Der Artikel beinhaltet eine ausführliche Darstellung der niederländischen Fußballnationalmannschaft bei Fußball-Weltmeisterschaften. Die Niederländer nahmen 2026 zum zwölften Mal an der Weltmeisterschaft teil.
Übersicht
Die Niederländer haben sich für 12 Endrunden qualifiziert und es dreimal bis in das Finale geschafft, zuletzt im Jahr 2010. Ein Weltmeistertitel konnte dabei aber noch nicht errungen werden. Als eine von wenigen Nationalmannschaften schied die niederländische noch nie in der WM-Gruppenphase aus, aber bei den ersten beiden Teilnahmen nach dem jeweils ersten Spiel. In der ewigen Tabelle ist die niederländische Mannschaft als beste Mannschaft, die nie Weltmeister wurde, auf Platz 8 noch vor dem ersten Weltmeister Uruguay platziert. Bzgl. der Punkte pro Spiel belegen die Niederländer mit 1,86 Punkten den vierten Platz.
Jahr Gastgeberland Teilnahme bis … Letzte(r) Gegner ErgebnisDie Platzierungen ab Platz 5 wurden von der FIFA festgelegt, ohne dass es dafür Platzierungsspiele gab. Siehe: (PDF; 200 kB) Trainer Bemerkungen und Besonderheiten1930Uruguay nicht teilgenommen 1934 Italien AchtelfinaleSchweiz 9. 1938Frankreich AchtelfinaleTschechoslowakei 14. 1950Brasilien nicht teilgenommen 1954Schweiz nicht zugelassen Anmeldung wurde zu spät eingereicht 1958Schweden nicht qualifiziert In der Qualifikation an Österreich gescheitert 1962 Chile nicht qualifiziert In der Qualifikation an Ungarn gescheitert 1966 England nicht qualifiziert In der Qualifikation an der Schweiz gescheitert 1970 Mexiko nicht qualifiziert In der Qualifikation an Bulgarien gescheitert 1974 BR Deutschland FinaleDeutschland Vizeweltmeister 1978 Argentinien Finale ArgentinienVizeweltmeisterNiederlage in der Verlängerung 1982 Spanien nicht qualifiziert In der Qualifikation an Frankreich und Belgien gescheitert 1986 Mexiko nicht qualifiziert In der Qualifikation an Belgien gescheitert 1990 Italien AchtelfinaleDeutschland15. 1994 USA ViertelfinaleBrasilien 7. 1998 FrankreichSpiel um Platz 3 KroatienVierterHalbfinalaus im Elfmeterschießen gegen Brasilien 2002 Südkorea/Japan nicht qualifiziert In der Qualifikation an Portugal und Irland gescheitert 2006 Deutschland Achtelfinale Portugal 11. Gelb-Rot-Rekord 2010 Südafrika FinaleSpanien VizeweltmeisterNiederlage in der Verlängerung 2014 Brasilien Spiel um Platz 3 Brasilien Dritter Bei der Endrunde kam es im ersten Gruppenspiel zu einer Neuauflage des WM-Finales von 2010 gegen Spanien (5:1-Sieg). 2018 Russland nicht qualifiziert In der Qualifikation an Frankreich und Schweden gescheitert 2022 Katar Viertelfinale Argentinien 5. In der Qualifikation waren die Türkei, Norwegen, Montenegro, Lettland und Gibraltar die Gegner. Bei der Endrunde trafen die Niederländer in der Gruppe auf Gastgeber Katar, Ecuador und den Senegal. Im Achtelfinale wurde die USA besiegt. Niederlage im Viertelfinale im Elfmeterschießen. 2026 Kanada/Mexiko/USA Sechzehntelfinale Marokko 17. Ronald Koeman In der Qualifikation gegen Polen, Finnland, Malta und Litauen durchgesetzt. Gegner in der Vorrunde waren Japan, Tunesien und Schweden. mini|Platzierung der niederländischen Mannschaft in der ewigen WM-Tabelle mini|Szene vor dem Schweizer Tor beim ersten WM-Spiel der Niederländer Statistik (Angaben inkl. 2026: 23 Weltmeisterschaften; Prozentangaben sind gerundet) Teilnahmeverzicht: 2× (8,7 %; 1930, 1950) Nicht zugelassen: 1× (4,3 %; 1954) Nicht qualifiziert: 8× (34,8 %; 1958, 1962, 1966, 1970, 1982, 1986, 2002 und 2018) Sportliche Qualifikation: 12× (52,2 % bzw. bei 60 % der Versuche) Sechzehntelfinale: 1× (4,3 %; 2026) Achtelfinale: 4× (17,4 %; 1934, 1938, 1990, 2006) Viertelfinale: 2× (8,7 %; 1994 und 2022) Spiel um Platz 3: 2× (8,7 %, 1998, 2014) Vierter: 1× (4,3 %; 1998) Dritter: 1× (4,3 %; 2014) Finale: 3× (13,0 %; 1974, 1978 und 2010) Vizeweltmeister: 3× (13,0 %; 1974, 1978 und 2010)
Häufigste letzte Gegner: je 2× Argentinien, Brasilien und Deutschland – davon nur 1 Spiel gewonnen (Spiel um Platz 3 2014).
WM-Turniere Turniere mit maximal 16 Teilnehmern 1930 in Uruguay Wie die meisten europäischen Mannschaften nahm auch die niederländische nicht an der ersten WM teil, obwohl Uruguay und Argentinien zwei Jahre zuvor an den Olympischen Spielen in Amsterdam teilgenommen hatten.
1934 in Italien
Für die erste WM in Europa mussten sich die Niederländer, die seit 1925 vom Engländer Bob Glendenning trainiert wurden, durch zwei Spiele gegen den Nachbarn Belgien und Irland qualifizieren, wobei jede Mannschaft ein Heim- und ein Auswärtsspiel hatte. Die Niederländer gewannen beide Spiele, Belgien spielte in Irland remis und hatte ein Gegentor weniger kassiert als Irland, womit die beiden Nachbarn für Italien qualifiziert waren. Dort schieden beide im Achtelfinale aus, die Belgier gegen Deutschland und die Niederländer gegen die Schweiz mit 2:3. In die ewige Rangliste stiegen die Niederländer als beste punktlose Mannschaft auf Platz 18 ein.
1938 in Frankreich
mini|links|Die niederländische Mannschaft mini|Niederlande gegen die Tschechoslowakei beim einzigen WM-Spiel in Le Havre
Für die erste WM in Frankreich mussten sich die Niederländer wieder zusammen mit Belgien, aber diesmal gegen Luxemburg qualifizieren. Beide gewannen ihre Spiele gegen Luxemburg und spielten gegeneinander unentschieden, so dass wieder beide zur WM-Endrunde reisen konnten. Wie vier Jahre zuvor war wieder im Achtelfinale Schluss, wobei die Niederländer erst in der Verlängerung gegen Vizeweltmeister Tschechoslowakei mit 0:3 verloren. Die Niederländer fielen dadurch in der ewigen Rangliste aus den Top-20 auf Platz 24.
1950 in Brasilien
An der zweiten WM in Südamerika nahmen die Niederländer nicht teil.
1954 in der Schweiz Für die Fußball-Weltmeisterschaft 1954 hatte der niederländische Fußballverband wie mehrere andere Länder die Anmeldung zu spät eingereicht und wurde daher nicht zur Qualifikation zugelassen.
1958 in Schweden Für die Fußball-Weltmeisterschaft 1958 konnte sich die niederländische Mannschaft nicht qualifizieren und musste Österreich, dem WM-Dritten von 1954, nach einer Niederlage und einem Remis den Vortritt lassen. Lediglich gegen Luxemburg wurden beide Spiele gewonnen. Die Qualifikation starteten sie unter dem Engländer George Hardwick, nach den ersten beiden Spielen folgte der Rumäne Elek Schwartz, der die Mannschaft auch in die beiden folgenden WM-Qualifikationen führte. In der ewigen Rangliste fielen sie aus den Top-30 auf Platz 32 – nur Südkorea und Bolivien waren noch schlechter platziert.
1962 in Chile Zur Qualifikation für die dritte WM in Südamerika wurde die niederländische Mannschaft in eine Gruppe mit Ungarn und der erstmals teilnehmenden DDR gelost. Nachdem Ungarn beide Spiele gegen die DDR und das Spiel in den Niederlanden gewonnen hatte, während die DDR und die Niederlande sich in Ost-Berlin 1:1 trennten, waren die Ungarn schon qualifiziert, wogegen die beiden anderen keine Chance mehr hatten, sich zu qualifizieren. Auf Druck der NATO wurde dann den DDR-Spielern, als Reaktion auf den Bau der Mauer in Berlin, die Einreise in die Niederlande verweigert. Das Spiel wurde – da bedeutungslos – nicht ausgetragen. In Ungarn gelang dann zum Abschluss noch ein wertloses 3:3.
1966 in England
Auch vier Jahre später misslang die Qualifikation. Diesmal war die Schweiz zu stark, die in den Niederlanden ein Remis erreichte und das Heimspiel gegen die Niederländer gewann. Zudem hatten die Niederländer in Nordirland verloren und auch gegen die Nordiren daheim nur remis gespielt. Lediglich gegen Albanien, das erstmals teilnahm, konnten beide Spiele gewonnen werden. Die Schweizer profitierten dann vom einzigen Punktgewinn der Albaner, die gegen Nordirland im heimischen Tirana ein 1:1 erreichten. Das erste Qualifikationsspiel gegen Albanien hatten sie noch unter Elek Schwartz bestritten, die restlichen fünf dann unter Denis Neville, dessen Amtszeit aber mit dem Ende der Qualifikation endete.
1970 in Mexiko
Erneut konnten sich die Niederländer, die nun vom Deutschen Georg Keßler trainiert wurden, nicht qualifizieren. In einer Gruppe mit Bulgarien, Polen und Luxemburg wurde nur der dritte Platz belegt. Durch die erneut verpasste Qualifikation fielen die Niederländer in der ewigen Rangliste auf Platz 38, ihre bis dato schlechteste Platzierung. Nach der Qualifikation begann die Blütezeit des niederländischen Vereinsfußballs und Feyenoord Rotterdam sowie Ajax Amsterdam gewannen von 1970 bis 1973 viermal in Folge den Europapokal der Landesmeister, was Hoffnung auch für die Nationalmannschaft machte. Keßler betreute die Mannschaft nach der Qualifikation noch in drei Freundschaftsspielen und wurde dann vom Tschechoslowaken František Fadrhonc abgelöst.
1974 in der Bundesrepublik Deutschland
links|mini|Johan Cruyff kurz vor dem Foulspiel in der ersten Spielminute mini|Johan Neeskens erzielt das 1:0
Nach 36 Jahren Abwesenheit von der Bühne des Weltfußballs konnten sich die Niederländer um Johan Cruyff unter Rinus Michels mit „totaalvoetbal“ für die WM im Nachbarland qualifizieren. Dabei wurden Belgien, gegen das zweimal 0:0 gespielt wurde, Norwegen und Island auf die Plätze verwiesen, wobei die bessere Tordifferenz gegenüber den punktgleichen Nachbarn aus Belgien entscheidend war. Vor dem letzten Spiel hatten die beiden Nachbarn 9:1 Punkte, den Niederländern reichte aber ein Unentschieden, während Belgien in Amsterdam gewinnen musste. Im Olympiastadion, das trotz des landesweiten Fahrverbotes wegen der Ölkrise voll besetzt war, trafen beide am 18. November 1973 aufeinander. Bis zur 89. Minute stand es 0:0, dann verlängerte Belgiens Jan Verheyen einen von Paul van Himst getretenen Freistoß ins Tor, aber Schiedsrichter Pawel Kasakow entschied auf Abseits. Hätte das Tor gezählt, dann hätte sich Belgien qualifiziert. In den ersten drei Spielen wurden sie noch alleinverantwortlich von František Fadrhonc gecoacht, dann bekam er aber Rinus Michels als Supervisor vorgesetzt
Bei der Endrunde in Deutschland wurde dann im Auftaktspiel Ex-Weltmeister Uruguay mit 2:0 besiegt und damit erstmals ein WM-Spiel gewonnen, gegen Schweden ein torloses Remis erkämpft und Bulgarien mit 4:1 besiegt. Damit erreichten die Niederländer als Gruppensieger die erstmals ausgetragene zweite Finalrunde, in der Argentinien mit 4:0 und die DDR mit 2:0 besiegt wurde, bevor es zum entscheidenden Spiel um den Finaleinzug gegen Titelverteidiger Brasilien ging. In einem von den Brasilianern sehr hart geführten Spiel konnten sich die Niederländer mit 2:0 durchsetzen und erstmals das Finale erreichen. In diesem trafen sie auf den Gastgeber und galten als Favorit. Bereits in der ersten Spielminute, bevor ein deutscher Spieler den Ball berühren konnte, wurde Cruyff kurz hinter der Strafraumgrenze des deutschen Strafraums gefoult und der früheste Elfmeter in der WM-Geschichte gegeben. Diesen verwandelte Johan Neeskens zum 1:0. Danach verlief das Spiel ausgeglichen. In der 25. Spielminute wurde Bernd Hölzenbein von Wim Jansen im niederländischen Strafraum zu Fall gebracht und wieder gab der englische Schiedsrichter Elfmeter, den Paul Breitner zum 1:1 verwandelte. In der 43. Minute gelang dem deutschen Rekordtorschützen Gerd Müller der Treffer zum 2:1-Endstand für den Gastgeber, denn dabei blieb es trotz zahlreicher Chancen für die Niederländer in der zweiten Halbzeit. In der ewigen Rangliste kletterten die Niederländer um 20 Plätze auf Rang 18. Mit dem Finale endete die erste Amtszeit von Rinus Michels, Nachfolger wurde George Knobel, der aber nur bis zum Spiel um Platz 3 bei der EM 1976 im Amt blieb.
1978 in Argentinien