mini|Regionale Verteilung der Erkran­kungs­fälle in Guinea, Liberia und Sierra Leone, unter­schieden nach Regionen mit neuen Fällen in den letzten 21 Tagen (grün umrandet), bekannten Fällen (Ocker, die Färbung gibt die Fallzahl an) und Regionen ohne Fälle (hellgrau) mini|Regionale Verteilung der bestä­tigten und verdäch­tigen Erkran­kungs­fälle in Guinea, Liberia und Sierra Leone, Dar­stellung bis 14. September 2014 (6 Entwicklungsschritte)

Die Ebolafieber-Epidemie, die 2014 in mehreren westafrikanischen Ländern ausbrach und Anfang 2016 für beendet erklärt wurde, gilt nach der Zahl der erfassten Erkrankungen und Todesfälle als bisher (Stand Juni 2019) größte ihrer Art seit der Entdeckung des Orthoebolavirus (früher Ebolavirus) 1976.Centers for Disease Control and Prevention (CDC): Chronology of Ebola Hemorrhagic Fever Outbreaks. Auf: cdc.gov vom 24. Juni 2014.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation erkrankten im Verlauf der Epidemie – einschließlich der Verdachtsfälle – 28.639 Menschen an Ebolafieber, von denen 11.316 starben. Die Ermittlung dieser Fallzahlen, die auf Meldungen der Gesundheitsbehörden der betroffenen Länder beruhen, ist u. a. aufgrund unzureichender Laborkapazitäten nicht gesichert, so dass die WHO von einer deutlich höheren Dunkelziffer ausgeht. Die gemeldeten Neuinfektionen verdoppelten sich in den ersten neun Monaten etwa alle drei bis vier Wochen, verharrten im letzten Quartal 2014 auf hohem Niveau mit großen regionalen Schwankungen und gingen zum Jahreswechsel deutlich zurück. Eine Untersuchung ausgewählter Fälle, bei denen der klinische Verlauf dokumentiert ist, ergab, dass in den ersten neun Monaten nach Ausbruch der Epidemie (Stand: 14. September 2014) etwa 71 % der eindeutig von der Krankheit Betroffenen gestorben sind.WHO Ebola Response Team: Ebola Virus Disease in West Africa – The First 9 Months of the Epidemic and Forward Projections In: New England Journal of Medicine. 9. September 2014, S. 140926130020005, . doi:10.1056/NEJMoa1411100.

Die Epidemie begann Anfang 2014 im Südosten Guineas (Indexfall Dezember 2013) und wurde im März offiziell bekanntgegeben. In den folgenden Monaten wurden in den benachbarten Ländern Sierra Leone und Liberia weitere Erkrankungen gemeldet, Anfang August auch in Nigeria. Erste Fälle traten am 29. August im Senegal und am 24. Oktober in Mali auf. Ende September 2014 wurde in den USA erstmals ein Fall von Ebolafieber außerhalb Afrikas nachgewiesen. Am 6. Oktober folgte die erste bestätigte Infektion in Spanien und am 29. Dezember 2014 im Vereinigten Königreich. Der Ebolafieber-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo, der Ende August 2014 bekannt wurde, stand in keinem direkten epidemiologischen Zusammenhang mit den Ebolafieber-Fällen in Westafrika.

Wegen der Epidemie riefen zunächst Liberia und Sierra Leone den Notstand aus, am 8. August 2014 auch Nigeria. Die Grenzen zwischen den Staaten wurden geschlossen und der internationale Verkehr aufgrund von Reisewarnungen zum Teil eingeschränkt. Am selben Tag deklarierte die WHO die Epidemie nach Beratungen des zuständigen Notfallausschusses zur „Gesundheitlichen Notlage internationaler Tragweite“ (Public Health Emergency of International Concern, PHEIC).WHO: Verlautbarungen des International Health Regulations Emergency Committee zur Feststellung des PHEIC. vom 8. August 2014. Am 12. August 2014 erklärte die Weltgesundheitsorganisation den Einsatz experimenteller, jedoch noch nicht zugelassener Wirkstoffe zur Bekämpfung der Epidemie für ethisch vertretbar. Am 18. September 2014 gab UN-Generalsekretär Ban Ki-moon im UN-Sicherheitsrat die UN-Mission UNMEER bekannt, die in den von der Epidemie betroffenen Ländern Notfallhilfe leisten soll.

Die WHO erklärte die Epidemie am 17. Oktober 2014 für Senegal, am 20. Oktober 2014 für Nigeria und am 2. Dezember 2014 für Spanien als beendet. Seit dem 24. Dezember 2014 gelten die USA, seit 19. Januar 2015 Mali und seit 7. März 2015 das Vereinigte Königreich als frei von Ebolafieber. Ab Januar 2015 entspannte sich die Lage in Liberia, das am 9. Mai 2015 als erstes der drei am stärksten betroffenen Länder für ebolafrei erklärt wurde.„WHO erklärt Liberia für Ebola-frei“, Spiegel Online vom 8. Mai 2015 spiegel.de Am 29. Juni wurde bekanntgegeben, dass es am 24. Juni einen weiteren Ebola-Toten in Liberia gegeben hatte. In Guinea und Sierra Leone breitete sich die Epidemie zumindest regional weiter aus. Am 14. Januar 2016 wurde die Epidemie im vorerst letzten betroffenen Land, Liberia, für beendet erklärt. Schon am darauffolgenden Tag trat jedoch eine Neuinfektion in Sierra Leone auf. Mitte März 2016, kurz nachdem die WHO Westafrika zum zweiten Mal für ebolafrei erklärt hatte, traten auch in Guinea neue Erkrankungen und Verdachtsfälle auf.spiegel.de Das letzte Mal wurde Liberia am 9. Juni 2016 für ebolafrei erklärt.

Die Schwere des Epidemieverlaufs wurde zunächst auf das erstmalige Auftreten der Krankheit in diesem Teil des Kontinents zurückgeführt. Auch die mangelnde medizinische Infrastruktur nach langer Zeit des Bürgerkriegs trug zum Verlauf bei. Schließlich wurde bekannt, dass bereits in den frühen 1980er Jahren das Vorhandensein des Virus in Liberia für die späten 1970er Jahre nachgewiesen worden war, vor allem in Waldgebieten an der Grenze zu Guinea, aber wegen HIV und Bürgerkrieg die Gefahr hämorrhagischer Fieber keine Beachtung fand.

Charakterisierung der Virusvariante mini|TEM-Aufnahme des Virions eines Orthoebolavirus (nachträglich koloriert)

Ende März 2014 zeigten erste Sequenzdaten von Teilen des viralen Genoms, dass der Ausbruch durch eine Variante der Virusspezies Zaire-Ebolavirus (EBOV) der Gattung Ebolavirus verursacht wurde. Diese ersten Daten des Institut Pasteur stützten sich auf Teilsequenzen des L-Gens, das für die virale RNA-Polymerase kodiert.

Eine Studie vom April 2014 wies mit hoher Wahrscheinlichkeit nach, dass sich die Epidemie (ohne den Ausbruchsherd in der DR Kongo) von einer einzigen humanen Infektion im Dezember 2013 ausbreitete.S. Baize, D. Pannetier u. a.: Emergence of Zaire Ebola Virus Disease in Guinea. In: The New England Journal of Medicine. Band 371, Nr. 15, 9. Oktober 2014, S. 1418–1425, doi:10.1056/NEJMoa1404505 Volltext (PDF). Weiter zeigte die Studie mittels der phylogenetischen Analyse einer ersten vollständigen Sequenzierung des Virus aus 20 Patientenisolaten, dass es sich um einen eigenen Cluster innerhalb der Klade der Virusspezies handelte: Er unterschied sich deutlich von den Clustern der Isolate, die von früheren Ausbrüchen in Gabun und der Demokratischen Republik Kongo (ehemals Zaire) bekannt sind.

Eine weitere Untersuchung legte nahe, dass es sich um eine Abstammungslinie des EBOV handelte, die sich in den vergangenen Jahrzehnten von Zentralafrika nach Guinea und Westafrika ausgebreitet hatte und kein abweichendes und endemisches Virus darstellte. Die geschätzte Abspaltung der Linie, die den Ausbruch verursachte, von der zentralafrikanischen Linie, die die Ausbrüche in Kongo und Gabun verursachte, vollzog sich um das Jahr 2002. Wann und wie die Virusvariante nach Westafrika gelangte, könne ohne weitere Gensequenzierungen, speziell von den tierischen Reservoirwirten, nicht benannt werden.G. Dudas, A. Rambaut: Phylogenetic Analysis of Guinea 2014 EBOV Ebolavirus Outbreak. In: PLoS Currents Outbreaks. Band 6, 2. Mai 2014, . doi:10.1371/currents.outbreaks.84eefe5ce43ec9dc0bf0670f7b8b417d. PMID 24860690. .

Eine Studie zur Stammbaumbestimmung mittels molekularer Uhr erhärtete die Zugehörigkeit der Ausbruchsvariante zur zentralafrikanischen Linie und schloss auf eine Trennung der Linien um die Jahre 1999 oder 2001.S. Calvignac-Spencer, J. M. Schulze u. a.: Clock Rooting Further Demonstrates that Guinea 2014 EBOV is a Member of the Zaïre Lineage. In: PLoS Currents Outbreaks. Band 6, 16. Juni 2014, . doi:10.1371/currents.outbreaks.c0e035c86d721668a6ad7353f7f6fe86. PMID 24987574. .

Die bislang identifizierten Varianten des Zaire-Ebolavirus sind durch eine hohe Letalität gekennzeichnet, siehe unten.

Ausbreitungsdynamik Überblick + Ebolafieber-Erkrankungs- und -Todesfälle 2014–2016 Land Erkrankungs-fälle Todesfälle 14.124* 3.956* 10.675* 4.809* 3.804* 2.536* 20 8 8* 6* 4 1 1 0 1 0 1 0 1 0 Insgesamt 28.639 11.316 Stand: 13. März 2016, veröffentlicht am 16. März 2016* Bestätigte, wahrscheinliche und Verdachtsfälle.

Die hier dargestellten Zahlen basieren auf den Veröffentlichungen der WHO im Rahmen der Situation Reports. In der Tabelle sind alle Krankheitsfälle seit Beginn des Ausbruchs dargestellt. In dieser Form lassen die Fallzahlen keine Aussage über den aktuellen Krankenstand zu. Seit Mitte September 2014 wird in den WHO-Berichten auf die geringe Verlässlichkeit der Daten aus den betroffenen Ländern (insbesondere Liberia) hingewiesen. Seit Oktober enthalten die Situation Reports eine Bemerkung, dass die gemeldeten Zahlen als zu gering zu betrachten sind (“EVD cases are under-reported”). Die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) nannten einen Korrekturfaktor von 2,5. (Zur Erhebung der Zahlen, Dunkelziffer, Fallzahlen siehe Details im Abschnitt Ermittlung der Fallzahlen.)

Im Verlauf des Jahres 2014 infizierten sich rund 20.200 Menschen und rund 7.900 starben.

Am 17. Oktober 2014 wurde die Epidemie im Senegal und am 20. Oktober in Nigeria für beendet erklärt. Dies nach einer Zeit von 21 Tagen ohne Neuinfektion und Überwachung der ermittelten Kontaktpersonen von Infizierten. Das Gleiche geschah am 2. Dezember 2014 für Spanien. Am 24. Dezember 2014 wurden die USA von der WHO als vormals betroffen (previously affected countries) bezeichnet und die Seuche somit dort für beendet erklärt. Danach wurde eine 42-Tage-Frist eingeführt: Ein Land gilt nun als frei von Ebolafieber, wenn seit dem letzten Fall (verstorben oder doppelt negativ getestet) 42 Tage verstrichen sind und alle Kontakte verfolgt wurden. Am 19. Januar 2015 wurde Mali nach Ablauf dieser Frist für frei von Ebolafieber erklärt (free of Ebola virus disease). Im Vereinigten Königreich lief am 7. März 2015 die 42-Tage-Frist ab, nachdem am 23. Januar die einzige Patientin als geheilt entlassen wurde. Das letzte betroffene Land war Liberia: Hier wurde die Epidemie am 14. Januar 2016 für beendet erklärt, was die WHO veranlasste, die gesamte Ebolafieber-Epidemie in Westafrika etwa zwei Jahre nach ihrem Ausbruch offiziell für beendet zu erklären. Bereits einen Tag später wurde ein Todesfall in Sierra Leone als neuer Ebolafall bestätigt.New Ebola case in Sierra Leone; WHO continues to stress risk of more flare-ups. WHO Statement, 15. Januar 2016

Westafrika Die drei hauptsächlich betroffenen Staaten haben folgende Einwohnerzahlen:CIA: Guinea: 11.474.000 (Schätzung Juli 2014) Liberia: 4.092.000 (Schätzung Juli 2014) Sierra Leone: 5.744.000 (Schätzung Juli 2014) In diesen drei Staaten leben in Summe über 21 Millionen Menschen.

Guinea mini|Verlauf in Guinea (gestrichelt: inkl. Verdachtsfälle)