Der Inselhäher (Aphelocoma insularis) ist eine mittelgroße Singvogelart aus der Familie der Rabenvögel, die nur auf Santa Cruz Island vor der Küste Südkaliforniens vorkommt. Zusammen mit der Gelbschnabelelster (Pica nuttalli) gehört der Inselhäher zu den zwei in Kalifornien endemischen Vogelarten.

Im Vergleich zu seinen nächsten Verwandten auf dem Festland, dem Kalifornienhäher (Aphelocoma californica), dem Woodhousehäher (Aphelocoma woodhouseii) und dem Floridahäher (Aphelocoma coerulescens), ist der Inselhäher deutlich größer und seine Federn sind dunkler gefärbt. Darüber hinaus ist seine Stimme lauter als diejenige des Westlichen Buschhähers und sein Brüten nicht kooperativ wie dasjenige des Florida-Buschhähers. Unter den Sperlingsvögeln sticht der Inselhäher mit seiner außergewöhnlich hohen jährlichen Überlebensrate von 95 Prozent bei adulten Tieren hervor.

Da die Verbreitung der in den Jahren 2008 und 2009 auf 2.400 bis 3.000 Individuen geschätzten Population auf die nur 250 Quadratkilometer große Insel Santa Cruz Island beschränkt ist, wird die Art von der IUCN als gefährdet eingestuft. Potentiell bedroht ist die Art durch Flurbrände und das West-Nil-Virus.

Merkmale Körperbau und Farbgebung mini|Adulter Inselhäher Ausgewachsene Inselhäher erreichen eine Länge von rund 33 Zentimetern. Männliche Exemplare weisen ein Gewicht von 100–147 Gramm auf, weibliche erreichen ein Gewicht von 100–117 Gramm.Hierzu und zum folgenden, sofern nicht anders angegeben, vgl. John Marzluff, Island Scrub-jay (Aphelocoma insularis), in: Handbook of the Birds of the World Alive, hrsg. von J. del Hoyo / A. Elliott / J. Sargatal / D. A. Christie / E. de Juana, Barcelona 2013 (kostenpflichtiger Abruf; zuletzt abgerufen am 4. August 2014). Die Tiere verfügen über lange Schwanzfedern, überproportional lange Schnäbel und lange Beine. Das Gefieder des Inselhähers ist am Scheitel und Nacken, sowie an den Brustseiten, Flügeln, Oberschwanzdecken und am Schwanz matt ultramarinblau gefärbt.Robert L. Curry / Kathleen Semple Delaney, Island Scrub-Jay (Aphelocoma insularis), Abschnitt „Distinguishing Characteristics“, in: The Birds of North America Online, hrsg. von A. Poole, Ithaca 2012 (kostenpflichtiger Abruf; zuletzt abgerufen am 20. September 2014) Der obere Brustbereich und der Hals sind weiß, der untere Brustbereich ist grau gefärbt. Die Seiten des Kopfes sind schwarz, mit einem dünnen weißen Überaugenstreif. Die Schulterfittiche sind dunkelgrau gefärbt. Die Unterseite der Schwanzfedern ist bläulich gefärbt. Die Iris ist braun; Schnabel und Beine sind schwarz. Das Gefieder juveniler Tiere ist bräunlich-grau mit einem blauen Scheitel und dunkelblauen Flügeln und Schwanz.

Im Vergleich zum Kalifornienhäher (Aphelocoma californica) ist der Inselhäher insgesamt größer und verfügt über einen längeren Schnabel.Hierzu und zum folgenden vgl. Curry / Semple Delaney, Island Scrub-Jay (Aphelocoma insularis), Abschnitt „Distinguishing Characteristics“, in: The Birds of North America Online, Ithaca 2012. Zudem ist der Inselhäher dunkler gefärbt und weist statt einer weißen Färbung auf der Unterseite seiner Schwanzfedern eine leichte Blaufärbung auf.

Lautäußerungen mini|Die Stimme des Inselhähers gleicht der seines nächsten Verwandten, dem Kalifornienhäher (Aphelocoma californica). Hier die Aufnahme eines Kalifornienhähers in Strawberry, Marin County. mini|Sonagramm der obigen Aufnahme eines Westlichen Buschhähers. Inselhäher verfügen über ein breites Repertoire an Lautäußerungen.Hierzu und zum folgenden vgl. Curry / Semple Delaney, Island Scrub-Jay (Aphelocoma insularis), Abschnitt „Sounds“, in: The Birds of North America Online, Ithaca 2012. Ein schrilles „Shek-shek-shek“ dient zur Markierung des Territoriums und ist häufig bei Flügen zwischen verschiedenen Ästen zu hören. Weibliche Tiere reagieren auf dieses „Shek-shek-shek“ ihres Partners häufig mit einem lauten und rauen Schäckern.

Bei Gefahr – etwa durch Greifvögel oder Schlangen – geben beide Geschlechter des Inselhähers einen kreischenden Laut von sich, der von anderen Individuen innerhalb des Territoriums aufgegriffen wird. Hierbei zeigen die Tiere ein Zucken mit den Flügeln und Schwanzfedern.

Im Frühling und Sommer geben territoriale Individuen beider Geschlechter eine leise Serie von bis zu 10 Sekunden dauernden Trillern von sich. Im Zuge der Brautwerbung füttern männliche Individuen ihre weiblichen Partner. Bei diesem Balzfüttern führen die Weibchen einen kurzen, leisen und als „keuchend“ beschriebenen Laut aus, der dem Bettelruf von Nestlingen des Inselhähers ähnelt.

Die Stimme der Inselhäher ist generell lauter als diejenige ihrer Verwandten auf dem Festland, wobei dieser Umstand vermutlich auf die Körpergröße der Art zurückzuführen ist.

Verbreitung und Lebensraum mini|Chaparral in den Santa Ynez Mountains nahe Santa Barbara

Inselhäher kommen ausschließlich auf Santa Cruz Island vor der südkalifornischen Küste vor, auf der sie ganzjährig leben. Mit einer Größe von rund 250 Quadratkilometern ist Santa Cruz Island die größte der zum Channel-Islands-Nationalpark gehörenden Inseln. Die Inselhäher bevorzugen die von Chaparral bewachsenen Habitate.Hierzu und zum folgenden vgl. Curry / Semple Delaney, Island Scrub-Jay (Aphelocoma insularis), Abschnitt „Habitat“, in: The Birds of North America Online, Ithaca 2012. Dieser speziell an das mediterrane Klima Kaliforniens angepasste Vegetationstyp wird von Quercus pacifica (engl. „Island scrub oak“) und Eichenwäldern dominiert und bedeckt rund 18 Prozent von Santa Cruz Island. Darüber hinaus sind Inselhäher auch in Teilen der Insel zu finden, die von einer Mischung aus Kiefern und Buschwerk bewachsen sind. Seltener anzutreffen sind die Inselhäher hingegen in denjenigen Teilen der Insel, die von Grasland dominiert werden. Im Vergleich zu seinen Verwandten ist der Inselhäher in einem breiteren Spektrum von Habitaten vertreten als der Florida-Buschhäher und in einem engeren als der Westliche Buschhäher.R. Kelsey, Territory size, habitat use, and population size of the Island Scrub-Jay (Aphelocoma insularis), Master’s Thesis. California State Univ. Long Beach 1998, hier zitiert nach Curry / Semple Delaney, Island Scrub-Jay (Aphelocoma insularis), Abschnitt „Habitat“, in: The Birds of North America Online, Ithaca 2012.

Lebensweise Ernährung Inselhäher sind Allesfresser; ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus Eicheln und Wirbellosen, wobei sie gelegentlich auch Wirbeltiere sowie Eier und Nestlinge fressen. Im Herbst stellen Eicheln die wichtigste Nahrungsgrundlage dar. Wie alle Rabenvögel weisen Inselhäher einen angeborenen Verstecktrieb auf. Überzählige Eicheln, aber auch Eidechsen und kleine Mäuse werden einzeln versteckt. Die Nahrungssuche erfolgt durch hüpfende Bewegungen am Boden oder im Geäst von Büschen und Bäumen.

Sozialverhalten Brütende Inselhäher leben paarweise zusammen und werden bei der Brut nicht von weiteren Tieren unterstützt, wie es bei etwa 12 der 30 Arten von Neuwelthähern der Fall ist.Jonathan L. Atwood: Social Interactions in the Santa Cruz Island Scrub Jay, in: The Condor 82, 4 (1980), S. 440–448. Abgerufen über JSTOR Nichtbrütende Tiere zeigen kein Territorialverhalten und können Schwärme bilden.Hierzu und zum folgenden Curry / Semple Delaney, Island Scrub-Jay (Aphelocoma insularis), Abschnitt „Behavior“, in: The Birds of North America Online, Ithaca 2012. Diese machen rund 50 Prozent der Gesamtpopulation aus und nutzen diejenigen Habitate, die für die Brut weitgehend ungeeignet sind, wie Grasflächen. Die Schwarmbildung dieser Tiere ist vor allem am späten Nachmittag oder beim Sonnenuntergang zu beobachten. Inselhäher, die sich zu Schwärmen zusammenfinden, zeigen kaum aggressives Verhalten gegenüber ihren Artgenossen.

Während der Brutsaison zeigen Inselhäher aggressives Verhalten gegenüber anderen Vogelarten, wie etwa dem Eichelspecht (Melanerpes formicivorus) oder dem Goldspecht (Colaptes auratus), die aus der Nähe von Nestern vertrieben werden.

Gegenüber Menschen zeigen Inselhäher nur geringe Scheu.A. B. Howell / A. J. van Rossem, Further notes from Santa Cruz Island, in: The Condor 13 (1911), S. 208–210. Mit Erdnüssen angelockte Individuen lassen sich bisweilen auf der Hand oder auf dem Kopf von Menschen nieder. Auch wurden Inselhäher dabei beobachtet, wie sie bei der Suche nach Futter in Häuser oder Autos eindrangen.

Fortpflanzung Inselhäher leben monogam, wobei sich jährlich rund 10 Prozent der geschlechtsreifen Tiere – trotz Überlebens beider Partner – einen neuen Partner wählt. Die etwa 30 Zentimeter breiten und 10 Zentimeter hohen Nester werden von beiden Partnern in einer Höhe von 2 bis 3 Metern über dem Boden in Büschen oder Bäumen (bevorzugt Eichen) angelegt. Die Ablage der hell bläulich-grünen Eier erfolgt zwischen den Monaten März und Juli; die Gelege umfassen zwischen 2 und 5 Eier. Nach einer Brutzeit von rund 18 Tagen schlüpfen die Jungtiere, die in der Folge von beiden Partnern für eine Dauer von 4 bis 7 Wochen mit Futter versorgt werden.

Die Inselhäher auf Santa Cruz Island brüten erst Jahre nach Erlangung der Geschlechtsreife, da die Anzahl der verfügbaren Territorien begrenzt ist.Hierzu und zum folgenden vgl. Curry / Semple Delaney, Island Scrub-Jay (Aphelocoma insularis), Abschnitt „Demography and Populations“, in: The Birds of North America Online, Ithaca 2012. Die erste Brut findet verspätet im Alter von durchschnittlich 3,6 Jahren statt. Nur 14,6 Prozent der Tiere brüten schon im Alter von 1 bis 2 Jahren und ungefähr ebenso viele Inselhäher brüten erst im Alter von 5 bis 6 Jahren. Damit findet die Brut der Tiere auf Santa Cruz Island später als beim Westlichen Buschhäher auf dem Festland statt, der gewöhnlich im Alter von zwei Jahren zum ersten Mal brütet.

Eine 2013 durchgeführte Studie zum Nisterfolg von Inselhähern in Abhängigkeit zu ihrem Habitat ergab, dass Prädatoren den größten Einfluss auf die erfolgreiche Fortpflanzung haben.Luke Caldwell [u. a.], Reproductive Ecology of the Island Scrub-Jay, in: The Condor 115, 3 (2013), S. 603–613, doi:10.1525/cond.2013.120028 Mit 92 Prozent stellen sie die bei weitem wichtigste Ursache für erfolglose Reproduktionsversuche dar.Caldwell, Reproductive Ecology of the Island Scrub-Jay, S. 607. Dieselbe Studie ergab, dass nur 15,6 Prozent der Versuche erfolgreich abgeschlossen wurden und mindestens ein Nestling überlebte. Aufgrund der Tatsache, dass die Inselhäher jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit einen neuen Versuch unternahmen (weibliche Tiere nisteten bis zu 6 Mal in einer Brutsaison und legten bis zu 18 Eier), ergab sich eine durchschnittliche Zahl von 1,8 flügge gewordenen Jungtieren pro Brutpaar und Jahr.Caldwell, Reproductive Ecology of the Island Scrub-Jay, S. 611.

Fressfeinde und Mortalitätsursachen Die Überlebensrate juveniler Inselhäher (im Alter von sechs Monaten bis zu einem Jahr) liegt bei rund 52 Prozent, wohingegen die Überlebensrate von adulten Tieren, die über 11 Jahre lang beobachtet wurden, bei 95 Prozent lag. Damit liegt die durchschnittliche Überlebensrate der Inselhäher deutlich höher als bei ihren Verwandten auf dem Festland.

Vom Insel-Graufuchs (Urocyon littoralis), dem Westlichen Fleckenskunk (Spilogale gracilis) sowie Nattern, wie der baumkletternden Gophernatter (Pituophis catenifer), ist bekannt, dass sie Nester der Inselhäher angreifen. Darüber hinaus gelten überwinternde Eckschwanzsperber (Accipiter striatus) als Prädatoren sowohl juveniler als auch adulter Tiere.

Taxonomie