Die Grafen von Altendorf waren ein bayerisches Adelsgeschlecht mit Besitzungen in der Oberpfalz.
Die hier behandelte Familie ist von den namensgleichen, aber nicht verwandten westfälischen Aldendorp und den ebenfalls westfälischen Altendorf zu unterscheiden.
Geschichte Erchenbert von Stirn/Altendorf Das Geschlecht derer von Altendorf wurde 1118 erstmals urkundlich erwähnt. In diesem Jahr trat Erchenbert von Stirn/AltendorfZum Namen von Erchenbert von Stirn/Altendorf siehe Literaturhinweis Jürgen Dendorfer: Die Grafen von Sulzbach, Seite 23 von PDF-Datei mit 35 Seiten. bei der markgräflichen Schenkung des Gutes Reichenbach an das Kloster Reichenbach als Zeuge auf.
Seine Stellung in der Zeugenreihe vor den diepoldingischen Ministerialen kennzeichnet ihn eindeutig als Edelfreien. Seine zwei Söhne, Heinrich II. und Friedrich, teilten nach dem Tod ihres Vaters um 1155 das Erbe. Heinrich II. erhielt Altendorf, Friedrich die niederbayerischen Besitzungen des Geschlechtes, darunter Anteile an der Herrschaft Leonberg. Der durch Friedrich begründete Zweig des Adelsgeschlechtes erlosch bereits in der nächsten Generation und sein Besitz fiel an Heinrich II. und dessen Nachkommen.Elisabeth Müller-Luckner, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 50, Nabburg, München 1981, ISBN 3-7696-9915-7, S. 38–40
Heinrich II. von Altendorf Heinrich II. von AltendorfZu Heirat Heinrich II. von Altendorf mit Berta von Sulzbach siehe Literaturhinweis Jürgen Dendorfer: Die Grafen von Sulzbach, Seite 23 u. 24 von PDF-Datei mit 35 Seiten. (von Heinz Dopsch noch mit Heinrich I. benannt)Siehe Stammbaum Die „Grafen von Sulzbach, Kastl und Habsberg“ in: Heinz Dopsch: Siedlung und Recht. Zur Vorgeschichte der Berchtesgadener Stiftsgründer, in: Walter Brugger (Hrsg.): Geschichte von Berchtesgaden. Stift - Markt - Land, Bd. 1, S. 214 konnte durch die Ehe mit Hildegard von Moosbach, der Witwe Hartwich von Hagenaus, die Herrschaft über Niederviehbach bei Landshut gewinnen. Nach dem Tod seiner ersten Frau Hildegard heiratete Heinrich II. Berta, eine der Erbtöchter Graf Gebhards von Sulzbach.Jürgen Dendorfer: Adelige Gruppenbildung und Königsherrschaft. Die Grafen von Sulzbach und ihr Beziehungsgeflecht im 12. Jahrhundert. in Studien zur Bayerischen Verfassungs- und Sozialgeschichte, Band XXIII, Kommission für Bayerische Landesgeschichte, München 2004, ISBN 3-7696-6870-7, S. 64–69 Diese Ehe brachte ihm die Herrschaften Schwarzenburg und Neustadt an der Waldnaab. Seit 1180 war Heinrich II. von Altendorf Vogt von St. Emmeram in Regensburg. 1183 wurde er erstmals mit dem Titel Comes (= Graf) erwähnt. Das Gebiet von Altendorf bis Stratsried entlang der Schwarzach wurde als "Grafschaft an der Schwarzach" bezeichnet.
Beim Tod Heinrichs II. 1194 waren seine beiden Söhne Heinrich IV. und Bernger (auch: Berengar) I. noch minderjährig. Dadurch ging der Familie die Vogtei über St. Emmeram verloren.
Heinrich IV. von Altendorf Am 8. März 1232 verpfändete Heinrich IV. die Herrschaft Neustadt an der Waldnaab für 1000 Regensburger Mark an seinen Vetter Heinrich I. von Ortenburg.Friedrich Hausmann: Archiv der Grafen zu Ortenburg. Urkunden der Familie und der Grafschaft Ortenburg. Band 1: 1142–1400 in Bayerische Archivinventare, Band XLII, Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns, Neustadt an der Aisch 1984, ISBN 3-7686-5061-8, S. 10f Nr. 23 Die Pfandschaft konnte er später nicht mehr auslösen. Die Herrschaft Schwarzenburg wurde ebenfalls schon vor 1240 verkauft. In den sechziger Jahren des 13. Jahrhunderts verkaufte Heinrichs Sohn Wolfgang die Besitzungen um Altendorf und die Grafschaft an der Schwarzach an die Wittelsbacher.
Bernger I. Bernger I. wurde von Herzog Ludwig I. mit Leonberg, Tann und Gangkofen belehnt und nannte sich fortan nach Leonberg. 1208 erhielt er auch die Grafschaft an Isar und Vils nach dem Tod des letzten Grafen von Frontenhausen. In den zwanziger Jahren des 14. Jahrhunderts starb schließlich das Geschlecht derer von Stirn-Altendorf-Leonberg mit Wernhard III. und Heinrich VII. aus. Ihre Besitzungen gelangten laut Erbvertrag an die bayerischen Herzöge Heinrich und Otto sowie an die Grafen von Hals, Alram und Albrecht.
Wappen Das Wappen der Grafen von Altendorf ist nicht überliefert. Im Wappen der Gemeinde Altendorf hat sich im unteren Teil ein Rest erhalten. Die dort abgebildeten vier goldenen Hügel stammen aus dem Wappen der Grafen von Leonberg, die die Nachfolger der Grafen von Altendorf waren.Zum Online auf der Homepage der Gemeinde unter vg-nabburg.de Graf Bernger von Altendorf wurde von Herzog Ludwig I. mit Leonberg belehnt und nannte sich fortan nach Leonberg.
Besitzungen Altendorf 12. bis Mitte 13. Jahrhundert Leonberg 12. bis Anfang 14. Jahrhundert Schwarzenburg Ende 12. bis Anfang 13. Jahrhundert Neustadt an der Waldnaab Ende 12. bis Anfang 13. Jahrhundert Grafschaft an der Schwarzach Ende 12. bis Mitte 13. Jahrhundert Grafschaft an Isar und Vils Anfang 13. bis Anfang 14. Jahrhundert
Persönlichkeiten
Erchenbert von Stirn/Altendorf, bis 1155 Friedrich, Sohn Erchenberts von Stirn/Altendorf, Edelfreier auf Leonberg, um 1155 Graf Heinrich II. von Altendorf, Sohn Erchenberts von Stirn/Altendorf, Vogt von St. Emmeram in Regensburg, bis 1194 Heinrich IV. von Altendorf, Sohn Heinrichs II. von Altendorf, um 1240 Graf Bernger (auch: Berengar) I. von Leonberg, Sohn Heinrichs II. von Altendorf, um 1208 Wolfgang von Altendorf, Sohn Heinrichs IV. von Altendorf, um 1260 Wernhard III., um 1420 Heinrich VII., um 1420
Stammliste der Grafen von Altendorf (1183–1265), resp. der Grafen von Leonberg (1210–1329) NNStammliste auf Basis von Detlev Schwennicke (Hrsg.): Europäische Stammtafeln. Stammtafeln zur Geschichte der Europäischen Staaten. Neue Folge (Band XVI). J. A. Stargardt, Berlin: 1995, Tafel 94.
Siehe auch Liste bayerischer Adelsgeschlechter
Literatur Jürgen Dendorfer: Die Grafen von Sulzbach, Originalbeitrag erschienen in: Ferdinand Kramer u. Wilhelm Störmer (Hrsg.): Hochmittelalterliche Adelsfamilien in Altbayern, Franken und Schwaben (Studien zur bayerischen verfassungs- und Sozialgeschichte 20), Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 2005, S. 179–212, als PDF-Datei mit 35 Seiten. Elisabeth Müller-Luckner: Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 50, Nabburg, München 1981, ISBN 3-7696-9915-7.
Einzelnachweise
Kategorie:Bayerisches Adelsgeschlecht Kategorie:Stammliste Kategorie:Stammtafel