Karapınar ist ein Landkreis der türkischen Provinz Konya. Seit einer Gebietsreform 2014 ist er flächenmäßig deckungsgleich mit der gleichnamigen Gemeinde (Belediye). Alle früheren Dörfer (Köy) sind jetzt Ortsteile (Mahalle) der Gemeinde. Die Stadt liegt etwa 100 Kilometer östlich der Provinzhauptstadt Konya.
Der Landkreis liegt im Osten der Provinz Konya. Er grenzt im Westen an die Kreise Çumra und Karatay, beide ebenfalls in der Provinz Konya. Im Norden grenzen die Landkreise Eskil und Aksaray, beide in der Provinz Aksaray an; im Nordosten grenzt er an Emirgazi, im Osten an Ereğli, beide Provinz Konya und im Süden an die Provinz Karaman mit den Landkreisen Karaman und Ayrancı.
Name Karapınar bedeutet auf Deutsch so viel wie schwarzer Brunnen oder schwarze Quelle. Unter Sultan Süleyman dem Prächtigen erhielt 1500 die ursprünglich griechische Stadt den Namen Sultâniye. 1934 wurde unter Atatürk im Rahmen der Türkisierungspolitik der Name der Stadt in Karapınar geändert.https://www.karapinar.bel.tr/belediye-tarihi Der Landkreis trug immer den Namen der Kreisstadt. Weiteres zum Namen siehe dort. mini|Karapınar; Selimiye Külliyesi; Sultan Selim Moschee von 1563
Gliederung Da das Kreisgebiet über 2.100 km² groß ist, gibt es 16 Dörfer, die jetzt zu Stadtteilen (türkisch: Mahalle) geworden sind. Große Teile des Landes sind unbewohnt, vor allem die Gegend im Norden und in der Mitte des Landkreises. In der eigentlichen Stadt Karapınar wohnten 2019 38.009 Einwohner.https://www.nufusune.com/karapinar-ilce-nufusu-konya
Name Einwohner Lage km zur Kreisstadt Akçayazı 694 im Westen 30 Akören 564 im Nordosten 49 Çiğil 60 im Süden 41 Hasanoba 243 im Südwesten 33 Hotamış 1.859 im Südwesten 26 İslik 1.078 im Südwesten 33 Karakışla 246 im Südwesten 39 Kayalı 2.427 im Norden 27 Kayacık 374 im Westen 37 Kazanhüyüğü 207 im Osten 23 Kesmez 1.741 im Osten 19 Küçükaşlama 213 im Westen 47 Ortaoba 531 im Westen 60 Oymalı 319 im Osten 40 Sazlıpınar 1.028 im Westen 38 Yağmapınar 152 im Nordosten 24 Yenikuyu 233 im Süden 41 Alle Zahlen von 2019.
Geschichte Der Kreis Karapınar entstand 1846 nach einer Verwaltungsreform im Osmanischen Reich und war Teil des Vilâyet Konya und des Sandschaks Konya. Die Grenzen des Landkreises blieben – von kleineren Korrekturen abgesehen – seitdem ungefähr gleich. Seit der Verwaltungsreform 2014 ist der Landkreis direkt dem Oberbürgermeister von Konya unterstellt und somit verwaltungstechnisch Teil der Großstadt Konya (türkisch: Konya Büyükşehir Belediyesi). Der Bürgermeister von Karapınar wurde zum Muhtar herabgestuft.
Geographie mini|Karapınar; Blick nach Osten auf Karacadağ-Berge (2.030 m), ein vulkanisches Kratergebirge Der Landkreis lässt sich grob in drei Teile gliedern.
Der flache Norden gehört zur Hochebene Obruk Platosu, auch Obruk Yaylası, auf Deutsch Dolinenhochland, genannt. Sie liegt zwischen 950 m und 1.050 m Höhe und weist keine nennenswerten Erhebungen auf. Das Gebiet ist von Dolinen geprägt, die auch teilweise mit Wasser gefüllt sind. Am größten ist der Çıralı Gölü (Çıralı Obruğu), circa 29 km nördlich von Karapınar. Die Doline hat einen Durchmesser von ca. 228 m und ist etwa 140 m tief. Ungefähr zwanzig Kilometer südlich von Kızören bei dem Dorf Çukurkuyu finden sich noch eine große Anzahl von Dolinen. Der Prozess der Dolinenbildung dauert bis heute an; in den letzten 30 Jahren entstanden neunzehn neue Dolinen.yesilgazete.org Die letzte große Doline bildete sich 2004. mini|Dolinenkarte des Kreises Karapınar
Der Westen ist Teil der Ebene von Konya (türkisch: Konya Ovası), eine ohne künstliche Bewässerung trockene Hochebene, die durch das kleine Bergmassiv des Hodulbaba Dağı (1.734 Meter hoch) von der Obruk Yaylası abgegrenzt wird. Ungefähr südlich der D 330 ist das bewässerte Land fruchtbar; nördlich der Straße befinden sich salzige Steppen und Salzsümpfe. Im Süden des Landkreises liegt der Bataklık Gölü (deutsch: Sumpfsee), auch Hotamış Gölü genannt, eine ungefähr 35 km lange und bis zu 7 km breite Salzpfanne, die in der Regenzeit mit Wasser gefüllt ist. Unmittelbar am Stadtrand von Karapınar breitet sich nordöstlich eine ca. 10 km² große Salzpfanne aus. Vier Kilometer östlich der Stadt findet man zwei bedeutende Kraterseen, den Acı Göl (auf Deutsch: Bittersee, da das Wasser ungenießbar ist) und den Meke Gölü. In diesem Bereich hat die Landschaft ausgesprochenen Wüstencharakter, die Einheimischen sprechen auch von der „türkischen Wüste“.
Der südöstliche Teil des Landkreises gehört zur Hochebene von Ereğli (türkisch: Ereğli Ovası), die durch den Karacadağ, einen bis zu 2.030 m hohen vulkanischen Bergzug, von der Konya-Hochebene getrennt ist. Diese Landschaft ist ebenfalls sehr trocken und wird im großen Teil von dem Salzsee Akgöl (deutsch: Weißer See; wegen der Salzkruste) geprägt, der außer in der Regenzeit trocken liegt. Zwischen Karapınar und Ereğli befindet sich südlich der Straße die einzige Sandwüste der Türkei. In diesem Bereich liegen die Barkhan-Dünen, die sich auf 40 km² erstrecken. Sie sind 40–45 m hoch, 50–60 m breit, 250–300 m lang und sichelförmig. Das Gebiet wird auch Satanswüste (türkisch: Kum Şeytanı) genannt. An vulkanischen Erhebungen sind der Osmancık Dağı mit 1281 Metern und der Büyük Meke Dağı mit 1280 Metern erwähnenswert. Da der Landkreis weitgehend baum- und strauchlos ist, ist die Erosion durch Wind ein sehr großes Problem.
Geologie mini|links|Kratersee Meke Gölü Der heutige Landkreis war im späten Pleistozän ein See. Die Oberfläche ist also der ehemalige Seeboden und besteht aus lockeren Sedimenten, die leicht vom Wind abgetragen werden. Im Norden besteht der Boden aus Kalkstein und neigt durch Auswaschungen zur Dolinenbildung. Quer durch das Gebiet zieht sich eine Kalkstein-Mergel-Schwelle. Im Süden und Osten tritt vor allem der vulkanische Charakter der Landschaft mit Ergussgesteinen sowie vulkanischen Kraterseen wie Meke Gölü und Acı Göl und Vulkanformationen wie Meke Dağı und Karacadağ auf. Im Südosten haben sich Sanddünen gebildet, die 4.000 Hektar bedecken. Sie entstanden im späten Pleistozän und Holozän durch Küstenwinde, die den Seeboden wegtrugen. Die Böden der Region sind sehr dünn (nur 20–30 cm) und bestehen aus lehmigem Sand. Etwas tiefer liegend finden sich Lehm-Ton-Schichten. Die Böden sind reich an Kalk und Kalium und arm an organischen Stoffen und Phosphor. In weiten Teilen ist der lithosole Skelettboden vorherrschend.
Verkehr Durch den Landkreis verläuft ein Teil der ehemaligen Seidenstraße, die von Konya nach Adana führt, die heutige Fernstraße D-330. Sie ist auch die Hauptverkehrsader des Kreises. Ansonsten ist das Gebiet schlecht erschlossen, es gibt nur noch drei Hauptstraßen: eine führt von Karapınar nach Norden zum Tuz Gölü, eine von Karapınar nach Aksaray und eine zweigt fünf Kilometer westlich von Karapınar nach Karaman ab. Die Fernstraße D-300 von Konya nach Aksaray streift den Norden des Landkreises.
Klima
Der Landkreis Karapınar zeigt ein typisch südliches Kontinentalklima. In den Sommermonaten Juli bis September kann die Temperatur bis 30 °C erreichen, während in den Wintermonaten Dezember, Januar und Februar kaum 10 °C Höchsttemperatur erreicht werden und mitunter mit hartem Frost und starkem Schneefall gerechnet werden muss. Der 20-Jahres-Durchschnitt der Temperatur beträgt 10,9 °C. Der heißeste Monat ist der Juli mit einer Durchschnittstemperatur von 20 °C, der kälteste ist der Januar mit 0 °C. Weitere Angaben siehe unter Karapınar Klima.
Der geringe Niederschlag fällt in den Monaten Oktober bis Mai; Juli, August und September sind extrem trocken; in diesen Monaten fallen durchschnittlich nur 15 mm Regen. Die durchschnittliche jährliche Regenmenge beträgt nach 29 Jahren Messung nur 279,5 mm, wobei die Regenmenge im Laufe der Jahre immer mehr abnahm (2008 nur noch 232 mm) und die Temperaturmittelwerte immer weiter ansteigen. Beim Landkreis Karapınar handelt es sich um das trockenste Gebiet der Türkei.
Der Landkreis ist eine der aktivsten Windzonen in der Türkei; im Mittel weht der Wind mit 3 m/s. Die Winde können bis zu 110 km/h erreichen, so dass vor allem im Norden und Nordwesten regelrechte Sandstürme entstehen können.desire-his.eu
Monat durchschnittl.Windgeschwindigkeitin m/s höchsteWindgeschwindigkeitin m/sJanuar 2,97 27,3Februar 3,21 29,0März 3,36 28,8April 3,31 32,7Mai 2,66 23,1Juni 2,92 23,0Juli 3,23 20,2August 3,09 28,0September 2,46 32,0Oktober 2,34 19,8November 2,61 21,8Dezember 2,86 27,7
Flora und Fauna Flora Die Vegetation ist der trockenen und wüstenähnlichen Bodenstruktur angepasst. Bäume fehlen fast vollständig, Büsche sind selten und klein. Die Hochebenen sind nur schwach bewachsen. Um die starke Winderosion zu stoppen, wurden seit den 1960er Jahren Baumschutzgürtel errichtet, vor allem mit Ölweidengewächsen (Elaeagnaceae), Robinien (Robinia pseudoacacia), Eschen (Fraxinus) und Ahorn; es wurden auch Teesträucher als Windschutz angepflanzt. Als typische Pflanzen wachsen hier der Zahnbürstenbaum (Salvadora persica), Wacholder, Nelken, Lavendel, Wicken, Mariendisteln (Silybum marianum), Königskerzen (Verbascum nudicaule und Verbascum suworowianum), sowie Buchweizen und Thymian. Im Süden sind Salbei (Salvia Cryptantha), Tragant (Astragalus micracophalus), der Alhagistrauch (Alhagi maurorum) und die Schwarzraute (Artemisia genipi) zu finden. Ein weiteres Aufforstungsprogramm findet im Landschaftsschutzgebiet um den Meke Gölü statt.
Fauna Das Gebiet ist ein besonders wichtiges Vogelreservat, es wurde zum Ramsar-Schutzgebiet erklärt. Allerdings ist der Bestand vieler Vogelarten durch die zunehmende Umweltverschmutzung – vor allem durch Plastikabfälle – stark gefährdet. Vor allem an den Hängen des Karacadağ leben zahlreiche Vogelarten wie Turmfalken, Dohlen, Felstauben, Blauracken (Coracias garrulus) sowie die sehr seltenen Adlerbussarde (Buteo rufinus) und Schmutzgeier (Neophron percnopterus).
Wirtschaft Die meisten Bewohner des Landkreises sind in der Landwirtschaft tätig. Angebaut werden vor allem Getreide, Mais, Kartoffeln, Zuckerrüben und Futtermittel, meist mit künstlicher Bewässerung. In den 1950er und -60er Jahren war Karapınar bekannt für seinen Weizenanbau und die Schafzüchtung. Ab 1962 sank jedoch die Produktion wegen der Bodenerosion und -versalzung enorm. Die Viehhaltung ist extensiv; vor allem Schafe und Ziegen. Aufgrund der schlechten Weiden nimmt sie immer mehr ab.
Im Kreiszentrum, der Stadt Karapınar, gibt es keine nennenswerte Industrie; verarbeitet werden Wolle und Baumwolle zu Teppichen, Vorhängen und Stoffen.
Im Nordosten der Stadt entsteht seit 2014 die größte Photovoltaik-Freiflächenanlage der Welt mit einer geplanten installierten Leistung von 4.400 kWp, das Karapınar Yenilenebilir Enerji Kaynak Alanı, YEKA (deutsch ungefähr: Park für erneuerbare Energie in Karapınar).https://www.teknoenerji.com.tr/karapinar-ges/ Die Anlage erstreckt sich auf einer Fläche von 82.500 m² und soll jährlich 7.181.600 kWh produzieren. Die Baukosten stiegen von prognostizierten 1 Milliarde US-Dollar auf mittlerweile über 1,5 Milliarden US-Dollar.https://www.enerjigunlugu.net/karapinar-yenilenebilir-enerji-kaynak-alani-belirlendi-15209h.htm Die erste Einspeisung von Energie aus einem Teilbereich der Anlage begann am 15. Juli 2020.https://www.teknoenerji.com.tr/karapinar-ges/
Erwähnenswerte Bodenschätze sind Salze, Pottasche und Braunkohle. Der Abbau von Salzen und Pottasche – im 19. Jahrhundert noch üblich – ist nicht mehr lohnend. Eine große Anzahl an Mineralien finden sich um Karapınar, vor allem Kali, Blödit Na2Mg[SO4]2·4H2O, Calcit (Ca[CO3]), Eugsterit, Gips (Ca[SO4]·2H2O), Glauberit (CaNa2[SO4]2), Halit („Steinsalz“ NaCl), Nesquehonit (ein Magnesiumcarbonat MgCO3·3 H2O), Sepiolith („Meerschaum“ Mg8[(OH)2Si6O15]2·(4+8)H2O) und Thénardit (α-Na2[SO4]).