mini|Wulf D. von Lucius (2014) Wulf-Dietrich von Lucius (* 29. November 1938 in Jena) ist ein deutscher Verleger, Publizist und Bibliophiler.
Leben Von Lucius wurde 1938 in Jena geboren, sein Vater war der Gutsbesitzer auf Großballhausen Grüner Hof Tankred Lucius von Ballhausen. Aufgrund der vorübergehenden Verhaftung seiner Mutter Annelise von Lucius, Tochter des Verlegers Gustav Fischer und der Marie Schultze-Jena, Leiterin des Gustav Fischer Verlages, durch die DDR-Behörden 1953 floh die Familie über Berlin in die Bundesrepublik.Monika Estermann, Ernst Fischer, Reinhard Wittmann (Hrsg.): Parallelwelten des Buches. Beiträge zu Buchpolitik, Verlagsgeschichte, Bibliophilie und Buchkunst. Festschrift für Wulf D. von Lucius. Harrassowitz, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-447-05831-5, S. 191. Er absolvierte nach dem AbiturNorbert Beleke (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 45. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 2006, ISBN 3-7950-2042-5, S. 845. 1958 am Eberhard-Ludwigs-Gymnasium Stuttgart ein Volontariat bei der Druckerei von Ensslin & Laiblin. Im Anschluss leistete er Wehrdienst bei der Bundeswehr und erreichte den Dienstgrad Oberleutnant der Reserve.
Er studierte von 1960 bis 1965 Volkswirtschaftslehre (Diplom) an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, der Freien Universität Berlin und der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und wurde 1967 an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Freiburg mit der Dissertation Der Stand der Zinstheorie, insbesondere im Hinblick auf ökonometrische Ansatzmöglichkeiten für die empirische Überprüfung zum Dr. rer. pol. promoviert.
Nach dem Studium absolvierte er zunächst Volontariate. Ab 1969 arbeitete er im Gustav Fischer Verlag in Stuttgart, wo er von 1972Monika Estermann, Ernst Fischer, Reinhard Wittmann (Hrsg.): Parallelwelten des Buches. Beiträge zu Buchpolitik, Verlagsgeschichte, Bibliophilie und Buchkunst. Festschrift für Wulf D. von Lucius. Harrassowitz, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-447-05831-5, S. 192. bis 1996 in der vierten Generation geschäftsführender Gesellschafter wurde. 1971 begründete er die wissenschaftliche Taschenbuchreihe Uni-Taschenbücher (UTB) mit. 1996 war er Neugründer des Stuttgarter Fachverlages Lucius & Lucius, der durch Übernahme von Programmteilen (insbesondere auch Zeitschriften) aus anderen Verlagen ausgebaut wurde. Der Verlag konzentriert sich auf die Themenfelder Wirtschaftswissenschaften und Soziologie.
Er war unter anderem Aufsichtsratsvorsitzender des Carl Hanser Verlages (1989–2013) und Mitglied des Vorstandes der Deutschen Schillergesellschaft (1989–2009). Er ist Verwaltungsratsmitglied der Deutschen Nationalbibliothek (DNB), Vorstandsmitglied der Stiftung Buchkunst (Vorsitzender 1982–1989) und Mitglied der Wüstenrot Stiftung (Vorsitzender 2009–2014). Von 2009 bis 2021 war er Vorsitzender der Maximilian-Gesellschaft für alte und neue Buchkunst, seit 1981 Mitglied der Historischen Kommission des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Von 1991 bis 1996 war er deren Vorsitzender. Innerhalb des Börsenvereins engagierte er sich unter anderem als Vorsitzender des Verlegerausschusses, 9 Jahre als Vorstandsmitglied (stellvertretender Vorsteher) sowie im Urheber- und Verlagsrechtsausschuss (14 Jahre als Vorsitzender). Heute ist er Ehrenmitglied. Für Urheberrecht war er auch in internationalen Verlegervereinigungen als Chairman verschiedener Komitees tätig. Lucius ist seit 2007 Honorarprofessor für Verlagswirtschaft an der Universität Hohenheim.Dr. Wulf D. von Lucius jetzt Honorarprofessor in Hohenheim. buchmarkt.de, 12. Januar 2007.
Er ist seit 1967 mit Akka von Lucius verheiratet und Vater von drei Kindern. Otto Freiherr Lucius von Ballhausen ist sein Großvater.
Ehrungen 1999: Friedrich Perthes-Medaille des Deutschen BuchhandelsTaylor & Francis (Hrsg.): International Who’s who of Authors and Writers 2008. 23. Ausgabe. Europa Publications, London 2007, ISBN 978-1-85743-428-6, S. 737. 2001: Antiquaria-Preis für Bücherlust 2004: Ludwig-Erhard-Preis für WirtschaftspublizistikWulf D. von Lucius erhält Ludwig-Erhard-Preis. boersenblatt.net, 15. September 2004. 2019: Staufermedaille in Gold des Landes Baden-WürttembergStaufermedaille für Professor Wulf D. von Lucius. mwk.baden-wuerttemberg.de 2024: Bundesverdienstkreuz am Bande
Schriften Bücherlust. Vom Sammeln. DuMont, Köln 2000, ISBN 3-7701-4724-3. Das Glück der Bücher. Beiträge zu Buchästhetik und Buchgeschichte. Berlin University Press, Berlin 2012, ISBN 978-3-86280-031-5. Verlagswirtschaft. Ökonomische, rechtliche und organisatorische Grundlagen. 3. Auflage. UVK Verlagsgesellschaft, Konstanz 2014, ISBN 978-3-8252-3814-8.
Herausgeberschaften Stuttgart 1945. Anfang nach dem Ende. Lithos-Verlag, Stuttgart 1995, ISBN 3-88480-020-5. Mit Gunnar A. Kaldewey: The Artist Book in a Global World: A Workshop in Poestenkill, New York, August 2002. Lucius & Lucius, Stuttgart 2003, ISBN 3-8282-0252-7. 100 Jahre Maximilian-Gesellschaft (1911–2011). Maximilian-Gesellschaft, Hamburg 2011, ISBN 978-3-921743-59-1.
Literatur Norbert Beleke (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 45. Ausgabe, Schmidt-Römhild, Lübeck 2006, ISBN 3-7950-2042-5, S. 845. Hans Friedrich von Ehrenkrook, Friedrich Wilhelm Euler, Jürgen von Flotow: Genealogisches Handbuch der Freiherrlichen Häuser, B (Briefadel), Band I, Band 7 der Gesamtreihe GHdA, C. A. Starke, Glücksburg/Ostsee 1954, S. 237–238. . Monika Estermann, Ernst Fischer, Reinhard Wittmann (Hrsg.): Parallelwelten des Buches. Beiträge zu Buchpolitik, Verlagsgeschichte, Bibliophilie und Buchkunst. Festschrift für Wulf D. von Lucius. Harrassowitz, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-447-05831-5 (dort ausführliches Publikationsverzeichnis enthalten). Gustav Fischer Verlag (Hrsg.): Hundert Jahre Gustav-Fischer-Verlag. 1878, 1948, 1978. Verlagsgeschichte, Verzeichnis der seit 1948 in Stuttgart erschienenen Bücher und Zeitschriften. Fischer, Stuttgart 1978, ISBN 3-437-50227-1, S. 62. Klaus-Dieter Lehmann: Zuverlässig und kompetent. Wulf D. v. Lucius zum 65. Geburtstag des Stuttgarter Verlegers. In: Börsenblatt, Band 170, 2003, Nr. 48, S. 36. Elisabeth Niggemann: „Mit kompromissloser Liebenswürdigkeit“. Der Stuttgarter Verleger Wulf D. v. Lucius ... In: Börsenblatt, Band 180, 2013, Nr. 48, S. 11. Klaus G. Saur: Eine Ausnahmeerscheinung. In: Börsenblatt, Band 175, 2008, Nr. 48, S. 35. Taylor & Francis (Hrsg.): International Who’s who of Authors and Writers 2008. 23. Ausgabe. Europa Publications, London 2007, ISBN 978-1-85743-428-6, S. 737. Eva-Maria Voerster: Verleihung der Staufermedaille in Goldan den langjährigen Vorsitzenden der WürttembergischenBibliotheksgesellschaft, Herrn Professor Dr. Wulf D. von Lucius. In: WLB-forum, Jg. 21 (2019), Heft 2, S. 34 f. (Digitalisat). Bibliophiler Unternehmergeist. Außerordentlich engagiert und gelehrt: Der Verleger, Publizist, Buchliebhaber und Professor Wulf-Dietrich von Lucius wird am 29. November 85 Jahre alt. In: Börsenblatt, 2023, Band 190, Heft 47/48, 23. November 2023, S. 21.
Weblinks
Wulf D. von Lucius. Universität Hohenheim
Einzelnachweise
Kategorie:Verleger (20. Jahrhundert) Kategorie:Verleger (21. Jahrhundert) Kategorie:Verleger (Stuttgart) Kategorie:DDR-Flüchtling Kategorie:Bibliophiler Kategorie:Publizist Kategorie:Ökonom (20. Jahrhundert) Kategorie:Ökonom (21. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Universität Hohenheim) Kategorie:Oberleutnant (Heer der Bundeswehr) Kategorie:Funktionär (Börsenverein des Deutschen Buchhandels) Wulf D Kategorie:Corpsstudent (20. Jahrhundert) Kategorie:Träger des Ludwig-Erhard-Preises Kategorie:Träger der Staufermedaille Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1938 Kategorie:Mann