mini|Pfarrkirche St. Johannes der Täufer mit anschließendem Jugendheim und Kapelle (2019)

St. Johannes der Täufer ist eine römisch-katholische Pfarrkirche in Meckenheim im Rhein-Sieg-Kreis in Nordrhein-Westfalen. Die gleichnamige Pfarrgemeinde bildet mit St. Jakobus Ersdorf, St. Petrus Lüftelberg, St. Michael Merl und St. Martin Rheinbach-Wormersdorf die Pfarreiengemeinschaft Meckenheim im Kreisdekanat Rhein-Sieg-Kreis (Erzbistum Köln).

Geschichte von Pfarrgemeinde und Kirche Ein erstes Zeugnis des Christentums in Meckenheim stammt aus dem 9. Jahrhundert. 853 vermachte der Priester Herigar seinen Herrenhof zu Meckenheim dem Bonner Cassiusstift. Dieser Herrenhof lag direkt neben der heutigen Kirche und dürfte eine Privatkapelle besessen haben, die wohl bereits unter dem Patrozinium Johannes des Täufers stand; die Fundamente der Kapelle werden unter dem heutigen Bau vermutet.

Ausdrücklich genannt wird eine Kirche zu Meckenheim in einer Bestätigung der Besitztümer des Bonner Cassiusstifts durch Papst Innozenz I. aus dem Jahre 1131. Ursprünglich wohl als Saalkirche konzipiert, wurde der Bau in romanischer Zeit um einen wuchtigen viereckigen Turm erweitert. Dieser ist im 12./13. Jahrhundert anzusetzen und besteht bis heute. In gotischer Zeit wurde die Kirche erneut erweitert, vermutlich als zweischiffige Kirche mit Hauptschiff und südlich gelegenem Seitenschiff, voneinander abgeteilt durch breite Spitzbögen. Auf einem der Schlusssteine der spätgotischen Gewölbe war das Wappen der Herren von Meckenheim zu sehen.

Während des Dreißigjährigen Krieges, am 23. Juli 1645, fiel eine hessische Kompanie in den Ort ein, die auch die Kirche ausraubte und entweihte. Auch dem aufkommenden Hexenwahn in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts fielen zahlreiche Bürgerinnen Meckenheims zum Opfer; Pfarrer Hubert Fabricius (1608–1652) trat vehement gegen den Wahnsinn der Hexenverbrennung ein.

In den Jahren 1889/90 wurde das heutige Kirchengebäude an der Stelle des Vorgängerbaues errichtet. Der mittelalterliche Kirchturm blieb erhalten. Bei der Bombardierung Meckenheims durch die Alliierten gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, Anfang März 1945, wurde auch die St.-Johannes-Kirche stark in Mitleidenschaft gezogen, und es dauerte fast zehn Jahre, bis die Schäden an der Kirche vollständig behoben waren. Als in den 1970er-Jahren die Einwohnerzahl der Stadt wegen der Nähe zur Bundeshauptstadt Bonn stark angestiegen war, entschloss man sich in den Jahren 1973 bis 1976 zu einer Vergrößerung des Kirchenraums nach Entwürfen des Kölner Architekten Werner Fritzen. Die neugotische Choranlage wurde durch ein breites Querschiff mit halbrunder Chorapsis ersetzt. Gleichzeitig erhielt die Kirche eine geräumigere Orgelbühne sowie einen neuen Glockenstuhl aus Eichenholz, und das gesamte Bauwerk wurde renoviert.

Die 1924 errichtete Stephanuskapelle gehört zur Pfarrgemeinde.

Johann ErkensvonchKath. Pfarrgemeinde St. Johannes der Täufer, Meckenheim (Hrsg.): 1890–1990. Hundert Jahre Pfarrkirche St. Johannes d. Täufer Meckenheim. S. 58. 1363 Pfarrer Dietrich 1395 Pfarrer Henricus ca. 1412–1418 Rolandus Heyden 1429 Pfarrer Winand 1454 Pfarrer Servaiß ca. 1550–1553 Johannes von Weißweiler ca. 1569–1582 Paulus Euskirchen ca. 1604–1607 Hubertus Fabritius 1608–1652 Georg Knabe (auch Knaeben) 1652–1674 Frambertus Reick oder Rieck ?–1704 Konrad Hochhausen 1704–1715 Johann Heinrich Classen 1718–1750 Kornelius Mentzen 1750–1786 Heinrich Hünten 1787–1803 Theobald Knöll 1803–1812 Johann Adam Schmitz (Pfarrverwalter) 1812–1822 Theobald Knöll (zum zweiten Mal) 1823–1828 Peter Josef Clemens 1828–1872 Georg Friedrich Karl Joseph Hermkes 1872–1898 Gerhard Albert Pesch 1899–1913 Franz Kreiten 1913–1944 Heinrich Broelsch 1944–1960 Johannes Heisterkamp 1960–1973 Albrecht Tewes († 27. November 2022) 1973–2001 Lambert Schäfer 2001–2004 P. Antoni Trojak CSMA (Pfarrverweser) († 2019) 2004–2005 Michael Jung († 17. Dezember 2022) 2005–2008 Bernhard Auel, Kreisdechant, Msgr. (Pfarrverweser) 2008–2010 Dr. Reinhold Malcherek(Pfarrverweser, seit 1. November 2012 leitender Pfarrer), Definitor 2010 – 28. Februar 2022 Franz-Josef Steffl (Pfarrverweser) 2022–2023 Michael Maxeiner seit September 2023

Kirchengebäude mini|St. Johannes von Süden (2007 vor der Neugestaltung von Hauptstraße und Kirchplatz)

Die Kirche steht geostet um etwa 3 m erhöht an der mittleren Hauptstraße in der Meckenheimer Kernstadt, der obere Kirchplatz mit Kirche und nördlich anschließendem Jugendheim wird durch Freitreppen erschlossen. Wegen des nach Osten zur Swist hin leicht abschüssigen Geländes konnte unter der neuen Chorapsis und dem Querschiff ein halbrunder Pfarrsaal mit Nebenräumen angeordnet werden. Südlich des Turms steht in der Flucht des Jugendheims frei eine in den 1950er-Jahren entstandene sechseckige Kapelle. Sie wurde mit Fenstern des Glasmalers Hans Lünenborg (Köln) ausgestaltet, in denen Bezug auf das Kriegsgeschehen in Meckenheim genommen wird.

Der älteste Bauteil der Pfarrkirche ist der schwere romanische Kirchturm aus dem 12. oder 13. Jahrhundert westlich mittig vor dem Kirchenschiff, der von einem spitzen achteckigen Turmhelm gekrönt wird. Daran schließt sich ein neugotisches dreischiffiges Langhaus an, erbaut 1889/90 durch die Bonner Architekten A. Becker und J. Böhm. Dem Kirchenraum war östlich ein neugotischer Hochchor mit zwei Seitenchören vorgelagert. Bei der Erweiterung 1973/76 wurde auf eine stilistische und maßstäbliche Einheit mit dem alten Bauwerk geachtet. Trauf- und Firsthöhen der Dächer des neugotischen Kirchenbaues wurden in dem neuen Querschiff und der Chorapsis aufgenommen, die spitzbogigen Maßwerkfenster wurden in abstrahierter Form nachgebildet und der Mauerwerkscharakter des Ziegelsteinbaues fortgeführt. Im Innern wurden die gotischen Deckengewölbe durch gefaltete Holzdecken und Ornamentband ersetzt. Im Schnittpunkt des Kirchenschiffes mit dem Querhaus, in der Vierung der Kirche, liegt der Altarhügel.

Ausstattung Prinzipalien Altar, Ambo und Sakramentshaus mit Tabernakel bestehen aus weißem französischem Savonnières-Kalkstein und rotem italienischem Marmor. Das Sakramentshaus erhebt sich hinter dem Altar auf einem Podest und ist geschmückt mit Reliefs zu eucharistischen Motiven aus dem Alten und dem Neuen Testament. Die Prinzipalien wurden wie das Hängekreuz über dem Altar geschaffen von dem Bildhauer Theo Heiermann aus Köln-Sürth.

Der Taufbrunnen datiert wohl aus der romanischen Zeit und fand nach umfassender Restaurierung seinen Platz im Chorraum.

Fenster Die neuen Fenster in Kirchenschiff und Chorraum stammen ebenfalls von Glasmaler Hans Lünenborg. Während die Fenster des östlichen Neubauteils intensiv in einer breiten Farbskala strahlen und die sparsame Architektur bereichern, beschränken sich die in den neugotischen Seitenschiffen auf Rapporte aus einfachen Blattornamenten in weiß-grauen Gläsern. In der kleinen Konche neben dem Eingang und in den beiden Seiteneingängen stellte Lünenborg zusätzlich das Haupt des Kirchenpatrons Johannes des Täufers dar (dazu ), in den Seiteneingängen die Mutter Gottes mit dem Jesuskind und ein Engel mit Posaune.

Weitere Einrichtungsgegenstände Einige zur Kirche gehörende Heiligenfiguren wurden restauriert und in den neu gestalteten Kirchenraum eingebracht: ein „St. Johannes der Täufer“ (um 1700) und eine strenge, aus einem Eichenbalken des alten Glockenstuhls geschnitzte Marienfigur von Rudolf Peer (Meran, 1954), Statuen der Heiligen Petrus, Judas Thaddäus und Josef. Die Stipites der früheren Seitenaltäre mit den Symbolfiguren des Osterlammes und des Pelikans sind als Kredenzen im Chorbereich aufgestellt. Teile der mit neugotischen Schnitzelementen verzierten alten Beichtstühle wurden zu Beistelltischen umgearbeitet.

Die Stationen eines neugotischen Kreuzwegs unbekannter Herkunft fanden 1979 in Chorraum und Querschiff der Kirche ihren Platz. Die farblich reich gefassten Hochreliefdarstellungen in geschnitzten und mit Kreuzblumen verzierten Eichenrahmen wurden von dem Restaurator Roland Gassert (Wachtberg) wiederhergestellt.

Orgel Die Orgel stammt in den Ursprüngen von 1860 (Gebrüder Müller, Reifferscheid). Für die neue Kirche umgebaut und erweitert wurde sie 1890 durch Johannes Klais (18 Register); die Firma Klais nahm auch 1950 die Beseitigung kriegsbedingter Schäden vor. 1979, nach Erweiterung der Kirche, erfolgte durch Willi Peter ein weitgehender Neubau, bei dem aber viele alte Pfeifen erhalten blieben; der Komplettausbau war 1998 beendet. Das Instrument hat heute 34 Register auf drei Manualen und Pedal in mechanischer Traktur.Orgelbau Klais: Opusliste; kirchenmusik-rhein-sieg: Orgeltabelle

I Positiv C–g3Rohrflöte 8′Gemshorn 8′Flöte 4′Principal 2′Nasard ′Terz ′ Scharff IV 1′ Schalmei 8′ Tremulant II Hauptwerk C–g3Bordun 16′Principal 8′Holzflöte 8′Salicional 8′Octave 4′Offenflöte 4′Sesquialter II ′Superoktave 2′Mixtur V ′ Trompete 8′ III Schwellwerk C–g3Hohlflöte 8′Schwebung 8′Principal 4′Spitzflöte 4′Flachflöte 2′Sifflöte ′ Mixtur IV 2′ Basson 16′ Oboe 8′ Tremulant Pedalwerk C–f1 Subbass 16′ Octavbass 8′ Pommer 8′ Choralbass 4′ Nachthorn 2′ Rauschpfeife IV 2′ Posaune 16′

Koppeln: III/P, II/P, I/P, III/II, I/II, III/I 2 freie Kombinationen, eine zusätzliche Pedalkombination

Glocken Das Geläut besteht aus vier Glocken im Kirchturm.Gerhard Hoffs und Achim Bursch: Glocken im Dekanat Meckenheim/Rheinbach. Stand der Bearbeitung: 28. Januar 2014, S. 30–35, Zwei Bronzeglocken wurden im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen und 1952 durch Stahlglocken ersetzt.Kath. Pfarrgemeinde St. Johannes der Täufer, Meckenheim (Hrsg.): 1890–1990. Hundert Jahre Pfarrkirche St. Johannes d. Täufer Meckenheim. S. 46.

Nr. Name Schlagton/Nominal Material Durchmesser(mm) Gewicht(kg) Gussjahr Gießer I Johann Baptist d′ - 4 Stahl 1510 1307 1952 Bochumer Verein II Katharina f′ - 4 Bronze 1125 900 1819 Gebrüder Claren, Sieglar III Maria g′ - 5 Stahl 1110 518 1952 Bochumer Verein IV Joseph a′ - 8 Bronze 935 500 1922 Albert Junker und Bernard Edelbrock, Brilon

Glocke I: JOHANN-BAPTIST-GLOCKE

SANCTE JOHANNES BAPISTA, ORA PRO NOBIS MECKENHEIM, PAROCHIA MEA DILEGTA IN AETERNUM SIS BENEDICTA

1952

Hl. Johannes der Täufer, bitte für uns.Meckenheim, meine geliebte Pfarrei,in Ewigkeit sollst Du gesegnet sein.

Glocke II: KATHARINEN-GLOCKE

HAEC CAMPANA SONAT, QVAE NVNC CHATARINA VOCATA EST NOSTRIS COLLECTIS AERE RENATA PROBIS

Diese Glocke, die nun Katharina genannt wird, ist mit unseren freigebigen Sammlungen aus Bronze wiedergeboren

(Das Chronogramm ergibt die Jahreszahl 1819. Unter dem Chronogramm befindet sich ein Relief, das die Kreuzigungsgruppe darstellt.)

BEI CONSECRATION DER GLOCKE SIND ZEUGEN: KARL CHRISTOPH WUELFING, BUERGERMEISTER, MIT KATHARINA SCHAEFER GENANT ROTH, HEINRICH GOTSCHALK MIT CHRISTINA SCHAEBEN GENANT SCHUMACHER

Rückseite:

GEGOSSEN DURCH GEBRUEDER CLAREN IN SIEGLAR MECKENHEIM, DEN 20. AUGUST 1819, DA FRIEDRICH WILHELM KOENIG, DER HERR VON IMHOF UNSER LANDRATH, KARL CHRISTOPH WUELFING BUERGERMEISTER, FERDINAND EICHEN BEIGEORDNETER, JOHANN ADAM SCHMITZ PASTOR, HEINRICH GOTSCHALK PRAESIDENT DES KIRCHENRATHS UND ANDREAS ROTH EMPFAENGER, KASPAR DORTEN, WILHELM BUNGART, UND SERVATIUS ZIMMERMANN KIRCHENMEISTER SIND.

Glocke III: MARIEN-GLOCKE

SANCTA MARIA ERBITT VON GOTT UNS FRIEDEN ERFLEH UNS EINIGKEIT VERSÖHNE WAS GESCHIEDEN UND TRÖSTE UNS IM LEID.

1 9 5 2

Glocke IV: JOSEPHS-GLOCKE

SANCTE JOSEPH, MORIENTIUM PIE PATRONE,INTERCEDE PRO NOBIS MORITURIS!

Heiliger Joseph, frommer Patron der Sterbenden,sei Fürsprecher für uns Sterbliche!

Glocken I-IV Präfationsgeläutemotiv (per omnia saecula saeculorum, d-f-g-g-a-g-g-f-g-g-f-f)

Literatur Kath. Pfarrgemeinde St. Johannes der Täufer, Meckenheim (Hrsg.): 1890–1990. Hundert Jahre Pfarrkirche St. Johannes d. Täufer Meckenheim. o. O. (Meckenheim) o. J. (1990). Karl von Lassaulx: Zur Geschichte der Pfarrei St. Johannes der Täufer Meckenheim. Meckenheim 1961.

Weblinks

Website der Pfarreiengemeinschaft Meckenheim