Die Studie Great Transition Herausgeber: ISOE, HGDÖ und SEI; abgerufen im Juli 2014 wurde im August 2002 von der Global Scenario Group (GSG)GSG, abgerufen im Juli 2014 veröffentlicht. Die GSG wurde 1995 vom Tellus Institute und dem Stockholm Environment Institute gegründet und beauftragte eine Gruppe von internationalen Forschern, eine Prognose für die Entwicklung der Welt im einundzwanzigsten Jahrhundert zu erstellen. Das Essay beschreibt jenseits der Gefahr, am gegenwärtigen Scheideweg der Menschheit in die Barbarei abzugleiten, auch die Möglichkeit einer globalisierten Gesellschaft voller Frieden, Freiheit, Solidarität, Wohlstand und intakter Ökosysteme. Die grundlegende Frage „Wie wollen wir leben?“ müsse gemeinsam von der gesamten Menschheit beantwortet werden.

Hintergrund Finanziert wurde die Forschungsarbeit von der Rockefeller-Stiftung, der Nippon Foundation und dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen. Der Titel der deutschen Ausgabe lautet Great Transition – Umbrüche und Übergänge auf dem Weg zu einer planetarischen Gesellschaft.Seite 9, Kapitel Dank Die Herausgeber sind das Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) GmbHISOE web; abgerufen im Juli 2014 und die Hessische Landesstiftung der Heinrich-Böll-Stiftung e.V. (HGDÖ)HGDÖ web; abgerufen im Juli 2014 Am 3. April 2003 wurde die Studie von Paul Raskin in Frankfurt vorgestellt.Eco World Artikel, abgerufen im Juli 2014

Inhalt Einleitung

Die Zukunft ist, wie Karl Popper einmal formuliert hat, immer gegenwärtig, Versprechen, Verheißung und Versuchung zugleich. Die globalen Umbrüche und Übergänge haben längst begonnen. Die planetarische Gesellschaft wird in den nächsten Jahrzehnten Gestalt annehmen, so heißt es in der Einleitung. Weiter wird ausgeführt: Wie diese Gestalt aussehen wird ist völlig ungewiss. Die derzeitigen Tendenzen bestimmen nur die Richtung bei der Abfahrt, nicht das Ziel der Reise. Je nachdem wie ökologischen Konflikte gelöst werden, kann sich die Welt völlig unterschiedlich entwickeln. Leicht drängt sich das Bild einer düsteren Zukunft mit verarmten Menschen, zerstörten Kulturen und einer ausgebeuteten Natur auf ... Aber es muss nicht so schlimm kommen. Die Menschheit zeichnet sich durch Wahlfreiheit und ihre Fähigkeit aus, vorausschauend zu handeln. Wider allen Anschein ist der Übergang zu einer besseren, reicheren Zukunft mit mehr Solidarität unter den Menschen und einer intakten Natur durchaus möglich.Seite 11 - Kapitel: Vorwort zur Original Ausgabe.

Vorwort Nach Überzeugung der Autoren reicht die erste Welle der Nachhaltigkeit, die seit dem Earth Summit, dem Erdgipfel 1992 in Rio de Janeiro Fortschritte erzielt, nicht aus, um alarmierende globale Entwicklungen zu stoppen und umzukehren. Eine zweite Welle muss über die Behelfslösungen und Reformen hinausführen, die bisher die Symptome des nicht-nachhaltigen Wirtschaftens zwar lindern konnten, die eigentliche Krankheit aber nicht beheben. Die Studie fordert ein neues Paradigma der Nachhaltigkeit stellt die Lebensfähigkeit und die Wünschbarkeit konventioneller Wertvorstellungen, Wirtschaftsstrukturen und Gesellschaftsordnungen in Frage und bietet stattdessen die positive Vision von einer zivilisierten Form der Globalisierung, die allen Menschen zugute käme. Das könnte nur Realität werden, wenn sich in Schlüsselbereichen der Weltgesellschaft ein Verständnis für Art und Ausmaß der Herausforderung entwickeln und die Chance, neue Punkte auf die Tagesordnung zu setzen, ergriffen würde. Die Initiative für ein erneuertes, „zweites“ Nachhaltigkeitsparadigma müsste vor allem von vier Akteuren ausgehen: Internationale Organisationen wie den Vereinten Nationen, transnationalen Unternehmen und Vereinigungen engagierter Bürger und Bürgerinnen in Basisbewegungen, zivilgesellschaftliche Organisationen wie z. B. Nichtregierungsorganisationen oder spirituelle Gemeinschaften. Die vierte Kraft ist weniger greifbar, gibt jedoch den Ausschlag. Gemeint ist die wachsame Öffentlichkeit, der die Notwendigkeit von Veränderungen und neuen Werten bewusst ist und die auf mehr Lebensqualität, menschliche Solidarität und ökologische Nachhaltigkeit achtet.Seite 12 - Kapitel: Vorwort zur Original Ausgabe

Wo stehen wir? David Fromkin hat 1998 drei wichtige Makrotransformationen in der Kulturgeschichte der Menschheit identifiziert.Seite 14, Kapitel: Wo stehen wir? Übergang von der Steinzeit zu frühen Hochkulturen ca. 9000 v.Chr bis 1000 n.Chr (Dauer ca. 10.000 Jahre). Übergang von frühen Hochkulturen zur Moderne im Laufe der letzten 1.000 Jahre. Übergang von der Moderne bis zur planetarischen Phase (Dauer ca. 100 Jahre). Nach Auffassung der Autoren befindet wir uns derzeit mitten in dem dritten großen Übergang, der als planetarische Phase der Zivilisation bezeichnet wird. Die Autoren identifizieren folgende Merkmale der vier historischen Epochen der Menschheit:Seite 15, Kapitel: Wo stehen wir? Steinzeit Frühe Hochkulturen Moderne Planetarische Phase Gesellschaftsform Stamm/Dorf Stadtstaat/Königreich Nationalstaat Weltregierung Wirtschaftssystem Jäger und Sammler Ackerbau und Viehzucht Industrielle Produktion Globalisierung Kommunikation Sprechen Schreiben Drucken Internet Die Behauptung, heute nehme die planetarische Phase Gestalt an, will keineswegs die wirtschaftliche Expansion und die wechselseitigen Verpflichtungen früherer Epochen in Abrede stellen. Im Gegenteil, ohne die wachsende Naturbeherrschung und den immer weiter ausgreifenden Herrschaftsanspruch einzelner Nationen wäre die Globalisierung nicht denkbar. Aber im Kern bedeutet der Anbruch einer planetarischen Phase, dass die Eingriffe in die natürliche Umwelt und das Ineinanderverflochtensein der menschlichen Belange qualitativ eine neue Stufe erreicht haben.

Weltbevölkerung und Weltwirtschaft müssen angesichts der begrenzten Ressourcen der Erde demnächst an Wachstumsgrenzen stoßen. Die seit Hunderten von Jahrtausenden ansteigende Komplexität und Ausdehnung von Gesellschaft musste irgendwann die ganze Erde umspannen. Dieses Irgendwann ist jetzt.Seite 18, Kapitel: Wo stehen wir?

Verzweigungen Die Studie geht davon aus, dass der Übergang zur planetarischen Zivilisation begonnen hat, aber noch nicht abgeschlossen, und es sehr darauf ankommen wird, welche Ausprägung / Verzweigungen sie erhält.Seite 20, Kapitel: Wo stehen wir? In den kritischen, vor uns liegenden Jahren wird sich – so behaupten die Autoren – entscheiden, ob wir etwas gegen die sozialen, politischen und ökologischen Gefahren ausrichten und der Hoffnung auf eine kulturell reichhaltige, alle Menschen einschließende, nachhaltige Weltkultur näher kommen oder ob ein Albtraum von Verarmung, Zerstörung und Elend die Zukunft charakterisiert. Angesichts der Geschwindigkeit der planetarischen Transition besteht – nach Meinung der Autoren – dringender Handlungsbedarf, bevor sich einige Optionen endgültig ausschließen – eine irreversible Klimaveränderung, die Sackgasse nicht-nachhaltiger Techniken, der unwiederbringliche Verlust kultureller und biologischer Vielfalt.Seite 23, Kapitel: Wo stehen wir?

Wohin gehen wir? Zukunft im Plural Die Zukunft der Erde sperrt sich aufgrund von drei Unbestimmtheitstypen gegen Vorhersagen: Unkenntnis, Zufall und Willensfreiheit.Seite 25, Kapitel: Wohin gehen wir? Wie können wir angesichts dieser Unbestimmtheit sinnvoll über Zukunft nachdenken? Die Szenariotechnik gibt uns ein Mittel an die Hand, um verschiedene langfristige Entwicklungen durchzuspielen. Im Theater fasst das Szenario die Bühnenhandlung zusammen. Auch Entwicklungsszenarien sind Geschichten mit logischem Aufbau und einer Erzählung über eine mögliche Zukunft. Globale Szenarien – Momentaufnahmen der wesentlichen Merkmale zu verschiedenen Zeitpunkten – beschreiben den Fluss der Ereignisse, die zu solchen zukünftigen Bedingungen führen. Sie stützen sich sowohl auf Wissenschaft – das Verständnis historischer Zusammenhänge, gegenwärtiger Verhältnisse sowie physischer und sozialer Prozesse – als auch auf die Phantasie, um sich alternative Entwicklungen auszudenken. Wir können nicht wissen, was sein wird, aber wir können plausibel und anschaulich schildern, was sein könnte.Seite 26, Kapitel: Wohin gehen wir?

Globale Szenarien Welche Zukunft könnte sich aus den Turbulenzen formen, die unseren Planeten derzeit umtreiben? Um darüber nachzudenken, müssen wir die Fülle der Möglichkeiten auf einige wenige exemplarische Erzählstränge reduzieren und uns auf die wichtigsten Verzweigungen konzentrieren. Deswegen betrachtet die Studie folgende drei Ansätze: Konventionelle Welten Verfall und Barbarei Die Großen Übergänge Für die erste Variante ist das Fortschreiben des Bestehenden charakteristisch, die zweite geht von einem grundlegenden, aber unerwünschten sozialen Umbruch aus und die dritte von einem ebenso grundlegenden, aber erwünschten sozialen Wandel.Für jedes der drei Szenarien definieren wir zwei Varianten und erhalten so insgesamt sechs Szenarien.Indem wir die Konventionellen Welten in Marktkräfte und Politische Reformen unterteilen, legen wir den Finger auf einen in der zeitgenössischen Debatte zentralen Punkt. In dem marktwirtschaftlichen Szenario treibt der offene Wettbewerb auf dem Weltmarkt die Entwicklung voran. Soziale und ökologische Aspekte gelten als sekundär. Im Gegensatz dazu geht das Szenario Politische Reformen von umfassenden, aufeinander abgestimmten staatlichen Maßnahmen zur Armutsbekämpfung und zum Erhalt der natürlichen Umwelt aus.

Auch das pessimistische Szenario Verfall und Barbarei unterteilt sich in zwei Varianten, den totalen Zusammenbruch und die Welt als Festung. Der Zusammenbruch tritt nach einer immer weitere Kreise ziehenden Spirale von Konflikten und Krisen ein, die schließlich außer Kontrolle geraten und sämtliche Institutionen unter sich begraben. Die Welt als Festung wäre die autoritäre Antwort auf den drohenden Zusammenbruch, bei der sich eine privilegierte Minderheit in einer Art globaler Apartheid durch einen Verbund abgeschotteter Enklaven gegen die Zumutungen der verarmten Mehrheit schützt.Die beiden Varianten der Großen Übergänge heißen Öko-Kommunalismus und Neues Nachhaltigkeits-Paradigma. Einen Überblick über die sechs Szenarien vermittelt neben stehende Abbildung, wobei die Pfeile das Verhalten ausgewählter Variablen in der Zeit andeuten.Seite 28, Kapitel: Wohin gehen wir?

Die treibenden Kräfte Ausgangspunkt aller Szenarien, unabhängig vom angenommenen weiteren Verlauf der Geschichte, ist eine Reihe von Kräften und Tendenzen, die das System derzeit bestimmen und vorantreiben.

Demographie Die Bevölkerung wächst, die Besiedlungsdichte steigt, auch das Durchschnittsalter verschiebt sich. Nicht wenige Prognosen nehmen bis 2050 einen Anstieg der Weltbevölkerung um 50 Prozent an. Dann würden sich 3 Milliarden Menschen mehr als derzeit auf der Erde drängen, überwiegend in den Entwicklungsländern. Wenn der Trend zur Verstädterung anhält, werden 4 Milliarden Neubürger in die Ballungsräume ziehen und Infrastruktur, Umwelt und sozialen Frieden auf eine harte Probe stellen.Seite 21, Kapitel: Wohin gehen wir?

Wirtschaft Waren-, Finanz- und Arbeitsmärkte wachsen zusammen, die globale Ökonomie kennt keine isolierten Märkte. Die Fortschritte der Kommunikationstechnologie sowie internationale Verträge zum Abbau von Handelsschranken gaben die Initialzündung zur Globalisierung. Riesige transnationale Unternehmen untergraben nicht zuletzt auch die Hoheitsrechte einzelner Staaten. Nationale Regierungen finden es zunehmend schwieriger, Steuereinnahmen und Staatsausgaben unter Kontrolle zu halten, denn die Entwicklung einer entfesselten Weltwirtschaft entzieht sich ihrem Einfluss.Seite 31, Kapitel: Wohin gehen wir?

Die soziale Frage