Campus für Demokratie ist ein Areal der ehemaligen Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit in Berlin-Lichtenberg, das nach einer Idee des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Ministeriums für Staatssicherheit der ehemaligen DDR, Roland Jahn, entstanden ist. Am 12. Juni 2013 wurde dazu der Förderkreis Campus der Demokratie e.V. nach der Initiative von Danny Freymark, Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin, gegründet. , 12. Juni 2013. Schrittweise werden einige Immobilien auf dem Gelände in den Campus einbezogen.

Ausgangslage Am ehemaligen Standort des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der Deutschen Demokratischen Republik fand im Rahmen der Friedlichen Revolution eine der wichtigsten Besetzungen von staatlichen Institutionen statt. Am 15. Januar 1990 stürmten Demonstranten auf das Gelände. Zuvor hatte die Regierung die Verantwortung für die Außensicherung an die Bürgerkomitees aus den Bezirken und die Volkspolizei abgegeben, die die Demonstranten einließen. Danach wurde der Komplex von verschiedenen Eigentümern zunächst genutzt und stand schließlich zu großen Teilen leer.

Im Jahr 2020 entstand im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen eine bauhistorische Studie, die einen Gesamtüberblick über die städtebauliche und bauliche Entwicklung des Blockes seit Beginn der Nutzungen durch das MfS liefert.

Idee Die Idee zur Errichtung eines Campus für Demokratie in der ehemaligen Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit wurde im Jahr 2012 geboren. Der als Repressionsinstitution bekannte Gebäudekomplex sollte zu einem Ort der Auseinandersetzung mit der Gegenwart werden und für Demokratie werben. Sie wurde als Einladung an staatliche und gesellschaftliche Institutionen verstanden, das Gelände für die Aufklärung über Diktatur und Widerstand zu nutzen.Stasi-Zentrale. Campus für Demokratie, Vorwort, Seite 3

Gelände des Campus mini|Plan der ehemaligen Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit

Das Gelände des ehemaligen MfS liegt im Stadtbezirk Berlin-Lichtenberg, es grenzt im Norden an die Normannenstraße, gegenüber dem Hans-Zoschke-Stadion. Im Süden grenzt es an die Frankfurter Allee. Im Osten begrenzt die Magdalenenstraße mit der von 1955 bis 1989 vom MfS genutzten ehemaligen Untersuchungshaftanstalt II für politische Gefangene das Gelände. Die Haftanstalt ist baulich mit dem Amtsgericht Lichtenberg verbunden. Das Areal ist über die U-Bahn-Station Magdalenenstraße direkt an Berlins Mitte mit der U-Bahn-Linie 5 angebunden.

Zentral auf dem Gelände des ehemaligen MfS liegt der ehemalige Dienstsitz des Ministers für Staatssicherheit, in dem heute die Forschungs- und Gedenkstätte Normannenstraße mit dem Stasimuseum des Trägervereins ASTAK e.V. untergebracht ist. Das Stasi-Unterlagen-Archiv (bis 2021 dem BStU unterstellt, seither in der Zuständigkeit des Bundesarchivs) befindet sich ebenfalls auf dem Areal, weitere Gebäude beherbergen ein Ärztezentrum sowie einige Geschäfte. Der größte Teil der Immobilien steht jedoch leer. Der Büroleerstand am Standort macht 20 % des Berliner Leerstands aus.

Auch der Bund und das Land Berlin lassen Gebäude leer stehen. Besonders bedauernswert ist, dass das ehemalige Kongresszentrum an der Normannenstraße nicht genutzt wird, es gibt auch keinerlei bekannt gewordene Ideen – außer einem Abriss – für das mehrstöckige Gebäude.

Förderkreis Campus der Demokratie e. V. Im Sommer 2013 gründete sich zur Unterstützung der Idee der Förderkreis Campus der Demokratie e. V. Gründungsvorsitzender wurde der Lichtenberger Abgeordnete Danny Freymark, MdL. Im Verein versammeln sich neben der letzten Parlamentspräsidentin der DDR, Dr. Sabine Bergmann-Pohl und dem Vorsitzenden des Bautzener Komitees Alexander Latotzky, zahlreiche Menschen aus Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. Ziel des Vereins ist die Etablierung des „Campus der Demokratie“.

Kultur auf dem Gelände Dauerausstellung Friedliche Revolution Im Innenhof des riesigen Gebäudekomplexes der ehemaligen MfS-Zentrale erinnert seit dem 15. Juni 2016 eine Ausstellung unter freiem Himmel an die Friedliche Revolution 1989/90. Die Dauerausstellung knüpft an die Open-Air-Ausstellungen Erzählende Orte, 30 Jahre Friedliche Revolution – Mauerfall an.

Andere Kulturaktivitäten Im Januar und Februar 2026 findet das GeheimnisFigurenFestival (Eigenschreibweise) hier im Haus 22 statt. Das mobile Puppentheater Fingerleicht aus BerlinWebsite Puppentheater Fingerleicht, abgerufen am 2. Januar 2026. führt verschiedene Stücke für Kinder ab vier Jahren passend zum Thema auf, unter anderem: Roter Koffer, Geheimnisdieb, Ronja Räubertochter nach Astrid Lindgren, Stadtmaus und Landmaus, Der Gestiefelte Kater nach den Gebrüdern Grimm sowie Däumelinchens Träume nach Hans Christian Andersen.Festival der Figuren. Berliner Woche, Ausgabe für Lichtenberg, Fennpfuhl, Rummelsburg, Friedrichsfelde und Karlshorst. 3. Januar 2026, S. 2.

Campus der Demokratie im Koalitionsvertrag Nach den Verhandlungen zwischen CDU/CSU und SPD wurde am 16. Dezember 2013 der Koalitionsvertrag veröffentlicht. Darin enthalten ist auch ein Passus zur Förderung des Campus der Demokratie: „Die Koalition unterstützt das Vorhaben, die ehemalige Stasi-Zentrale in Berlin-Lichtenberg künftig als Ort der Aufklärung über Diktatur und Widerstand zu nutzen und fortzuentwickeln.“ (Koalitionsvertrag, Seite 91). Der Bund hat verschiedene Ausbaupläne, zu denen es jedoch auch Kritik gibt.

Weblinks Stasibesetzung.de Campus für Demokratie BStU. Die Stasi-Akten müssen offen bleiben Interview mit Roland Jahn. Campus für Demokratie Planergemeinschaft für Stadt und Raum eG. Aufarbeitungsverein Bürgerkomitee 15. Januar e.V.

Einzelnachweise

Kategorie:Projekt (Stadtplanung) Kategorie:Umgenutztes Bauwerk in Berlin Kategorie:Aufarbeitung der SED-Diktatur