Mit Liturgischem Archäologismus benannte Papst Pius XII. in seiner Enzyklika Mediator Dei im November 1947 einen der Irrtümer bezüglich der Liturgie der römisch-katholischen Kirche.

Mit dem Begriff ist gemeint, in den gottesdienstlichen Riten „nur den reinen Ursprung am Anfang gelten [zu] lassen“Kardinal Karl Lehmann: Gastvorlesung an der Universität Würzburg am 4. Dezember 2010, , Abschn. VI. und spätere Weiterentwicklungen ausschließlich daran zu messen. Kardinal Walter Kasper zitiert Papst Johannes XXIII.: „Die Liturgie ist kein Museum, sondern wie ein Dorfbrunnen, aus dem frisches Wasser sprudelt.“Radio Vatikan vom 13. Oktober 2013

Papst Pius XII. wehrte einseitig nach rückwärts gerichtete Maßstäbe ab und bejahte ausdrücklich die Bedeutung fortwährender Erneuerung der Liturgie in der Kirche unter Führung des Heiligen Geistes:

Die Arbeit der Historiker insgesamt wird in der Enzyklika gelobt. Der Papst schreibt:

Die liturgiegeschichtliche Forschung seit dem 17. Jahrhundert spielte eine wichtige Rolle in der Kirche, die der Liturgiewissenschaftler Aimé-Georges Martimort (1911–2000) so kennzeichnet: Wichtig ist dabei, so Martimort, dass „die Erforschung des äußeren und sichtbaren Verlaufes der Riten“ nicht genüge: „Der Historiker muss auch versuchen, die innere Haltung zu entdecken, mit der jeweils die Riten von Klerus und Gläubigen gelebt wurden.“Aimé-Georges Martimort (Hrsg.): Handbuch der Liturgiewissenschaft I. Herder Verlag, Freiburg-Basel-Wien 1963, S. 12f.

Zum Begriff Liturgischer Archäologismus in Kontrast steht das Ideal der „Altehrwürdigen Norm der Väter“ (pristina sanctorum patrum norma) als Maßstab für Traditionsgemäßheit des liturgischen Handelns der Kirche, das von Papst Pius V. 1570 formuliert und vom Zweiten Vatikanischen Konzil in seiner Liturgiekonstitution Sacrosanctum Concilium (Nr. 50) aufgenommen wurde.

Anmerkungen

Kategorie:Geschichte des römischen Ritus Kategorie:Liturgie (römischer Ritus) Kategorie:Liturgiegeschichte (20. Jahrhundert)