mini|Stadtkirche Monschau Die Evangelische Stadtkirche Monschau ist eine Kirche in Monschau in der Städteregion Aachen in Nordrhein-Westfalen und unter Nummer 57 in die Liste der Baudenkmäler in Monschau eingetragen.Monschau hieß bis 1918 Montjoie. Am 9. August 1918 wurde die Änderung des Namens durch kaiserlichen Erlass in Monschau verfügt. Sie ist eine Kirche der Evangelischen Kirchengemeinde Monschauer LandEvangelische Kirchengemeinde Monschauer Land im Kirchenkreis Aachen der Evangelischen Kirche im Rheinland.Kirchenkreise der Evangelischen Kirche im Rheinland Auf: www.ekir.de, abgerufen am 21. Januar 2023.
Name Ihren Namen Evangelische Stadtkirche Monschau erhielt die Kirche im Gottesdienst zur Wiedereröffnung am 23. August 2014. Mit dem Namen wird auf die besondere Rolle der Kirche als „Kirche für die Stadt“ hingewiesen. Kirchenkreis Aachen, 8. August 2014.
Baugeschichte Vorgängergebäude 1609 und 1683 mini|Evangelisch-Lutherische Kirche Menzerath (1683–1831); Zeichnung von 1810
Durch das Auftreten von „Taufgesinnten“ und frühe Spuren der „Evangelischen Bewegung“Zur Begriffsklärung siehe: Erwin Mühlhaupt: Rheinische Kirchengeschichte. Düsseldorf 1970, S. 115. ist hier entstandenes evangelisches Leben schon für die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts und damit für die Zeit der Reformation im Monschauer Land anzunehmen. Schon vor 1597 könnte es eine lutherische Gemeinde gegeben haben.Otto Julius Müller: Die Reformation in der ehemaligen Graffschaft Schleiden und die Geschichte der evangelischen Gemeinden Schleiden, Gemünd reformiert, Gemünd lutherisch, Menzerath, Kirschseiffen, Montjoie, Imgenbroich und Roggendorf. Langenberg 1887, S. 159.
Der heutigen Stadtkirche gehen evangelische Gottesdienststätten an zwei anderen Orten voraus.
In der Zeit der gemeinsamen Regentschaft über das Herzogtum Jülich durch das Fürstentum Pfalz-Neuburg und das Kurfürstentum BrandenburgKlaus Müller: Vom jülisch-klevischen Erbfolgestreit bis zum Ende des Ancien Regime (1609–1794). Portal Rheinische Geschichte (LVR) abgerufen am 17. Oktober 2015. fanden ab 1609 zunächst lutherische, ab 1614 reformierte Gottesdienste in der Schlosskapelle der Burg Monschau statt.Walter Scheibler: Geschichte der Evangelischen Gemeinde Monschau. 1939, S. 44–50. Mit der Eroberung von Burg und Stadt Montjoie durch die Spanier 1622Stadt Monschau: Stadtgeschichte und Stadtteile monschau.de abgerufen am 9. Februar 2018. wurde öffentliche protestantische Religionsausübung wieder unmöglich. Lutheraner und Reformierte wurden in den Folgejahren hart unterdrückt.Elisabeth Schattenberg: Die geschichtliche Entwicklung der Kirchengemeinde Monschau. In: Presbyterium der Evangelischen Kirchengemeinde Monschau (Hrsg.): Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Monschau 1939–1997. Monschau/Lammersdorf 1997, S. 6–55, hier S. 8. Während die Lutheraner sich weiter im Verborgenen im benachbarten Weiler Menzerath trafen, hielten sich die Reformierten zur Gemeinde in Gemünd.
Nach Ende des Dreißigjährigen Krieges und nach Abschluss des Westfälischen Friedens von 1648 dauerte es noch bis zum Religionsvergleich vom 26. April 1672,Religions-Vergleich welcher zwischen … Friedrich Wilhelmen Marggraffen zu Brandenburg … Und … Philipp Wilhelmen Pfaltzgraffen bey Rhein … Uber das Religions- und Kirchen-Wesen In denen Hertzogthumen Gülich, Cleve und Berg auch Graffschafften Marck und Ravenßberg respective vom 26. Aprilis 1672 zu Cöllen an der Spree und am 30. Julii 1673 zu Düsseldorff auffgerichtet worden Düsseldorf: Universitäts- und Landesbibliothek, 2009 abgerufen am 17. Oktober 2015. bis den Lutheranern erneut das Recht auf öffentliche Religionsausübung gewährt wurde.Walter Scheibler: Geschichte der Evangelischen Gemeinde Monschau. 1939, S. 60. 1683 konnte die lutherische Gemeinde, die seit 1655 mit der lutherischen Gemeinde in Gemünd verbunden war, eine erste eigene Kirche im ungefähr 1,5 Kilometer nordöstlich von Monschau gelegenen Weiler Menzerath bauen, wohin die Gemeinde nach dem Verbot der Gottesdienste in der Stadt Montjoie bereits 1622 in eine Scheune ausgewichen war. Am 15. August 1683 wurde diese Kirche mit einem Gottesdienst feierlich eröffnet.Walter Scheibler: Geschichte der Evangelischen Gemeinde Monschau. 1939, S. 63–67. Die Menzerather Kirche wurde 1824 wegen Baufälligkeit geschlossen und schließlich 1831 abgerissen.Walter Scheibler: Geschichte der Evangelischen Gemeinde Monschau. 1939, S. 194–203.
Versuche, das für Menzerath errungene „exercitium religionis publicum“, d. h. das Recht am Ort öffentlich Gottesdienste zu feiern, auch auf die Stadt Montjoie auszudehnen, blieben zunächst erfolglos.Walter Scheibler: Geschichte der Evangelischen Gemeinde Monschau. 1939, S. 92 f.
Neubau 1787 bis 1789 Der Neubau der evangelischen Kirche in Montjoie ist nicht zu trennen von der Blüte der Feintuchherstellung in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.Stadt Monschau: Stadtgeschichte und Stadtteile monschau.de abgerufen am 9. Februar 2018. Sie geht insbesondere auf die Initiative der lutherischen Theologen- und Tuchfabrikantenfamilie Scheibler zurück. Bereits 1751 stiftete Johann Heinrich Scheibler (1705–1765) einen Fonds in Höhe von 400 Talern zum Bau, bald folgten weitere Spenden in Höhe von rund 720 Talern.Walter Scheibler: Geschichte der Evangelischen Gemeinde Monschau. 1939, S. 84. Aber erst infolge des Toleranzpatents Josephs II. von 1781 wurde schließlich am 4. Januar 1787 durch den Kurfürsten Karl Theodor die Baugenehmigung erteilt. Mit der Baugenehmigung verbunden war die Aufteilung der Gemeinde Menzerath in zwei selbständige Gemeinden Menzerath und Montjoie.Walter Scheibler: Geschichte der Evangelischen Gemeinde Monschau. 1939, S. 86.
Der Kirchbau wurde durch die vielfältigen Verfolgungs- und Unterdrückungserfahrungen im 16. Jahrhundert, der Konfessionalisierung politischer Auseinandersetzungen im 17. Jahrhundert und durch die Ideen der Theologie der Aufklärung im 18. Jahrhundert geprägt. In einem Aufruf der Ältesten und Deputierten der Gemeinde zur Sammlung von Spenden und Kollekten vom 28. Januar 1787 hielten sie im Kollektenbuch fest: mini|Kollektenbuch
Insgesamt 4.990,59 ¼ Reichstaler wurden so für den Kirchbau außerhalb der Gemeinde gesammelt. Spenden und Kollekten trafen u. a. aus Amsterdam, Nijmegen, Genua, Livorno, Warschau, St. Petersburg, Straßburg, Bozen, Basel, Venedig und Berlin ein.Walter Scheibler: Geschichte der Evangelischen Gemeinde Monschau. 1939, S. 96.
Am 25. Juli 1787 wurde der Grundstein zum Bau gelegt. Der Assessor im Herzogtum Jülich der Lutherischen Kirche von Jülich-Berg, Pfarrer Johann Friedrich Moes (1714–1788, ab 1747 Pfarrer in Menzerath) predigte aus diesem Anlass über Psalm 67,2:
Mit einem festlichen Gottesdienst am 16. August 1789 wurde die Kirche eröffnet.Walter Scheibler: Geschichte der Evangelischen Gemeinde Monschau. 1939, S. 101 f. Am 19. August 1789 konnte ein erster Küster eingestellt werden.Walter Scheibler: Geschichte der Evangelischen Gemeinde Monschau. 1939, S. 110.
Die reinen Baukosten betrugen bis Ende 1789 18.614,21 Reichstaler.Walter Scheibler: Geschichte der Evangelischen Gemeinde Monschau. 1939, S. 109.
Baumeister Am 20. Dezember 1787 wurde ein Bauvertrag mit dem Mülheimer Baumeister Wilhelm Hellwig abgeschlossen. Im Vertrag, in welchem ein Honorar von 600 Reichstalern vereinbart wurde, wurde ihm der Auftrag erteilt, den Kirchbau, für den er offenbar in Vorleistung schon verschiedene Pläne und Zeichnungen geliefert hatte, zu verantworten, und zwar
Da Hellwig insgesamt aber nur rund 480 Reichstaler ausgezahlt wurden, ist anzunehmen, dass er vor dem endgültigen Abschluss der Arbeiten entweder vom Bau zurückgetreten oder verstorben war.Scheibler, Geschichte, S. 100f.
Wilhelm Hellwig wurde vor 1750 in Schmallenberg geboren, war selbst römisch-katholisch und lebte ab 1771 in Bensberg.Vgl. Cordula Steidle: Studien zur Evangelischen Stadtkirche Monschau. Bachelor-Arbeit im Studiengang Kunstgeschichte der Philosophischen Fakultät der Rheinischen-Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Bonn 2016, S. 12–16. Nachdem er 1776–1777 noch als Schreiner an der Fertigung von Ausstattungsstücken der reformierten Gnadenkirche Bergisch Gladbach mitgewirkt hatte, entwarf er als Baumeister unter anderem 1786 die Lutherische Kirche Mülheim und zeitgleich 1788–1789 die Mülheimer Synagoge sowie 1788–1790 die Lutherische Kirche Volberg. In Bonn und Mülheim war Hellwig zuvor Mitarbeiter des Baumeisters Johann Georg Leydel gewesen.
Fertigstellung 1810 Die Fertigstellung der Kirche durch den Einbau der Emporen und der Orgel konnte schließlich am 9. Dezember 1810 (2. Advent) begangen werden.Walter Scheibler: Geschichte der Evangelischen Gemeinde Monschau. 1939, S. 142f.
Beschreibung Baukörper
Die Kirche ist ein unverputzter, rechteckiger Bruchstein-Saalbau mit Blausteineinfassungen und abgeschrägten Chorecken im Südwesten. In die nordöstliche Schmalseite ist der viergeschossige Turm mehr als halb eingebaut, so dass er oben aus dem Walmdach herauswächst.Wera Groß: Protestantische Kirchenneubauten des 16. bis 18. Jahrhunderts am Niederrhein und im Bergischen Land. Düsseldorf 1999, Band 2, ISBN 3-930250-34-9, S. 295–300.
Die Bruchsteinwände erheben sich ohne Sockel glatt bis zu dem unauffälligen, unter der Dachrinne fast verborgenen Traufgesims. Einzige Gliederungselemente sind die eingesetzten hohen Rundbogenfenster in Werksteinrahmung mit ausgestellten Fensterbänken auf je zwei Konsolenstützen. An den Längsseiten liegen je drei, vorn je eines zu beiden Seiten des Turms. Die Südwestseite, einschließlich der abgeschrägten Ecken, ist bis auf zwei kleine Türen, von denen die rechte später im Zuge des Baus der Laufenstraße im Jahr 1843 vermauert wurde,Walter Scheibler: Geschichte der Evangelischen Gemeinde Monschau. 1939, S. 158. geschlossen. Der Maurermeister hieß Michael Mathar.
Die Dachflächen werden an den Längsseiten durch je drei kleine Giebelgauben mit strahlenförmigen Sprossenfenstern aufgelockert. An der südwestlichen Schmalseite fallen die zwei großen Gauben mit zweiflügligen Holztüren auf, die auf eine möglicherweise beabsichtigte Nutzung des Dachraumes als Speicher hinweisen.
Fassade
Die der Rur zugewandte Seite ist eindeutig als Schaufassade des Baus konzipiert. Die einfache Brücke mit schmiedeeisernem Geländer, auch „Evangelische Brücke“ genannt, da sie 1861 durch die Evangelische Kirchengemeinde errichtet worden war, führt direkt auf das rundbogige Turmportal in Blausteinrahmung zu. Es besteht aus einer zweiflügeligen, grauweiß gefassten Eichentür mit geschnitzten Louis-seize-Applikationen, darüber einem rechteckigen geschlossenen Zwischenstück und einem rundbogigen Oberlicht mit strahlenförmigem, bleiweiß gefasstem Sprossenfenster. Die pilasterartige Steinrahmung trägt über dem Türbogen ein Gesims mit einem Segmentgiebel, der schon Stilelemente des Klassizismus zeigt. Das gesamte Steinhauwerk wurde an die Steinhauer Joes und Franz Bertram Coberg vergeben.Walter Scheibler: Geschichte der Evangelischen Gemeinde Monschau. 1939, S. 107.
Über dem Portal ist ein steingerahmtes Rundfenster mit Girlandenschmuck an der Unterseite eingefügt. Darüber trennt ein umlaufendes Gesims auf Traufhöhe des Schiffs den Turmschaft in zwei Hälften. Die obere Hälfte wird von rechteckigen Schallluken mit Lamellenfüllung an den drei freistehenden Seiten bestimmt.
Rechts und links des Portals sind zwei baugleiche Wandleuchten in sechseckiger Formgebung aus Messing und Glas der Firma H. Schiffler aus Aachen von 1935 angebracht.
An der Frontseite ist zwischen Gesims und Schallluke außerdem eine girlandengeschmückte Steinplatte eingelassen, die seit 2014 die Inschrift aus Psalm 46,2 trägt: DEUS REFUGIUM NOSTRUM („Gott ist unsere Zuflucht“).
Turmhaube mini|hochkant|Turmspitze mit Stange, Knopf und Schwan