung Verzögerter Sprechbeginn Muskelhypotonie sich in Spastik verschlechternd adduziertem Daumen aufgrund eines Muskeldefektes der Daumen-Extensoren Erweiterung des III. Hirnventrikels

SPG1 (X-chromosomale komplizierte hereditäre spastische Paraplegie Typ I) Spastische Paraplegie Leichte bis mäßige geistige Behinderung Normale Kernspintomographie des Gehirns

X-chromosomale komplizierte Corpus-callosum-Agenesie Variable spastische Paraplegie Leichte bis mäßige geistige Behinderung Balkenmangel von Dysplasie über Hypoplasie bis AplasieP. J. Willems, O. F. Brouwer, I. Dijkstra, J. Wilmink: X-linked hydrocephalus. In: American journal of medical genetics. Band 27, Nummer 4, August 1987, S. 921–928, . doi:10.1002/ajmg.1320270419. PMID 3425602.

Diagnose Eine vorgeburtliche Diagnosestellung ist möglich.

Die Kombination klinischer Befunde ist wegweisend. Lässt sich in der Kernspintomographie ein beidseitiges Fehlen des Tractus corticospinales nachweisen, gilt das nahezu als pathognomonisch.

Differentialdiagnostik Abzugrenzen sind andere Ursachen für Hydrozephalus und Spastische Paraplegie.

Aussichten Die Prognose hängt vom Ausmaß der Veränderungen ab.

Einzelnachweise

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