Der Landkreis Böblingen ist eine Gebietskörperschaft im Regierungsbezirk Stuttgart in Baden-Württemberg. Der Landkreis gehört zum Verband Region Stuttgart und zur europäischen Metropolregion Stuttgart. Mit seinen Einwohnern () ist er der siebtgrößte Landkreis Baden-Württembergs und der achtzehntgrößte Deutschlands. Die Einwohner des Landkreises Böblingen weisen das höchste Durchschnittseinkommen aller baden-württembergischen Stadt- und Landkreise auf.
Geographie Lage Im Westen des Landkreises liegen das Obere Gäu (hier auch Korngäu genannt) und ein Teil des Heckengäus, der bis zu den Ausläufern des Schwarzwalds reicht. Im Süden gehören große Teile des Schönbuchs zum Kreisgebiet, des ersten Naturparks in Baden-Württemberg. Auch im Norden gibt es neben den offenen Landschaften der Gäue Waldgebiete, namentlich als Glemswald zusammengefasst.
Größere Flüsse oder Seen sind im Kreisgebiet nicht vorhanden. Im südlichen Kreisgebiet entspringen die Aich und die Würm. Die Bäche und kleineren Flussläufe münden alle in den Neckar, direkt oder über die Enz. Der geographisch höchste Punkt befindet sich auf dem Kühlenberg nahe Oberjettingen auf , der tiefste liegt bei am Strudelbach an der nördlichen Kreisgrenze auf der Gemarkung Weissach.Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung, 70174 Stuttgart: Gemeindehöhen Baden-Württemberg. Stand: 3. Mai 2021.
Orte Die Liste der Orte im Landkreis Böblingen enthält die ungefähr 150 Orte (Städte, Dörfer, Weiler, Höfe und Wohnplätze) des Landkreises Böblingen im geographischen Sinne.
Nachbarkreise Der Landkreis Böblingen grenzt im Uhrzeigersinn im Nordosten beginnend an den Landkreis Ludwigsburg, an den Stadtkreis Stuttgart sowie an die Landkreise Esslingen, Reutlingen, Tübingen, Calw und Enzkreis.
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für den Landkreis Böblingen.
Naturschutzgebiete
Der Landkreis Böblingen besitzt die nachfolgenden Naturschutzgebiete. Nach der Schutzgebietsstatistik der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW)Schutzgebietsstatistik der LUBW, Stand: 19. Dezember 2024 stehen 736,95 Hektar der Kreisfläche unter Naturschutz, das sind 1,19 Prozent.
Feuerbacher Heide-Dickenberg: 17,8 ha; Gemeinde Rutesheim, Gemarkung Perouse Gerlinger Heide: 14,9 ha (davon 14,5 ha im Landkreis Böblingen); Gemarkungen Leonberg und Gerlingen (Landkreis Ludwigsburg) Grafenberg: 23,9 ha; Stadt Herrenberg, Markungen Mönchberg und Kayh Hacksberg und Steckental: 160 ha (davon 100 ha im Landkreis Böblingen); Gemarkungen Dätzingen, Weil der Stadt, Schafhausen und Ostelsheim (Landkreis Calw) Hartmannsberg: 25,6 ha; Gemeinde Weissach, Gemarkung Flacht Hinteres Sommerhofental: 22,0 ha; Gemarkung Sindelfingen Kappelwiesen-Beim Roten Brunnen-Salzwiesen: 30,8 ha; Gemarkung Weil der Stadt Kasparsbrunnen-Ried-Binn: 53,2 ha; Gemarkungen Aidlingen, Döffingen und Dätzingen Krebsbachaue: 92,0 ha; Gemarkungen Ehningen, Gärtringen und Rohrau Längenbühl: 12,4 ha; Gemarkung Renningen Merklinger Ried: 18,7 ha; Stadt Weil der Stadt, Gemarkung Merklingen Mittelberg: 45,3 ha; Gemarkung Weil der Stadt Neuweiler Viehweide: 13,5 ha; Gemarkung Waldenbuch Oberes Hölzertal: 28,8 ha; Gemarkung Magstadt Schaichtal: 467,8 ha; Markungen Waldenbuch, Aich, Grötzingen, Neuenhaus, Altenriet, Schlaitdorf (Landkreis Esslingen), Walddorfhäslach (Landkreis Reutlingen) und Dettenhausen (Landkreis Tübingen) Storrenberg: 12,4 ha; Gemeinde Aidlingen, Gemarkung Dachtel Venusberg-Wolfsäcker-Besental/Halde: 115 ha; Gemarkungen Aidlingen und Deufringen Waldwiese im Mahdental: 1,9 ha; Gemarkung Sindelfingen Würmaue am Heuberg: 24,8 ha; Stadt Weil der Stadt, Gemarkungen Hausen an der Würm und Merklingen
Geschichte Der Landkreis Böblingen geht auf das alte gleichnamige württembergische Oberamt zurück, das schon zu Zeiten des Herzogtums Württemberg errichtet wurde. Im Laufe der Geschichte wurde es mehrmals verändert und 1938 in den Landkreis Böblingen überführt. Damals wurden nahezu alle Gemeinden des aufgelösten Oberamts Herrenberg sowie einige Gemeinden des Amtsoberamtes Stuttgart dem Landkreis Böblingen angegliedert. Der Landkreis kam 1945 zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden in der Amerikanischen Besatzungszone. Nach der Bildung des Landes Baden-Württemberg 1952 gehörte der Landkreis zum Regierungsbezirk Nordwürttemberg.
Am 1. September 1971 wurde der Landkreis um die Gemeinde Dachtel des Landkreises Calw vergrößert.
Am 1. Januar 1973 kamen bei der Kreisreform 15 Gemeinden des Landkreises Leonberg dazu – darunter die damaligen bzw. späteren Städte Leonberg, Weil der Stadt, Renningen und Rutesheim – (die anderen kamen entweder zum Landkreis Ludwigsburg oder zum Enzkreis im Regierungsbezirk Karlsruhe) sowie die Gemeinde Deckenpfronn des Landkreises Calw.
Am 1. Januar 1975 wurden die Stadt Leinfelden und die Gemeinde Musberg an den Landkreis Esslingen abgegeben. Damit erreichte der Landkreis seinen heutigen Umfang.
Seit Abschluss der Gemeindereform am 1. Januar 1975 umfasst der Landkreis Böblingen 26 Gemeinden, darunter neun Städte und hiervon wiederum vier Große Kreisstädte (Böblingen, Herrenberg, Leonberg und Sindelfingen). Die bevölkerungsreichste Stadt des Landkreises ist Sindelfingen, die bevölkerungsärmste Gemeinde ist Deckenpfronn.
Bevölkerung Einwohnerentwicklung mini|Einwohnerentwicklung des Landkreises von 1973 bis 2018 Die Einwohnerzahlen sind Volkszählungsergebnisse oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg (nur Hauptwohnsitze).
Datum Einwohner 31. Dezember 1973 286.618 31. Dezember 1975 288.385 31. Dezember 1980 305.725 31. Dezember 1985 310.431 25. Mai 1987 ¹ 315.677 31. Dezember 1990 334.602 31. Dezember 1995 351.027 Datum Einwohner 31. Dezember 2000 364.987 31. Dezember 2005 372.155 31. Dezember 2010 371.396 31. Dezember 2015 381.281 31. Dezember 2020 392.898
Im Jahr 2010 war der Landkreis Böblingen – bedingt durch das relativ niedrige Durchschnittsalter der Bevölkerung, die höhere Lebenserwartung und die überdurchschnittliche Geburtenhäufigkeit – einer der wenigen Kreise mit einer positiven Geburtenbilanz in Baden-Württemberg. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, 8. Juli 2011, abgerufen am 7. Dezember 2012.
Konfessionsstatistik Laut der Volkszählung 2011 waren 38,4 % (139.887) der Einwohner evangelisch, 23,6 % (85.863) römisch-katholisch und 38,0 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe., Zensus 2011 Gemäß dem Zensus 2022 waren 29,6 % der Einwohner evangelisch, 19,2 % katholisch, und 51,1 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022, Religion), abgerufen am 30. Juli 2024
Laut kirchlicher Statistik gab es Ende 2025 7.000 katholische Kirchenmitglieder weniger als Ende 2022 (oder fast 2 Prozentpunkten der Bevölkerung).Kirchliche Statistik 2022Kirchliche Statistik 2024Kirchliche Statistik 2025, abgerufen am 7. Juli 2026
Politik Der Landkreis wird vom Kreistag und vom Landrat verwaltet.
Kreistag
Der Kreistag wird von den Wahlberechtigten im Landkreis auf fünf Jahre gewählt. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu dem in den Diagrammen dargestellten Ergebnis.
Ergebnisse der vergangenen Kreistagswahlen seit 1994
Parteien und Wählergemeinschaften %2024Sitze2024 %2019 Sitze2019 %2014 Ergebnis der Kreistagswahl 2014 Sitze2014 %2009 Sitze2009 %2004 Sitze2004 %1999 Sitze1999 %1994 Sitze1994 FW Freie Wähler im Landkreis Böblingen e. V.25,4823 27,92 25 34,43 30 34,13 30 – – – – – – CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands23,5720 21,48 17 27,33 22 24,51 19 29,1 24 29,1 22 25,5 22 Grüne Grüne und Unabhängige14,5412 19,47 16 13,27 11 12,29 9 12,3 10 9,0 6 15,5 12 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands12,2610 12,78 11 15,05 13 15,60 12 18,8 15 21,9 16 21,9 18 AfD Alternative für Deutschland11,5411 6,44 5 – – – – – – – – – – FDP Freie Demokratische Partei7,976 7,60 6 4,60 4 8,84 6 5,6 4 4,8 3 3,8 3 Linke Die Linke2,362 3,27 3 3,53 3 1,92 1 – – – – – –Volt – ÖDPVolt – Ökologisch-Demokratische Partei1,341–––––––––––– S:ALZ Stadt: Arbeit, Leben, Zukunft0,951 0,78 1 0,60 – – – – – – – – – NPD Nationaldemokratische Partei Deutschlands–– 0,20 – 1,06 1 1,29 1 – – – – – – Sonst. Sonstige (2014 und 2019: FRiDi, 2009: PBC)–– 0,06 – 0,14 – 1,02 – 1,2 1 – – – – REP Die Republikaner–– – – – – 0,4 – 1,9 1 2,3 1 3,0 2 WG Wählervereinigungen–– – – – – – – 31,0 28 32,9 27 30,3 28 Gesamt10086 100 84 100 84 100 78 100 83 100 75 100 85 Wahlbeteiligung61,5 % 59,3 % 49,1 % 51,37 % 52,7 % 52,9 % 67,7 % WG: Wählervereinigungen, da sich die Ergebnisse von 1994 bis 2004 nicht auf einzelne Wählergruppen aufschlüsseln lassen.
Landrat Der Kreistag wählt den Landrat für eine Amtszeit von acht Jahren. Dieser ist gesetzlicher Vertreter und Repräsentant des Landkreises sowie Vorsitzender des Kreistags und seiner Ausschüsse. Er leitet das Landratsamt und ist Beamter des Landkreises. Zu seinem Aufgabengebiet zählen die Vorbereitung der Kreistagssitzungen sowie seiner Ausschüsse. Er beruft Sitzungen ein, leitet diese und vollzieht die dort gefassten Beschlüsse. In den Gremien hat er kein Stimmrecht. Sein Stellvertreter ist der Erste Landesbeamte, der nicht Kreis-, sondern Landesbeamter ist.
Die Landräte des ehemaligen Landkreises Leonberg 1938–1972: 1938–1945: Otto Meditsch 1945–1948: Ludwig Schröter 1948–1954: Friedrich Michael Jetter 1954–1972: Wolfgang Ramsauer
Die Landräte des Landkreises Böblingen ab 1935: 1935–1938: Otto Meditsch 1938–1939: Kurt Raunecker 1939–1944: Willy Ritter (Amtsverweser) 1944–1945: Viktor Scheufele (Amtsverweser) 1945: Walter Atorf (kommissarisch) 1945–1946: Walther Hoß (kommissarisch) 1946–1952: Georg Hengstberger 1953–1973: Karl Heß 1973–2000: Reiner Heeb 2000–2008: Bernhard Maier seit 2008:Roland Bernhard
Die Oberamtmänner des ehemaligen Oberamts Böblingen sind im Artikel Oberamt Böblingen dargestellt.
Landtagsabgeordnete Bei Landtagswahlen ist das Kreisgebiet in die Wahlkreise 5 (Böblingen) und 6 (Leonberg) aufgeteilt, wobei ersterer den Osten des Landkreises samt Böblingen und Sindelfingen umfasst, letzterer den Norden, Süden und Westen mit Leonberg und Herrenberg.
Der Wahlkreis 5 (Böblingen) wird im aktuellen Landtag durch Regina Dvořák-Vučetić (CDU), Thekla Walker (Grüne) und Christine Schäfer (AfD) vertreten, der Wahlkreis 6 (Leonberg) durch Albrecht Stickel (CDU), Peter Seimer (Grüne) und Andreas Auer (AfD).
Bundestagsabgeordnete Der Bundestagswahlkreis Böblingen umfasst den gesamten Landkreis Böblingen ohne Waldenbuch, Steinenbronn und Weissach. Im aktuellen Deutschen Bundestag der 21. Wahlperiode vertreten mit Marc Biadacz (CDU), Jasmina Hostert (SPD) und Markus Frohnmaier (AfD) drei Abgeordnete den Wahlkreis Böblingen.
Wappen
Kreispartnerschaften Der Landkreis unterhält Partnerschaften zum Kreis Timiș in Rumänien und zum Bezirk Kaunas in Litauen.
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Der Landkreis Böblingen weist das höchste Verdienstniveau aller Stadt- und Landkreise in Baden-Württemberg auf. 2020 betrug das durchschnittliche Arbeitnehmerentgelt (brutto einschließlich Arbeitgeber-Sozialbeiträge) 50.244 Euro. Somit lag das durchschnittliche Verdienstniveau im Landkreis Böblingen über dem Verdienstniveau des angrenzenden Stadtkreises Stuttgart (49.375 Euro) sowie des Stadtkreises Karlsruhe (43.514 Euro).
Der Landkreis ist Träger der Kreissparkasse Böblingen.
Kreiseinrichtungen Schulen