mini|Bernd Krimmel, Fassadenmosaik 1957, Schloßgartenstraße 1, Darmstadt Bernd Krimmel (* 15. Juni 1926 in Darmstadt; † 20. Dezember 2020) war ein deutscher Maler, Zeichner und Kulturpolitiker.
Leben Bernd Krimmel wurde im Juni 1926 in Darmstadt als drittes Kind des Reichsbahnbeamten Bernhard Krimmel und dessen Ehefrau Hanna geb. Kraus geboren. Die ersten zehn Jahre seines Lebens hat Krimmel in der damaligen Blumenthal-Straße/Ecke Pallaswiesenstraße im Johannesviertel verbracht. Mit neun Jahren erhielt Krimmel Modellierunterricht bei Luise Federn-Staudinger. Das Abitur machte er an Ostern 1944 an der Liebig-Oberrealschule in seiner Heimatstadt. Anschließend begann er im Sommersemester 1944 ein Architekturstudium an der TH Darmstadt bis zu deren Schließung im März 1945. An der TH hörte er Veranstaltungen zur Kunstgeschichte und arbeitete bei dem Bildhauer Hermann Geibel. Danach arbeitete er als selbstständiger Maler und Graphiker. Als 19-Jähriger hat er sich im American red cross Club in Darmstadt autodidaktisch als Schnellzeichner betätigt. Auf Zuruf von GIs porträtierte er u. a. Präsidenten, Generäle und Filmstars.
Krimmel etablierte sich als Autodidakt und bestritt bereits 1946 eine erste Ausstellung, die im Städtischen Museum in Mainz stattfand. Zahlreiche weitere Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen folgten. Von 1951 bis 1960 nahm er regelmäßig an der Großen Deutschen Kunstausstellung im Haus der Kunst in München teil.
Seinen Lebensunterhalt verdiente er u. a. mit avantgardistischer Kunst am Bau, darunter eine von ihm 1957 gestaltete Hausfassade an einem Studentenwohnheim Schlossgartenstrasse 1 in Darmstadt. In den 1950er und frühen 1960er Jahren hat Krimmel viel für Schulen, Kindergärten und Kinderkliniken gearbeitet und auch Schulbücher illustriert.
Mit Unterstützung von Heinz Winfried Sabais, der 1954 das Amt des Kulturreferenten der Stadt Darmstadt übernommen hatte, entwickelte Krimmel zahlreiche Initiativen, die das künstlerische Leben in Darmstadt und der Region nachhaltig prägten. Von März 1955 bis 1960 war er Geschäftsführender Vorsitzender der 1945 gegründeten Neuen Darmstädter Sezession. Eine erste Ausstellung „Kunst am Bau“ fand im Oktober 1955 auf der Mathildenhöhe in Darmstadt statt.
1965 wurde Krimmel zum Städtischen Kulturreferenten in Darmstadt berufen. 1968 bis 1971 war er zudem Gastdozent an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Mainz. 1972 wurde er Leiter des Stadtmuseums Darmstadt. Dies konnte er zu einem eigenständigen Institut Mathildenhöhe weiterentwickeln. Eine Strukturanalyse des städtischen Kulturhaushalts führte zu einer Reform der städtischen Kulturpolitik. 1975 wurde er Direktor des neu gegründeten Instituts Mathildenhöhe und der Städtischen Kunstsammlungen. In dieser Funktion hat er zahlreiche Ausstellungen zu unterschiedlichen Bereichen der nationalen und internationalen Kunst geplant und gestaltet. Das Amt des Direktors des Instituts Mathildenhöhe hatte er bis 1989 inne. Infolge der fortwährenden Auseinandersetzungen mit seit 1981 amtierenden Oberbürgermeister Günther Metzger ließ sich Krimmel zum 15. Juni 1989 vorzeitig aus dem Öffentlichen Dienst in den Ruhestand versetzen.
Nach seinem Ausscheiden hat er seine eigene künstlerischen Aktivitäten intensiviert und auch an Ausstellungen teilgenommen.
Bernd Krimmel hat sich 2010 für die Bürgerinitiative »SOS Mathildenhöhe« engagiert. In Fachforen der Vereinigung sprach sich Krimmel gegen den geplanten Bau des Museums Sander auf dem Gelände des früheren Hauses Christiansen am Osthang der Mathildenhöhe aus.
Bernd Krimmel war in erster Ehe ab 1956 mit Suzanne Krimmel verheiratet. Aus der Ehe sind zwei Töchter und ein Sohn hervorgegangen. In zweiter Ehe war er seit 1970 mit der Kunsthistorikerin Elisabeth Krimmel geb. Decker verheiratet. Aus der zweiten Ehe ging eine Tochter hervor. Krimmel starb im 94sten Lebensjahr und wurde auf dem Alter Friedhof (Darmstadt) in Darmstadt begraben.
Werke Kunst am Bau (Auswahl) 1953: Drahtreliefs, Volksschule Jügesheim 1953: Sgraffito, Volksschule Zwingenberg 1953/54: Kaseinmalerei, Matthias-Grünewald Schule, Seligenstadt 1954: Statistische Variationen, Wandmosaik im Foyer des Statistischen Bundesamtes, Wiesbaden 1954: Resopalbilder, Knabenschule Klein-Krotzenburg 1954: Resopalwandbilder, Finanzamt Offenbach 1954: Resopalfries, Schuldorf Bergstraße, Jugenheim 1956/57: Urgrund aller Dinge, Resopalwandbild, Institut für Technische Physik der TU Darmstadt 1957: Helio I und Helio II, Glasinstallation an der Südfassade eines Studentenwohnheims, Darmstadt (2015 transloziert ins Hörsaal- und Medienzentrum, Campus Lichtwiese der TU Darmstadt) 1957: Mosaik, Atrium des ehemaligen AOK-Gebäudes, Gross-Gerau (heute: Stadtmuseum) 1957: Fassadenmosaik, Heidelbergerstraße, Darmstadt 1958: Tierzirkus von A–Z, Neubau der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Uniklinikum Marburg (verschollen) 1959: Wandmosaik Apotheke, Duttweiler 1959: Fußbodengestaltung im Eingang, Finanzministerium, Wiesbaden 1959/60: Glasmosaik, Ricarda-Huch-Schule, Gießen 1960: Mosaik im Treppenhaus, Human-, Hygienisches- und Pharmakologisches Institut, Uniklinikum Gießen 1959–61: Betonglasfenster, Glasmosaik, Geschwister-Scholl Schule, Großkrotzenburg 1960–63: Mosaikfries Frequenzen, Fernmeldetechnisches Zentralamt Darmstadt 1960–64: Außenfassade Operationstrakt, Uniklinikum Gießen 1961: Vogelschwarm, Stahlplastik, Rat- und Bürgerhaus Kriftel/Taunus 1961/62: Fußbodenmosaik Schalterhalle Hauptzollamt Darmstadt 1961/62: Interaktive Weltkarte, Eingangshalle, Gutenbergmuseum Mainz 1962/62: Flamme, Kupferskulptur, Eingangsbereich Feuerwache Offenbach 1962/63: Betonglasfenster, Grundschule Wallerstädten 1962–64: Beton Eingangswände, Elisabeth-Selbert-Berufsschule Lampertheim 1962–65: Resopaltrennwände, Bibliothek Goethe-Institut Paris (seit 2007 verschollen) 1963: Bronzerelief, Grabstätte Emmerich Engstler, Frankfurt am Main 1964: Resopal Märchenmotive an 14 Klassentüren, Geschwister-Scholl Schule Großkrotzenburg 1965/66: Bronzerelief Kim Malthe-Bruun, Foyer Lichtenbergschule Darmstadt 1972/73: Resopalwandbild Clubraum Landes-Girozentrale RP Mainz 1973/74: Resopalwand, Eingangshalle Verwaltungsgebäude der BG Druck und Papierverarbeitung Wiesbaden 1980/81: Bildfriese für drei Lehrsäle Arbeitsamt Oberursel
Ehrungen und Auszeichnungen 1956: Stipendium des Kulturkreises der Deutschen Industrie 1956: ars vivaArs Viva 1964: Bundesfilmprämie für die Regie des Farbfilms „Zeugnisse der Angst in der Modernen Kunst“ 1980: Bundesverdienstkreuz 1. Klasse 1986: „Officier de L´Ordre des Arts et des Lettres der Republik Frankreich“ 1989: „Ufficiale nell´Ordine al Merito della Repubblica Italiana“ 2002: Goethe-Plakette des Landes Hessen
Veröffentlichungen Von Bernd Krimmel liegen zahlreiche Veröffentlichungen zu verschiedenen Themen der Kunst vor.
Literatur Bernd Krimmel: Kunst am Bau. Eigenverlag, Darmstadt 2019. Elisabeth Krimmel (Hrsg.): Bernd Krimmel. Sehen, Schreiben, Reden über Kunstpolitik und Künstler. Darmstadt 2016. Stadt Darmstadt (Hrsg.): Kunst im öffentlichen Raum in Darmstadt 1641–1994. Darmstadt 1994. Anja Trieschmann: Bernd Krimmel – Aquarelle und Zeichnungen. Darmstadt 2006. Klaus Honold: Kunst, bei der man lachen darf (Mein Kunstwerk der Woche). In: Darmstädter Echo. 20. Mai 1997.
Weblinks
Krimmel, Bernd – Vita bei der Deutschen Friedensgesellschaft, Ortsgruppe Darmstadt
Einzelnachweise
Kategorie:Maler (Deutschland) Kategorie:Grafiker (Deutschland) Kategorie:Kulturpolitiker Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse Kategorie:Träger des Verdienstordens der Italienischen Republik (Offizier) Kategorie:Träger des Ordre des Arts et des Lettres (Offizier) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1926 Kategorie:Gestorben 2020 Kategorie:Mann