Der Internationale Nürnberger Menschenrechtspreis ist ein deutscher Menschenrechtspreis, der seit 1995 in Nürnberg verliehen wird.

Verliehen wird der Preis an internationale Persönlichkeiten in Anerkennung ihres Einsatzes für die Menschenrechte. Insbesondere werden Staatsangehörige von Ländern ausgezeichnet, in denen politisch aktive Menschenrechtler gefährdet sind und mit Verfolgungen und Repressalien zu rechnen haben. Der Preis wird alle zwei Jahre an Einzelpersonen oder Gruppen verliehen und ist mit 25.000 Euro dotiert.Menschenrechtspreis. nuernberg.deInternationaler Menschenrechtspreis für Kenianer Malcolm Bidali. br.de, 31. Januar 2023; abgerufen am 29. September 2023.

Die bisherige Vergabe der Preise hat international bewirkt, dass aktive Menschenrechtler in der Öffentlichkeit stärker beachtet werden und weniger durch Verfolgung gefährdet sind.

Entstehung mini|Eingangstor zur Straße der Menschenrechte, das optisch Vorbild für die Gestaltung des Preises war (Foto aus Nordrichtung, vom Kornmarkt) Die Initiative zur Verleihung eines Menschenrechtspreises seitens der Stadt Nürnberg entstand im Jahr 1993. Anlass hierfür war der Bau und die Eröffnung der Straße der Menschenrechte, einer Installation des israelischen Künstlers Dani Karavan. Der damalige Nürnberger Oberbürgermeister Peter Schönlein stellte die Idee im Rahmen einer Rede im Sommer desselben Jahres der Öffentlichkeit vor und erntete dafür sehr viel Zustimmung.

Am 17. September 1995 wurde der Preis zum ersten Mal verliehen. Dieser bewusst so gewählte Termin sollte an historische Ereignisse erinnern: Genau 60 Jahre zuvor wurden in Nürnberg die nationalsozialistischen Rassengesetze verabschiedet und rund 50 Jahre vorher endete der Zweite Weltkrieg. Der Preis sei eine Antwort der Stadt Nürnberg auf die staatlich verordneten Menschenrechtsverbrechen jener Jahre und solle aller Welt ein Symbol dafür sein, dass von Nürnberg niemals mehr andere Signale ausgehen dürfen als solche des Friedens, der Versöhnung, der Verständigung und der Achtung der Menschenrechte.

Preisträger Die Preisträger der bisherigen 16 Verleihungen kamen aus 17 verschiedenen Ländern, wobei zweimal (1997, 2003) zwei Personen ausgezeichnet wurden. Sechs Preise gingen an Frauen, zehn an Männer, zwei (2017, 2025) an eine Gruppe.

Jahr Name Land 1995 Sergei Kowaljow 1997 Khémaïs Chammari Abie Nathan 1999 Fatimata M’Baye 2001 Samuel Ruiz García 2003 Teesta Setalvad Ibn Abdur Rehman 2005 Tamara Chikunova 2007 Eugénie Musayidire 2009 Abdolfattah Soltani 2011 Hollman Morris 2013 Kasha Jacqueline Nabagesera 2015 Amirul Haque Amin 2017 Gruppe Caesar 2019 Rodrigo Mundaca 2021 Sayragul Sauytbay 2023 Malcolm Bidali 2025 The Parents Circle-Families Forum (PCFF)

Jury Die Jury für die Festlegung der Preisträger hat mittlerweile ein hohes Ansehen durch die Auswahl der Kandidaten errungen. Im Laufe der Zeit wurden die Vereinten Nationen, die UNESCO und namhafte Nichtregierungsorganisationen auf den Preis aufmerksam und haben somit dem Preis eine große Gewichtung beigemessen. Vorsitzender der Jury ist qua Amt der Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg.

Aktuelle Jury Bild NameJury. nuernberg.de Land Funktion Mitglied seit 100px Gladys Acosta Vargas Expertin im UN-Ausschuss für die Beseitigung der Diskriminierung der Frau (CEDAW) ehem. Repräsentantin für UNICEF in Lateinamerika 2021 100px Iris Berben Schauspielerin ehem. Präsidentin der Deutschen Filmakademie Botschafterin für den Raum der Namen im Denkmal für die ermordeten Juden Europas Trägerin des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse 2019 100px Wolfgang Kaleck Strafrechtsanwalt Gründer und Generalsekretär des European Center for Constitutional and Human Rights 2024 Noa Karavan-Cohen Mitarbeiterin ihres Vaters Dani Karavan (1930–2021), Schöpfer der Straße der Menschenrechte in Nürnberg (1993) 2021 100px Morten Kjærum Vorsitzender des Europäischen Rates für Flüchtlinge und Exilanten (ECRE), ehemaliger Direktor der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (2008–2015) 2021 Eva Pils Juristin und Sinologin Mitglied des Center for Human Rights Erlangen-Nürnberg, Expertin für internationales Menschenrecht mit Fokus auf China 2024 100x100px Marcus König Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg 2020

Ehemalige Jurymitglieder NameJury. nuernberg.de Land Zeitraum Jean Ahn 2021–2024 Irina Bokowa 2008–2016 Theo van Boven 1995–2016 Anne Brasseur 2012–2024 Shirin Ebadi 2004–2020 Hilal Elver 2016–2024 Gareth Evans 2008–2020 Rajmohan Gandhi 2000–2012 Maurice Glèlè-Ahanhanzo 2000–2020 Václav Havel 1995–2000 Roman Herzog 2000–2008 Daniel Jacoby 2004–2016 Asma Jahangir 1995–2008 Hina Jilali 2012–2020 Dani Karavan 1995–2020 Ulrich Maly 2002–2020 Koïchiro Matsuura 2000–2008 Federico Mayor 1995–2000 Kagwiria Mbogori 2016–2024 José Míguez Bonino 1995–2004 Adolfo Pérez Esquivel 2004–2016 Sonia Picado 2008–2020 Ludwig Scholz 1996–2002 Peter Schönlein 1995–1996 Richard von Weizsäcker 1995–2000

Geschichte

Preisverleihung 1995 mini|hochkant|Sergei Adamowitsch Kowaljow (2011) Die erste Preisverleihung fand am 17. September 1995 statt. Ausgezeichnet wurde der russische Staatsangehörige Sergei Kowaljow für sein Engagement gegen den Tschetschenien-Krieg. Der ehemalige Präsident der Tschechischen Republik und Mitbegründer der Bürgerrechtsbewegung Charta 77, Václav Havel, hielt die Laudatio für den Träger des Preises und José Ayala Lasso, der ehemalige Hochkommissar für Menschenrechte der UN, überbrachte ein Grußwort. Der Schriftsteller und Ehrenbürger der Stadt Nürnberg Hermann Kesten stiftete das Preisgeld in Höhe von 25.000 DM.Preisverleihung 1995. nuernberg.deSergej Kowaljow. nuernberg.de

Preisverleihung 1997 mini|hochkant|Abie Nathan (1961), einer der beiden Preisträger 1997 Am 28. September 1997 fand im Nürnberger Opernhaus die zweite Verleihung des Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreises statt. Für seinen Beitrag zur Völkerverständigung zwischen Israelis und Palästinensern sowie seinen aktiven Einsatz in Katastrophengebieten erhielt zum einen der israelische Staatsangehörige Abe J. Nathan die Auszeichnung, zum anderen wurde der Tunesier Khémaïs Chammari für sein Engagement für Demokratie und Menschenrechte in seinem Heimatland gewürdigt. Das Preisgeld stiftete der Popstar Billy Joel, dessen jüdische Eltern Nürnberg auf der Flucht vor den Nazis verlassen mussten. Daniel Jacoby, Ehrenpräsident der Féderation Internationale des Ligues des Droits de l’Homme hielt die Laudatio, während Ursula Schleicher, die damalige Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, die Rede Europa und der Friedensprozess im Nahen Osten hielt. Grußworte von der Bayerischen Staatsregierung wurden durch Ministerpräsident Edmund Stoiber überbracht.Preisverleihung 1997. nuernberg.deAbe J. Nathan. nuernberg.deKhémaïs Chammari. nuernberg.de

Preisverleihung 1999 mini|hochkant|Fatimata M’Baye beim International Women of Courage Award 2016 Die dritte Verleihung fand am 26. September 1999 im Nürnberger Opernhaus statt, bei der die Mauretanierin Fatimata M’Baye für ihren Einsatz für die Rechte der schwarzafrikanischen Bevölkerung, sowie für die Gleichstellung zwischen Mann und Frau und die Abschaffung der Sklaverei ausgezeichnet wurde. Darüber hinaus setzt sich die erste mauretanische Rechtsanwältin bei zahlreichen regionalen afrikanischen Kongressen für die Anerkennung und Einhaltung der Menschenrechte ein. Der Ehrenbürger der Stadt Nürnberg sowie Verleger und Herausgeber der Nürnberger Nachrichten und der Nürnberger Zeitung, Bruno Schnell, stiftete das Preisgeld.Preisverleihung 1999. nuernberg.deFatimata M’Baye. nuernberg.de

Preisverleihung 2001 mini|hochkant|Samuel Ruiz García (digitale Illustration von Puig Reixach 2013) Am 16. September 2001 wurde zum vierten Mal der Internationale Nürnberger Menschenrechtspreis im Nürnberger Opernhaus verliehen. Der mexikanische Bischof Samuel Ruiz García erhielt die Auszeichnung für sein leidenschaftliches Engagement zur Verteidigung der Rechte der unterdrückten und armen indigenen Völker. Stifter des Preisgeldes war wie zwei Jahre zuvor Bruno Schnell. Der argentinische Bürgerrechtler und Träger des Friedensnobelpreises, Adolfo Pérez Esquivel, hielt die Laudatio. Grußworte kamen von Kofi A. Annan, dem damaligen Generalsekretär der Vereinten Nationen.Preisverleihung 2001. nuernberg.deSamuel Ruíz García. nuernberg.de

Preisverleihung 2003 mini|hochkant|Teesta Setalvad (2016), eine von zwei Preisträgern 2003 Teesta Setalvad und Ibn Abdur Rehman wurden im Rahmen der fünften Verleihung am 14. September 2003 im Nürnberger Opernhaus mit dem Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreis ausgezeichnet. Die Inderin Teesta Setalvad setzte sich mit unermüdlichem Einsatz gegen Vorurteile und Diskriminierungen gegenüber Frauen und Minderheiten in ihrem Heimatland ein. Der Pakistani und gebürtige Inder Ibn Abdur Rehman erhielt den Preis für seinen Kampf für Grundrechte in Pakistan und sein Engagement für Frieden und Versöhnung zwischen Indien und Pakistan. Bruno Schnell war erneut Stifter des Preisgeldes. Der ehemalige Präsident Portugals, Mário Soares MdEP, hielt die Laudatio. Der ehemalige Ministerpräsident des Freistaates Bayern, Edmund Stoiber, und Heidemarie Wieczorek-Zeul, die Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, überbrachten die Grußworte der Bayerischen Staatsregierung.nernberg.de – Preisverleihung 2003. nuernberg.deIbn Abdur Rehman. nuernberg.deTeesta Setalvad. nuernberg.de

Preisverleihung 2005 Am 25. September 2005 wurde zum sechsten Mal der Internationale Nürnberger Menschenrechtspreis verliehen. Die Usbekin Tamara Chikunova wurde im Nürnberger Opernhaus für ihren außergewöhnlichen Einsatz für Frieden und Menschenrechte und in diesem Zusammenhang insbesondere für den Kampf gegen Folter und Hinrichtung in ihrem Heimatland geehrt. Das Preisgeld stiftete erneut Bruno Schnell. Nora Morales de Cortiñas, eine argentinische Menschenrechtlerin und Mitbegründerin der Organisation Mütter der Plaza de Mayo, würdigte Chikunova in einer Laudatio.Preisverleihung 2005. nuernberg.deTamara Chikunova. nuernberg.de

Preisverleihung 2007 Die ruandische Menschenrechtlerin und Autorin Eugénie Musayidire erhielt am 30. September 2007 für ihre Versöhnungsarbeit zwischen den verfeindeten Volksstämmen der Hutu und Tutsi in ihrem Heimatland den Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreis. Stifter des Preisgeldes war Bruno Schnell. Der Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für Fragen des Rassismus, der Rassendiskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz, Doudou Diène, hielt die Laudatio. Grußworte kamen vom damaligen bayrischen Innenminister und Ehrenbürger der Stadt Nürnberg Günther Beckstein, sowie von Gareth Evans, dem Präsidenten der International Crisis Group.Preisverleihung 2007. nuernberg.deEugénie Musayidire. nuernberg.de

Preisverleihung 2009 mini|Protestaktion für die Freilassung Abdolfattah Soltanis auf der Inside Iran-Konferenz in Berlin (2011)