Die Flächenformel von Pappus, auch Satz des Pappus genannt, ist ein Lehrsatz der euklidischen Dreiecksgeometrie, der auf den spätantiken Mathematiker Pappus Alexandrinus zurückgeht und welcher von diesem im ersten Kapitel von Buch IV der Mathematischen Sammlungen etwa im Jahr 320 vorgestellt wurde. Die Formel behandelt eine wesentliche Verallgemeinerung des Satzes des Pythagoras und gilt für beliebige Dreiecke, wobei Parallelogramme anstelle der pythagoreischen Quadrate treten.

Formulierung mini|Satz von Pappos für Dreiecke: gestreifte Fläche = karierte Fläche Gegeben sei ein beliebiges Dreieck der euklidischen Ebene . Als Grundseite des Dreiecks sei die dem Eckpunkt gegenüberliegenden Dreiecksseite gewählt.

Über den beiden anderen Dreiecksseiten und , jeweils gegenüber den Eckpunkten bzw. , seien zwei beliebige Parallelogramme und gelegen und dabei sei der Schnittpunkt der beiden Geraden und Die Formulierung Über … bedeutet, dass das jeweilige Parallelogramm mit dem Dreieck nur eine Seite gemeinsam hat, also – ;in diesem Sinne! ;– außerhalb des Dreiecks liegt.Die Reihenfolge der Punkte ist für die Darstellung der Geraden und Strecken unwesentlich. Es ist also für zwei Punkte stets und .

Über der Grundseite liege das Parallelogramm , und dafür sei vorausgesetzt: (1) Die Seiten und seien parallel zur Geraden Eine Strecke ist parallel zu einer gegebenen Geraden genau dann, wenn die Gerade, auf der die Strecke liegt, und die gegebene Gerade parallel sind. (2) Die Seiten , und seien von gleicher Länge: .

Dann gilt: Der Flächeninhalt des Parallelogramms ist gleich der Summe der Flächeninhalte der beiden Parallelogramme und . In Formeln:

Zum Beweisgang mini|Beweis durch Scherung und Verschiebung Der Beweisgang lässt sich so darstellen:Die Darstellung folgt im Wesentlichen der von Alsina und Nelsen (S. 92). Alsina und Nelsen geben an, ihre Darstellung sei wiederum von dem amerikanischen Mathematiker Howard Whitley Eves übernommen. Der Beweisansatz ähnelt dem des Scherungsbeweises des Pythagoreischen Lehrsatzes. Die im Lambacher-Schweizer auf S. 102 zu findende Skizze legt nahe, dass dieser Ansatz zum Beweis der Flächenformel schon früher bekannt war.

Ausgangspunkt ist die Tatsache, dass durch die Gerade eine Aufteilung der euklidischen Ebene in zwei abgeschlossene Halbebenen gegeben ist. ist also in die beiden zugehörigen offenen Halbebenen zerlegt.

Die Schnittmengen dieser beiden Halbebenen mit dem Parallelogramm bilden wiederum zwei Parallelogramme und , welche aufteilen, wobei der Schnittpunkt der Geraden mit der Seite ist und der Schnittpunkt der Geraden mit der Seite .

Mittels Scherung und Parallelverschiebung – in der jeweiligen Halbebene! – sieht man nun, dass flächengleich ist mit und ebenso flächengleich mit .

Dies lässt sich in drei Teilschritten (s. u.) nachvollziehen, wobei die Behandlung der beiden Parallelogramme und vollkommen gleichartig ist.

Auf diesem Wege erhält man dann die gewünschte Identität: .

Darstellung der Teilschritte Anhand des Parallelogramms lassen sich die Teilschritte wie folgt beschreiben:

Teilschritt 1 Innerhalb des von den Geraden und berandeten – also dazwischen liegenden! – abgeschlossenen StreifensGeht man von einer festgelegten Links-Rechts-Orientierung der euklidischen Ebene aus und bezeichnet man für zwei verschiedene parallele Geraden die abgeschlossenen Halbebenen auf der linken Seite mit bzw. , die auf der rechten Seite mit bzw. und nimmt man weiter o. B. d. A. an, so hat der dazwischen liegende Streifen die Darstellung . wird das Parallelogramm in ein flächengleiches Parallelogramm geschert, und zwar derart, dass die Punkte der Seite festbleiben, während der Punkt in den Punkt , der Punkt in den Punkt , die Seite in die Seite und die Seite in die Seite übergehen.

Teilschritt 2 Längs der Geraden und dabei stets innerhalb des von den Geraden sowie berandeten abgeschlossenen Streifens wird das in Teilschritt 1 entstandene Parallelogramm so verschoben, dass ein neues Zwischenparallelogramm entsteht, wobei in und in übergehen.

Teilschritt 3 Innerhalb wird das in Teilschritt 2 entstandene Zwischenparallelogramm in das Parallelogramm geschert, und zwar derart, dass alle Punkte der Seite festbleiben.

Zusammenhang mit dem Satz des Pythagoras Der Satz des Pythagoras ergibt sich, wenn man annimmt, dass erstens das Dreieck rechtwinklig ist mit rechtem Winkel bei , mit Katheten bzw. sowie Hypotenuse und dass zweitens die Parallelogramme und Quadrate sind.

Wie sich dann zeigt, sind die Dreiecke und beide rechtwinklig sowie zum Ausgangsdreieck kongruent und die Gerade fällt mit der Höhengeraden durch auf zusammen. Das Parallelogramm ist daher ein Rechteck und wegen sogar ein Quadrat. Die Flächenformel fällt folglich in diesem Falle mit der pythagoreischen Formel

zusammen. Weiterhin zeigt sich, dass mit dem obigen Beweisgang zugleich auch ein Beweis des euklidischen Kathetensatzes gegeben ist.

Abgrenzung Der hiesige Lehrsatz ist nicht identisch mit dem Großen Satz von Pappus, welcher allerdings ebenfalls auf Pappus Alexandrinus zurückgeht.

Literatur Claudi Alsina, Roger B. Nelsen: Charming Proofs: A Journey Into Elegant Mathematics. Mathematical Association of America, 2010, ISBN 978-0-88385-348-1, S. 77–78 ().

Howard Eves: Pappus’s Extension of the Pythagorean Theorem. In: The Mathematics Teacher, Vol. 51, No. 7 (November 1958), S. 544–546, .

Weblinks

Hans-Jürgen Elschenbroich: Webpublikation. (PDF) MNU

Einzelnachweise und Anmerkungen

Kategorie:Dreiecksgeometrie Kategorie:Geometrie Pappus, Flachenformel von