mini|Stadtgraben und Königsallee im Februar 2019 Der Stadtgraben (auch Kö-Graben) ist ein Gewässer in Düsseldorf-Stadtmitte, welches die Königsallee in zwei Seiten teilt. Für die Überquerung sind drei Brücken vorhanden. Die ursprünglich in diesem Bereich liegenden Schutzgewässer vor den östlichen Festungsanlagen Düsseldorfs wurden nach der Schleifung ab 1802 zu diesem Graben umgebaut. Seine Abmessungen sind: Breite: 32 Meter, Tiefe: 5 Meter und Länge: 580 Meter.Digitalisierte Ausgabe der ULB Düsseldorf Düsseldorfer Geschichtsverein: Festschrift zum 600jährigen Jubiläum von Düsseldorf, S. 380.
Lage mini|Ansicht des Stadtgrabens aus Vogelperspektive von Norden, 2016 Das Gewässer liegt im Zentrum von Düsseldorf östlich von der Altstadt und der Carlstadt. Nördlich endet der Stadtgraben im Tritonenbrunnen an der Theodor-Körner-Straße mit dem Corneliusplatz und im Süden in Höhe der Bahnstraße am Graf-Adolf-Platz vor dem kleinen Park Blumengarten. Für die Wassereinspeisung ist der Graben sowohl über die Landskrone mit der Nördlichen Düssel wie auch über den Schwanenspiegel mit der Südlichen Düssel verbunden. Im Stadtplan von 1854 ist ersichtlich, dass der offene Graben ursprünglich bis in den Bereich des aktuellen Graf-Adolf-Platzes führte. Erst als man in diesem Gebiet die Eisenbahnstrecke vom um 1840 errichteten Bahnhof der Düsseldorf-Elberfelder Eisenbahn bis zum neuen Endbahnhof „Rheinknie“ verlängerte, wurde dieses südliche Ende des Grabens in einen unterirdischen Kanal verlegt.
Geschichte mini|Stadtplan 1854 / Bau- und Nivellements-Plan über die Erweiterung der Stadt Düsseldorf Nach Art. VI des Friedens von Lunéville durfte die Festung Düsseldorf nach einer Räumung durch die französischen Besatzer nicht wieder ertüchtigt werden.Der Frieden von Lunéville, Webseite im Portal lwl.org (Internet-Portal „Westfälische Geschichte“), abgerufen am 2. August 2014 Ab 1802 wurden die noch von den abziehenden Franzosen gesprengten Festungsbauwerke abgetragen und die vorhandenen Schutzgewässer teilweise mit dem dabei anfallenden Bauschutt aufgefüllt. Bis 1805 wurden als Erstes weite Teile des Neuen Hofgartens und die „Hofgartenstraße“ angelegt. Gleichzeitig entstand im Osten der alten Kernstadt eine „Allee außerhalb der Stadt“. Die dort vor dieser neuen Allee liegenden Schutzgewässer wurden in einen breiten und tiefen „Graben“ umgebaut, der „Stadtgraben“ genannt wurde.
Die ersten Pläne für die neuen Anlagen stammten unter der Leitung von Hofrat Georg Arnold Jacobi (1768–1845) von Hofbaumeister Kaspar Anton Huschberger und dem Wasserbaumeister Christian Wilhelm Gottlieb Bauer. Ab 1803 kam noch der Gartenbaumeister Maximilian Friedrich Weyhe hinzu, der für die Parkbereiche zuständig war.Hugo Weidenhaupt: Düsseldorf, Geschichte von den Ursprüngen bis ins 20. Jahrhundert. Verlag Schwann/Patmos, 1988, Band 2, S. 64. ISBN 3-491-34222-8 Um 1806 wurde Huschberger durch Adolph von Vagedes ersetzt. Letzterer war durch Hofrat Jacobi nach Düsseldorf berufen worden.Hugo Weidenhaupt: Düsseldorf, Geschichte von den Ursprüngen bis ins 20. Jahrhundert. Verlag Schwann/Patmos, 1988, Band 2, S. 369. ISBN 3-491-34222-8
Als 1806 König Maximilian I. das Herzogtum Berg an Frankreich abtrat, wurde die Umgestaltung des ehemaligen Festungsbereichs nicht beendet, sondern durch Erhöhung der hierfür zur Verfügung stehenden Gelder noch intensiviert. Unter den Franzosen wurde ab 1811 Georg Arnold Jacobi wieder Leiter der Kommission für den Umbau der Festungsanlagen.Hugo Weidenhaupt: Düsseldorf, Geschichte von den Ursprüngen bis ins 20. Jahrhundert. Verlag Schwann/Patmos, 1988, Band 2, S. 325. ISBN 3-491-34222-8Per Dekret von Kurfürst Maximilian IV. war Hofrat Georg Arnold Jacobi bereits am 2. Januar 1802 zum Leiter der Kommission für den Umbau in der Zeit vor den Franzosen ernannt worden.
Die Umbauarbeiten kamen bei Zusammenbruch des französischen Kaiserreichs ab 1813 zwangsläufig zu einem vorläufigen Ende. Während der ersten Zeit nach dem Machtverlust der Franzosen wurden die verfügbaren finanziellen Mittel zuerst für den weiteren Krieg gegen Napoleon benötigt. Danach waren unter den Preußen durch den Bedeutungsverlust für Düsseldorf, die Stadt war ab 1816 keine Landes- oder Provinzhauptstadt mehr, die finanziellen Mittel weiterhin begrenzt und die Ernährungskrise von 1816/17 verschlimmerte noch die Situation.Hugo Weidenhaupt: Düsseldorf, Geschichte von den Ursprüngen bis ins 20. Jahrhundert. Verlag Schwann/Patmos, 1988, Band 2, S. 350. ISBN 3-491-34222-8 Erst langsam nach Mitte der 1810er Jahre wurde deshalb wieder erneut mit den Planungen für die weiteren Baumaßnahmen im ehemaligen Festungsbereich begonnen.
mini|Die Bastionsbrücke im südlichen Teil des Stadtgrabens Unter Federführung von Maximilian Friedrich Weyhe und dem Stadtplaner Adolph von Vagedes wurde die bereits ab 1802 in Grundzügen entwickelte alte Planung fortentwickelt. Im Detail wurde bis 1819 ein Ring von Parkanlagen mit eingelagerten Teichen um die ehemalige Festungsstadt geplant. Die für den Anschluss dieser Parkanlagen an Stadt und Umland erforderlichen Straßenanpassungen waren ebenfalls Bestandteil des Planes.
Der Gesamtplan enthielt viele Vorschläge von Adolph von Vagedes, der 1816 zum Regierungsrat in der Bezirksregierung Düsseldorf ernannt worden war. Nicht alle seiner Vorschläge wurden später ausgeführt, jedoch hat er die Entwicklung der Stadt in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts stark beeinflusst.Hugo Weidenhaupt: Düsseldorf, Geschichte von den Ursprüngen bis ins 20. Jahrhundert. Verlag Schwann/Patmos, 1988, Band 2, S. 370–372. ISBN 3-491-34222-8 Viele Ideen eines Englischen Landschaftsgartens von Maximilian Friedrich Weyhe wurden dagegen realisiert. Die alte Kernstadt sollte weitgehend von zusammenhängenden Parks mit den eingelagerten Gewässern Landskrone, „Stadtgraben“, Kaiserteich, Schwanenspiegel und Spee’scher Graben umgeben werden.
Bindeglied zwischen Hofgarten und den geplanten Parkanlagen im Süden der Stadt war die auf der östlichen Seite vom Stadtgraben liegende „Allee außerhalb der Stadt“. Diese „Allee“ wurde nach mehreren Namensänderungen Mitte des 19. Jahrhunderts in Königsallee umbenannt. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die westlich vom Stadtgraben liegende Canalstraße bis zum heutigen Graf-Adolf-Platz verlängert und ebenfalls alleeartig ausgebaut. Bis Ende des 19. Jahrhunderts lag hier südlich ab der Benrather Straße das große Kasernengelände mit Exerzierplatz. Östliche Grenze des Exerzierplatzes war der Stadtgraben. Nachdem die Kasernen nach 1900 abgerissen und der Exerzierplatz verlegt worden war, wurde ab 1905 für beide Seiten des Stadtgrabens der Name Königsallee verwendet.Vgl. Plan von der Stadt Düsseldorf mit ihren nächsten Umgebungen, 1819/20 (Ausstellungskatalog Nr. 6.50). In: Wieland Koenig (Hrsg.): Düsseldorfer Gartenlust. Ausstellungskatalog des Stadtmuseums der Landeshauptstadt Düsseldorf zur gleichnamigen Ausstellung, Düsseldorf 1987, S. 116, 117.Karl Bone, in: Düsseldorf und seine Umgebung, 1890, S. 18.Amt für Kommunikation Landeshauptstadt Düsseldorf, in: Porträt der Königsallee, S. 3.Onlinefassung.
Der Entwicklungsplan wurde nach vielen Diskussionen und den dadurch sich ergebenden Änderungen am 4. Juni 1831 von der preußischen Regierung in Berlin per Kabinetts-Order genehmigt. Die Genehmigung betraf den gesamten ehemaligen Festungsbereich ab Sicherheitshafen im Norden der Stadt. Weiterhin waren auch Veränderungen im Bereich der alten Kernstadt und dem Rheinufer enthalten. Soweit privates Eigentum betroffen war, wurden die Besitzer verpflichtet die Ausführung nicht zu verhindern. Hierdurch wurde Düsseldorf bis Mitte des 19. Jahrhunderts zu einer Stadt, die auf der Landseite von einem Grüngürtel mit eingebetteten Gewässern umgeben war. Da die dichtere Bebauung hinter diesem Grüngürtel erst nach Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgte, erhielt die Stadt zu dieser Zeit den Titel „Gartenstadt“.Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf, in: Bauplan der Stadt Düsseldorf Nr. 4442, 1831, Nr. 64, S. 406.
Bis zur Errichtung eines städtischen Abwassernetzes in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die Regenabwässer der Straßen, die im näheren Bereich der Königsallee lagen, in den Stadtgraben abgeleitet. Nach 1874 erfolgte abschnittsweise der Umschluss in das neue Abwassersystem für die Abwässer, die bisher aus dem östlichen Straßenbereichen bis zur Oststraße angefallen waren.Düsseldorf, in: Bericht über den Stand und die Verwaltung der Gemeinde-Angelegenheiten/9.Kanalisation, 1874, S. 138. Onlinefassung
Wie bei allen Stadtteichen musste auch der Stadtgraben und die zugehörigen Schutzgitter im Düsselzu- und -Abfluss regelmäßig gereinigt und entschlammt werden. Weiterhin waren die Uferbereiche gelegentlich zu überarbeiten. Ab Ende der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind entsprechende Kosten in den Etatdaten der Stadt Düsseldorf auch für diesen Bereich angeführt.Beispiel: Haushaltsetat der Stadt Düsseldorf, unter: Sanierung Uferzonen Landskrone 1883/85 S. 149. Onlinefassung
Bis Anfang des 20. Jahrhunderts wurden für alle Stadtteiche einschließlich des Stadtgrabens jährlich die Rechte für den Fischfang versteigert. Weiterhin gab es für die Stadtteiche einschließlich des Stadtgrabens eine „Städtische Ordnungsvorschrift“, nach der im Winter bei ausreichender Kälte, das Eislaufen polizeilich erlaubt wurde.Düsseldorf/Statistisches Amt, in: Bericht über den Stand und die Verwaltung der Gemeinde-Angelegenheiten, 1880–1881, S. 96. Onlinefassung
Sonstiges mini|Girardet-Brücke in der Königsallee Da sich der Stadtgraben mit über einem halben Kilometer Länge über weite Bereiche der Ostseite von der alten Kernstadt erstreckte, waren für den Zu- und Abgang zur Stadt einige Brücken erforderlich. Für den Anschluss der östlichen Gebiete mit der alten Kernstadt wurde bereits 1807 die erste Brücke über den Stadtgraben gebaut, die 1897 wieder abgerissen und durch einen Neubau ersetzt wurde. Diese lag am östlichen Ende der Benrather Straße von der Carlstadt. Bereits vor der Anlegung des Stadtgrabens war in diesem Bereich, seit die Carlstadt angelegt worden war, eine einfache Holzbrücke vorhanden gewesen. Diese überspannte den Wassergraben, der vor der Josephusbastei lag und einen Zugang zum Umland aus der Stadt über die Benrather Straße ermöglichte.Beitrag zur Geschichte des Niederrheins. In: Jahrbuch des Düsseldorfer Geschichtsverein, 1894, 8. Band, S. 258. Onlinefassung
Weiter nördlich wurde um 1811 eine zweite Brücke in Höhe der Königsstraße geplant und gebaut. Der Bau dieser zweiten Brücke konnte erst einige Jahre nach der ersten erfolgen. Grund hierfür war, dass drei Jahre für den Rückbau der Bastion benötigt wurde, die im Bereich des späteren Wilhelm-Marx-Hauses gelegen hatte und deren Reste den Zugang zum Stadtgraben versperrten.Hugo Weidenhaupt: Düsseldorf, Geschichte von den Ursprüngen bis ins 20. Jahrhundert. Verlag Schwann/Patmos, 1988, Band 2, S. 326. ISBN 3-491-34222-8 Für den Bau dieser Brücke wurden neben städtischen Geldern auch private Gelder der Stadtbewohner über eine Klassenlotterie aufgebracht.Otto Reinhard Redlich, in: Die Anwesenheit Napoleon I. in Düsseldorf, 1892, S. 67. Onlinefassung