mini|hochkant=1.3|Der Nürburgring in seiner befahrenen Version der Nordschleife mini|hochkant=1.3|Alfa Romeo Tipo B/P3 Der VI. Große Preis von Deutschland fand am 17. Juli 1932 auf der 22,810 km langen Nordschleife des Nürburgrings statt. Als Grande Épreuve war er Wertungslauf zur Grand-Prix-Europameisterschaft 1932, obwohl am Ende die tatsächliche Renndauer von etwas weniger als fünf Stunden nicht ganz den Bestimmungen für die offiziellen Grand-Prix-Rennen entsprach.
Das Rennen wurde in drei Gruppen ausgetragen, Gruppe I – das eigentliche Grand-Prix-Rennen – für Fahrzeuge ohne Hubraumbeschränkung über 25 Runden und eine Gesamtdistanz von 570,25 km, Gruppe II für Fahrzeuge über 800 bis 1100 cm³ Hubraum über 23 Runden bzw. 524,63 km sowie Gruppe III für Wagen bis 800 cm³ Hubraum über 19 Runden und 433,39 km.
Sieger in der offenen Grand-Prix-Klasse wurde Rudolf Caracciola auf einem Alfa Romeo Tipo B/P3, den Europameistertitel der Fahrer gewann jedoch sein italienischer Teamkollege Tazio Nuvolari. Die Markenwertung ging an Alfa Romeo.
Rennen 1932 war der Große Preis von Deutschland zum ersten Mal Wertungslauf für die Europameisterschaft. Weil damit insgesamt nur drei Meisterschaftsläufe ausgerichtet wurden, stand nach den beiden Siegen von Tazio Nuvolari mit dem neuen Alfa Romeo Tipo B/P3 „Monoposto“ in den Großen Preisen von Italien und Frankreich die Titelvergabe jedoch vor dem Rennen praktisch bereits fest. Nuvolari wäre nur bei einem Ausfall (bzw. einer Ankunft auf maximal dem sechsten Platz) von seinem Teamkollegen Mario Umberto Borzacchini einzuholen gewesen, die Meisterschaft der Fahrer wie auch die Teamwertung war aber in jedem Fall Alfa Romeo sicher. Klarer Favorit des Publikums war jedoch der dritte Fahrer des Teams, Lokalmatador Rudolf Caracciola, der im Unterschied zu seinen Stallkollegen mit dem extrem schwierigen Kurs bestens vertraut war und hier schon mehrere Erfolge errungen hatte.
Angesichts der Überlegenheit der Alfa Romeo war der Ehrgeiz der beiden anderen Werksrennställe offenbar nicht mehr allzu hoch. So hatte Maserati den eigentlichen Nummer-1-Fahrer Luigi Fagioli zuhause gelassen und nur einen Maserati 26 M für den noch relativ unerfahrenen Nachwuchspiloten Amedeo Ruggeri gemeldet, der einigen Berichten zufolge hier erstmals über einen neuen, auf 3 Liter Hubraum erweiterten Achtzylindermotor verfügt haben soll. Auch Bugatti trat im Rennen nur mit einem Auto an. Das war zum Teil darauf zurückzuführen, dass Achille Varzi kurz vor dem Start wegen eines Augenleidens auf die Teilnahme verzichten musste. Aber auch Ersatzfahrer Albert Divo war nicht zum Start bereit, sodass das Team nur Louis Chiron mit einem Bugatti-Type-51-Vorjahresmodell ins Rennen schicken konnte, das gegen die Alfa Romeo nicht mehr konkurrenzfähig war. Der stärkere, aber deutlich schwerere Type 54 erschien angesichts der anspruchsvollen Streckenführung jedoch noch weniger geeignet.
Neben diesen fünf Werkswagen traten in der Grand-Prix-Klasse außerdem vier Privatfahrer auf ihren Bugatti Type 51 an, die allerdings für den Rennausgang keine Rolle spielten. Um dem Publikum auf dem verhältnismäßig langen Kurs dennoch ausreichend Unterhaltung zu bieten, hatten die Veranstalter des Rennens beschlossen, gemeinsam mit diesem Lauf zwei Rennen für Wagen bis 1,5 bzw. bis 0,8 Liter durchzuführen. Diese Wagen fuhren jeweils über kürzere Distanzen und wurden separat gewertet.
Diese Entscheidung erwies sich schnell als richtig, denn schon nach kurzer Zeit war im Rennen der Grand-Prix-Wagen bereits jegliche Spannung gewichen. Ruggeri hatte seinen Maserati in der zweiten Runde mit Defekt abstellen müssen und brachte nun das Kunststück fertig, in zwei verschiedenen Rennen gleichzeitig anzutreten, indem er auf den in der 1,5-Liter-Klasse gestarteten Vierzylinder-Werkswagen von Firmenchef Ernesto Maserati umstieg. Und auch Chiron mit seinem Bugatti hatte nur zu Beginn des Rennens einigermaßen mit den Alfa Romeo mithalten können, wobei er zwischenzeitlich Borzacchini, der noch nie auf dem Nürburgring gefahren war, von Platz drei verdrängen konnte. In der siebten Runde musste er das Rennen aber wegen eines Hinterachsdefekts aufgeben.
Damit konnten die drei Alfa-Romeo-Fahrer die Entscheidung unter sich ausmachen, denn außer ihnen war nur noch René Dreyfus auf seinem privat eingesetzten Bugatti in dieser Klasse dabei, der am Ende weit abgeschlagen als Vierter ins Ziel kam. Dennoch war das Rennen, jedenfalls für Caracciola, nicht ganz frei von Überraschungen, denn obwohl er hier bei seinem Heimrennen eigentlich gemäß der teamintern vorgegebenen Stallregie als Sieger vorgesehen war, wurde er von Nuvolari attackiert und schließlich überholt. Als Nuvolari dann aber zu seinem planmäßigen Tankstopp an die Box kam, wurde ihm der geplante Rennausgang noch einmal recht unmissverständlich verdeutlicht, indem die Boxenmannschaft das Auto demonstrativ langsam abfertigte und die gewünschte Reihenfolge auf diese Weise wieder herstellte. Das Rennen ging daraufhin ohne weitere Höhepunkte mit dem Sieg Caracciolas zu Ende, wobei die eigentlich für Grandes Épreves vorgeschriebene Mindestdauer von fünf Stunden um etwa 13 Minuten unterschritten wurde. Offenbar hatten sich die Veranstalter bei der Vorgabe der Rundenzahl etwas verkalkuliert und nicht mit einer so großen Steigerung der Durchschnittsgeschwindigkeit gegenüber den vorangegangenen Rennen gerechnet. Da jedoch hierdurch weder der Ausgang des Rennens noch die Vergabe der Europameistertitel an Nuvolari und Alfa Romeo beeinflusst wurde, kam es offenbar deswegen zu keinem Protest.
Ergebnisse Meldeliste Gruppe I – Rennwagen ohne Hubraumbegrenzung Team Nr. Fahrer Info Chassis Motor Reifen 2 Alfa Romeo Tipo B/P3Alfa Romeo 2.6L I8 Kompressor 10 12 14 DNA Wilhelm Merck 4 DNS Mercedes-Benz SSKL Mercedes-Benz M06 RS 7.1L I6 Kompressor RES Whitney Straight 6 DNA Maserati 26M Maserati 2.5L I8 Kompressor 8 Bugatti T51 Bugatti 2.3L I8 Kompressor Pilesi Racing Team 16 Bugatti T51 Bugatti 2.3L I8 Kompressor 30 Bugatti T35B Bugatti 2.3L I8 Kompressor 18 Bugatti T51Bugatti 2.3L I8 Kompressor 20 DNS 22 DNA RES 24 DNS Bugatti T35B Bugatti 2.3L I8 Kompressor 26 Maserati 8C-3000 Maserati 3.0L I8 Kompressor Willy Longueville 28 DNA Bugatti T35B Bugatti 2.3L I8 Kompressor 32 Bugatti T51 Bugatti 2.3L I8 Kompressor Bugatti Team Deutschland DNA Bugatti T49 Bugatti 5.0L I8 Kompressor Dimitri Djordjadze DNA Mercedes-Benz SSK Mercedes-Benz M06 RS 7.1L I6 Kompressor
Gruppe II – Rennwagen bis 1500 cm³ Liter Hubraum Team Nr. Fahrer Info Chassis Motor Reifen 34 DNA Amilcar C6 Amilcar 1.1L I6 Kompressor 36 Delage 15S8 Kompressor Delage 1.5L I8 38 Frazer Nash Meadows 1.5L I4 Kompressor Willi Seibel 40 Bugatti T37A Bugatti 1.5L I4 Kompressor Pilesi Racing Team 42 Bugatti T37A Bugatti 1.5L I4 Kompressor 44 Frazer Nash Meadows 1.5L I4 Kompressor 44 DNA Henry Täuber 46 Alfa Romeo 6C-1500 Alfa Romeo 1.5L I6 Kompressor Émile Dourel 48 DNA Amilcar Amilcar 1.2L I6 50 Bugatti T37A Bugatti 1.5L I4 Kompressor Carl Wagner 52 Bugatti T37A Bugatti 1.5L I4 Kompressor 54 DNA Salmson Salmson 1.1L I4 56 Bugatti T37A Bugatti 1.5L I4 Kompressor 58 Maserati 4CM Maserati 1.1L I4 Kompressor Domenico Ruggero-Rosso Count di Cerami 58 DNA Maserati 4CM Maserati 1.5L I4 Kompressor Graf Stafan Gyulai 60 Alfa Romeo 6C-1500 Alfa Romeo 1.5L I6 Kompressor José Scaron 62 Amilcar MC0 Amilcar 1.3L I6 Kompressor Willy Longueville 64 DNA Bugatti T37A Bugatti 1.5L I4 Kompressor Joseph Zigrand 66 Bugatti T37A Bugatti 1.5L I4 Kompressor Claude Ozannat 68 DNA Bugatti T51A Bugatti 1.5L I8 Kompressor Armand Girod 70 FG Lombard Lombard 1.1L I4 Engelbert von Arco-Zinneberg 72 DNA Amilcar Amilcar 1.1L I6 Bugatti Team Deutschland 74 Bugatti T51A Bugatti 1.5L I8 Kompressor Heinz Risse DNA Bugatti T37A Bugatti 1.5L I4 Kompressor Joseph Reynartz DNA Bugatti Alphonse Evrard DNA Bugatti Principe Demenious Principe Demenious DNA Maserati Maserati 1.5L I4
Gruppe III – Rennwagen bis 800 cm³ Hubraum Team Nr. Fahrer Info Chassis Motor Reifen Gerhard Macher 76 DKW DKW 0.78L I2 78 MG Midget Type C MG 0.75L I4 Mike Milbank Marquis de Belleroche 80 Austin 7 Sports Austin 0.75L I4 82 Austin 7 Sports Austin 0.75L I4 Captain Noakes 84 MG Midget Type C MG 0.75L I4 Fritz Hedderich 86 BMW 3/15 PS DA 3 Typ Wartburg BMW 0.75L I4 88 BMW 3/15 PS DA 3 Typ Wartburg BMW 0.75L I4 90 DNA MG Midget MG 0.75L I4
Startaufstellung Die Startpositionen wurden in der Reihenfolge der vorab zugeteilten Startnummern vergeben.
Rennergebnis Pos. Fahrer Konstrukteur Runden Stopps Zeit Start Schnellste Runde Ausfallgrund EM-Punkte 1 25 1 4:47:22,8 h 1 1 2 25 1 + 31,0 s 3 10:49,4 min 2 3 25 1 + 7:10,2 min 3 4 25 1 + 13:42,2 min 9 4 — 6 DNF 6 Achsbruch 6 — 5 DNF 5 Unfall 6 - — 3 DNF 2 Achsbruch 6 — 2 DNF 7 Motorschaden 6 — 1 DNF 8 Kühlerschaden 6
Rennergebnis Voiturette bis 1,5 Liter Hubraum Pos. Fahrer Konstrukteur Runden Stopps Zeit Start Schnellste Runde Ausfallgrund 1 23 4:54:46,8 h 17 12:21,8 min 2 23 + 12:35,6 min 16 3 23 + 18:59,2 min 19 4 23 + 20:18,6 min 10 5 23 + 20:58,0 min 15 6 23 + 22:50,6 min 22 7 23 + 25:29,2 min 21 8 23 + 26:45,4 min 12 9 23 + 34:24,8 min 13 10 23 + 39:04,2 min 18 — 17 DNF 23 Ausfall — 13 DNF 20 Riss im Zylinderblock — 12 DNF 14 keine Benzindruck mehr — 10 DNF 11 Motorschaden — 4 DNF 24 Achsbruch
Rennergebnis Voiturette bis 0,8 Liter Hubraum Pos. Fahrer Konstrukteur Runden Stopps Zeit Start Schnellste Runde Ausfallgrund 1 19 4:33:29,0 h 29 13:29,0 min 2 19 + 12:31,8 min 31 — 16 DNF 28 Achsbruch — 9 DNF 26 Mechanik — 8 DNF 30 defekte Kurbelwelle — 2 DNF 25 Kolbenschaden — 1 DNF 27 Achsbruch
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