Topiros ( ) ist eine griechische Gemeinde im Westen Thrakiens. Sie wurde 1997 aus acht kleinen Gemeinden gebildet und nach einer antiken Stadt gleichen Namens benannt, die von antiken Historikern erwähnt wurde und im Gebiet der Gemeinde verortet wird.William Smith: Dictionary of Greek and Roman Geography, London 1854 (online) Die Gemeinde umfasst 31 bewohnte Dörfer und Siedlungen, ihr Verwaltungssitz befindet sich in Evlalo (922 Einwohner), die größten Siedlungen sind Iliokendima (1405 Einwohner) und Avato (1078 Einwohner).
Geografie Topiros nimmt den linken, östlichen Teil des Nestos-Deltas und ein kleines Gebiet flussaufwärts am linken Ufer der Nestos-Schlucht ein. Der bergige Teil der Gemeinde ist heute unbewohnt, er liegt in den Östlichen Rhodopen in den Westausläufern des Berges Achlat Tsal oder Achladovouni (). Nachbargemeinden sind jenseits des Flusses die makedonische Gemeinde Nestos, im Norden und Nordosten Xanthi söwie östlich Avdira.
Nahe der Mündung des Nestos erstreckt sich ein ausgedehnter Auwald, der ‚Große Wald‘ (), der als Ramsar-Gebiet ausgewiesen ist. Mit rund 15 Kilometer Küstenlinie grenzt Topiros im Süden an die Ägäis, der flache Sandstrand, der das Ufer säumt, wird touristisch genutzt.
Geschichte und Bevölkerung Die Gegend von Topiros gehörte seit dem 14. Jahrhundert zum Osmanischen Reich und war in dessen Spätzeit mehrheitlich muslimisch bewohnt. Verwaltet wurden die Dörfer im Nahiye Çeleblü (später Ageli, mittlerweile aufgegeben) im Kaza İskeçe des Sandschak Gümülcine.
Zusammen mit dem übrigen Westthrakien gelangte die Gegend 1919 an Griechenland und nahm nach 1923 viele griechisch-orthodoxe Flüchtlinge aus der Türkei auf. Dennoch hat die Gemeinde heute noch einen starken türkischen Bevölkerungsanteil, über den jedoch keine offiziellen Zahlen auf die Gemeinde bezogen vorliegen. Die allesamt türkischen Namen der Dörfer ersetzte der griechische Staat 1920 offiziell durch griechische. So ist Toxotes eine direkte Übersetzung des türkischen Namens Okçular (‚Bogenschützen‘). Das Gebiet ist von starker Landflucht betroffen, so sind einige Dörfer besonders im Norden der Gemeinde in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verlassen worden.Porträt verlassener Siedlungen auf der Webpräsenz der Gemeinde
Eine Besonderheit in Topiros sind die muslimischen Nachfahren afrikanischer Sklaven aus der Zeit des Osmanischen Reiches, die so genannten ‚Schwarzen Griechen‘ (Μαύροι Έλληνες), deren Vorfahren aus dem Sudan stammten. Weniger als tausend von ihnen leben noch in Avato und einigen umliegenden Dörfern.Thede Kahl: Muslime in Nordostgriechenland. In: Erasmusbüro der Universität Münster (Hrsg.): Colloquium Nordost-Griechenland (Münster 1992–1997). Münster 1995, Band 3, S. 113 ff. Thede 1995 - Muslime in Nordostgriechenland.pdf slawistik.uni-jena.de (PDF)Reportage auf den Seiten des Senders NovaFM106 (griechisch)
Die alte Moschee von Toxotes wurde am Tag der griechischen Parlamentswahl 2004 durch Unbekannte in Brand gesetzt und völlig zerstört. Nach dem Wiederaufbau folgten erneute Brandanschläge in den Jahren 2007 und 2009, die jedoch weit geringeren Schaden anrichteten.Bericht auf der Webpräsenz der griechischen Tageszeitung Embros (griechisch) der türkischen Tageszeitung Zaman (türkisch)
Wirtschaft Topiros ist von der Landwirtschaft geprägt. Die Gegend gehört zu den traditionellen Tabak-Anbaugebieten Griechenlands. Bei Toxotes gibt eine Zuckerfabrik, die seit 2006 nur mehr als Verpackungs- und Sammelzentrum dient.Vorstellung der Einheit Xanthi auf der Website des Unternehmens (griechisch) Nahe der Küste gibt es eine Fischzucht-Kooperative.
Nahe der Nestos-Mündung befindet sich außerdem eine Kurzwellenstation des griechischen Auslandssenders Voice of Greece.
Verkehr Am Rand der Rhodopen verläuft die griechische A 2 durch das Gemeindegebiet.
Die Bahnstrecke Thessaloniki–Alexandroupoli verlässt in der Gemeinde das Nestos-Tal und führt über Toxotes weiter ins wenige Kilometer entfernte Xanthi.
Der Flughafen Kavala liegt nicht weit in der westlichen Nachbargemeinde Nestos.
Söhne und Töchter der Stadt Der Parlamentsabgeordnete Çetin Mandacı wurde 1970 in Orfano geboren.
Gemeindegliederung mini|Das Rathaus von Topiros Die bis 1997 bestehenden Gemeinden haben seit 2011 den Status von Stadtbezirken (Ez. gr. dimotiki kinotita δημοτική κοινότητα) bzw. Ortsgemeinschaften (topiki kinotita τοπική κοινότητα) und wählen eigene Lokalvertretungen. Die Einwohnerzahlen stammen aus dem Ergebnis der Volkszählung 2011. In Klammern sind außerdem die türkischen Namen der Dörfer angegeben.Liste thrakischer Umbenennungen von Dimitri Lithoxoou nach staatlichen griechischen Dokumenten, Türk. Orthografie nach Osmanlı Belgerinde Batı Traya. Ankara 2009, (PDF; 34,1 MB)
Stadtbezirk Evlalo – Δημοτική Κοινότητα Ευλάλου – 4.985 Dekarcho (Beyobası) – Δέκαρχο – 734 Evlalo (İnhanlı) – Εύλαλο – 922 Iliokendima (Gencerlı & Gütaslı) – Ηλιοκέντημα – 1.405 Kremasti (Kurthasanlı) – Κρεμαστή – 382 Kyrnos (Kırköy) – Κύρνος – 852 Mikrochori – Μικροχώρι – 264 Orfano (Öksüzlü) – Ορφανό – 317 Paleo Olvio (Nuhullu) – Παλαιό Όλβιο – 109 Stadtbezirk Toxotes – Δημοτική Κοινότητα Τοξοτών – 1.845 Agios Athanasios – Άγιος Αθανάσιος – 239 Kosmiti (Küçükosmanlı) – Κοσμητή – 51 Mega Tymbano – Μέγα Τύμπανο – 299 Mikro Tymbano (Davutlu) – Μικρό Τύμπανο – 62 Pimni (Çobanmahalle) – Ποίμνη – 44 Semeli (Fecirli) – Σεμέλη – 27 Thalassia (Denizli?) – Θαλασσιά – 304 Toxotes (Okçular) – Τοξότες – 819 Ortsgemeinschaft Avato (Beyköy) – Τοπική Κοινότητα Αβάτου – Άβατο – 1.078 Ortsgemeinschaft Galani (Çakırlı) – Τοπική Κοινότητα Γαλάνης – Γαλάνη – 108 Ortsgemeinschaft Exochi – Τοπική Κοινότητα Εξοχής – 1.295 Dafni – Δάφνη – 43 Exochi (Üsekdere) – Εξοχή – 86 Gizela (Karagözlü) – Γκιζέλα – 184 Kossos (Köseçalı) – Κοσσός – 73 Kypseli – Κυψέλη – 210 Melissa – Μέλισσα – 345 Nea Amisos (Alatçilar) – Νέα Αμισός – 188 Vaniano (Balabanlı) – Βανιάνο – 166 Ortsgemeinschaft Erasmio – Τοπική Κοινότητα Ερασμίου 1.268 Dasochori – Δασοχώρι – 112 Neo Erasmio – Νέο Εράσμιο – 865 Paleo Erasmio (Taraşmanlı) – Παλαιό Εράσμιο – 291 Radiostathmos (‚Radiostation‘) – Ραδιοσταθμός – unbewohnt Ortsgemeinschaft Mangana (Büyükosmanlı) – Τοπική Κοινότητα Μαγγάνων – Μάγγανα – 635 Ortsgemeinschaft Olvio – Τοπική Κοινότητα Ολβίου – Όλβιον – 330
Einzelnachweise
Kategorie:Gemeinde in Ostmakedonien und Thrakien