In der Schlacht bei Brunanburh im Jahre 937 siegte die Armee des Königreichs England unter Führung des englisch-sächsischen Königs Æthelstan und seines Bruders Edmund über die vereinten Armeen von Olaf Guthfrithsson, dem nordisch-gälischen König von Dublin, von Konstantin II., dem König von Alba, und von Owen I., dem König von Strathclyde.

Obwohl heute relativ unbekannt, gilt sie als „größte einzelne Schlacht in der angelsächsischen Geschichte vor der Schlacht bei Hastings“.Alfred Smyth: Scandinavian York and Dublin. Irish Academic Press, Dublin 1987, 2.62. Michael Livingston behauptet, dass Brunanburh „das Erwachsenwerden der englischen Identität markiert“.Michael Livingston: 'The Roads to Brunanburh’ in The Battle of Brunanburh: A Casebook. ed. Livingston (University of Exeter Press, 2011), S. 1. Der Ort der Schlacht ist unbekannt, die Forschung vermutet jedoch, dass sie irgendwo auf der Wirral-HalbinselAnm.: Halbinsel im Nordwesten Englands zwischen den Mündungen der Flüsse Dee und Mersey in die Irische See. stattfand.

Die Schlacht wird in Dutzenden von Quellen erwähnt, auf Altenglisch, Latein, Irisch, Walisisch, Isländisch und Mittelenglisch, und es gibt viele spätere Beschreibungen und Reflexionen, einschließlich derer von Alfred Lord Tennyson und Jorge Luis Borges.Für eine Besprechung dieser und vieler anderer Nacherzählungen, siehe Joanne Parker, 'Brunanburh and the Victorian Imagination', in The Battle of Brunanburh: A Casebook, ed. Livingston, 2011, S. 385–407. Eine zeitgenössische Beschreibung der Schlacht findet man in dem altenglischen Gedicht Battle of Brunanburh, erhalten in der Angelsächsischen Chronik. mini|Möglicher Schlachtort am Burnswark Hill

Die Quellen Livingston ermittelte mindestens 53 mittelalterliche Quellen, die Hinweise auf die Schlacht enthalten, darunter wichtige Beschreibungen in der Angelsächsischen Chronik, den Schriften des anglo-normannischen Geschichtsschreibers Wilhelm von Malmesbury, den Annalen von Clonmacnoise und Snorri Sturlusons Egils saga, dessen Antiheld, Söldner und Skalde Egill Skallagrímsson, Æthelstan als treuer Krieger diente.Livingston, 2011, 'Preface', S. xi–xii.

Die Hintergründe In den 870er Jahren eroberte das sogenannte Große Heidnische Heer, eine Wikingerarmee, alle angelsächsischen Königreiche bis auf Wessex. Alfred der Große, König von Wessex, und seinen Nachkommen gelang es, die Gebiete nach und nach zurückzuerobern, unter anderem durch den Bau von befestigten Burgen, den burhs. Allerdings wurden die ehemaligen Reiche nicht wieder selbstständig, sondern zu Grafschaften innerhalb des neuen Königreichs England, das dadurch zum mächtigsten Faktor der Britischen Insel wurde. Wichtigste Gegenspieler Englands waren das schottische Königreich Alba im Norden der Insel, das gälische Königreich Strathclyde im Nordwesten Englands, das dynastisch mit Schottland verbunden war, und das Königreich Jórvík im Nordosten, das sich weiterhin in der Hand der Nordmänner befand. 921 eroberte Sitric Cáech, der nordisch-gälische Herrscher von Dublin, auch das Königreich Jorvik. In einem politischen Schachzug verheiratete Æthelstan im Jahre 926 seine Schwester mit Sitric Cáech und erhob Anspruch auf seinen Thron, als Cáech im Jahr darauf starb. Dazu musste er aber Cáechs Verwandten und Nachfolger Guthfrith vertreiben und die Wikinger 927 bei York schlagen. Nach Æthelstans Sieg erkannten König Konstantin von Schottland, König Hywel Dda von Deheubarth, Ealdorman Ealdred von Northumbria und König Owen von Strathclyde (oder Morgan ab Owain von Gwent)Anm.: Nach Wilhelm von Malmsbury war Owain von Strathclyde in Eamont anwesend; die Angelsächsische Chronik sagt allerdings, es war Owain von Gwent. Möglicherweise waren beide dort.Foot, 2011, S. 162, n. 15; Woolf, 2007, S. 151; Charles-Edwards, S. 511–512. Æthelstans Oberhoheit in Eamont nahe Penrith an.Higham, S. 190; Foot, 2011, S. 20. Er wurde zum König der Engländer ausgerufen, und es folgte eine relativ friedliche Zeit.Foot, S. 20.

Æthelstans erfolgreiche Invasion Schottlands im Jahre 934 erfolgte, so vermutet Johannes von Worcester, weil König Konstantin vertragsbrüchig wurde.Foot, 2011, S. 164–165; Woolf, 2007, S. 158–165 Obwohl sie zeit ihres Lebens verfeindet waren, muss die Bedrohung durch Æthelstan groß genug gewesen sein, um eine Allianz zwischen dem König von Dublin Olaf Guthfrithsson, dem König von Schottland Konstantin II. und dem König von Strathclyde Owen I. entstehen zu lassen. Livingston merkt dazu an, „dass sie für dieses eine gemeinsame Ziel alle politischen, kulturellen, historischen und auch religiösen Differenzen beiseite schieben mussten, und ihr Ziel war die Vernichtung Æthelstans“.Livingston (2011), S. 11.

Nachdem er einen rivalisierenden nordischen König im August 937 bei Limerick besiegt hatte, dessen Name in altirischen Dokumenten als Amlaíb Cenncairech verzeichnet ist, überquerte Olaf Guthfrithsson mit seiner Armee die Irische See, um sich mit den Streitkräften von Konstantin und Owen zu vereinigen, was darauf schließen lässt, dass die Schlacht bei Brunanburh wahrscheinlich Anfang Oktober jenes Jahres stattfand.

Livingston vermutet, dass die eindringenden Armeen England in zwei Wellen erreichten: Konstantin und Owen kamen aus dem Norden, möglicherweise in einige frühe Scharmützel mit Æthelstan-treuen Kräften verwickelt, während sie der Römerstraße durch Lancashires Ebenen zwischen Carlisle und Manchester folgten, auf der Olafs Streitkräfte unterwegs zu ihnen stießen.Livingston (2011), S. 15–16 Es ist möglich, spekuliert Livingston weiter, dass das zukünftige Schlachtfeld bei BrunanburhAnm.: Der Ort der Schlacht wird in der Egils saga auch Vin Moor oder Vin Heath genannt. in stillem Einvernehmen mit Æthelstan gewählt wurde: „Eine Auseinandersetzung war nicht zu vermeiden, und der Sieger gewann England.“Livingston (2011), S. 18.

Die Schlacht Die mittelalterlichen Berichte über die Schlacht sind zu ungewiss, als dass man ihren Ablauf mit Sicherheit nachvollziehen könnte, aber die Quellen beschreiben sie übereinstimmend als ein gewalttätiges und blutiges Zusammentreffen, selbst unter Berücksichtigung der Kriegsführung des Mittelalters.Wendover: Flowers of History. S. 249; .Huntingdon: Historia Anglorum. Tr. Greenway. S. 313–315Mac Airt, Seán and Gearóid Mac Niocaill (eds and trs.): The Annals of Ulster. S. 386–387.

Das berühmte Gedicht über die Schlacht in der Angelsächsischen Chronik, aufgezeichnet in Altenglisch, der Sprache der angelsächsischen Bewohner Englands, rühmt am Anfang die beiden englischen Helden und nennt den Ort der Schlacht: Brunanburh. Her Æþelstan cyning, eorla dryhten, beorna beaggifa, and his broþor eac, Eadmund æþeling, ealdorlangne tir geslogon æt sæcce sweorda ecgum ymbe Brunanburh. Bordweal clufan, heowan heaþolinde hamora lafan, afaran Eadweardes, … Einst erlangten König Æthelstan, Herr der Grafen, Ringgeber der Männer, und auch sein Bruder Prinz Edmund, ewigen Ruhm; erkämpft in der Schlacht mit der Schärfe des Schwertes bei Brunanburh. Sie zersplitterten den Schildwall, zerschlugen die hölzernen Schilde mit Äxten, die Söhne Edwards, …

Das Gedicht erzählt dann vom Sieg der Helden und von der Niederlage der Eindringlinge. Einige Zeilen lassen darauf schließen, dass sich die Schlacht über die Dauer eines ganzen Tages erstreckte. Am Ende stand der Tod von fünf Königen und sieben von Olafs Grafen, dazu noch (oder darunter) Konstantins Sohn Cellach:

… Fife lægun on þam campstede cyningas geonge, sweordum aswefede, swelce seofene eac eorlas Anlafes, unrim herges, flotan and Sceotta. Þær geflemed wearð Norðmanna bregu, nede gebeded, to lides stefne litle weorode; cread cnear on flot, cyning ut gewat on fealene flod, feorh generede. Swelce þær eac se froda mid fleame com on his cyþþe norð, Constantinus, har hilderinc, hreman ne þorfte mæca gemanan; he wæs his mæga sceard, freonda gefylled on folcstede, beslagen æt sæcce, and his sunu forlet on wælstowe wundun forgrunden, geongne æt guðe. … … Fünf lagen (tot) auf dem Schlachtfeld, junge Könige, schlafen geschickt durch das Schwert, dazu noch sieben von Anlafs Grafen, unzählige des Heeres, Schiffsleute und Schotten. Da wurde vertrieben der Herrscher der Nordmänner, der Not gehorchend, zum Bug des Schiffes; mit wenig Besatzung drängte er das Schiff in See, der König fuhr hinaus in die düsteren Fluten um sein Leben zu retten. Ebenso wandte sich auch der Alte zur Flucht zu seiner Heimat im Norden. Konstantin, der grauhaarige Kämpe, konnte nicht jubeln über das große Treffen; er war seiner Verwandten beraubt, seine Freunde niedergemacht auf dem Schlachtfeld, getötet im Kampf, und seinen Sohn ließ er zurück auf der Walstatt von Wunden zerschunden, (zu) jung in der Schlacht. …

Æthelweards Chronik, im Jahre 975 oder später fertiggestellt, erwähnt, dass die Schlacht bei den Menschen jener Zeit noch immer „der große Krieg“ genannt wurde.Æthelweard, Chronicle, trans. Scott Thompson Smith, zitiert in Livingston, 2011, S. 49. Auch dieses Gedicht bestätigt am Ende nochmals die Einmaligkeit der Schlacht. Zuvor kehren die siegreichen Helden nach Hause zurück und die Invasoren sterben praktisch ein zweites Mal, indem ihre unbestatteten Körper den wilden Tieren zum Fraß dienen:

wilce þa gebroþer begen ætsamne, cyning and æþeling, cyþþe sohton, Wesseaxena land, wiges hremige. Letan him behindan hræw bryttian saluwigpadan, þone sweartan hræfn, hyrnednebban, and þone hasupadan, earn æftan hwit, æses brucan, grædigne guðhafoc and þæt græge deor, wulf on wealde. Ne wearð wæl mare on þis eiglande æfre gieta folces gefylled beforan þissum sweordes ecgum, þæs þe us secgað bec, ealde uðwitan, siþþan eastan hider Engle and Seaxe up becoman, ofer brad brimu Brytene sohtan, wlance wigsmiþas, Wealas ofercoman, eorlas arhwate eard begeatan. Auch die Brüder, beide zusammen, König und Prinz, kehrten in ihre Heimat zurück, in das Westsächsische Land, die Schlacht rühmend. Hinter sich ließen sie die Leichen, überlassen dem dunkelgekleideten, dem schwarzen Raben, dem spitzschnäbligen und aschfarbenen, dem weißschwänzigen Adler, der das Aas verzehrt, dem hungrigen kampfstarken Habicht und dem grauen Tier, dem Wolf aus dem Wald. Nie gab es ein größeres Gemetzel auf dieser Insel, niemals wieder (und) nie zuvor wurden so viele Menschen getötet durch die Schärfe des Schwertes, so erzählen uns die Bücher und die alten Weisen, seit von Osten hierher Angeln und Sachsen herüber kamen, über die breite See Britannien zu suchen, prächtige Schlachtenschmiede, die die Kelten überwanden, stolze Herren, die das Land in Besitz nahmen.Anm.: Sinngemäße Übersetzung

Die Annalen von Ulster beschreiben die Schlacht in ähnlicher Weise:

Ein gewaltiger Krieg, beklagenswert und schrecklich, wurde grausam zwischen den Sachsen und den Nordmännern geführt. Viele Tausende von Nordmännern ohne Zahl starben, während König Anlaf mit ein paar Männern entkam. Obwohl auf der anderen Seite auch eine große Zahl von Sachsen fiel, trug Aethelstan, König der Sachsen, einen großen Sieg davon.Annals of Ulster. trans. Scott Thompson Smith, in The Battle of Brunanburh: A Casebook. ed. Livingston, 2011, S. 145.

Die ausführlichste Liste über jene, die in der Schlacht getötet wurden, ist in den Annalen von Clonmacnoise enthalten. Sie benennt etliche Könige und Prinzen.Livingston (2011), S. 20–23.

Der Ort der Schlacht mini|Der Brackenwood-Golfplatz bei Bebington